Das Podium leerte sich langsam.
Die Hymnen waren verklungen, die Champagnerdusche verklatschte noch auf dem Teppich unter unseren Füßen, während die Fotografen sich die letzten Bilder holten.
Ich stand kurz allein dort oben, die Trophäe in der Hand. Sie glänzte im Licht, schwer, echt, real.
Mein Name das bald in das goldene Metall eingraviert war.
Ich wusste das ich mich davon nicht drücken konnte. Vor allem seit ich über diese verdammte Ziellinie gefahren bin. Die Kameras, das Blitzlicht, das Mikrofon. Die Pressezone wartete und ich war bereit.
Erstes Interview, F1 TV. Der Moderator reichte mir das Mikro. „Séra Rosenberg-Bianchi, Weltmeisterin 2026. Das klingt doch verdammt gut, oder?"
Ich atmete tief ein. „Es...fühlt sich immer noch wie ein Traum an. Ich kann's kaum fassen. Es war ein unglaublich hartes Jahr. Aber wir haben nie aufgegeben."
„Du bist mit Mercedes in deine zweite Saison gegangen, viele haben dich als Außenseiterin gesehen, zumindest zu Beginn. Jetzt stehst du ganz oben. Was macht dich am meisten stolz?"
Ich sah kurz zu meinem Team, zu Lando, zu meiner Box. „Dass ich mir selbst treu geblieben bin. Ich hab so viele Tiefen erlebt, Zweifel, Druck, Leute, die mich klein reden wollten. Aber ich bin immer wieder aufgestanden und ich hatte Menschen um mich, die an mich geglaubt haben, selbst wenn ich es nicht tat."
„Und einer dieser Menschen scheint auch Lando Norris zu sein, er war einer der ersten, der dir im Parc fermé gratuliert hat."
Ich lächelte. „Lando...ja er ist einer der Gründe warum ich hier nun stehe, auch wenn wir vom Gegnerischen Team sind, sowie andere Fahrer, sie sind mir alle an Herz gewachsen. Ohne sie, ohne meine Familie und ohne mein Team, wär ich heute nicht hier."
ZDF / Sky Germany, kurze Schalte mit österreichischer Flagge im Hintergrund. „Séra, das ist das erste Mal seit Jahrzehnten, dass eine Österreicherin den WM-Titel holt nach Niki Lauda und dann noch als Frau. Wie fühlt sich dieser Moment an?"
Ich lächelte, diesmal ein wenig schüchtern. „Es ist unglaublich. Ich hoffe, ich kann damit auch ein Zeichen setzen, für alle kleinen Mädchen, die kartfahren und denken, dass sie in dieser Welt keinen Platz haben. Ihr habt ihn. Mehr als je zuvor."
„Du hast vor zwei Jahren fast alles verloren, Red Bull ließ dich gehen, du wurdest unterschätzt. Heute bist du Champion. Was würdest du deinem Jüngeren Ich sagen?"
Ich hielt kurz inne. Dann: „Ich würd ihr sagen: 'Halt durch. Vertrau dir. Und wenn andere dich bremsen wollen, gib Gas.'"
Nach den Interviews, nach den Champagnerduschen und Siegerehrungen, hatte sich der Trubel ein wenig gelegt. Die Boxengasse war noch hell erleuchtet, doch das Gröbste war vorbei. Ich stand abseits, den Overall halb geöffnet, den Blick auf das Flimmern der Strecke gerichtet.
Mein Atem war ruhiger geworden, aber mein Herz raste immer noch, nicht vom Rennen, sondern vom Gewicht des Moments.
Ich hörte Schritte. Ruhig. Bestimmt.
Toto.
Er kam langsam auf mich zu, nicht wie ein Teamchef, sondern wie jemand, der gerade eine Geschichte zu Ende gelesen hatte und sie langsam in sich aufnahm.
Er blieb neben mir stehen, verschränkte die Arme vor der Brust, sah jedoch nicht sofort zu mir. Sondern dorthin, wo ich eben noch Weltmeisterin geworden war.
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Lights Out
Fanfiction"Frauen haben in dieser Welt nichts zu suchen." Diesen Spruch hörte Séra schon seitdem sie ein kleines Mädchen war. Doch das hielt sie nicht auf darum zu kämpfen ihren Traum wahr werden zu lassen. Die erste Frau in der Formel 1 zu werden. Das die...
