Chapter 15

129 9 0
                                        

Leise lachend gehen wir an Bord. Runa hatte mir gerade erzählt, wie sie einmal einem Mann helfen musste, welcher eigentlich sie beschützen sollte, aber keinerlei Kampferfahrung hatte. So stand dieser dann ziemlich perplex da, als auf einmal Runa vor ihn trat und gegen drei Gegner gleichzeitig kämpfte. Jake wartet schon auf uns und als er Runa sieht, kommt er auf sie zu und begrüßte sie ebenfalls mit einem festen Händedruck. Möglicherweise kannten Sie sich ebenfalls, denn trotz das Jake meist kalt und pragmatisch rüber kam, schien er ein gewisses Vertrauen in unsere Kammeraden zusetzten. Da Lian sich bereits daran macht das Schiff abfahrtsbereit zu machen, dauert es tatsächlich nicht lange bis wir losfahren. Die Sonne geht langsam unter, als ich mich wieder neben Lian stelle. Er hatte eine Karte ausgebreitet und sucht sich gerade den richtigen Weg nach Färöer, zumindest scheint es so. Vorsichtig schmule ich selber auf die Karte. Ich erkenne, wie weit wir bereits nach Fair Isle gefahren waren und schätze unseren weiteren Weg ungefähr auf einen und einen halben Tag ein. So müssten wir morgen gegen Mittag ankommen. Dies teile ich auch Lian mit, welcher mir zustimmend entgegen murmelt. Ich bleibe noch etwas neben Lian stehen und schaue der Sonne zu wie sie langsam untergeht, während sich Jake und Runa über irgendwas unterhalten. Als die Sonne untergegangen ist, gehe ich ebenfalls runter zu Jake und Runa und wünschte Lian noch eine gute Nacht. Leise stelle ich mich neben Jake. Ich traue mich zunächst nichts zusagen spreche dann aber doch zu ihm: "Jake? Ich würde gerne hier auf dem Deck schlafen. Würdest du vielleicht...?". Ich lasse die Frage offen stehen, doch Jake hat anscheinend verstanden, denn er nickt mir zu. Ich setzte mich langsam auf den Boden, während Jake auf alle Viere geht und sich wieder verwandelt. Einige Sekunden später steht an der Stelle von Jakes menschlichen Körper, der bekannte Wolf vor mir. Jake legt sich nah an mich und ich lasse meinen Kopf langsam in sein Fell gleiten. Runa schaut uns dabei etwas kritisch zu, scheint aber Jakes Verwandlung als eine Erlaubnis zusehen, sich ebenfalls vor mir zu verwandeln. So stellt sich heraus, dass Runa ebenfalls eine Metamorph und Dyr war, denn sie verwandelt sich in einen königlichen Adler. Sie fliegt hoch hinauf zu einem der Masten und macht es sich dort gemütlich. Leicht erstaunt folge ich ihr mir meinen Augen, schließe sie aber relativ schnell wieder und bin einige Minuten später eingeschlafen.

Durch eine kleine Bewegung unter mir werde ich wach. Es ist noch mitten in der Nacht und Jake hat sich nur etwas gedreht, aber etwas ganz anderes hält mich davon ab wieder einzuschlafen. Der Sternenhimmel. Er ist atemberaubend und erinnert mich an zu Hause, wie ich mit meiner Oma an der Isle of Skye sitze und mir ihre Geschichten angehört habe. Durch diesen leichten Schub an Heimweh ist für mich, die Idee wieder einzuschlafen, unmöglich geworden. Also stehe ich langsam auf und gehe auf die andere Seite des Segelschiffes an die Reling, um Jake nicht aufzuwecken.

Dort stehe ich einige Minuten alleine bis ich leises Flügelschlagen höre und dann das Aufprallen von Schuhen. Runa steht in ihrer menschlichen Gestalt neben mir und schaut mich leicht fragend an. "Ich kann nur nicht mehr schlafen.", beantworte ich ihre stille Frage. Nickend stellt sie sich neben mich und so stehen wir beide die Ruhe genießend an der Reling. Bis ich mich an etwas erinnere und Runa darauf ansprach: "Wieso hast du Lian eigentlich Bruderherz genannt? Er hatte dich nur als alte Freundin vorgestellt." Runa dreht sich zu mir: " Wir sind auf eine gewisse Art und Weise Geschwister. Seine Familie hat mich aufgenommen als ich sechs Jahre alt war. Du musst wissen Lian und ich haben schon vorher viel miteinander gespielt und als er erfahren hat, dass ich Waise bin, hat er seine Eltern solange genervt bis sie mich aufgenommen haben. So sind wir dann auch auf Papier Geschwister geworden. Auch wenn wir es im Herzen schon immer waren". Ein leicht trauriger Blick liegt in ihren Augen, sowie sie ihre Vergangenheit erzählte. Ich weiß nicht was ich genau sagen sollte und gab deswegen nur ein leises: "Verstehe." heraus. Vielleicht hätte ich das Thema doch nicht ansprechen soll. So stehen wir wieder in der Stille da, während der leicht kühlen Wind durch unsere Haare weht. Eine Frage hatte ich aber tatsächlich noch und ich rang mich dazu zu fragen: "Du Runa, warum verwandelt ihr euch eigentlich immer nur in ein Tier. Naja also ich kann das jetzt nicht so genau sagen, ich habe das ja noch nicht so oft gesehen, aber Jake hatte sich beide Male in einen Wolf verwandelt und er benimmt sich auch in seiner menschlichen Gestalt oft raubtierhaft. Also, weißt du?" "Ja, ich verstehe was du meinst. Weißt du wir können uns schon in jedes Tier verwandeln, aber wir haben eine bestimmte Art in der wir uns besonders wohl fühlen. Es ist wie nach einer langen Zeit nach Hause kommen. Und dieses Gefühl hat Jake nun mal bei Raubkatzen und Wölfen, sowie ich sie bei Raubvögeln habe. Es fällt uns dann auch einfacher uns in diese Tiere zu verwandeln und nach einer bestimmten Zeit übernimmt unser Körper Eigenschaften und Charakterzüge von diesem Tier. So das Jake sich geschmeidiger bewegt oder dass ich besonders scharfe Augen habe." "'Das erklärt einiges.", murmle ich vor mich hin. "Du solltest jetzt wieder schlafen gehen, sonst macht sich deine Raubkatze noch Sorgen.", unterbricht Runa meine Gedanken. Verwirrt schaue ich zu Jake. Tatsächlich seine Ohren sind aufgestellt und in unsere Richtung gedreht, als ob er irgendwas kontrollieren müsste. Leise kichernd drehe ich mich wieder zu Runa, "Danke", flüsterte ich ihr zu und mache mich dann wieder auf den Weg zu Jake. Ich lege mich wieder halb auf ihn und flüsterte nur noch ein leises gute Nacht, bevor ich wieder in meine Träume gleite.

972 Wörter ✔

The legends of tomorrowGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt