86. Kapitel

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Meine Gedanken kreisten um viele Dinge. Den Sieg heute heimbringen, koste es was es wolle. Die Unehrlichkeit meiner
Eltern, die Liebe zu Lando und das Gefühl in seinen Armen geborgen zu sein und dann noch Christians Worte.

„Guter Job aber dennoch müssen wir auch auf die Wertung schauen." Das konnten sie so etwas von vergessen. Ich fahre heute den Sieg ein. Egal wie viel ich dafür opfern musste. Ich wusste wo ich stand, ich wusste woher ich komme und was für ein Talent in mir steckt.

Ich werde diese Chance ergreifen, koste es was es wolle, egal was mein Rennstall von mir will. Ich werde mich heute, wenn es eine Order geben wird, widersetzen.


Wie in Zeitlupe trat ich immer weiter nach vorne. Auf meinen Platz, auf meine Starposition, auf meine Pole. Ein Moment den ich niemals vergessen werde. Ich trat an alle vorbei. Pierre, den Ferrari Jungs, George, Lewis, Oscar der mich nur angrinsen konnte und Lando.

Dieser war schon in seiner eigenen Dimension. Auch er hatte heute nichts zu verlieren. Er konnte es heute wieder schaffen genauso wie ich. Toto der bei Russels Autos stand und mir anerkannt zunickte. Ich nickte ihm zurück.

Das Gespräch mit ihm hatte ich nicht vergessen. Das werde ich auch niemals tun. Auch wenn er in einem anderen Team war, er hatte mich gelobt, hatte mir zugesprochen und das werde ich nicht einfach so hinnehmen.

Meine Familie die abwartend in der Box stand. Meine Eltern, Zoey, Aron und meine Großeltern. Sie waren heute alle hier um mir die Daumen zu drücken.

Sie waren heute alle hier um mich zu unterstützen. Als Familie.

Fans die mir zu riefen. Mir zujubelten, meine Heimatflagge wie sie in die Luft gehalten wurde. Ich spürte es, heute war mein Tag. Heute würde ich es allen zeigen das auch eine Frau siegen konnte. Heute wäre genau dieser Tag den ich unvergesslich machen wollte. Das Adrenalin war in meinen Körper, nicht wenig, es war viel mehr als erwartet und das würde ich heute umso mehr ausnützen. Dies wird heute ein Teil von mir werden.





Ich hörte mein Herz schlagen, lauter als den Motor. Obwohl ich auf Pole stand, fühlte sich nichts sicher an. Nicht mit Max direkt hinter mir. Nicht mit Lando auf P3, der so aussah, als hätte er etwas zu beweisen. Und das alles hier – der Red Bull Ring, die rot-weiß-rote Kulisse, die schneebedeckten Alpen im Hintergrund – es war mehr als nur ein Rennen. Es war Bühne, Schlachtfeld und Heimat zugleich.

Die fünf roten Lichter leuchteten auf.

Eins. Zwei. Drei. Vier. Fünf.

Kurze Stille – und dann:

Grün.

Ich trat das Gas durch. Die Räder quietschten leicht, das Auto vibrierte. Ein guter Start, aber Max war noch besser. Er war wie ein Pfeil aus dem Bogen geschossen, seine Nase neben meiner schon auf halber Strecke zur ersten Kurve. Und Lando – verdammt, Lando hatte Windschatten. Ich versuchte, die Linie zu halten, aber Max drängte sich innen vorbei, eiskalt wie immer. Lando zog nach außen, ließ mir keinen Platz. Ich musste kurz lupfen – nur einen Moment – und schon war ich Dritte.

Es brannte.

Nicht der Verlust der Führung. Sondern dass sie sich einfach an mir vorbeigeschoben hatten, als wäre ich nur die Vorspeise.

Aber ich blieb ruhig. Ich kannte die Strecke wie meine Westentasche. Noch 70 Runden. Noch alles möglich.

Max und Lando setzten sich leicht ab – nicht viel, eine Sekunde vielleicht – aber sie waren sich uneins. Jeder Meter zwischen ihnen war ein Streit. Lando bremste spät, Max blockte. Max zog rüber, Lando zuckte aus dem Windschatten. Wieder und wieder. Runde um Runde.

Lights OutWo Geschichten leben. Entdecke jetzt