Chapter 56

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Wir hatten uns an diesem Abend schnell dazu entschieden, die Nacht über im Hafen zubleiben, damit auch jeder nochmal die Nacht durchschlafen konnte. Doch am nächsten Morgen geht es recht schnell weiter, diesmal Richtung Árnafjôrôur, um dort unsere Reserven wieder auffüllen zu können. Außerdem soll es dort einen atemberaubenden Wald geben, welchen ich gerne einmal sehen will. Wir fahren nicht einmal zwei Stunden, da kommt das Stück Land bereits in Sicht. Mit Vorfreunde hole ich meine Sachen und stelle mich an die Reling, um das Einfahren in de Hafen zu beobachten. Gefrühstückt hatten wir bereits, somit können wir direkt los ziehen, was wir auch tuen. Als wir in der kleinen Stadt ankommen, herrscht reges Treiben , es wirkt fast schon eine leichte Panik. Verwirrt schauen wir uns um, teilen uns aber schließlich doch auf. Runa und Lian wollen sich wieder um die Reserven kümmern, während Jake mit mir den Wald erkunden will. Freudig folge ich Jake die Straße entlang, welche uns am Rand der Stadt entlang laufen lässt, um später als Pfad in den Wald zuführen. Der Wald ist tatsächlich so bezaubernd, wie es gesagt wurde und aufgeregt schaue ich mich um, während ich die Aura des Waldes in mich auf nehme. Überall wachsen die merkwürdigsten Pflanzen und von Bäumen hängen Früchte, welche ich noch nie in meinem Leben gesehen hatte. Um meine Umgebung noch einmal anders wahrzunehmen, verwandele ich mich in meinen Polarfuchs. Es ist lustig alles von weiter unten zu erkunden und auch Jake folgt mir bald in seiner Löwengestalt, welche ich so faszinierend an ihm finde. Irgendwann kommen wir an einem glitzernden Wasserfall an, an welchem ich mich auch zurück verwandele, genau wie Jake. Die Natur genießend setzen wir uns an den Fluss und ich lasse meine Füße im Wasser baumeln. So vergehen einige Minuten, bis ein Rascheln unsere Aufmerksamkeit erhascht. Es kommt aus dem Wald und nähert sich langsam, daraufhin springt Jake sofort auf und verwandelt sich in seine Löwenform. Das Rascheln kommt nun direkt von vor uns und ich spanne mich ängstlich an. Eine große Schnabelspitze taucht plötzlich aus dem Busch auf und ich rücke neugierig ein wenig darauf zu, doch Jake stellt sich schützend vor mich und versperrt mir die Sicht. Ein erneutes Rascheln entsteht, als das Wesen geduckt aus dem Wald kommt. Mit einem Blick an Jake vorbei, kann ich es nun auch erkennen. Es ist ein kleiner Greif, wobei klein wohl eine Untertreibung ist. Er ist trotz das er wohl nicht älter, als ein paar Monate war, bereits so groß wie ein Windhund. Vorsichtig erhebe ich mich und gehe an Jake vorbei zu dem Wesen, was Jake wohl nicht ganz so toll findet, denn er beginnt zu knurren. Erschrocken zuckt der Greif zusammen und ich schaue meinen Begleiter bitterböse an. Ich gehe noch einige Schritte weiter auf das Tier zu, bis ich mich vor es hocken und meine Hand ausstrecken kann. Vorsichtig hebt es seinen Blick und schnuppert leicht an meiner Hand. Es ist faszinierend zu beobachten, wie der Kopf, die Füße und die Flügel eines Adlers mit dem Körper des Löwen kombinieren. Der Greif lässt sich nun von mir kraulen, er ist ziemlich zutraulich für ein wildes Wesen. Jake hat sich hinter mir zurück verwandelt und sagt: " Wir sollte schnellst möglichst verschwinden, seine Mutter wird bestimmt jeden Moment auftauchen". Nachdenklich schaue ich auf den Greif und stelle meine Frage: " Aber sind die Mutter und das Jungtier am Anfang nicht immer unzertrennlich? Müsste da die Mutter nicht schon längst da sein"? Mit gerunzelter Stirn nickt Jake mir zu. " Vielleicht ist der Mutter irgendwas passiert und das arme Wesen ist nun ganz alleine.", spreche ich weiter. Plötzlich kommt mir eine Idee, vielleicht kann ich die Natur fragen, ob sie etwas weiß. Das teile ich auch Jake mit, welcher mir zustimmt. Vorsichtig schließe ich die Augen, während ich noch immer den kleinen Greif streichele, um ihn nicht zu verschrecken. Höflich frage ich nach einer Audienz mit dem Wald, welcher mir diese relativ schnell erlaubt. Mit einem Knicks stelle ich mich vor und stelle meine Fragen. Was mir die Natur daraufhin zeigt, sind grauenhafte Bilder und ich schrecke schwer atmend auf. Sorgenvoll blickt Jake zu mir und fragt: " Was hast du herausgefunden"? Erschrocken gebe ich wieder was ich gesehen hatte: "Die Mutter wollte ihr Junges vor einer Ansammlung von Gestaltwandlern schützen, doch die sahen darin einen Angriff und es entstand ein Kampf, in welchem die Mutter gestorben ist. Das Junge wurde dabei nicht entdeckt und seitdem wandert es schon einige Tage hungernd herum." Jake zieht scharf die Luft ein, die Vergangenheit des Greifs berührt ihn wohl auch. Also versuche ich mein Glück und frage ihn: " Können wir ihm vielleicht helfen und es mitnehmen"? Zweifelnd schaut er mich an und antwortet: "Ein Greif gehört nicht auf ein Schiff und ganz besonders nicht in ein Schloss". Traurig schaue ich zu dem Wesen herunter, welches uns mit großen Augen beobachtet. Leise flüstere ich: " Aber hier muss es höchstwahrscheinlich sterben. Es weiß doch noch gar nicht wie es überleben kann". Jake atmet laut aus und erlaubt es dann doch: " Na gut, aber sobald es weg möchte, musst du es freigeben". Lächelnd nicke ich, eine Last fällt von meinem Herzen. Ich hätte es mir nie vergeben, wenn dem Kleinen etwas passiert wäre. Jetzt muss ich ihm nur noch zeigen, dass er mit zu uns kann. Doch das scheint überhaupt kein Problem, als hätte es alles verstanden, folgt der Kleine uns jeden Schritt. Wir müssen einen längeren Weg wählen, um nicht in die Stadt zukommen und wohl möglich, den Greif in Gefahr zubringen. Dabei überlege ich laut: "Wir müssen dem kleinen einen Namen geben, solange er bei uns ist". Jake rollt nur die Augen und somit denke ich mir etwas aus. "Was hältst du von Zenobio, es bedeutet Leben und ist eine Anspielung zu Zeus, einen griechischen Gott. Es passt dazu, dass du überlebt hast und deine Stärke bewiesen hast.", schlage ich vor und streiche dabei durch das Fall des Greifs, schnurrend schmiegt er sich an mein Bein und ich sehe das einfach Mal als Zustimmung. "Sehr gut, dann Zenobio willkommen in der Familie".

Leise schleichen wir das Schiff hinauf, um da von Runa du Lian überrascht zu werden, welche bereits auf uns warten. Schnell versuchen wir uns zu erklären, als wir die Erschrockenen Gesichter sehen. Doch nach dem wir auch die Vergangenheit des kleinen Greifs darstellten, akzeptieren meine Freunde unseren neuen Begleiter schnell. Sie erzählen uns auch, dass die Bewohner ebenfalls sowas erzählt hatten, nur dass nach ihrer Geschichte, eine Bestie an Greif unschuldige Sammler angegriffen hat. Was unterschiedliche Sichtweisen aus einem Geschehen machen, ist erschreckend. Somit entscheiden wir uns nicht länger auf der Insel zubleiben und unseren Weg Richtung Toftir weiterzuführen.

1118 Wörter ✔️

The legends of tomorrowGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt