136. Kapitel

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Ich wusste nicht, wie lange wir schon unterwegs waren, doch mit jedem Kilometer, den wir fuhren, spürte ich deutlicher, wie müde ich eigentlich war.

Mein Kopf lehnte an der kühlen Fensterscheibe, und der gleichmäßige Rhythmus der Reifen auf dem Asphalt wirkte fast hypnotisch. Im Auto war es still, leise Musik, keine Gespräche.

Nur das sanfte Brummen des Motors und das gelegentliche Klicken des Blinkers durchbrachen die Stille.

Lando hatte seine linke Hand locker auf meinem Oberschenkel abgelegt, ein beruhigender, fast beiläufiger Kontakt, der mir dennoch viel bedeutete. Mit seiner rechten Hand steuerte er konzentriert das Auto, die Augen fest auf die Straße vor uns gerichtet. Sein Profil war vom Licht der vorbeiziehenden Laternen weich umspielt, und für einen Moment wirkte alles so friedlich, so selbstverständlich.

Ich blickte gedankenverloren aus dem Fenster. Die Landschaft zog in dunklen Silhouetten an mir vorbei, doch ich sah sie kaum. In meinem Kopf liefen die letzten Tage wie ein leiser Film ab. Es war so viel passiert.


Der Wechsel zu Mercedes, eine Entscheidung, die nicht nur meine Karriere, sondern auch unser Leben veränderte. Neue Sponsoren, neue Erwartungen, ein komplett neues Umfeld. Alles wirkte aufregend, aber auch überwältigend.

Und dann war da noch Lando. Wir hatten uns wiedergefunden, nach Wochen voller Unsicherheiten, Missverständnissen und zu vieler unausgesprochener Worte.

Es war nicht leicht gewesen, doch nun war er hier. Wir waren wieder wir und obwohl sich vieles verändert hatte, war da dieses Gefühl, das sich wie ein Anker anfühlte. Eine leise Sicherheit inmitten all des Chaos.

Ich wusste nicht, wie lange ich schon in Gedanken versunken war, als ich aus dem Augenwinkel ein Ortsschild erkannte.

Bristol. Ich runzelte verwirrt die Stirn. Bristol? Was machten wir denn dort?


Langsam drehte ich mich zu Lando, der mich genau in dem Moment mit einem verschmitzten Grinsen ansah. Seine Augen funkelten im Schein der Straßenbeleuchtung, und dieses Grinsen, sein typisches, leicht schelmisches Grinsen, ließ mein Herz kurz schneller schlagen. „Was...was machen wir denn in Bristol?," fragte ich leise, fast zögerlich.

Er warf einen kurzen Blick zurück auf die Straße, dann wieder zu mir. „Überraschung," sagte er geheimnisvoll und drückte leicht mit dem Daumen gegen mein Bein.

„Vertrau mir einfach, okay?" Ich blinzelte ihn an. „Lando...," begann ich skeptisch, doch er unterbrach mich mit einem leisen Lachen. „Du denkst zu viel. Ich will dir einfach etwas zeigen. Oder besser gesagt...jemandem vorstellen."

Jetzt war ich noch verwirrter. Jemandem vorstellen?



Bevor ich weiterfragen konnte, bog er in eine kleine Seitenstraße ein. Wir fuhren vorbei an Backsteinhäusern, die typisch britisch und irgendwie heimelig wirkten.

Der Regen hatte aufgehört, aber die Straßen glänzten noch feucht im Licht der Straßenlaternen. Schließlich hielt er vor einem unscheinbaren Reihenhaus mit einem kleinen Vorgarten, in dem Lavendel wuchs.

Er stellte den Motor ab, wandte sich mir zu und sah mich ernst an. „Ich wollte nicht, dass du es von irgendwo anders erfährst...Ich will, dass du ein Teil davon bist." Er holte tief Luft. „Hier wohnt meine Familie und sie wollen dich endlich kennenlernen. So richtig kennenlernen."

Ich starrte ihn für einen Moment nur an. Seine Familie?

Mein Herz machte einen Sprung. Ich hatte sie schon ein paar Mal gesehen, flüchtig in der Boxengasse, bei Events, oder wenn sie ihn nach Rennen besuchten. Freundliche Umarmungen, Lächeln, kurze Gespräche, höflich, aber distanziert. Doch das hier...das war anders.

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