68. Kapitel

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Das Dröhnen der Musik vibrierte durch den Boden, während die Bässe die Luft zerschnitten wie heiße Messer durch Butter. Die Nacht in Miami war tropisch, durchtränkt vom Duft salziger Meeresbrise, Benzin und Siegesrausch. Die Palmen schwangen leicht im warmen Wind, als das Feuerwerk über der Bucht explodierte und der Himmel in violettes, goldenes und türkisfarbenes Licht getaucht wurde.

Ich lehnte an der Balustrade der Dachterrasse, ein halbvolles Glas Ginger Ale in der Hand, und beobachtete das Treiben unter mir. Unten am auf der Tanzfläche, tanzten Leute, lachten, schrien, badeten in Champagner und Euphorie. Überall glänzten funkelnde Outfits, schimmernde Sonnenbrillen, das Klicken von Kameras und das Klingen von Gläsern.

Und in der Mitte all dessen – Lando.

Er war kaum zu übersehen, umringt von Freunden, Fahrern und Fremden, die jetzt alle seine besten Freunde sein wollten. Lando hatte heute endlich seinen allerersten Grand Prix gewonnen – und das nicht irgendwo, sondern in Miami. Es war ein spektakuläres Rennen gewesen. Kaum jemand hatte wirklich mit ihm gerechnet. Nicht auf dieser Strecke. Nicht gegen Verstappen oder Leclerc.

Aber er hatte es geschafft. Und er hatte es stilvoll geschafft.

Ich lächelte leicht. Es war unmöglich, sich nicht für ihn zu freuen. Selbst Max hatte anerkennend genickt, was bei ihm in etwa so viel war wie eine herzliche Umarmung. Ich wusste auch wenn er sich für den McLaren Fahrer freute. Er war trotzdem etwas sauer auf sich selbst.



„Du feierst aber ziemlich still für jemanden, der sein Team auf dem Podium gesehen hat," die Stimme hinter mir war sanft, aber mit dem gewissen Timbre, das ich sofort erkannte. Ich drehte mich nicht um.

„Ich feiere auf meine Art, Charles und das ist gerade etwas ruhiger," warf ich nur ein.

„Ah, die mysteriöse Séra-Art," grinste er mich an. Jetzt trat er neben mich, sein Glas mit etwas Bernsteinfarbenem in der Hand. Wahrscheinlich Whiskey. Typisch. „Was geht dir durch den Kopf?," war das eine ernst gemeinte Frage von ihm?

Ich hatte nichts im Kopf. Ich genoss einfach die Party die sich hier ergab.

Ich musterte ihn kurz aus dem Augenwinkel. Dunkle Jeans, Hemd und verwuschelte Haare und natürlich das markante Leclerc-Lächeln, das so viele Frauen schwach werden ließ.

„Der Wagen hatte einfach keine Power mehr und ich verstehe nicht wieso," so viel wollte ich auch nicht verraten.

Er lachte. „Du bist heute vierte geworden. Bei dem Chaos da vorne war das fast ein Wunder," sein Satz ließ mich aufschauen.

„Wunder? Danke Leclerc ehrlich," sagte ich etwas schärfer.

Charles prostete mir zu. „Und genau deshalb bist du bei Red Bull."

Ich sah ihn diesmal direkt an, mein Blick klar, aber kühl. „Versuchst du gerade mit meinem Ehrgeiz zu flirten?," wieso kann er es nicht einmal lassen. Charles sah zwar gut aus aber er war definitiv nicht mein Typ.

Mein Typ stand nämlich gerade umringt von der Menge und ließ sich feiern. Er zuckte gespielt unschuldig mit den Schultern. „Darf ich nicht einfach neugierig sein? Du bist... faszinierend," ich konnte das Grinsen in seinem Gesicht klar und deutlich erkennen.

„Du findest alles faszinierend, was einen Helm tragen kann und halbwegs schnell fährt," konterte ich nur. Charles grinste. „Falsch. Ich finde dich faszinierend. Das ist ein Unterschied," er kam mir etwas näher.

Ich schnaubte leise und nahm einen Schluck aus meinem Glas. Es prickelte angenehm auf der Zunge. Keine Spur von Alkohol. Ich wollte einen klaren Kopf behalten – wie immer.

Lights OutWo Geschichten leben. Entdecke jetzt