134. Kapitel

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Lando hatte Recht gehabt. Ich stand im Fokus und das nicht gerade dezent. Es war, als hätte sich ein riesiger Scheinwerfer auf mich gerichtet, seit dem Moment, in dem wir im neuen Team angekommen waren.

Doch anstatt einer sanften Eingewöhnung ging es direkt ans Eingemachte. Keine Schonzeit, keine langsame Integration, wir waren mitten drin.

Toto war die Erleichterung förmlich ins Gesicht geschrieben, als er sah, wie gut ich mich mit dem jungen Italiener verstand. Es war ihm wichtig, das spürte ich. Vielleicht mehr, als er selbst zugeben würde.

Trotzdem war ich gespannt, wie sich das Zusammenspiel auf der Strecke entwickeln würde. Denn so gut man sich auch außerhalb des Cockpits verstand, am Ende zählten Rundenzeiten, Strategie und Nervenstärke.

Ich kannte Kimi schon seit seinen ersten Tagen in der Formel 3. Wir hatten damals alle noch Träume in unseren Augen und Benzin im Blut, aber keinen blassen Schimmer davon, wie steinig der Weg werden würde.

Die Jungs aus der italienischen Nachwuchsliga waren immer etwas zugänglicher gewesen als die späteren Formel-1-Kollegen. Zwischen uns hatte sich schon früh eine ehrliche Freundschaft entwickelt, frei von Konkurrenzdenken und Statussymbolen.



„Ich finde das alles immer noch etwas surreal," sagte Kimi auf Italienisch und fuhr sich mit der Hand durch die Haare. Seine Stimme war gedämpft, fast nachdenklich.

Wir saßen noch im Konferenzraum, die erste technische Besprechung war gerade vorbei, und nun lag eine stille Pause über dem Raum, die nur vom Summen der Klimaanlage unterbrochen wurde.

Ich nickte und blickte kurz zu ihm rüber. „Du meinst, dass du jetzt in der Formel 1 fährst?," fragte ich, obwohl ich die Antwort längst kannte.

„Nicht nur das," erwiderte er. „Ich liebe es, hier zu fahren, keine Frage. Aber erinnerst du dich noch an diesen Abend, als Olli meinte, wie cool es wäre, wenn einer von uns dich mal als Teamkollegin hätte?"

Ich lächelte bei der Erinnerung. „Ja, klar erinnere ich mich. Das war das erste Mal, dass wir uns überhaupt getroffen haben, oder?"

Kimi grinste leicht. „Genau. Und jetzt sitzen wir hier, in der Realität dieser verrückten Idee."

Er lehnte sich zurück und sah mich mit ernster Miene an. „Ich geb's ehrlich zu, ich war traurig, als George das Team verlassen hat. Aber dich jetzt an meiner Seite zu haben, ist echt etwas Besonderes. Du siehst die Dinge anders als wir Jungs, dein Blick auf das Rennen, die Technik, die Politik...das ist manchmal richtig erfrischend. Und ehrlich gesagt, auch ziemlich klug."

Ich senkte den Blick auf die Papiere, die vor uns auf dem Tisch lagen – Strategieübersichten, Zeitpläne, technische Analysen. Die ganze Last dieser neuen Rolle spiegelte sich in diesen Dokumenten wider.

„Der Druck ist enorm," murmelte ich, mehr zu mir selbst als zu ihm.

Kimi nickte ernst. „Zwei junge Fahrer, ein Rookie, und dann auch noch du, eine Frau in einem der härtesten Teams der Formel 1. Natürlich ist der Druck riesig."

Ich seufzte und fuhr mit dem Finger eine der Tabellen nach. „Toto hätte uns nicht ausgewählt, wenn er nicht überzeugt wäre, dass wir beide das Zeug dazu haben, das weiß ich. Aber ich glaube, das Ganze ist größer als nur unser Talent. Es geht um mehr. Die neuen Reglements ab 2026, der öffentliche Druck, Diversity-Initiativen, neue Sponsoreninteressen...ich glaube, wir sind Teil eines größeren Spiels."

Kimi runzelte die Stirn, aber seine Augen zeigten, dass er verstand. „Meinst du, wir sind politische Figuren in einem strategischen Schachspiel?"

Ich zuckte mit den Schultern. „Vielleicht. Aber selbst wenn, ich habe nicht vor, ein Bauer zu sein. Wenn ich schon mitspiele, dann will ich eine der Figuren sein, die das Spiel verändern."

Lights OutWo Geschichten leben. Entdecke jetzt