150. Kapitel

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*Vor der Saison 2026*

Februar war ein seltsamer Monat für Rennfahrer. Der Winter war noch da, die Tests standen vor der Tür, aber der Rennzirkus war noch nicht ganz aus dem Winterschlaf erwacht und so trafen sich die Fahrer, fast alle, zu einem entspannten Nachmittag irgendwo an der französischen Riviera.

Eine Villa mit weitem Blick aufs Meer, warm genug für draußen, kühl genug für Pullover und genau richtig für Lachen, Geschichten und ein bisschen Klatsch & Tratsch.

Ich saß auf einem breiten Lounge-Sofa auf der Terrasse, eingekuschelt zwischen Lilly Z. und Kelly.

Meine Beine hatte ich auf dem Couchtisch ausgestreckt, eine dampfende Tasse Tee in den Händen.

Meine Haare trug ich locker geflochten, ein Strickpulli über der Jeans.

Lando saß schräg gegenüber, redete gerade mit Carlos und George über irgendeinen Zwischenfall im Skiurlaub, Max warf trocken einen Kommentar ein, der alle zum Lachen brachte.

„Und George ist wirklich volle Kanne gegen den Baum gefahren?," fragte Oscar, ungläubig. „Es war KEIN Baum, es war...eine sehr stabile Tanne!," verteidigte sich George theatralisch, woraufhin das Gelächter erneut losbrach.

Ich lehnte sich zurück, zog die Ärmel meines Pullis hoch, es war warm geworden in der Sonne.


Dabei blitzte etwas an meinem Handgelenk auf. Das Armband.

Schmal, silbern, mit feinen Gravuren und den fünf kleinen Anhängern, die leise klimperten, wenn ich mich bewegte.

Jeder war anders: mein Anfangsbuchstabe, ein vierblättriges Kleeblatt, ein Mini-Formel-1-Auto, ein Tigerkopf, und ein winziger Helm mit Flügeln.

Ich sah es einen Moment an, lächelte versonnen. Ich hatte es zu meinen 20. Geburtstag bekommen, heimlich organisiert von den Jungs.

Alle zusammen hatten mir dieses Geschenk gemacht.

Aber ich hatte nie herausgefunden, wer welchen Anhänger beigesteuert hatte.

Sie hatten es wie einen Running Gag behandelt: immer dann, wenn ich fragte, grinste jeder nur vielsagend und zuckte die Schultern.

Keiner wollte preisgeben wer was geschenkt hatte.



„Das Armband trägst du immer noch?," fragte plötzlich Charles mit einem neugierigen Blick, der bemerkt hatte das ich mal wieder abwesend war.

Ich sah auf, etwas verlegen.

„Klar. Ich liebe es. Auch wenn ihr bis heute nicht verraten habt, wer mir welchen Anhänger geschenkt hat."

Da hob Charles eine Braue.

„Mich wundert eigentlich, dass du's bisher nicht rausgefunden hast."


Die Gespräche um sie herum verstummten ein wenig. Lando lehnte sich zurück, die Arme vor der Brust verschränkt, ein Grinsen auf den Lippen. Oscar versteckte ein Lachen hinter seiner Tasse. Carlos fing an zu zählen. „Fünf Anhänger...fünf Verdächtige...Ich finde, es ist Zeit, sie aufzuklären. Sonst weiß sie es in fünf Jahren immer noch nicht."

„Hey!! Aber ja bitte!," sagte ich. „Es macht mich wahnsinnig. Ich hab Vermutungen, aber...ich habe wirklich keine Ahnung!"

Charles beugte sich etwas vor, die Augen blitzten.

„Na gut. Ich fang an, dein Anfangsbuchstabe. Der ist von mir. Du warst für mich da schon ein verschlossenes Buch und es war schwer ein passendes Geschenk zu finden."

Lights OutWo Geschichten leben. Entdecke jetzt