119. Kapitel

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„Ahhh, Séra, ich hab dich wirklich lieb, aber bitte schrotte das Auto nicht und das noch vor dem Rennen." Michis Stimme knisterte über den Boxenfunk, irgendwo zwischen Spott und echter Sorge.

„Tut mir leid, aber da war eine rutschige Stelle...," murmelte ich, während ich das Auto wieder langsam in Richtung Boxengasse lenkte. Kurz darauf kam die Anweisung: Zurück an die Box.

Es war nur das Warm-up gewesen, kein großer Schaden, keine verlorene Zeit. Aber trotzdem wichtig.

Jede Runde auf der Strecke gab mir ein besseres Gefühl für den Asphalt, für die Kurven, für das Rennen, das gleich bevorstand.

Kaum stand das Auto, öffnete sich mein Visier, und ich stieg aus. Noch bevor ich den Helm richtig abgesetzt hatte, trat Christian mit ernster Miene an Max und mich heran.

„Ihr wisst, was heute auf dem Spiel steht?," fragte er ohne Umschweife. Ich nickte stumm, Max ebenso.

„Wir müssen McLaren davon abhalten, uns die Teamwertung zu klauen," fuhr er fort, seine Stimme angespannt.

„Ich zähle auf euch beide. Max, wie immer, gib dein Bestes und Séra...lass dir nichts gefallen. Das Qualifying war ein Geschenk. Niemand hat mit diesem Ergebnis gerechnet. Wir müssen es nutzen. Lando startet nur von P15. Wenn wir zusammenhalten, können wir das heute gewinnen."

Ich nickte erneut, sein Blick war eindringlich. Ich wollte etwas sagen, aber der Moment war zu aufgeladen. Also ließ ich es bleiben.

Kurz danach konnten Max und ich uns endlich zurückziehen.

Ich verließ die Boxengasse und ging Richtung Teambereich, wo mein Driversroom auf mich wartete. Max folgte mir, und kaum hatte ich die Tür geöffnet, sprach er mich an.

„Du siehst nicht gerade glücklich aus," meinte er und lehnte sich an den Türrahmen.

Ich atmete tief durch. „Wie würdest du dich fühlen, wenn das Team sich nicht einmal fragt, wie es dir wirklich geht? Ob du das alles durchstehst? Stattdessen erwarten sie nur, dass ich abliefere, dass ich Punkte hole, koste es, was es wolle."

Meine Stimme zitterte leicht vor Frustration. Ich war müde. Und ich fühlte mich...ausgenutzt.

Max senkte kurz den Blick, dann sah er mich wieder an.

„Hey...ich finde, wie sie gerade mit dir umgehen, ist auch nicht okay und das wissen sie. Es ist nur der Sport. Aber heute...steht eben alles auf dem Spiel. Lando startet hinten. Das ist unsere Chance. Wir können uns keine Ablenkung leisten. Vor allem nicht von dir."

Seine Stimme klang hart. Zu hart.

Ich starrte ihn fassungslos an. „Glaubst du ernsthaft, ich bin abgelenkt? Wegen Lando?" Ich richtete mich auf.

„Max, du weißt, dass ich Privates und Arbeit trennen kann. Immer schon."

Er schloss die Tür hinter sich und trat ein paar Schritte näher.

„Viele, also wir Fahrer, glauben...der Unfall war wegen der Wette, Séra."

Seine Worte trafen mich wie ein Schlag. Ruhig ausgesprochen, aber mit einem Gewicht, das kaum zu ertragen war.

Ich sog scharf die Luft ein.

„Nur das Team trägt die Schuld an dem Unfall, Max. Sie haben nicht auf mich gehört. Das solltest du wissen. Du weißt doch, sobald ich im Auto bin, vergesse ich alles um mich herum. Denkst du etwa, als ich noch mit Lando zusammen war, hätten wir auf der Strecke Rücksicht aufeinander genommen? Ganz im Gegenteil. Wir waren Rivalen. Immer."


Ich spürte, wie sich meine Stimme überschlug, wie die Emotionen hochkochten. Doch Max blieb ruhig.

Lights OutWo Geschichten leben. Entdecke jetzt