129. Kapitel

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Es war wild. Es war krass und es war so viel mehr. Ein Schritt, der mein Leben für immer verändern würde. Ich hatte in dieser Saison alles gegeben. Ich hatte gekämpft, geschwitzt, gezweifelt und am Ende bewiesen, dass ich das Zeug dazu hatte. Ich hatte Mercedes gezeigt, dass ich es wert war, nächstes Jahr in einem ihrer silbernen Boliden zu sitzen.

Das spiegelte sich auch in meinen Ergebnissen wider. Jedes Rennen war eine Botschaft gewesen. Jede Sekunde auf der Strecke ein stiller Beweis meiner Entschlossenheit.



Und nun stand ich hier. Das letzte Rennen der Saison. Abu Dhabi. Das letzte Rennen für Red Bull. Ein letztes Mal die blauen Farben tragen. Ein letztes Mal im vertrauten Teamfunk zu hören: "Box this lap." Und dann...war es vorbei. Am Montag würde ein neues Kapitel beginnen. Ab Montag trug ich nicht mehr die Farben von Red Bull. Ab Montag war ich ein Mercedes-Fahrer.

„Bereit? In ein paar Sekunden wird es öffentlich gemacht," murmelte Alberto neben mir. Seine Stimme klang ruhig, fast beiläufig aber ich wusste, was wirklich dahintersteckte. Spannung. Erwartung. Stolz.

Meine Mutter und meine Großeltern waren schon vorgegangen. Ich atmete tief durch. Mein Herz klopfte bis zum Hals. „Etwas nervös," gestand ich mit einem kleinen Lächeln, „aber ja... ich bin bereit."

Wir setzten uns in Bewegung.

Ich erinnerte mich an Opas Reaktion, als ich ihm von meinem Wechsel erzählt hatte. Seine Augen hatten gestrahlt, als hätte ich gerade ein ganzes Rennen nur für ihn gewonnen. Er war stolz gewesen. Stolzer, als er es mit Worten je hätte ausdrücken können. Und Mama? Sie hatte einen Moment gebraucht, um es zu realisieren.

„Mercedes? Du...bei Mercedes?," hatte sie wiederholt, als ob sie sicherstellen wollte, dass sie sich nicht verhört hatte.

Sie waren die einzigen, die es wussten. Nicht einmal Aron, mein eigener Bruder, wusste es. Nicht einmal Papa. Aber sie würden es jetzt erfahren. Zusammen mit der ganzen Welt.

Ich setzte einen Fuß vor den anderen, fest, entschlossen. Ich senkte den Kopf nicht. Ich versteckte mich nicht. Dies war mein Moment. Mein Schritt in die Zukunft. Meine Entscheidung und ich stand voll und ganz dahinter.

„Es ist öffentlich. Also mach dich auf eine Welle bereit," sagte Alberto, kurz bevor wir durch den Eingang traten. Ich nickte stumm.

Ein Meer aus Kameras, Scheinwerferlicht, Stimmen und Bewegung. Showtime.




*Landos Sicht*

Das letzte Rennen der Saison. Unser letzter Versuch, uns den Teamtitel zu sichern. Wenigstens einen Titel, nach all den Rückschlägen, dem harten Training, den endlosen Meetings und Stunden im Simulator. Wir hatten alles gegeben, jeder einzelne im Team und doch saß ich jetzt hier, mit dem nagenden Gefühl des Versagens.

Ich hatte es verbockt. Ich hätte Max einholen können. Nein, ich hätte es müssen. Ich kannte meine Pace, ich wusste, was unser Auto leisten konnte. Wir hatten es mehr als einmal bewiesen. Und trotzdem... ich hatte gezögert.

Vielleicht nur für einen Moment aber das reicht im Motorsport. Sekundenbruchteile entscheiden zwischen Triumph und Enttäuschung. Und diesmal hatte ich auf der falschen Seite dieser Grenze gestanden.

Die Box war in gedämpftes Licht getaucht, draußen kündigte sich langsam die Dämmerung an. Das Summen der Vorbereitungen lief im Hintergrund: das Klicken von Werkzeugen, das leise Murmeln der Ingenieure, das rhythmische Surren der Reifenwärmer.

Lights OutWo Geschichten leben. Entdecke jetzt