*Neujahr*
Hätte man mir damals, als kleines Mädchen mit Helm auf dem Kopf und zu großen Handschuhen an den Händen, gesagt, dass ich irgendwann meinen Traum leben würde, ich hätte gelacht. Oder besser gesagt: Ich hätte es nicht einmal gewagt, zu träumen, so groß erschien mir alles.
Hätte mir jemand damals erzählt, dass ausgerechnet der Mann, der mich bei meinem Einstieg in die Formel 1 regelrecht verachtet hatte, der mit Sarkasmus reagierte, wenn mein Name fiel, der mich nicht ernst nahm, irgendwann derjenige sein würde, der nachts neben mir einschläft und morgens meine Hand hält...Ich hätte ihn für verrückt erklärt.
Für komplett übergeschnappt.
Und hätte man mir in meiner Anfangszeit bei Red Bull, als ich frisch in die Akademie kam, vor Aufregung kaum sprechen konnte, erklärt, dass ich im Jahr 2025 für Mercedes fahren würde, nicht weil ich wechseln wollte, sondern weil man mich bei Red Bull ausgetauscht hatte, ich hätte gelacht.
Verbittert. Ungläubig. Und vermutlich hätte ich es keinem erzählt, weil es zu wehgetan hätte.
Aber so war es gekommen.
Seit ich denken konnte, seit ich das erste Mal in ein Kart gestiegen war, mit zitternden Händen und einem Grinsen, das mir fast das Gesicht sprengte, wusste ich, das hier war mein Weg. Mein Herz schlug im Takt von Motoren.
Der Lärm auf der Strecke war für mich Musik. Es war nie nur ein Hobby. Es war ein Versprechen an mich selbst: Egal, wie schwer es werden würde. Egal, wie oft ich fallen würde. Ich würde es schaffen.
Und jetzt...Jetzt war ich zweiundzwanzig Jahre alt, stand im silbernen Rennoverall von Mercedes AMG Petronas, mit dem Logo auf meiner Brust, dass früher unnahbar schien und ich war Dritte in der Weltmeisterschaft geworden.
Dritte. Hinter Lando und Oscar. Vor Max.
Etwas, das ich mir niemals in meiner ersten Mercedes-Saison ausgemalt hätte. Etwas, das man mir nicht zugetraut hatte.
Ich dachte zurück.
2023, Miami. Ich war Checos Ersatz, ein Wagnis, ein Notfall, eine Mutprobe für das Team. Die erste Frau in der Formel 1. Und für mich? Es war das Sprungbrett in die Realität. Danach folgte eine ganze Saison. Höhen. Tiefen.
Zandvoort, mein fast-Sieg. Ich hätte ihn holen können. Ich hätte. Doch dann kamen die Teamorders. Unverständliche Entscheidungen. Ich war immer nur zweite Wahl. Immer das Mädchen, das zwar schnell, aber nicht wichtig genug war.
2024 war anders. Ich wurde härter. Erfahrener. Kühler und gleichzeitig mutiger.
Ich fuhr Podiumsplätze ein, ich siegte, in meiner Heimat, vor meinen Leuten, meiner Familie und dann, Spa. Der Unfall.
Der, der alles hätte beenden können. Ich erinnere mich an das metallische Krachen, das Schleudern, das verzerrte Licht über mir und dann nur Stille. Ein Monat Pause.
Ein Monat, in dem ich mit mir selbst kämpfte, mit meinem Körper, mit meiner Angst und ich kam zurück. Nicht, um nett zu sein. Nicht, um durchzuhalten. Sondern um zu gewinnen.
Doch Red Bull hatte bereits eine Entscheidung getroffen. Ohne ein ehrliches Gespräch.
Ohne ein „Danke". Sie tauschten mich aus, als wäre ich nur eine Zahl. Ein Baustein, der nicht mehr ins System passte. Es war der Moment, in dem ich nicht nur als Fahrerin enttäuscht war, sondern als Mensch.
Ich kündigte den Vertrag selbst. Nicht aus Trotz. Sondern aus Würde und dann, kam Alberto.
Mercedes. Ein Name, der bis dahin wie ein ferner Stern wirkte, rückte plötzlich in greifbare Nähe. Sie gaben mir Vertrauen, gaben mir Raum und ich zahlte es zurück, nicht nur mit Leistung. Sondern mit allem, was ich war.
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Lights Out
Fanfiction"Frauen haben in dieser Welt nichts zu suchen." Diesen Spruch hörte Séra schon seitdem sie ein kleines Mädchen war. Doch das hielt sie nicht auf darum zu kämpfen ihren Traum wahr werden zu lassen. Die erste Frau in der Formel 1 zu werden. Das die...
