88. Kapitel

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*Landos Sicht*

Schmunzelnd lehnte ich noch immer hinter der Stalltür, während ich die vertraute Stimme meines Mädchens vernahm. „Und was mache ich jetzt bis Silverstone?," fluchte sie leise vor sich hin, während sie dem Auto hinterherblickte, das gerade vom Hof rollte. Darin saßen Aron und Zoey, die sich für ein paar Tage nach Portugal abgesetzt hatten, ein kleiner, wohlverdienter Urlaub.

„Du kannst ja gerne mal wieder deinen Pflichten nachgehen. Zum Beispiel dich um Bambi kümmern. Du bist ständig unterwegs, ein bisschen Bewegung würde dir auch mal wieder guttun," mischte sich ihre Mutter ein.

Ein leises Lachen entkam mir, sie hatte keine Ahnung, dass ich nur ein paar Meter entfernt stand, verborgen im Schatten des Stalls, lauernd wie ein heimlicher Besucher aus einer anderen Welt.


Maria, ihre Mutter, hatte mich eingeladen, noch ein paar Tage zu bleiben, und ich hatte ohne Zögern zugesagt. Nicht nur, weil ich schlecht Nein sagen konnte, sondern weil jeder zusätzliche Moment mit Séra ein Geschenk war. Bald würde das Rennchaos mich wieder einholen, Silverstone, mein Heim-Grand Prix, wartete bereits.

„Du weißt schon, dass mein Beruf ziemlich busy ist?," konterte Séra leicht genervt und trat durch den Stalleingang. Ich hörte ihre Schritte auf dem festen Boden, das leichte Klacken ihrer Stiefel, als sie weiterging. „Es war ja nur eine Idee!," rief Maria ihr hinterher, gefolgt von einem neckischen: „Ach, und Séra! Genieß die nächsten Tage!" Ich zog mich noch ein Stück weiter zurück, mehr in den Schatten. Ihre Mutter ahnte mehr, als Séra lieb war, das spürte man.

„Was meint sie jetzt schon wieder damit?", murmelte Séra vor sich hin und trat schließlich in den Stall.



Offenbar hatte sie nicht die Absicht, sich umzuschauen, stattdessen steuerte sie zielstrebig auf ihre Stute zu.

„Weißt du, was gerade bei uns zuhause abgeht?," seufzte sie leise, während sie Bambis Halfter berührte. „Irgendwie habe ich das Gefühl, alle spielen verrückt."

Die braune Stute senkte den Kopf, schnaubte leise und ließ sich von ihrer Besitzerin geduldig über die Stirn streicheln. Es war eine vertraute, beruhigende Szene.

„Wenn ich ehrlich bin," flüsterte Séra, ihre Stimme kaum mehr als ein Hauch, „wäre ich jetzt viel lieber in Monaco. Bei Lando. Das hier...das hält doch keiner mehr aus." Ein amüsiertes Grinsen stahl sich auf meine Lippen. Der Moment war gekommen.




„Du hättest auch einfach fragen können, ob ich dich mitnehme," sagte ich lachend und trat aus dem Schatten heraus.

Wie vom Blitz getroffen drehte sie sich zu mir um. Ihre Augen wurden groß, ihr Mund öffnete sich leicht, als wäre sie für einen Moment unfähig zu sprechen. „Lando?! Was machst du denn hier?," stieß sie überrascht aus, fast atemlos.

Ich zuckte die Schultern, trat langsam näher. „Darf ich dich etwa nicht mehr besuchen?"


Für einen winzigen Augenblick blieb alles stehen, dann stürzte sie nach vorn. Ihre Bewegungen waren so entschlossen, dass ich kaum Zeit hatte, zu reagieren, als sie mir bereits um den Hals fiel. Ihre Arme legten sich fest um mich, ihr Körper schmiegte sich an meinen, vertraut, echt, voller Wärme.

Und dann...küsste sie mich.

Dieser Kuss war kein flüchtiges Willkommen, kein vorsichtiges Tasten. Er war voller Sehnsucht, voller Aufgestautem, das sich in diesem einen Moment entlud.

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