121. Kapitel

923 49 2
                                        

*Triggerwarnung enge Räume*

*Séra Sicht*

Ich wollte einfach nur hoch. Hoch in mein Zimmer. Hoch, weg von all dem Lärm, den Blicken, den Fragen, dem Gerede.

Der Tag war nicht körperlich anstrengend gewesen, nein, es war schlimmer.

Es war einer dieser Tage, an denen jede Frage ein kleiner Stich war, jede Geste ein Schattenwurf aus der Vergangenheit.

Ein Medientag.

Und ich und Medientage? Wir waren noch nie Freunde gewesen. Schon gar nicht, wenn sie sich auf meine Familie stürzten wie Aasgeier auf einen Kadaver.

„Wie fühlen Sie sich wegen des Gerichtstermins Ihrer Eltern?" „Gab es im Fahrerlager Rückhalt aus dem Team?"

„Stimmt es, dass Sie bereits eine eigene Stellungnahme vorbereitet haben?"

Woher wussten die das? Wer gab solche Dinge weiter? Ich wusste es nicht. Und, wenn ich ehrlich war, ich wollte es auch gar nicht wissen.

Ich wollte nur meine Ruhe. Einfach ein Bett, ein Zimmer, eine verschlossene Tür zwischen mir und der Welt.

Ich trat in den Hotelflur, meine Finger umklammerten fest den Zimmerschlüssel.

Nur noch ein paar Minuten. Ich wollte nur in diesen verdammten Aufzug und dann raus aus allem.

Endlich.



Doch gerade als ich mit dem Fuß die Schwelle des Aufzugs betrat, hörte ich ihn.

„Warte!"

Ich erstarrte für einen Moment. Ich brauchte mich nicht umzudrehen, um zu wissen, wessen Stimme das war. Ich erkannte sie sofort. Tief, aber leicht hektisch. Vertraut, aber auch ungewollt.

Warum gerade er? Warum jetzt?

„Lando, nicht jetzt," murmelte ich, ohne ihn anzusehen, trat aber trotzdem einen Schritt zur Seite. Reflexartig.

Weil ich immer noch so funktionierte, wenn er in der Nähe war, auch wenn ich es nicht mehr wollte.

Er schlüpfte gerade noch rechtzeitig durch die sich schließenden Türen des Aufzugs. Und dann: Stille.

Nur das leise Summen des Motors und das antiseptische Summen des LED-Lichts über uns.

Der Geruch von Desinfektionsmittel stieg mir in die Nase, steril, kalt. Es passte zu der Atmosphäre zwischen uns. Kälter konnte sie kaum sein.

Er stand dicht genug, dass ich seinen Atem hören konnte, aber ich weigerte mich, ihn anzusehen. Nicht heute. Nicht jetzt. Es war zu frisch, zu roh.

Und ich wollte mich nicht selbst ertappen dabei, wie mein Herz auf ihn reagierte, obwohl es das längst nicht mehr sollte.

„Wir müssen reden," sagte er schließlich, und seine Stimme war leise, aber getragen von dieser Dringlichkeit, die ich so gut kannte. Diese Mischung aus Nervosität und Mut.

„Jetzt? Im Aufzug? Ernsthaft?" Ich verschränkte die Arme vor der Brust, mein Blick weiter auf die silbrige Aufzugwand gerichtet, die unser Spiegelbild in verzerrter Klarheit zeigte.

Zwei Menschen, die sich näher waren als sie sollten, aber gleichzeitig Welten trennten. „Hast du keine besseren Ideen?"

„Du weichst mir aus."

Ich lachte trocken. Es war bitter, fast schon scharf. „Weil ich es kann. Und weil ich gerade keinen Nerv dazu habe, Lando."

Meine Stimme war fester als ich dachte, aber mein Inneres bebte. Ich war wütend.

Lights OutWo Geschichten leben. Entdecke jetzt