125. Kapitel

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*Landos Sicht*

Der Schläger vibrierte leicht in meiner Hand, als ich den Ball knapp an Oscar vorbei in die Ecke platzierte. Punkt. Ich grinste breit.

„Schon wieder! Du wirst langsam alt, Mate," rief ich lachend.

Oscar verdrehte die Augen, George prustete los, und Carlos warf sich demonstrativ dramatisch auf den Boden, als hätte ihn der Schlag körperlich getroffen.

„Das ist kein Padel mehr, das ist Krieg," murmelte Max mit einem leichten Grinsen, während er sich mit einem Handtuch den Schweiß aus dem Nacken wischte. Wie immer kühl, aber konzentriert. Wie auf der Strecke.


Die Sonne brannte vom Himmel, die Atmosphäre war leicht. Es war einer dieser seltenen Tage, an denen wir einfach nur Jungs waren. Keine Politik, keine Presse, kein Funkverkehr. Nur wir, ein Netz und viel zu viel Adrenalin.

Dann hörten wir Stimmen. Schnelle Schritte. Es war Lily, dicht gefolgt von Kelly und Carmen. Ihre Gesichter, aufgeregt, alarmiert.

„Habt ihr's schon gesehen?," rief Lily, während sie ein Handy hochhielt. „Es ist offiziell. Red Bull hat es bestätigt."

„Was?," fragte George, der sich sofort das Handtuch vom Kopf zog und zu ihr ging. An den Gesichtern der Mädels wusste ich schon ohne es zu Ahnen das etwas nicht stimmen konnte. Vor allem wenn es mit Red Bull zu tun hatte.

„Séra. Sie ist raus. Nicht nur aus dem Cockpit, Red Bull hat die komplette Zusammenarbeit mit ihr beendet. Lawson ersetzt sie im nächsten Jahr."


Die Stimmung kippte sofort. Als hätte jemand die Temperatur um zehn Grad gesenkt.

Oscar hörte auf, seine Schuhe zu binden, Carlos richtete sich abrupt auf. Ich selbst blieb wie versteinert stehen, der Schläger halb erhoben, unfähig zu reagieren.

Max war der Erste, der das Schweigen brach. „Scheiße. Sie haben es also wirklich getan."

Ein Wort, aber es reichte. Es sagte alles.

George schüttelte den Kopf. „Das kann doch nicht deren Ernst sein. Sie war doch gerade erst wieder auf dem Weg zurück. Die letzten Rennen, ja Aserbaidschan war jetzt nicht das was sie sich erhofft hatten aber Singapur war sie doch stark. Séra war immer stark. Konzentriert. Klar. Sie hat gekämpft für das Team."

Carlos trat näher, sah auf das Display. „Hier. Offizielles Statement. Keine gemeinsame Zukunft und das war's? Kein Dank, keine Perspektive, nichts? Nur das sie nicht mehr fährt und das Lawson sie ersetzt."

Oscar murmelte leise: „Ich hab's geahnt...Als wir in der Hospitality waren, nach dem Rennen, ihre Miene, ihre Haltung. Da war was. Aber ich dachte mir nichts dabei."

Ich sagte lange nichts. Ich konnte nicht. Es war, als wäre mir der Boden unter den Füßen weggezogen worden. All die Kämpfe, die wir gesehen hatten.

Wie sie sich zurück gearbeitet hatte. Ich erinnerte mich an den Tag, als sie das erste Mal wieder ins Fahrerlager kam, noch bleich, etwas schmaler, aber mit diesem Blick. Dieser absolute Wille.

Und jetzt?

Ich schluckte hart, trat langsam zum Rand des Platzes, nahm mir eine Flasche Wasser, öffnete sie und starrte ins Leere.

Max trat zu mir, reichte mir seinen Schläger. „Sie hat uns allen gezeigt das auch Frauen hier hingehören und jetzt soll alles den Bach runter gehen?" Ich sah ihn an. Kein Spott in seiner Stimme, nur...Respekt.

Ich nickte. „Sie war...ist...eine von uns. Egal was viele gesagt haben. Sie gehört in die Formel 1."

Carlos seufzte. „Was für eine beschissene Entscheidung. Politik, wie immer."

Lights OutWo Geschichten leben. Entdecke jetzt