„Komisches Gefühl, wieder hier zu sein, wenn man jemanden managt," lachte Alberto, während wir gemeinsam den Paddock betraten.
Er sah sich kurz um, seine Sonnenbrille locker in der Hand, das Jackett elegant über der Schulter. Es war das erste Mal seit Jahren, dass wir gemeinsam durch die engen Gassen des Fahrerlagers gingen, dort, wo sich Teamchefs, Medienleute, Fahrer, Mechaniker und VIPs wie in einem organisierten Chaos bewegten.
Ich schmunzelte, zog die Luft tief durch die Nase ein. Es roch nach Benzin, Gummi, Sonne auf Asphalt, vertraut, ein bisschen wie Zuhause, aber gleichzeitig...neu.
„Dann wurde es langsam mal Zeit, oder nicht?" Meine Stimme klang leichter als in Monza, fast beschwingt. Die Last, die ich dort noch mit mir herumgetragen hatte, schien plötzlich weiter weg zu sein.
Nach dem Vorfall mit Charles und seiner dämlichen Ansage hatte ich mir Luft gemacht. Nicht nur ihm gegenüber. Ich war zu den Mädels der Academy gegangen, Tina, Emily, Marja und auch Bianca, und wir hatten geredet. Nicht alles ausgesprochen, aber das Nötigste. Und das reichte.
Wir verstanden uns.
Es war kein schwelender Groll mehr da, sondern so etwas wie...Zusammenhalt. Und das fühlte sich gut an.
„Haben die anderen Jungs eigentlich mal was gesagt?," fragte Alberto, der mir einen flüchtigen Seitenblick zuwarf, während wir zwischen Boxengassen-Containern und Hospitality-Zelten Richtung Red Bull-Gebäude gingen.
Ich schob die Sonnenbrille höher auf die Nase, grinste. „Nein. Die halten ihre Klappe." Ein kurzes Lachen entwich mir, ehrlich, fast erleichtert. Alberto hob anerkennend eine Braue. „Eindruck hinterlassen, hm?" „Vielleicht. Oder sie wissen einfach, dass ich sie an die Wand fahren würde, wenn sie was Falsches sagen."
„Dachte ich mir."
Ein paar Journalisten drehten sich zu uns um, manche flüsterten. Ich spürte ihre Blicke, hörte ihre Kameras klicken.
Früher hätte mich das nervös gemacht. Heute hob ich nur das Kinn ein wenig und ging weiter. Der Alltag hatte mich wieder. Aber diesmal war ich vorbereitet. Und ich wusste genau, wer ich war.
Die grellen Lichter der Pressekonferenz blendeten einen Moment lang, als die vier Fahrer, George Russell, Oscar Piastri, Carlos Sainz und ich, die Bühne betraten. Das Sofa war bereits nebeneinander aufgereiht, Mikrofone warteten auf Stimmen, und der Hintergrund prahlte mit den Logos der Sponsoren.
Ich setzte mich neben Carlos, zog das Mikro etwas näher und nahm einen tiefen Atemzug. Der Raum war voll. Journalisten, Kameras, neugierige Blicke.
George lächelte professionell, Oscar rutschte etwas unruhig auf seinem Stuhl hin und her, vielleicht ahnend, dass er heute wieder für eine riskante Aktion auf der Strecke angesprochen werden würde. Carlos lehnte sich entspannt zurück, verschränkte die Arme. Ich hingegen spürte bereits, dass ich heute nicht einfach so davonkommen würde.
Die Fragen begannen harmlos. George wurde über seine Qualifying-Runde befragt, Carlos zu den Upgrades bei Ferrari, Oscar zur Strategieentscheidung. Dann, ganz erwartungsgemäß, drehte sich alles in meine Richtung.
Ein Journalist von Auto Motor und Sport meldete sich.
„Séra, deine Saison verläuft auffällig konstant aber es gibt ein Thema, das viele beschäftigt: Der Unfall in Spa vor einigen Wochen. Du hast dich seitdem kaum dazu geäußert. Kannst du uns sagen, wie es dir damit geht?"
Ich hielt einen Moment inne.
Bilder blitzten vor meinem inneren Auge auf das durchdrehende Auto, das Geräusch von Carbon auf Asphalt, das Flackern der roten Flagge, die Stille in meinem Funk, gefolgt vom aufgeregten Rufen meines Ingenieurs. Ich sah auf das Mikrofon in meiner Hand, dann zurück in die Runde. „Ich lag ja ein paar Tage im Koma und sah auch dementsprechend auch als ich aufgewacht war aus. Also ja darum auch deswegen," meine Antwort war hart. Ein Raunen ging durch den Raum und Laura sah mich sauer an.
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Lights Out
Fanfiction"Frauen haben in dieser Welt nichts zu suchen." Diesen Spruch hörte Séra schon seitdem sie ein kleines Mädchen war. Doch das hielt sie nicht auf darum zu kämpfen ihren Traum wahr werden zu lassen. Die erste Frau in der Formel 1 zu werden. Das die...
