*Monaco Grand Prix 2025*
Kaum hatte ich die Tür zur Hospitality durchschritten, kam mir Jana bereits entgegen, meine PR-Managerin. Ihre Miene war ernst, fast versteinert, und sie presste ihren Notizblock fest an sich, als würde sie sich an ihm festhalten müssen. Ich blieb abrupt stehen, leicht verunsichert. In ihrem Gesicht stand etwas, das mir nicht gefiel.
Hatte ich etwas verbrochen, ohne es zu wissen?
„Alles in Ordnung?," fragte ich sie vorsichtiger als sonst, meine Stimme leiser, fast tastend. Sie zögerte kurz, dann hob sie die Augenbrauen leicht. „Willst du es wirklich wissen?" Ihre Gegenfrage klang nicht wie eine Einladung, eher wie eine Warnung.
Wir suchten uns einen etwas ruhigeren Platz, abseits des Trubels im Gebäude. Jana blätterte nicht einmal in ihrem Block. Stattdessen sah sie mich nur an, als wolle sie sicherstellen, dass ich bereit war. Ich ahnte bereits, worauf das hinauslief.
„Hat es wieder etwas mit Red Bull zu tun?," fragte ich, obwohl es eigentlich keine echte Frage mehr war. Ich kannte die Antwort längst.
„Du meinst, sie hätten dich nie gehen lassen sollen?" Jana schüttelte leicht den Kopf, fast resigniert. „Klar, wir sind froh, dass du bei uns bist, das steht gar nicht zur Debatte. Aber ich glaube wirklich, Red Bull hätte diese Saison mit dir deutlich besser dagestanden. Was die da gerade aufführen ..." Sie brummte unzufrieden, und ein leichtes Schmunzeln huschte über mein Gesicht.
Ich konnte es ihr nicht verdenken. Ich vergönnte es Liam, ehrlich. Er ist ohne Zweifel ein talentierter Fahrer, aber eben auch speziell. Seine Leistungen blieben zuletzt hinter den Erwartungen zurück, und nun war Yuki an der Reihe.
Die mediale Kritik, die einst mir gegolten hatte, schien jetzt nahtlos auf ihn überzugehen. Red Bull hatte aktuell nur ein Auto, das wirklich funktionierte oder besser gesagt: nur einen Fahrer, der zuverlässig Punkte holte.
Mehr und mehr Stimmen wurden laut, die das österreichische Team infrage stellten. Hatten sie einen Fehler gemacht, als sie mich aus dem Cockpit nahmen? Ich hörte diese Fragen immer öfter, in Interviews, Podcasts, Kolumnen und obwohl ich mich innerlich ein wenig bestätigt fühlte, war da kein Groll mehr in mir.
Im Gegenteil: Ich war dankbar. Der Wechsel hatte mir eine neue Perspektive eröffnet. Mercedes bot mir nicht nur ein konkurrenzfähiges Auto, sondern auch das Umfeld, das ich gebraucht hatte, um zu wachsen, als Fahrer und als Mensch. Ich wurde gefordert, aber auch gefördert und ich spürte das Vertrauen.
Mercedes war rückblickend die beste Entscheidung meines Lebens gewesen.
„Was ist das denn für ein Kindergarten!? Verflucht nochmal, ich weiß, dass das hier nicht unser Wochenende ist, aber das ist doch wirklich nicht mehr zu fassen!"
Meine Stimme überschlug sich fast vor Wut, als ich endlich in der Kolonne von Formel 1 Autos auftauchte, nachdem ich meinen ersten Boxenstopp hinter mir hatte und kurz durchatmen konnte.
Der Funk knisterte, dann meldete sich Jeff mit ruhiger Stimme: „Das fragen wir uns auch, Tiger."
Tiger. Der Name hatte sich eingebrannt. Es war mehr als ein Spitzname, es war ein Statement geworden. Entstanden in einem dieser Trainings, in denen ich wie ein Raubtier durch das Feld gefegt war.
Seitdem war es geblieben, irgendwie passend. Doch gerade jetzt fühlte ich mich eher wie ein gefangener Tiger im Käfig.
„Ich weiß ja, dass die FIA es irgendwie spannender machen will, aber zwei Pflichtstopps? Auf einem Kurs, auf dem man nicht mal vernünftig überholen kann?!"
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Lights Out
Fanfiction"Frauen haben in dieser Welt nichts zu suchen." Diesen Spruch hörte Séra schon seitdem sie ein kleines Mädchen war. Doch das hielt sie nicht auf darum zu kämpfen ihren Traum wahr werden zu lassen. Die erste Frau in der Formel 1 zu werden. Das die...
