„AH, fuck! Michi, Max muss mir meine Position zurückgeben!" fluchte ich wütend vor mich hin, während ich versuchte, mich wieder auf die Strecke zu konzentrieren. Mein Herz hämmerte wild gegen meine Brust, die Hände umklammerten das Lenkrad, als könnte ich so den Ärger einfach herauspressen. Ich hatte vorne gelegen, sauber, fair – und dann hatte Max mich in der ersten Kurve einfach rausgedrängt. Ohne Skrupel. Jetzt hing ich auf Platz vier fest.
„Wie willst du das anstellen, wenn du zurückgefallen bist, Séra?," krächzte Michi knapp über den Funk. Ich biss mir auf die Lippe, zwang mich, nichts zu erwidern. Ich hätte ihm am liebsten eine wütende Tirade an den Kopf geworfen, aber ich wusste, dass das nichts bringen würde – nicht jetzt, nicht während des Rennens. „Könnt ihr wenigstens nachschauen, ob was am Auto kaputt ist? Es fühlt sich...komisch an," brachte ich mühsam heraus, während ich gegen das eigenartige Gefühl kämpfte, das sich in der Lenkung ausbreitete.
„Copy." Michis Stimme klang gewohnt ruhig, aber ich hörte das angespannte Tippen im Hintergrund.
Verfluchte Scheiße. Ich hätte es heute wirklich schaffen können. Alles hatte gepasst: die Pace, der Start, die Strategie. Bis Max sich entschlossen hatte, lieber mit den Ellbogen zu fahren als mit Können. Der Mistkerl würde was erleben, wenn wir aus den Autos raus waren.
„Séra, alles in Ordnung. Fahr einfach weiter und halte die Position," kam Michis Funknachricht, bestimmt und sachlich. Ich knirschte mit den Zähnen, presste die Lippen zusammen und trat das Gas erneut durch. Auch wenn ich mir insgeheim wünschte, noch einmal angreifen zu können, spürte ich schon, dass heute einfach nicht mein Tag war. Pech klebte an mir wie zäher Teer.
Sogar der Boxenstopp hatte alles ruiniert – viel zu lang, eine verklemmte Radmutter. Ich kam nur als Achte wieder auf die Strecke, mitten in den Verkehr, zwischen Alex und Carlos, was das Ganze auch nicht einfacher machte. Der Williams kämpfte auf der Geraden, der Ferrari schlingerte in den Kurven – ich steckte fest, als hätte ich plötzlich in einer anderen Liga zu spielen.
Ich setzte zum Überholen an, außen, mutig, entschlossen. Auf der langen Geraden zogen Alex und Carlos leicht nach links – viel zu nahe beieinander. Ich spürte den Luftstrom an meinem Wagen, den leichten Sog. Und dann – ein Ruck. Ein heftiger Schlag von hinten. Mein Wagen brach ohne Vorwarnung aus, ich verlor die Kontrolle. „Mist!!," schrie ich, ließ sofort das Lenkrad los, wie ich es unzählige Male trainiert hatte.
Der Wagen schleuderte von der Strecke, flog förmlich durch das Kiesbett, bis er tief eingebettet zum Stillstand kam. Mein Herz raste, während ich in meinen Gurten hing, und mein Blick zu dem riesigen Bildschirm wanderte. „Rosenberg, Albon und Sainz – out!" leuchtete dort auf.
Ich schnaubte wütend durch die Nase. Ernsthaft? Das konnte doch nicht wahr sein. Ich schaltete den Funk ein und kämpfte darum, meinen Frust zu verbergen. „Mir geht's übrigens gut," fauchte ich in mein Mikro.
„Séra, kannst du weiterfahren?," fragte Michi, völlig nüchtern. Ich riss die Augen auf. „Michi, ich stecke im verdammten Kies fest!," knurrte ich nur und begann, mein Lenkrad abzubauen. Keine Chance, aus eigener Kraft hier wieder rauszukommen.
Ich war endlich aus dem RB geklettert, als Carlos direkt auf mich zukam. Er zog sich hastig den Helm ab, seine braunen Augen voller Bedauern. „Tut mir leid, Séra. Ich wollte noch gegenlenken, aber...," fing er an, die Schultern hängend.
Ich hob eine Hand und schüttelte leicht den Kopf. „Schon gut, Carlos. Kann passieren." Seine Erleichterung war fast greifbar. Trotzdem war der Frust nicht weniger geworden. Marschalls kamen angerannt und führten uns von der Strecke, vorbei an unseren zerstörten Boliden. Drei frustrierte Fahrer, drei zerbrochene Rennen. Es hatte so gut angefangen – und endete jetzt so.
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Lights Out
Fanfiction"Frauen haben in dieser Welt nichts zu suchen." Diesen Spruch hörte Séra schon seitdem sie ein kleines Mädchen war. Doch das hielt sie nicht auf darum zu kämpfen ihren Traum wahr werden zu lassen. Die erste Frau in der Formel 1 zu werden. Das die...
