144. Kapitel

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„Ein entspannter Tag mit den Mädels", hatte Lando gesagt, mit diesem unschuldigen Grinsen, das immer sofort verdächtig war. „Den hättest du dir verdient."

Und ja, in der Theorie klang das nach einem Traum. Sonne, das türkisfarbene Wasser der Côte d'Azur, teurer Rosé aus Flaschen, die garantiert mehr kosteten als mein erstes Kart und dazu sechs Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber gemeinsam regelmäßig mehr Chaos verbreiten als ein Boxenstopp mit defektem Schlagschrauber.


Wir lagen verteilt auf den Liegen auf Max' absurd großer Yacht. Kika hatte sofort den lautesten Platz für sich beansprucht, halb unter einem Sonnenschirm, halb auf Kellys Bein gestützt.

Alex schlummerte irgendwo hinten in der Ecke, zugegeben, nach der letzten Nacht konnte man ihr das nicht übelnehmen.

Da hatte jemand etwas zu tief ins Glas geschaut und war auch eventuell bei Charles zuhause gelandet.

Carmen reichte uns regelmäßig gekühlte Früchte, als hätte sie heimlich Stewardess gelernt, während Lily M. in einer Mischung aus Empörung und dramatischer Theatralik fast vom Deck gefallen wäre.



„Séra, SEID IHR BESCHEUERT?!"

Der Satz hallte wie ein Donnerschlag über das offene Wasser.

Ich rieb mir die Schläfen, setzte meine Sonnenbrille wieder auf und versuchte, nicht komplett zu explodieren.

„Ich weiß, okay? Ich weiß, es war...nicht geplant."

„Nicht geplant?!," mischte sich jetzt auch Kika ein, ihre Stimme mindestens zwei Oktaven höher als üblich. „Ihr habt euch auf der Party, vor Leuten, vor Fans geküsst und nicht mal flüchtig, sondern so richtig romantisch mit Stirn-an-Stirn-Scheiß!"

Kelly nickte schweigend, während sie sich ein Stück Ananas in den Mund schob. Selbst sie, die sonst stoisch blieb wie Verstappen im Qualifying, sah mich mit hochgezogenen Brauen an.

„Gott sei Dank," murmelte Carmen halb ironisch. „Hat es keiner mit einer Kamera eingefangen. Oh man ihr wolltet es doch noch so lange wie möglich geheim halten."

„Außer uns," fügte Lily Z. mit einem Grinsen hinzu und hielt ihr Handy hoch. Ich erstarrte. „WAS?!"

„Keine Sorge," sagte sie seelenruhig. „Nur für private Zwecke. Fürs Archiv. Vielleicht eine Collage zur Hochzeit die irgendwann von euch stattfindet."

„Oh mein Gott," stöhnte ich und ließ mich rücklings auf die Liege fallen, einen Arm übers Gesicht gelegt. „Ich hatte einiges an Getränken im Blut, okay und Lando auch und dann standen wir da, und es war leise, und er hat mich angeschaut wie...wie ..."

„Wie ein Golden Retriever, der gerade rausgefunden hat, wo du den Käse versteckst?," schlug Kika vor. Alle sahen sie an, wussten nicht ob sie lachen sollten über den Witz oder ernst bleiben sollten, bis Carmen das Schweigen brach.

„Wie jemand, der wirklich verliebt ist," sagte Carmen leise, fast zu leise und plötzlich wurde es still.

Alle sahen mich an.

Ich zog die Sonnenbrille ein Stück herunter. Mein Herz klopfte schneller, als ich zugeben wollte.

„Es war echt," sagte ich schließlich.

„Zu echt und ich weiß, dass es dumm war. Weil jetzt reicht ein einziger Blick von einem Fan, ein Kommentar von Sky, und es geht los. Artikel, Spekulationen, Schlagzeilen."

Lily M. seufzte. „Und was ist schlimmer, das Gerede? Oder dass du's vielleicht nie gezeigt hättest, wenn's nicht passiert wäre?"

Ich antwortete nicht sofort.

Lights OutWo Geschichten leben. Entdecke jetzt