Chapter 72

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Mit einem Krachen knallen die Flügeltüren gegen die Wände und zwei gehetzte Personen stehen in der Tür. Es sind Runa und Lian, welche zu uns rennen, nachdem sie die Lage erkannten. Sie wollen wissen was passiert ist, doch bevor ich etwas sagen kann, unterbricht uns der König " Wir müssen zuerst die Verwundeten verarzten, versucht auch die Hexe zu retten, sie schuldet uns noch einige Erklärungen.", befiehlt er und so machen wir uns an die Arbeit, den Schock der letzten Minuten verarbeitend. Lian und mein Vater stabilisieren die Hexe, während sich Runa, um den Soldaten kümmert. Ich weiß zuerst nicht wo ich helfen kann, doch dann stützt sich plötzlich Jake auf mich und ich schaue ihn besorgt an. Er hält sich mit schmerzverzerrten Gesicht die Wunde am Bauch und stützt sich mit der anderen Hand bei mir ab. Vorsichtig gehe ich mit ihm zu einer Wand, an der ich ihn runter gleiten lasse. Schnell schaue ich mich nach einer Art Verband um, kann aber nichts finden. Da das Tüll meines Kleid nicht zugerbrauchen ist, ziehe ich vorsichtig Jake sein Jacket aus und reiße es in Streifen, um ihm seine zwei Wunden zu verarzten. Ich bin gerade dabei die Wunde am Arm zu versorgen, als ich ein leises Winseln höre. Hinter dem Thron kommt Zenobio heraus, er wirkt extrem verängstigt, was auch kein Wunder ist, denn er ist immer noch ein Junges und hatte erst vor kurzem seine Mutter verloren. Vorsichtig öffne ich die Arme, in welche mein kleiner Greif sofort springt und sich krächzend an mich schmiegt. "Hey, es ist alles gut. Wir haben es überlebt.", flüstere ich beruhigend in sein Ohr und bringe mich so selber wieder etwas runter. Ächzend setze ich mich mit Zenobio im Arm direkt neben Jake und lege vorsichtig meinen Kopf auf seine Schulter, während ich den Greifen auf meinem Schoss durch die Federn streiche.

Stille breitet sich in dem kleinen Raum aus und ich ergreife vorsichtig Jakes Hand. Es war bereits einige Stunden her, seit dem Angriff. Wir hatten schnell festgestellt, dass keiner der Bewohner des Schlosses getötet wurde, nicht einmal die Soldaten. Nach dem sich die Lage beruhigt hatte, brachten wir alle Verletzten in die improvisierte Krankenstation des Schlosses. Begabte Heiler und Heilerinnen brauchten Stunden, um die vielen Wunden zu versorgen und waren noch immer dabei. Auch Jake wurde relativ schnell in eines der Krankenzimmer gebracht, seine Wunden wurden genäht und desinfiziert. Trotz seiner Proteste, dass das alles nicht so schlimm wäre, war er wenige Augenblicke nach der Behandlung, vor Erschöpfung eingeschlafen. Mit der Aussage der Ärzte, ich solle Bescheid sagen, wenn er aufwacht, waren diese verschwunden und ließen mich mit Zenobio und Jake alleine. Der kleine Greif weicht noch immer nicht von meiner Seite, doch diesmal nicht aus einem Beschützerinstinkt heraus, sondern weil er Angst hat. So sitze ich auf einem Hocker, in der einen Hand Jakes Finger und mit der Anderen streiche ich behutsam über Zenobios Kopf. Mit müden Augen wache ich über meinen Beschützer, ohne ihn wäre ich bereits Tod und doch sitze ich nun hier, ohne einen einzigen Kratzer, während Jake schwer verletzt vor mir liegt. Eine einzelne, verzweifelte Träne weicht aus meinem Augenwinkel und kullert meine Wange herunter. Es ist Erleichterung, welche mich durchströmt, aber auch Besorgnis für den Verletzten vor mir. Ein Klopfe reißt mich aus meinen Gedanken und ich rufe ein herein. Die Tür öffnet sich und mein Vater tritt herein, er stellt sich zunächst schweigend neben mich, bis er beginnt zusprechen: "Alle Verletzten wurden versorgt und sind aus Lebensgefahr. Die Weise Hexe hat die Angreiferin, als eine Hexe des Geistes identifiziert und ihre Kräfte fürs Erste blockiert". Nickend nehme ich das Gesagte hin und beginne zu schlussfolgern: " Die Hexe, meinte sie wäre an den Angriffen auf meiner Reise schuld, kann es die Möglichkeit sein, dass die Angreifer nicht wussten, was sie taten und nur manipuliert wurden"? Der König nickt nun seinerseits und spricht: " Das ist sogar sehr wahrscheinlich, so wie ich es verstanden habe, nutzen die Geistesverwirrer die Schwächen eines Jeden aus und rauben ihnen ihre Handlungsfreiheit, sie machen ihre Opfer zu Sklaven, denen sie ihren Willen aufzwingen. Nur ein starker Geist und unüberwindbare Gefühle können den Zauber widerstehen". Mein Blick wandert zu Jake, er hatte den Zauber brechen können, ich wusste zwar, dass er stark war, aber welche unüberwindbaren Gefühle hegt er? " Die Hexe meinte noch etwas von einem König, welcher eine Gestaltwandler als Frau hatte. Sie meinte deine Eltern oder?", frage ich meinen Vater. Nickend bejaht er meine Aussage und fügt noch hinzu: " Das ist die wahrscheinlichste Schlussfolgerung, außerdem geht mir nicht aus dem Kopf, dass sie möglicherweise mein Mutter auf dem Gewissen hat". Entsetzt schaue ich zu Rayloy, wie konnte er trotz dieser Tatsache so ruhig bleiben und trotzdem für das Leben der Hexe einstehen. "Ich weiß was du denkst, Kathlin. Doch wenn es stimmt, dass wir sie aus dem Land vertrieben haben, haben wir den Samen ihres Hasses gepflanzt. Du hast gestern geschworen, dein Volk zu schützen, da ist Rache nicht die beste Entscheidung, noch dazu haben wir nicht das Recht für uns zu entscheiden, wir entscheiden immer für das Volk.", spricht mein Vater ruhig auf mich, ich schlucke einmal schwer, nicke aber dann. Mein Blick wandert wieder zu Jake und ich streiche ihm eine seiner verschwitzenden Strähnen aus dem Gesicht, während mein Vater den Raum wieder verlässt.

Ich weiß nicht wie viel Zeit vergangen war, doch ich werde von einer Bewegungen an meiner Hand aus meiner Trance gezogen, langsam bewegen sich die Finger von Jake und schließen sie um meine Hand. Lächelnd schaue ich zu, wie er seine Augen blinzelnd öffnet. Ich beuge mich über ihn spreche mit ruhiger Stimme: " Hey Jake, wie geht es dir"? Jake hat seinen Augen nun ganz geöffnet und mir strahlt ein klares blau entgegen, er versucht sich aufzurichten, lässt sich aber mit einem schmerzverzerrten Stöhnen wieder fallen und hält sich seine verbundene Wunde am Bauch. Als er sich wieder beruhigt hat, versucht er sich erneut aufsetzen, wobei ich ihn stütze und sein Kissen so hinlege,, dass er gemütlich sitzen kann. Nun dreht er seinen Kopf zu mir und lächelt mich leicht an, was ich ihm gleichtue. Es würde noch eine Weile dauern, bis er vollkomme genesen war, doch das Schlimmste ist überstanden.

Langsam gehen wir durch die Gänge, wobei sich Jake immer wieder bei mir abstützte und Zenobio sich nah an mich schmiegt. Ich hatte die Nacht bei Jake verbracht und heute Morgen wollte er unbedingt die Situation im Palast sehen. So haben wir uns also schnell fertig gemacht, haben gefrühstückt und sind losgegangen. Auf unserem Weg sind uns immer wieder Wesen entgegengekommen, welche halfen die Schäden, welche beim Kampf entstanden waren, zu reparieren. Wir besuchten auch einmal die verletzten Soldaten, welche sich sehr freuten, von der Kronprinzessin besucht zu werden. Schließlich treten wir in den Thronsaal ein, um mit meinem Vater noch etwas zu besprechen, doch dieser hat gerade Besuch, von einem Mann, welcher sich als Berater vorstellt. "Wie ich bereits eben sagte, ist es notwendig, dass sie mehr Leibwachen einstellen. Das Volk macht sich Sorgen und wenn es die Königsfamilie nicht in Sicherheit sieht, wird es sich selber nicht geschützt fühlen." redet der Berater auf meinen Vater ein. Dieser seufzt nur schwer und stimmt dem Vorschlag schließlich zu, was den Berater dazu auffordert, den Saal schnell zu verlassen. Einmal streicht sich mein Vater noch durch das Haar, bis er sich zu uns dreht und sprach: "Schön, dass ihr kommen konntet und auch gut, dass es dir schon besser geht Jake. Ihr müsst mir noch einmal alles erzählen über die Vorfälle auf eurer Reise, denn es könnte sein, dass die manipulierten Wesen einige Schäden behalten haben. Deshalb müssen wir sie unbedingt finden, damit unsere weise Hexe sie heilen kann". Nickend beschreiben Jake und ich abwechselnd die Situationen, bis die Türen erneut aufschwingen. Lian und Runa treten herein, nur um dem König auch ihre Sichtweise preiszugeben. Als wir schließlich alle geendet haben, dürfen wir gehen und so macht sich unsere kleine Truppe auf, um sich ein wenig in die Gärten des Schlosses zusetzen.

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The legends of tomorrowGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt