Ich trat leise aus dem Zimmer. Nicht, weil ich musste – sondern weil ich kurz atmen wollte, ohne Angst, sie könnte wieder verschwinden.
Phina schlief. Oder döste. Ihre Atmung war flacher geworden, gleichmäßiger. Sie hatte meine Hand nicht losgelassen, bis ihre Finger irgendwann erschlafften. Und selbst dann hatte ich sie noch eine Weile gehalten.
Der Gang war still. Nur das sanfte Summen der Neonlichter über mir und das entfernte Rollen eines Pflegewagens begleiteten mich. Ich fuhr mir durch die Haare, lehnte mich kurz an die Wand. Ein paar Sekunden nur. Zum Sortieren.
Dann hörte ich Schritte. Zögerlich. Leise.
Ich drehte mich um –und erkannte sie sofort.
Braune Augen, dieselbe Art zu stehen wie Séra, dieselbe feine Härte in den Gesichtszügen. Nur älter. Und müder. Sie hatte Tränen in den Augen und eine Tasche über der Schulter. In der anderen Hand hielt sie etwas was wie Schokolade aussah.
„Lando was machst du den hier?," fragte Maria verwirrt als sie mich erblickte. Ich wusste das sie mit keinem Gerechnet hatte. Es gab wenige Menschen im Paddock die sich für den anderen interessieren.
Doch ich war nicht so. Sei es einer meiner Freunde, Konkurrenten, ich würde alles tun um bei ihnen zu sein. Egal was es für umstände machte. Vor allem will ich für mein Mädchen da sein. Nicht nur im Gedanken, sondern auch im realen Leben.
„Ich...ich wollte ihrer Tochter beistehen. Max und die anderen waren auch schon hier," sagte ich schnell um nicht all zu sehr auf zu fallen. Doch das war alles andere als leicht. Vor allem vor ihrer eigenen Mutter.
Maria konnte nichts anderes als zu lächeln.
„Sie schläft immer noch," sagte ich ruhig, bevor sie auch dies Fragen konnte. „Sie ist stabil. Sie wird wieder zu Kräften kommen."
Séras Mutter nickte nur. Ihre Lippen bebten kurz, als würde sie etwas sagen wollen, doch stattdessen senkte sie den Blick. Ich wusste nicht, ob ich etwas tun oder sagen sollte.
Ob ich ihr die Hand geben sollte, sie umarmen oder einfach nur verschwinden. Dafür kannte ich sie einfach zu wenig und ich wusste nicht ob sie das wollen würde.
Aber dann hob sie den Kopf. Sah mich direkt an. Als würde sie in mich hineinblicken können. „Danke das du für sie da bist Lando. Aber du müsstest nicht hier sein," brachte sie hervor und ich nickte. „Das ist nicht selbstverständlich. Wir alle sorgen uns um sie. Séra hat das alles nicht verdient, das hat keiner," war das Einzige was ich rausbrachte.
Sie trat näher, aber nicht zu nah. Nur so weit, dass ich ihr Gesicht erkennen konnte. Und darin lag...Sorge. Aber auch Zärtlichkeit.
„Sie hat immer alles allein machen wollen," sagte Maria leise, während ihr Blick zur Tür glitt. „Seit sie laufen konnte. Hat nie jemanden gefragt, wenn sie gefallen ist. Hat lieber geblutet, als jemandem zu zeigen, dass sie Hilfe braucht. Sie hatte damals schon gelernt auf sich alleine auf zu passen, weil keiner ihr helfen wollte. Nur manchmal schafft sie es alleine einfach nicht mehr."
Ich schluckte. „Das tut sie immer noch. Sie liebt alles alleine zu machen. Das hatte sich in der kurzen Zeit auch im Paddock nicht geändert."
„Aber diesmal...," ihre Stimme brach fast, „diesmal war es zu viel. Ich habe es nur am Rande so mitbekommen, dass sie gerade das Gespräch Nummer eins ist, vor allem im Team aber das es so schlimm ist wusste ich nicht. Ich habe mir einen Artikel durchgelesen und das nicht einmal ganz. Weil ich merkte was für einen Bullshit sie schreiben aber ich kenne meine Tochter. Sie zeigt es nicht nach außen aber ist dafür umso gekränkter."
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Lights Out
Fanfiction"Frauen haben in dieser Welt nichts zu suchen." Diesen Spruch hörte Séra schon seitdem sie ein kleines Mädchen war. Doch das hielt sie nicht auf darum zu kämpfen ihren Traum wahr werden zu lassen. Die erste Frau in der Formel 1 zu werden. Das die...
