Chapter 34

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Verträumt schaue ich ihn die Ferne, als die ersten Umrisse der Insel Nólsoy zu erkennen sind. Aufgeregt hebe ich meinen Kopf, welchen ich vorher auf meinen Arme liegen hatte. Ich hatte mich neben Lian gestellt nach dem die Hauptstadt im Meer verschwunden war und hier stehe ich noch immer. Während Lian langsam an die Insel heranfährt, erkenne ich immer mehr von den einzelnen Wölbungen und Details der Insel. Überrascht entdecke ich einige Schiffwracks aus vergangenen Zeiten. Sie sehen ein wenig wie Kriegsschiffe aus. Ich schüttele den Kopf, nein dass konnte ich gar nicht wissen, ich habe noch nie eines dieser Schiffe zu Gesicht bekommen. Dennoch fasziniert mich dieser Anblick. Immer weiter fahren wir auf die Wracks zu und ein Schauer zieht sich meine Wirbelsäule entlang. Was wohl mit den Seeleuten passiert ist, welche mit ihrem Schiff die Weiten des Meeres erkundet hatten. Abermals schüttelte ich meinen Kopf, darüber sollte ich mir wohl lieber keine Gedanken machen. Lian schafft es elegant unser Segelschiff durch die Fragmente alter Zeiten hindurch zuführen. Wiedermal bin ich beeindruckt, welches Können in dem doch so unscheinbaren Jungen steckt. Kurz bevor das Wasser zu flach für unser Gefährt wird, bleibt es stehen.

Ich ziehe die Meeresluft tief in meine Lungen ein und puste sie dann wieder vorsichtig aus. Ich lerne diese Umgebung langsam zu lieben und ich bin dem keinesfalls abgeneigt. Einen Fuß vor den nächsten setzend, gehe ich Richtung Beiboot, bei welchem bereits Runa und Jake warten. Auch Lian folgt mir, nachdem er das Ruder gesichert hat. Einer nach dem Anderen steigen wir in dieses und Jake lässt uns schließlich runter Richtung Meer.

Als wir in unserem kleinen Paddelboot, so neben der Aeronaut schwimmen, erkenne ich noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive, wie groß sie doch ist. Ohne das ich es wirklich bemerke, fangen Runa und Lian schon an zu rudern und uns Richtung Strand zubringen. Als meine Füße den Boden berühren, durchströmt mich etwas wie Erleichterung. Ich bin wohl doch noch nicht so Seetauglich wie ich dachte. Mit etwas wackeligen Beinen folge ich nun Lian, welcher unsere kleine Truppe die Dünen hochführt. Als wir diese erreichen, erkenne ich, wie klein diese Insel eigentlich ist. Ich kann problemlos die flache Landschaft überblicken und wäre in der Mitte nicht ein kleiner Wachturm mit Wachhäuschen, hätte ich auch wirklich jeden Millimeter sehen können. Auf der rechten Seite der Insel grasen ein paar Schafe, während auf der anderen einige schwere Bruchteile von alten Schiffen liegen. Zielstrebig führt uns, Lian auf das Haus zu, welches wohl als Bruchbude darzustellen ist. Es wirkte fast so, als wäre es aus den gleichen Fragmenten gebaut, welche auch auf dem Meer schwimmen. Etwas unruhig folge ich Lian und auch Jake verspannt sie deutlich und läuft nun mehr neben, als hinter mir. Das beruhigt mich wiederum etwas, doch ein gewisses Unwohlsein bleibt. Doch ich rufe mir in Erinnerung, dass Lian uns zu diesem Mann führt und er würde es bestimmt nicht tun, wenn er diesem nicht ein wenig Vertrauen schenken würde.

Schließlich stehen wir an der hölzernen Tür und Lian lehnt sich vor, um zu klopfen. Das Geräusch verhallt in den Weiten der Landschaft und es vergehen einige Minuten. Lian beugt sich erneut vor, um zu klopfen. Doch bevor irgendwas anderes passieren kann, öffnet sich die Tür einen Spalt breit. Vor uns steht ein alter Mann, wenn ich schätzen müsste, um die siebzig. Jedoch habe ich ja bereits herausfinden müssen, dass das nicht so einfach mit dem Alter hier ist. Er steht etwas gebückt vor uns, als habe er jahrelang in dieser Haltung gearbeitet und schaut uns grimmig aus seinen eisernen grauen Augen an. Ein kalter Schauer läuft mir den Rücken hinunter und ich will schon einen Schritt zurück stolpern, halte mich aber gerade noch davon ab. Das würde tatsächlich ziemlich unhöflich rüber kommen. Also schiebe ich meine aufkommenden Gefühle zur Seite und verbeuge mich leicht. Dies tun mir schließlich die anderen nach und Lian gibt unser Anliegen an. Sie besprechen noch einige Details, welche ich nicht wirklich verstehe. Doch anscheinend vertraut der alte Mann Lian mehr als uns, denn sein Blick wird um einiges weicher, als er mit Lian spricht.

Schließlich haben der Alte und Lian sich entschieden, sofort mit den Umbauten anzufangen. Da Jake, Runa und ich ihnen dabei wohl keine große Hilfe sein können, haben sie uns Richtung Strand geschickt. Runa hat die Initiative ergriffen und sich das erste Mal nach den letzten Tagen wieder verwandelt. So kann man nun beobachten, wie sie ihre Kreise über der Insel fliegt. Jake und ich sind an den Strand gegangen. Er sitzt auf einer der Dünen und ich vergesse für einen Moment meine Manieren. Ich muss sowieso bald als Kronprinzessin auftreten, vielleicht ist dies das letzte Mal. Also habe ich meine Schuhe und Socken ausgezogen und vergrabe nun meine Zehen im weichen Sand. Genießend schließe ich die Augen, während die leichte Kühle meine Füße umschmeichelt. Ich habe zwar dauerhaft das Gefühl, dass Jake immer ein Auge auf mich hat, doch ich fühlte mich erstaunlich frei. Ich gehe noch einige Schritte weiter Richtung Meer. Bis die ersten Wellen meine Knöchel umspülen. So gehe ich noch einige Meter weiter am Strand entlang. Es ist ein furchtbar beruhigendes Gefühl und ich ziehe die salzige Luft tief in mich ein. Als ich meinen Blick gen Himmel hebe, sehe ich ein wunderschönes Farbenspiel, welches die nun untergehende Sonne zaubert. Lächelnd gehe ich einige Schritte rückwärts aus dem Meer, ohne meinen Blick von dem Anblick zu lösen. Schließlich setze ich mich in den Sand, vergrabe auch meine Hände in diesen und genieße die letzten Sonnenstrahlen des Tages. Ein Rascheln weckt mich aus meinen Gedanken, lässt mich aber nicht meine Augen öffnen, denn aus unerklärlichen Gründen weiß ich bereits, dass es Jake ist, der sich neben mich setzt. So sitzen wir nebeneinander und genießen zusammen das Ende des Tages auf einer Insel die mir so fremd ist, wie das Leben, welches ich zurzeit führe. Aber zumindest ist eines sicher, Jake ist genauso ein Bestandteil dieses Momentes, wie auch meines Lebens.

999 Wörter ✔

The legends of tomorrowGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt