145. Kapitel

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*Ein paar Tage später*

Brackley begrüßte mich wie immer: grau, kühl, effizient. Die Hallen des Mercedes HQ waren mein zweites Zuhause geworden, aber heute fühlte sich selbst der Empfangsbereich fremd an. Jana wartete dort bereits, ihr Tablet wie immer an die Brust gedrückt, das blonde Haar streng nach hinten gebunden. Ihre Miene? Unheilvoll neutral.

„Du hast drei Minuten," sagte sie knapp, kaum dass ich durch die Tür trat.

Ich blieb abrupt stehen. „Drei Minuten wofür genau? Ich dachte, ich hätte heute frei?"

Sie lächelte nicht. „Toto hat ein Meeting kurzfristig einberufen. Es geht um...gewisse Entwicklungen." Sie sprach das Wort mit einem Tonfall aus, der irgendwo zwischen du weißt genau, was ich meine und jetzt wird's ernst lag.

Hatte ich etwas verbrochen? Ich dachte wir hätten das Monaco Dilemma schon geklärt?

Ich wollte gerade protestieren, vielleicht mit einem kleinen, dramatischen Ich hab diesen Tag zum Regenerieren gebraucht!, doch sie ließ mir keine Gelegenheit.

„Glaub mir," murmelte sie leise, während sie mich den Flur entlang drängte. „Du willst nicht, dass sie auf dich warten."

Sie? Mein Magen verkrampfte sich. Was hatte das den alles zu bedeuten?

Jetzt sah ich die Tür zum Konferenzraum. Geschlossen. Groß. Und sehr, sehr einschüchternd.

„Jana ...," begann ich.

„Atme. Du wirst es gleichsehen," sagte sie nur und klopfte an.



Als sie die Tür zum Konferenzraum öffnete, trat ich ein und alles in mir wurde schlagartig still. Denn mein Teamchef war nicht alleine. Fuck und das nicht mit irgendwelchen Sponsoren oder Teammitgliedern.

Toto saß ganz am Ende des Tisches, neben ihm kein geringerer als Zak, Zak Brown und neben ihn mein Freund. Lando.

Mir blieb fast die Luft weg. Mein Magen drehte sich um. Ich hätte auf der Stelle rückwärts aus dem Raum stolpern können.

Lando sah mich an, als hätte er gehofft, ich würde nicht erscheinen. Als könnte er mich beschützen, wenn ich es nicht mit eigenen Augen sah.

Aber jetzt war ich hier und der Schlag traf mich voll. Scheiße was soll das den jetzt heißen?

„Setz dich, Séra," sagte Toto, ruhig, beinahe zu ruhig. Seine Stimme war nicht laut, aber sie ließ keinen Widerspruch zu.

Ich bewegte mich wie ferngesteuert auf den freien Stuhl zu, direkt gegenüber von Lando.


Er sah mich nicht mehr an. Starrte auf den Tisch, als wäre das Holz plötzlich interessanter als alles andere im Raum. Seine Finger waren miteinander verschränkt, die Knöchel angespannt weiß.

Ich konnte das Ticken der Uhr an der Wand hören. Oder war das mein Herz?

Ich schluckte. Ich hatte keine Ahnung, was gleich passieren würde. Aber ich wusste jetzt schon: Wir waren aufgeflogen. Warum sonst sollten Toto, Zak und auch noch Lando in einem Raum mit mir sein. Ein Werbevideo? Sicherlich nicht.

Und das Schlimmste daran? Es gab keine Beweise. Keine Paparazzi-Fotos. Kein Video. Kein Statement. Nur unsere Blicke. Unsere Nähe. Unser unausgesprochenes Wir.

Woher würden sie es sonst wissen? Wir hatten es doch immer so gut verstecken können. Oder etwa doch nicht?

Zak war der Erste, der das Schweigen durchbrach. Er klang bemüht sachlich. Fast zu freundlich.

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