156. Kapitel

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*Sommerpause 2027*

Es war dieser Moment zwischen Tag und Nacht, wo das Licht gold wird und die Welt für einen winzigen Atemzug innehält. Genau dort, zwischen Sonnenuntergang und Meeresrauschen, stand ich am Rand des Indischen Ozeans und hatte keine Ahnung, dass mein Leben sich in den nächsten Sekunden für immer verändern würde.

Wir waren auf den Seychellen, Lando und ich.

Ein Ort, der aussah wie aus einem Traum: feiner Sand, türkisfarbenes Wasser, Palmen, die sich in der warmen Brise bewegten. Abgeschottet von der Welt. Keine Kameras. Keine Fans. Kein Druck. Nur wir zwei.



Seit einer Woche lebten wir barfuß. Barfuß im Sand. Barfuß in der Liebe. Ich wusste, dass ich angekommen war. Nicht nur geografisch. Sondern...bei ihm. Bei uns.

Lando hatte für den Abend etwas „Kleines" geplant, wie er es genannt hatte. „Nur ein Abendessen am Strand, ganz entspannt." Ich hatte gelächelt, denn ich kannte ihn.

Lando und „ganz entspannt" das war wie ein Gedicht ohne Reim. Er war ein Mann der Details, ein leiser Romantiker, der es verstand, mit kleinen Gesten große Gefühle zu zeigen.



Als ich über den schmalen Pfad durch das langsam dämmernde Grün zurück zum Strand kam, blieb ich stehen. Für einen Moment vergaß ich zu atmen.

Zwischen zwei Palmen spannte sich ein Lichtvorhang, feine, goldene Lämpchen wie Sternenstaub, tanzend im sanften Wind. Sie tauchten den sandigen Boden in ein warmes, fast magisches Licht. In der Mitte des kleinen Strandabschnitts stand eine niedrige Tafel, sorgfältig gedeckt mit einem Leinentuch. Über das Tuch verstreut lagen Muscheln, zierlich und von der Sonne glattgeschliffen, als wären sie zufällig dort gefallen, aber ich wusste, dass nichts bei Lando zufällig war.

Zwei große Kissen dienten als Sitzplätze, daneben lagen leichte Decken, in die man sich hüllen konnte, wenn es später kühler wurde.

Eine hölzerne Schale war gefüllt mit frischem Obst, Mango, Ananas, Granatapfelkerne, Trauben, sogar eine aufgeschnittene Passionsfrucht.

Daneben standen kleine Teller mit meiner Lieblingsvorspeise: gefüllte Weinblätter, etwas Hummus, knuspriges Fladenbrot.

Und weiter hinten, beinahe versteckt unter einer Glasglocke, sah ich ein kleines, hausgemachtes Dessert mit Lavendel und Honig.

Ein alter, tragbarer Lautsprecher spielte leise Norah Jones. Ihre Stimme mischte sich mit dem Rauschen der Wellen, als wäre sie nur für diesen Moment da.

Der Sand war nicht einfach nur Sand, er war übersät mit kleinen Blüten, pastellfarben und zart. Einige davon führten wie eine Spur vom Tisch bis zur Wasserlinie.

Muscheln, größere, spiralförmige, lagen dazwischen, fast wie Symbole auf einer Schatzkarte. Die ganze Szene wirkte, als hätte jemand ein Gemälde gemalt, das nun zum Leben erwacht war.

Und dann sah ich ihn.

Lando stand ein paar Schritte vom Tisch entfernt, die Hände lässig in den Taschen seiner hellen Leinenhose, barfuß im warmen Sand. Sein cremefarbenes Hemd flatterte leicht im Wind, zwei Knöpfe offen, der Stoff weich und leicht zerknittert, nicht unordentlich, sondern genau richtig.

Das Licht des Sonnenuntergangs färbte seine Haare golden. Aber was mich am meisten traf, war sein Blick, ruhig, tief, weich, ganz auf mich gerichtet.


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