Chapter 102

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Angespannt starre ich auf mein Mittag, lasse aber schließlich lustlos das Besteck auf den Teller fallen, wobei ein klirrendes Klappern den sonst stillen Raum durchbricht. Mir wird schlagartig übel, als ich mich erinnere, dass die Soldaten gerade ihre Positionen einnehmen. Noch heute Morgen hatten wir uns von zweihundert Mann verabschiedet, welche unter der Führung von Runa die Mauer darstellen sollen, welche die Hauptstadt beschützt. Schwer schlucke ich den Kloß in meinem Hals herunter. In den letzten Tagen hatte ich immer wieder mit den Soldaten trainiert und sie über diese Zeit ins Herz geschlossen. Meiner Meinung nach waren sie nicht weit genug, um in einen Krieg zuziehen, doch keiner wäre jemals bereit dafür. Es ist eine schreckliche Entscheidung und wird für viele ein barbarisches Schicksal bedeuten. Je mehr sich meine Gedanken darum kreisen, desto beengter fühle ich mich in meinem eigenen Körper. Mit rasendem Herzen springe ich auf und schmeiße dabei meinen Stuhl um, panisch renne ich aus meinem Zimmer. Ich brauche frische Luft, irgendwie muss ich raus. Mein Weg führt mich durch ewige Gänge, mit aberhunderten Türen. Aus Verzweiflung reiße ich eine dieser Türen auf und mein Blick fällt sofort auf den einladenden Balkon. Mit schnellen Schritten erreiche ich den gläsernen Durchgang, hektisch schiebe ich diesen auf und sobald ich auf der weiterführenden Plattform bin, ziehe ich, wie ein Ertrinkender, die frische Luft in meine ächzenden Lungen. Langsam beruhige ich mich und meine Konzentration lenkt sich von meiner Atmung hin zu der Aussicht, welche sich mir bietet. Dadurch, dass ich in der dritten Etage des Palastes bin, blicke ich direkt über die Rosengärten in die Stadt hinaus. Ich gehe einige Schritte weiter bis zum Geländer, um mich daran anzulehnen und meinen Blick schweifen zulassen. Einige Meter hinter den letzten Häusern der Stadt, kann man die Mauern erkennen, welche die Bewohner, wie eine ewiges Band umschlingen und schützen. Genau dort müssen meine Kameraden sein und über die Grenzen hinaus, in weiter Ferne waren irgendwo Jake und Lian. Sie sind noch immer nicht zurück gekehrt und die Sorge um sie, ist mein ständiger Begleiter. Ich drehe mich gerade seufzend um, als plötzlich ein ohrenbetäubender Knall über die Stadt fegt. Ruckartig drehe ich mich zurück und erkenne noch einen blendend grellen Blitz von der Mauer ausgehend, dann beginnen die entsetzlichen Geräusche, des herannahenden Todes. Bis zum Schloss, wird das Klirren von aufeinandertreffenden Schwertern, getragen, zwischendrin das aufbrüllen wilder Tiere und im regelmäßigen Takt ein heftiges Knallen, welches den Boden unter den Füßen erzittern lässt. Und obwohl ich nur eine leichte Staubwolke über dem Kampf sehen kann, breitet sich panische Angst in mir aus. Jedoch ist es nicht, wie früher, die Angst um mich, welche mich handeln lässt, sondern die Angst um die Soldaten und Wesen, welche in direktem Kontakt mit dem Chaos stehen. Schwungvoll verschwinde ich im Palast, werfe die Tür hinter mir zu und stürme in mein Zimmer, wo mich bereits ein unruhiger Zenobio empfängt. Beruhigend gehe ich zu dem massigen Körper, welcher nun schon fast so groß, ist wie ich und streiche ihm durch das Fell. Sobald er zur Ruhe gekommen war, lege ich ihm mit schnellen Handgriffen die schützenden Lederschienen an, dann machen wir uns auf die Suche nach meinem Vater. Ich hatte bereits heute morgen ein praktisches Gewand angezogen, welches aus einer ledernden Hose, einem Leinenhemd und einem schützenden Korsett besteht, sowie hohen, geschnürten Stiefeln.
Meinen Vater finde ich schließlich im Thronsaal, an seiner Seite Fia und drei weitere Wachen. Als mich mein Vater bemerkt, winkt er mich zu sich, was ich schnell Folge leiste. Sobald ich bei ihm bin, beginnt Fia zusprechen: "Soweit wie es aussieht, sind die Menschen uns rein von der Anzahl überlegen und auch ihre Waffen sind das Beste was sie aufbringen können. Doch wir sind noch immer Gestaltwandler". Nachdenklich nicke ich und frage nach unser einzigen Trumpf: " Was ist mit den Elfen"? "Sie sollten demnächst ankommen, doch Magie ist eine schwierige Sache und kaum mit Zeit in Einklang zubringen.", antwortet mir Fia und abermals nicke ich, wobei ich unbewusst an meiner Lippe knabbere. Mir ist nicht wohl bei der Sache, wir wollten die Feinde abfangen, sobald sie in der Stadt angekommen sind, doch wenn wir dermaßen unterlegen sind, ist es durchaus vorstellbar, dass noch mehr Schäden entstehen, unter dem Volk, wie auch in der Stadt.

Die nächsten Stunden waren bedrückend, wir saßen nutzlos im Thronsaal rum, wobei unsere einzige Aufgabe darin bestand auf Neuigkeiten zuwarten und die waren nie gut. Bis jetzt stürmten die Boten drei Mal durch die Flügeltüren und jedes dieser Male mussten sie uns berichten, dass die Feinde weiter eindrangen und unsere Soldaten immer mehr zurückweichen mussten. Es ist schrecklich zuhören, wie wir Wesen verlieren, jedes dieser Leben war so besonders und es wurde einfach ausgelöscht, während wir tatenlos zuschauen. Mein ganzer Körper drängt danach zu handeln, doch wäre ich nur einen Meter aus den Tür getreten, hätte Fia mich bewusstlos geschlagen. Sie hatte es mir vorhin angedroht und ich glaubte ihr jedes Wort und auch wenn es nur zu meinem eigenen Wohl war, hasse ich sie dafür. Ich kenne dieses Land seit nicht einmal einem Jahr und doch habe ich eine so starke Verbindung zu ihnen, als wäre ich mit jedem der Bewohner aufgewachsen. Ich bin nur wenige Tage meines Lebens direkt unter ihnen gewesen, wobei ich nicht einmal jeden gesehen habe, aber jetzt in diesem Moment fühle ich all den Schmerz, welchen sie erleiden müssen. Und vielleicht fühle ich mich schuldig für sie, weil ich selbst ein Mensch gewesen war, unter ihnen gelebt habe und nun sollte ich ein ganzes Land vor ihnen beschützen, dabei weiß ich wie grausam Menschen sind. Wie sie ihr eigens Land ausbeuten und vergiften, nicht mal ihr eigenes Fleisch und Blut unterstützen und ihres Gleichen dem Tod vorwerfen.
Erneut springen die Tore auf und einer der Wachen tritt mit einer weitere Hiobsbotschaft ein. "Sie haben die Innenstadt erreicht, Gebäude brechen zusammen und wir haben bereits die Hälfte unserer Soldaten, sowie viele Opfer an Zivilisten verloren. Wenn nicht bald ein Wunder eintritt, wird es kein gutes Ende nehmen.", presst der Mann zitternd heraus. Er sieht lädiert aus und von seiner Stirn tropft heißes Blut. Doch sobald er seine Atmung unter Kontrolle hat, ersticken die Geräusche mit einem Hieb. Eine metallene Spitze blitzt aus seiner Brust heraus und eine dunkle Gestalt erhebt sich bedrohlich hinter ihm.

1050 Wörter ✔

The legends of tomorrowGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt