152. Kapitel

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*Abu Dhabi 2026*

Die Welt hielt den Atem an. Es war Abu Dhabi. Das letzte Rennen der Saison 2026 und ich, ich stand auf Startplatz zwei. Neben mir: Oscar Piastri auf Pole. Direkt hinter uns: Max Verstappen und Lando Norris. Vier Fahrer, drei Teams, ein Ziel: der Weltmeistertitel.

Die letzten Rennen hatten alles verändert. Lando hatte starke Ergebnisse geliefert, aber nach seinem Ausfall in Mexiko war er rechnerisch aus dem Titelkampf raus. Max fuhr wieder wie ein Besessener, wie jemand, der um seine Krone kämpfte nach der Niederlage letztes Jahr gegen mich und Oscar? Der war eiskalt geworden. Ruhig. Berechnend. So ruhig, dass es fast beängstigend war.

Und ich? Ich war vorne. Ich konnte es schaffen. Ich sollte es schaffen. Aber der Druck war allgegenwärtig. Die Presse fraß sich wie ein Rudel hungriger Wölfe durch jede meiner Aussagen, jeden Blick, jedes Funkprotokoll. Sie fragten nach Oscar, nach Max, nach Lando, aber vor allem fragten sie: "Hält sie dem Stand? Könnte sie es schaffen die erste Frau jemals gewesen zu sein, sich den Weltmeistertitel zu holen?"

Ich erinnerte mich noch gut an Austin. An das Chaos damals, als Dieter gestorben war, mein langjähriger Freund, fast wie ein Mentor, wie ein zweiter Vater für mich. Ich hatte mich der Presse gestellt, obwohl mein Herz gebrochen war und trotzdem...hatten sie keine Gnade gekannt.

„Denkst du, du bist stark genug für die Spitze?" „Verliert Mercedes mit dir den Titel?" „Wie gehst du mit dem Druck um, nachdem du letztes Jahr nur Dritte wurdest?" Und jetzt, da ich in Reichweite des Titels war, wurde alles nur noch schärfer, noch lauter. Aber ich hatte gelernt, damit zu leben.




Am Samstagabend, vor dem Qualifying, stand ich allein auf der Mercedes-Hospitality-Terrasse. Es war still. Über dem Yas Marina Circuit flackerten die Lichter. Ich spürte, wie mein Puls gegen meine Rippen pochte. Ich hörte die Schritte, bevor ich ihn sah.

Toto Wolff stellte sich neben mich. Die Hände in den Taschen, wie immer in Schwarz.

„Weißt du," begann er leise, ohne mich anzusehen. „Vor drei Jahren haben sie gesagt, du würdest es nicht schaffen. Zu emotional. Zu unberechenbar. Zu jung. Eine Frau hatte hier nicht zu suchen."

Ich schwieg.

„Jetzt stehen wir hier. Letztes Rennen. Du. Oscar. Max und du führst in der WM. Jedes Jahr setzt du immer mehr ein Statement. Etwas was wir nicht vergessen dürfen." Ich sah ihn an. Sein Blick war ruhig, aber wach. „Was ich dir sagen will: Du hast uns allen bewiesen, dass du nicht nur schnell bist. Sondern dass du die Ruhe hast. Die Härte. Den verdammten Biss."

Er legte mir kurz eine Hand auf die Schulter.

„Geh da morgen raus und fahr wie du bist. Nicht für die Schlagzeilen. Nicht für mich. Nicht für Lando oder für die Presse. Nur für dich." Ich nickte. Langsam. Aber tief aus dem Herzen.



Sonntag. Renntag.

Die Lichter über dem Circuit Yas Marina gleißten wie Scheinwerfer auf einer Bühne. Die Luft war warm, schwer, fast elektrisch. Ich stand in der Startaufstellung. Platz zwei. Direkt hinter Oscar. Der McLaren vor mir leuchtete grell orange, beinahe wie ein Symbol: Willst du den Titel, musst du an mir vorbei.

Hinter mir: Max. Neben ihm: Lando. Alle drei Männer und ich mittendrin. Ich hörte Toto noch einmal über Funk. Seine Stimme war ruhig, konzentriert: „Keep it clean in Turn 1. Bleib cool. Du hast das ganze Jahr dafür gearbeitet. Bring es heim. Wir glauben an dich."

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