*Séras Sicht*
Ich höre ein Piepen. Regelmäßig. Klinisch. Ein Geräusch, das in mein Bewusstsein tropft, wie Wasser in einen leeren Raum. Ich kann es nicht orten. Es kommt von überall und nirgends. Es ist das Erste, was zu mir durchdringt.
Dann: Licht. Grelles, kaltes Licht. Nicht Sonnenlicht. Kein Licht, das wärmt. Sondern Neon. Weiß, steril, künstlich. Es bohrt sich durch meine geschlossenen Lider, blendet mich, obwohl meine Augen noch zu sind. Mein Körper ist da – glaube ich. Aber er fühlt sich nicht wie meiner an. Ich bin in mir selbst eingeschlossen. Eine Art lebender Sarkophag.
Ich versuche zu atmen. Der Brustkorb hebt sich schwer. Irgendetwas zieht. Es riecht nach Desinfektionsmittel, Plastik, Blut. Mein Mund ist trocken. Sandig. Ich spüre einen Schlauch in meiner Kehle – oder bilde ich mir das ein?
Ich will schreien. Ich kann nicht.
Wo bin ich?
Eine Stimme. „Séra?" Gedämpft. Weiblich. Ruhig. Kontrolliert. „Wenn Sie mich hören können, blinzeln Sie bitte einmal."
Die Welt bewegt sich plötzlich in Zeitlupe.
Blinzeln. Ich muss blinzeln.
Ich schicke den Befehl. Erst zögert mein Körper. Dann – ja. Ein winziger Reflex. Licht bricht über mich herein. Und gleichzeitig überflutet mich etwas anderes. Nicht Licht. Nicht Wärme.
Panik.
Mein Herz hämmert. Der Monitor neben mir beschleunigt. Ich höre es, ich höre es deutlich. Ich bin da. Ich bin wieder da. Aber ich weiß nicht, wo.
Ich will den Kopf drehen. Meine Muskeln weigern sich. Jeder Atemzug schmerzt. Ich sehe verschwommen eine Decke über mir. Weiß. Neonlichter. Ich liege flach. Krankenhaus. Intensivstation?
Was ist passiert?
Dann – ein Riss. Ein Geräusch. Keine Erinnerung, sondern ein Aufschrei in meinem Hirn.
Spa.
Ich sehe das Auto. Ich sitze darin. Cockpit. Ich bekam Panik. Die Bremse und das Gas funktionieren nicht mehr. Alles schien zu klemmen.
Das Heck bricht aus. Ich lenke gegen. Zu viel. Ich verliere das Auto. Ein Schrei – meiner – in meinem Helm. Dann nur noch: Stille. Aufprall. Schwärze.
Die Bilder jagen durch meinen Kopf wie Messer. Ich zucke. Oder will zucken. Der Schmerz in meiner linken Schulter ist wie Feuer. Ich habe gebrochen – etwas. Rippen? Schlüsselbein?
Dann Lando.
Nicht das Gesicht von vor dem Crash. Nicht der Lando an der Box. Sondern der Lando davor. Der Lando in Monaco. Wie er vor mir stand, die Kappe tief im Gesicht, das typische Lächeln nur halb da. Wie er die Hand ausstreckte, vorsichtig, unsicher. Ich war es, die den Abstand überbrückte.
Ich hatte ihm alles gegeben. Mich. Mein Vertrauen. Meine Daten. Meine Zeit. Meine Schutzschicht.
Weil ich glaubte, er wäre anders.
Ich erinnere mich, wie er mit Charles wettete. Öffentlich. Halb im Scherz. Sie haben um mich gewettet. Wer mich als erstes rumbekam. Sie lachten. Die Journalisten lachten.
Aber ich lachte nicht.
Ich wusste, dass es für Lando mehr war. Nicht wegen Charles. Sondern wegen mir.
Ich war das, was er gewinnen wollte. Oder verlieren. Und ich ließ es zu.
Das Red Bull-Team war damals schon angespannt. Max dominierte. Ich war nur die, die Max half um erfolgreicher zu werden.
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Lights Out
Fanfiction"Frauen haben in dieser Welt nichts zu suchen." Diesen Spruch hörte Séra schon seitdem sie ein kleines Mädchen war. Doch das hielt sie nicht auf darum zu kämpfen ihren Traum wahr werden zu lassen. Die erste Frau in der Formel 1 zu werden. Das die...
