*Séras Sicht*
Ich war gebrochen. Seit Alex' Anruf war ich nicht mehr dieselbe – nicht die, die ich sein sollte, nicht die, die ich von mir selbst kannte. Es war, als hätte er mit einem einzigen Satz alles in mir zum Einsturz gebracht. Ich aß kaum noch, lebte von Kaffee und Proteinshakes, die ich halb trank, halb stehen ließ.
Dafür trainierte ich exzessiv, stundenlang – nicht, weil ich stärker werden wollte, sondern um zu vergessen, zu verdrängen. Jeder Muskelkater, jede Erschöpfung war mir lieber als der Schmerz, der in mir nagte.
Zu Hause erwartete mich keine Ruhe. Die Launen meiner Eltern schlugen mir entgegen wie eine kalte Wand. Ich war gereizt, sie waren genervt – ein Teufelskreis. Und dann war da noch die Wette. Die verdammte Wette.
Ich hatte gedacht, mit Lando einen Gewinn gemacht zu haben. Zum ersten Mal seit Langem hatte ich mich verstanden gefühlt – wirklich verstanden. Er war sanft, aufmerksam, jemand, der mir zuhörte, wenn alle anderen nur redeten. Bei ihm hatte ich nicht das Gefühl, mich verstellen zu müssen.
Doch jetzt?
Jetzt war alles anders. Ich fragte mich, ob das, was er mir gegeben hatte, überhaupt echt gewesen war. War es Liebe gewesen – oder nur ein verdammt gut gespieltes Spiel?
Ich hatte ihn nicht ausreden lassen. Ich war wütend, enttäuscht, verletzt und ich wollte, dass er das spürt. Also hatte ich ihn aus meinem Zimmer geworfen. Wortlos, mit einem kalten Blick, der mehr sagte als jeder Schrei. Seitdem konnte ich niemanden mehr an mich ranlassen. Kein Teammitglied, kein Max, nicht mal mein Bruder traute sich, mich anzusprechen. Ich hatte Mauern gebaut – hoch, fest, kalt.
Die Einzige, die ich noch zuließ, war Zoey. Sie hatte meinen Zusammenbruch hautnah miterlebt. Ich vertraute ihr. Und Alex – widerwillig vielleicht, aber er kannte mich gut genug, um hinter meine Fassade zu blicken. Zoey fragte oft, wie es mir ging, und ich log jedes Mal. Ich sagte, es sei okay. Aber das war es nicht. Gar nicht.
An der Strecke wurde es nicht besser, im Gegenteil. Die ständigen Fragen der Fans, der Presse, des Teams nagten an meinen Nerven. Ich fuhr solide, ja aber niemand interessierte sich für meine Leistung. Sie sahen nur mein Gesicht, mein Gewicht, meine Augenringe. „Sie sieht schlecht aus." „Ist sie krank?" „Hat sie Probleme mit dem Team?" Die Spekulationen nahmen kein Ende. Christian und Helmut warfen mir skeptische Blicke zu – ich war es gewohnt. Doch als selbst Laura sagte: „Ich kann dir ein paar Interviews kürzen. Du siehst krank aus," traf es mich. Ich machte die Interviews trotzdem. Ich musste mich ablenken, musste funktionieren.
Es fiel mir schwer, nicht ständig rüber zuschauen. Zu ihm. Lando. Seine Blicke verfolgten mich. Traurig, bedrückt. Ich ignorierte sie. Sollte er sich ruhig schlecht fühlen, er hatte mich schließlich verarscht. Charles hingegen war wie immer, derselbe Blick, dasselbe neutrale Gesicht. Anscheinend hatte Alex nicht mit ihm gesprochen. Vielleicht auch besser so.
„Du weißt, dass du nicht so weitermachen kannst, oder?" Zoeys Stimme war ruhig, aber bestimmt, als wir aus dem Media-Pen zurückkamen.
„Ich kann machen, was ich will, Zoey. Die sollen ruhig sehen, dass ich mich nicht unterkriegen lasse." Mein Ton war hart, zu hart vielleicht, aber ich konnte nicht anders. „Séra, du siehst nicht gut aus, okay? Wenn sogar die Presse das merkt, dann ist da was los." Ich schüttelte sie nur ab, wollte nicht hören, was ich längst wusste.
„Séra! Hey, kommst du nachher noch mit in den Spa?," rief Lilly von McLaren mir fröhlich zu. Ich zuckte zusammen. Nicht jetzt. „Ein anderes Mal, Lilly. Ich habe zu tun," antwortete ich, kälter als beabsichtigt. Ihr Lächeln fiel in sich zusammen, und ich wusste, dass es nicht fair war. Landos Familie stand nicht weit entfernt, sie hatten es sicher gehört. Ich ignorierte sie. Ich konnte nicht anders.
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Lights Out
Fanfic"Frauen haben in dieser Welt nichts zu suchen." Diesen Spruch hörte Séra schon seitdem sie ein kleines Mädchen war. Doch das hielt sie nicht auf darum zu kämpfen ihren Traum wahr werden zu lassen. Die erste Frau in der Formel 1 zu werden. Das die...
