Es würde ausarten. Das hatten sie gesagt und ich habe es nicht ernst genommen. Vor allem wenn man den ersten Sieg feiert.
Ich habe das jedoch zu sehr übersehen. Den das heute war nicht nur die beste Nacht meines Lebens.
Sie würde unvergesslich werden.
Die Musik vibrierte durch die Wände, durch den Boden, durch meinen Körper. Der Bass war wie ein zweites Herz, das schneller schlug als meines. Hüften bewegten sich im Takt, Arme flogen in die Luft, Stimmen schrien die Refrains in einer chaotischen, berauschten Harmonie. Überall war Lachen, Klirren von Gläsern, der Geruch von Alkohol, Schweiß und Euphorie. Und ich? Ich war mitten drin. Und ich liebte es.
Ich hatte ein Dauergrinsen auf den Lippen, eines dieses dämliche, breite Grinsen, das man nicht mehr loswird, egal wie sehr man es versucht. Aber ich wollte es auch gar nicht loswerden. Ich hatte den Grand Prix von Österreich gewonnen. Auf dem Red Bull Ring. Gegen alle Erwartungen. In meinem Kopf blitzten immer wieder die Szenen auf, wie ich als Erste über die Ziellinie fuhr, das Team jubelnd an der Mauer, der Champagner auf dem Podium, das Glitzern der Trophäe. Es war real. Ich hatte es geschafft.
Jetzt war ich hier, in einem überfüllten Club mitten in Spielberg, gemeinsam mit den anderen Fahrern, ihren Freundinnen, einigen Teammitgliedern, und natürlich jeder Menge Alkohol. Die Stimmung war ausgelassen. Jeder schien sich für mich zu freuen. Ich fühlte mich, als würde ich schweben. Oder torkeln. Wahrscheinlich beides.
„Séra! Du hast gewonnen, verdammt noch mal!," Aron warf sich neben mich auf das gepolsterte Sofa und hob sein Glas. Ich stieß lachend mit ihm an, während Zoey sich auf meinen anderen Arm stützte und ebenfalls kicherte. Wir waren schon weit über dem Pegel, bei dem man noch behaupten konnte, „nur leicht angeschwipst" zu sein.
„Es ist nicht mal zweiundzwanzig Uhr, und ihr seid schon alle hinüber!," Pierre kam mit zwei weiteren Gläsern an und lachte, als er uns sah. Seine Haare waren leicht zerzaust, und sein Hemd stand ihm offen. „Darf ich fragen, wie viel Séra schon intus hat?"
Zoey prustete los, ich schüttelte nur grinsend den Kopf. „Fragen, auf die du keine Antwort willst," murmelte ich und nahm das neue Glas entgegen.
„Ich zähle es lieber nicht auf," warf Marcel, einer derBarkeeper des Clubs, trocken ein, der die restlichen Getränke abstellte und zwinkerte mir zu.
„Du rede nicht!" Ich deutete mit dem Finger auf ihn. „Wer musste dich vor drei Jahren aus diesem kleinen Pub in Graz ziehen, hm? Ich, mein Freund!!" Da gab es auch eine interessante Geschichte die lieber keiner hören wollte.
Gelächter. Ich lehnte mich zurück, mein Kopf vibrierte noch immer vom Adrenalin und vom Alkohol. Mein Blick wanderte durch den Raum. Überall bekannte Gesichter, George lachte mit Carmen an der Bar, Carlos tanzte mit Isa, Max diskutierte lautstark mit jemandem aus seinem Team.
Und dann sah ich ihn, Charles. Er stand nur ein paar Meter entfernt, ein Drink in der Hand, das Hemd ebenfalls leicht geöffnet, der Blick auf mich gerichtet. Dieses Lächeln auf seinen Lippen...charmant, ein wenig zu selbstsicher. Ich kannte es. Ich kannte ihn. Und ich wusste, was es bedeutete.
Er kam langsam auf mich zu, ließ sich betont lässig neben mich nieder und beugte sich ein wenig vor. „Weißt du eigentlich, wie verdammt gut du heute gefahren bist?" Seine Stimme war tief, weich, fast ein bisschen zu glatt.
Ich hob eine Augenbraue. „Nur heute?"
Er lachte, und ich spürte seine Hand, wie sie sich ganz zufällig, zu zufällig, auf meinem Oberschenkel abstützte. Zoey sah es und schielte vielsagend zu mir rüber.
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Lights Out
Fanfiction"Frauen haben in dieser Welt nichts zu suchen." Diesen Spruch hörte Séra schon seitdem sie ein kleines Mädchen war. Doch das hielt sie nicht auf darum zu kämpfen ihren Traum wahr werden zu lassen. Die erste Frau in der Formel 1 zu werden. Das die...
