2. Epilog

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Die Geräuschkulisse veränderte sich, als wir die McLaren-Garage betraten.

Dumpfes Hämmern, das rhythmische Surren der Schlagschrauber, das metallische Klacken der Helme, die an ihren Haken hingen, es war wie Musik. Wie ein lang vertrauter Herzschlag, der einen sofort wieder in den Modus versetzte, auch wenn man eigentlich nicht mehr fuhr.

Jack lief vorneweg, voller Energie, die kleinen Hände um die orangen Handschuhe gekrallt, die er seinem Vater übergeben wollte wie einen Schatz.

Ich folgte ihm langsamer, ließ den Blick schweifen. Alles war so vertraut und doch war ich heute nur Gast. Nicht Fahrerin. Nicht Konkurrentin.

Sobald wir den inneren Bereich der Box betraten, löste sich Lando aus der Gruppe seiner Ingenieure, sah uns und lächelte.

„Da ist mein Team!," rief er, und Jack stürmte auf ihn zu.

„Papa! Ich hab deine Handschuhe! Und ich hab mit Kimi über Reifenstrategien gesprochen!"

„Oh, dann bist du jetzt mein Renningenieur?" Lando beugte sich grinsend hinunter, nahm ihm die Handschuhe ab und drückte ihn an sich. „Die fühlen sich leichter an, wenn du sie bringst, Kleiner."

Ich lehnte mich an die Wand der Box, direkt neben der Monitorsäule. Kurz darauf hörte ich eine vertraute Stimme.


„Séra!"

Ich drehte mich um, da standen Lando's Eltern: Adam und Cisca.

Adam, mit dem gleichen offenen Lachen wie sein Sohn, trat sofort auf mich zu und nahm mich in eine herzliche Umarmung.

„Wie schön, dich mal wieder hier zu sehen und Jack ist schon ein halber Mechaniker geworden, oder?"

„Ein sehr selbstbewusster Mechaniker," grinste ich. „Er glaubt, er kann die Reifenwahl besser treffen als Pirelli."

Cisca trat neben mich, ihre Augen strahlten, während sie sanft meine Hände nahm.

„Und du...du siehst wunderbar aus, Séra. Ich hab gehört, dass es dir wieder besser geht?"

Ich nickte, leicht gerührt. „Ja, die ersten Monate sind immer etwas turbulent aber jetzt geht es langsam in den Endspurt."

Cisca lachte leise. „Ich erinnere mich. Als Lando geboren wurde, hab ich sechs Monate lang keinen Kaffee mehr trinken dürfen, weil er ihn mir jedes Mal umgestoßen hat."

„Ich glaub, bei Jack kommt das noch."


Wir gesellten uns etwas abseits der Box, während Jack sich zu einem Mechaniker gesellte und begann, eine Radmutter „zu inspizieren". Lando war inzwischen zurück bei seinem Teamchef, aber er warf uns zwischendurch immer wieder Blicke zu, die alles sagten: Bleib da. Ich sehe euch.

„Und wie geht's dir... wirklich?," fragte Adam plötzlich und wurde etwas ernster. „Ich weiß, du sagst, du genießt den Ruhestand, aber...vermisst du es?"

Ich seufzte leise und schaute auf die Strecke hinaus, wo gerade ein anderer Fahrer an der Box vorbeizog.

„Ja. Jeden Tag. Die Kurven, die Konzentration, der Lärm...das alles war mein Leben. Aber..." Ich sah zu Jack, der sich gerade ein Headset überzog. „Das hier ist mein Leben jetzt und das ist kein Verlust. Es ist einfach...eine neue Linie. Nicht mehr geradeaus. Aber wunderschön."

Cisca legte eine Hand auf meinen Unterarm. „Du bist so viel mehr als nur die Titel. Ich hab's immer gewusst und du hast eine Familie aufgebaut, die das auch sieht."




Die letzten Minuten vor dem Rennen waren immer die ruhigsten und zugleich die intensivsten. Das Team war konzentriert, jeder wusste, was er zu tun hatte. In der Garage herrschte plötzlich diese fast ehrfürchtige Stille, die nur vom leisen Knistern der Boxenfunkgeräte unterbrochen wurde.

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