*Vier Jahre Später*
Vier Jahre waren vergangen, seit jenem Abend am Wasser. Vier Jahre voller Rennen, Titel, Reisen und stiller, kostbarer Momente. Drei Jahre als Ehefrau, Partnerin, Rivalin und immer noch verliebt, als wäre es der erste Tag. Ich war nun Mrs. Norris, Landos Partnerin. Bei den Gedanken musste ich immer lächeln. Zwar benutzte ich noch bei den Rennen offiziell meinen Mädchennamen doch privat war ich schon längst Mrs. Norris.
Ich trug inzwischen zwei weitere WM-Titel. Mercedes hatte in mir nicht nur eine Ausnahmefahrerin, sondern eine stille Anführerin gefunden, kompromisslos auf der Strecke, gelassen daneben. Lando hatte seinen zweiten Titel ein Jahr später geholt. Die Bilder von ihm mit der Trophäe in den Armen und Tränen in den Augen, ich bin Weltmeister, waren rund um die Welt gegangen. Und ich? Ich war die Erste gewesen, die ihm in die Arme gefallen war. In voller Rennmontur, mitten in der Boxengasse, vor laufenden Kameras, hatte ich ihn geküsst.
Jetzt waren wir in Katar.
Losail. Glühender Asphalt. Die Hitze war kein Wetter mehr, sie war ein Zustand. Unerbittlich. Alles flirrte. Die Luft. Der Horizont. Die Grenzen zwischen Konzentration und Erschöpfung.
Es war Sonntag. Rennabend.
Ich stand in der Startaufstellung, Helm unter dem Arm. Ich trug meinen dunkel silbernen Rennoverall wie eine zweite Haut. Kühlwasser tropfte mir den Nacken hinunter, doch mir war nicht nur von außen heiß. Seit Tagen war da dieses Gefühl, unterschwellig, aber hartnäckig. Übelkeit. Appetitlosigkeit. Ein komisches Ziehen im unteren Bauch. Die Physiotherapeuten tippten auf eine Magenverstimmung, vielleicht ein Hitzeschlag, vielleicht ein Infekt. Doch ich wusste, dass es mehr war. Nur was?
Ich hatte es verdrängt. Wie ich es gewohnt war. Ein Rennen ist ein Rennen. Man fährt, egal, was ist.
Und dann fiel der Start.
Schon in der ersten Runde wusste ich: Heute war etwas anders.
Der Helm fühlte sich schwerer an als sonst, das Lenkrad vibrierte in meinen Händen, als wolle es mir etwas sagen. Die Kurven kamen schneller als sonst, das Atmen wurde schwer. Runde um Runde kämpfte ich, mit der Strecke, mit mir selbst, mit dem, was in mir vorging.
Ich hörte meine Renningenieure über Funk, aber die Worte kamen nur gedämpft bei mir an, wie durch Wasser.
Dann, in Runde 23, wurde mir plötzlich eiskalt, trotz der 38 Grad Außentemperatur.
Ein Schwall stieg mir den Hals hoch. Kein Warnsignal, kein sanfter Vorbote. Nur das Gefühl: Ich muss sofort hier raus.
„Toto...ich kann nicht mehr. Mir ist...richtig schlecht."
Kurze Stille im Funk. Dann seine Stimme. Ernst. Klar. Sofort entscheidend:
„Box, box, Séra. Sofort. Wir stellen das Auto ab."
In der Box warteten sie schon. Die Crew war ruhig, effizient aber als das Auto zum Stillstand kam, ging alles sehr schnell.
Ich riss mir den Helm ab als ich aus dem Auto stieg, schleuderte ihn beinahe einem Mechaniker in die Arme. Mein Gesicht war kalkweiß, die Augen glasig. Ich schwankte, wollte etwas sagen, schaffte es nicht.
Zoey war sofort bei mir. „Séra, hey, hey, ich hab dich." Sie griff nach meinem Arm, stützte mich, während ich versuchte, die Kontrolle zu behalten. Doch kaum war ich ein paar Schritte weit gekommen, presste ich nur noch ein heiseres „Toilette" hervor, dann rannte ich los.
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Lights Out
Fiksi Penggemar"Frauen haben in dieser Welt nichts zu suchen." Diesen Spruch hörte Séra schon seitdem sie ein kleines Mädchen war. Doch das hielt sie nicht auf darum zu kämpfen ihren Traum wahr werden zu lassen. Die erste Frau in der Formel 1 zu werden. Das die...
