143. Kapitel

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*Landos Sicht*

Wenig später standen wir wieder draußen im Paddock, alle frisch geduscht, zumindest halbwegs runtergekommen vom Rennen. Die Sonne senkte sich über Monaco, der Asphalt dampfte noch, und aus der Ferne hörte man das Klirren von Gläsern aus den VIP-Lounges.

Siegerlächeln, Schulterklopfen, Blitzlichtgewitter, der ganz normale Wahnsinn nach einem Monaco-Sonntag.

Ich wusste das nach der Siegerehrung einiges auf mich wartet und das tat es auch. Insgeheim war ich dann auch froh als es vorbei war. Jetzt hieß es erst einmal Party.


Oscar stand neben mir, in der Hand ein halb geleertes Energy-Getränk, und quatschte mit einem der McLaren-Ingenieure, während ich versuchte, den Medienmarathon zu überleben. Gerade als ich einem Journalisten erklären wollte, wie wir die Strategie gegen Leclerc so perfekt aus gekontert hatten, kam Bewegung in die Menge vor uns.

Und da war sie, meine Freundin. Mit Sonnenbrille auf der Nase, Cap tief ins Gesicht gezogen, aber ihre Haltung sprach Bände. Selbstbewusst, entschlossen und trotzdem...man sah ihr an, dass sie wusste, alle hatten die Szene gesehen.

„Hey, Madame Abkürzung!," rief Oscar grinsend quer über den Paddock. Ich stieß ihm lachend den Ellbogen in die Seite, aber Séra hatte es längst gehört. Der Aussie kann sich auf eine Diskussion gefasst machen.

Sie blieb stehen, zog ihre Sonnenbrille ein Stück herunter und sah uns direkt an.

„Ach, sehr witzig. Ihr steckt nicht vier Runden hinter Williams fest und macht ...was? Nichts! Ich hab wenigstens was getan!" Sie grinste frech und kam direkt auf uns zu.

Ich verschränkte die Arme und hob eine Augenbraue. „Also, ich bin halt lieber auf der Strecke geblieben. Du weißt schon, das Ding mit den Regeln und so."

„Regeln sind Auslegungssache," sagte sie trocken. „Und außerdem: Ich habe vorher gewarnt. Jeff wusste, was kommt."

Oscar prustete los. „Du hast es angekündigt, als würdest du irgendeinen Stunt drehen."

„Und, war's wenigstens effektiv?," fragte ich mit einem Lächeln. Séra sah mich nur schmunzelnd an.

„Freie Fahrt, ein paar gute Runden und fünf Sekunden Strafe. Hat sich gelohnt," sagte sie mit einem Schulterzucken. „Ich hab's wenigstens versucht. Ihr habt brav eure Parade gefahren."

Ich lachte, konnte nicht anders. „Du weißt schon, dass das in jedem Highlight-Video dieser Saison landen wird, oder? Das Manöver wirst du nicht mehr los Phina."

„Perfekt," meinte sie nur. „Dann sehen wenigstens alle, wie viel Geduld ich nicht mehr hatte."



Gerade als Oscar zu einem Konter ansetzte, trat plötzlich Toto Wolff aus dem Mercedes-Motorhome. Er hatte das Funkgerät noch in der Hand, sah zu uns rüber, dann direkt zu Séra. Oh Oh, gleich gibt es ärger.

„Séra!," rief er, halb streng, halb amüsiert. „Wir müssen nochmal über deine Entschuldigungen per Funk reden."

Séra hob unschuldig die Hände. „Ich hab gesagt, es tut mir leid. Vorher. Das zählt, oder?"

Toto schüttelte lachend den Kopf. „Du bist nicht einfach zu handeln, weißt du das? Aber immerhin bist du schnell."

Sie grinste. „Ich bin halt kein Diplomatie-Fahrzeug."

Ich sah sie an, und für einen Moment war klar, egal, wie wild der Move gewesen war, sie hatte Courage gezeigt. Vielleicht war es nicht clever, aber es war mutig und ein Teil von mir, der Rennfahrer-Teil, respektierte das zutiefst.

Lights OutWo Geschichten leben. Entdecke jetzt