Das Erste, was ich wahrnahm, war die Stille. Nicht die angespannte Art, die wie eine unsichtbare Wand zwischen zwei Menschen steht, voll von Worten, die nie gesagt wurden. Sondern eine andere Stille. Eine tiefe, atmende Ruhe.
Sie füllte den Raum, wie ein sanftes Tuch, das sich um alles legte. Kein Hupen, kein Türenschlagen, keine Stimmen. Nur das ferne, gedämpfte Rauschen der Stadt, so weit weg, als hätte selbst sie beschlossen, sich für diesen Morgen zurückzuhalten.
Ich blinzelte gegen das sanfte Licht, das durch die Vorhänge sickerte.
Zartgolden, wie flüssiger Honig, streifte es über die Kanten des Bettes, tastete sich an meinen Armen entlang, küsste meine Schultern, als wollte es fragen, ob es stören dürfe.
Die Luft roch nach Schlaf, nach ihm, nach etwas Vertrautem.
Die Laken unter mir waren zerwühlt, warm und nicht leer.
Langsam, beinahe ängstlich, drehte ich den Kopf. Als müsste ich vorsichtig sein, um den Zauber nicht zu zerbrechen. Und da war er.
Lando.
Sein Gesicht war mir zugewandt. Nicht in Pose. Nicht zurechtgelegt. Sondern in einem Moment völliger Unschuld, wie eingefroren zwischen zwei Atemzügen. Seine Lippen waren leicht geöffnet. Eine Strähne fiel ihm in die Stirn und sein linker Arm lag ausgestreckt über das Laken, die Finger halb geöffnet, als hätte er im Schlaf nach mir gegriffen oder mich festhalten wollen, selbst im Traum.
Ich beobachtete ihn. Lange. Nicht als der Mann, den Millionen auf Bildschirmen anschauten. Nicht als der Fahrer, dessen Namen Schlagzeilen trugen.
Sondern als der Mensch, der letzte Nacht meine Angst gesehen hatte und sie nicht genutzt, sondern gehalten hatte.
Ich setzte mich vorsichtig auf. Das Laken glitt von meinen Schultern, hinterließ eine Gänsehaut auf meiner nackten Haut.
Der Boden unter meinen Füßen war kühl, fast ein wenig schroff im Kontrast zur Wärme, die noch in mir pulsierte.
Dann kam die Erinnerung.
Nicht plötzlich. Nicht wie ein grelles Aufblitzen. Sondern langsam, wie Wasser, das durch Ritzen sickert. Ein Flüstern, ein Berühren, ein Blick, so tief, dass ich darin hätte versinken können.
Sein Atem an meinem Hals, weich wie Morgentau. Seine Finger, die zögerten, fragten, antworteten. Die Art, wie er mich ansah, nicht hungrig, nicht gierig. Sondern achtsam.
Ich schloss die Augen. Und wartete auf das, was sonst kam: Die Scham. Die Unsicherheit. Der nagende Zweifel, der mich sonst immer heimsuchte.
Aber da war nichts davon.
Nur Wärme. Nur diese stille Gewissheit, dass es richtig war.
Ich legte die Hand auf mein Herz. Es schlug ruhig. Nicht flatternd. Nicht gehetzt. Sondern gleichmäßig. Voll.
Er hatte mir nicht wehgetan. Er hatte nichts gefordert. Er war einfach da gewesen, in jeder Sekunde, in jedem Atemzug.
Ich drehte den Kopf wieder zu ihm, mein Blick glitt über seine Brust, den weichen Anstieg seines Atems, das winzige Muttermal an seiner Schulter, das ich gestern zum ersten Mal geküsst hatte.
Er war schön. Nicht wegen perfekter Züge oder Symmetrie. Sondern wegen dem, was durch ihn hindurch schien. Etwas Ehrliches.
Etwas... Zugewandtes.
Und zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte ich mich nicht mehr wie jemand, der kämpfen muss, um gehalten zu werden. Ich war einfach da. Und es reichte.
Langsam beugte ich mich vor, ließ meine Stirn für einen Moment gegen seinen Oberarm sinken. Spürte seine Wärme, hörte sein leises Atmen.
Es war ein Echo von letzter Nacht. Nicht nur in meinem Körper. Sondern tief in mir. In dieser verletzlichen Stelle, die ich so lange unter Verschluss gehalten hatte.
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Lights Out
Fanfiction"Frauen haben in dieser Welt nichts zu suchen." Diesen Spruch hörte Séra schon seitdem sie ein kleines Mädchen war. Doch das hielt sie nicht auf darum zu kämpfen ihren Traum wahr werden zu lassen. Die erste Frau in der Formel 1 zu werden. Das die...
