Ausgeschlafen öffne ich meine Augen und strecke mich. Dabei knackst mein Nacken unangenehm und eine Decke rutscht von meinen Beinen. Wo kam die den her? Ich weiß noch ich war auf dem Deck eingeschlafen, doch ich hatte ganz sicher keine Decke mitgenommen. Verwirrt schaue ich mich um, als ich realisiere was gestern noch passiert war. Ich hatte es endlich geschafft, die Mauer zu überwinden und noch viel besser, ich hatte meine Gestaltwandlerform gefunden. Ein riesiges Grinsen bildet sich auf meinen Lippen und voller Tatendrang springe ich auf, um mich umzuschauen. Der Wind lässt meine Haare nach hinten wehen und ich kann erkennen, dass wir mitten auf dem Meer sind. Auf der rechten Seite kann ich leichte Umrisse von Inseln sehen, doch ich kann keinesfalls sagen, welche es sind. Noch immer lächelnd erkenne ich Jake, wie er am Runder die Richtung korrigiert. Auf leisen Sohlen gehe ich zu ihm, doch sein Gehör lässt ihn auch diesem Mal nicht im Stich und er dreht leicht seinen Kopf zu mir, um mich zu begrüßen: " Guten Morgen Kathlin, hast du gut geschlafen"? Nickend lächele ich ihm zu. Als er mich plötzlich mit gerunzelter Stirn mustert und fragt: " Hast du gestern noch meditiert"? Leicht verwirrt nicke ich und sage dann aber lächelnd: " Ja und ich habe es tatsächlich geschafft. Ich habe die Mauer überwunden und meinen Favorit gefunden": Ein leichtes Lächeln bildet sich auch auf Jakes Gesicht und ich glaube ein bisschen Stolz zuhören als er sagt: " Sehr gut, dann können wir ja heute weiter machen. Würdest du dafür Lian und Runa wecken"? Nickend gehe ich seiner Bitte nach und mache mich auf zu den Kabinen. Leise klopfe ich bei beiden, um sie zu wecken. Jeweils ein leises Murmeln lässt mich erkennen, dass sie mehr oder weniger wach sind. Schmunzelnd gehe ich in die Küche, um das Frühstück vorzubereiten. Da das Wetter heute besonders schön ist, beschließe ich, dass wir auf Deck frühstücken werden. Mit neuem Tatendrang packe ich alles zusammen und trage es nach oben, um es auf dem Holzboden neben Jake auszubreiten. Auf Lian und Runa muss man ebenfalls nicht lange warten und so setzen wir uns und nehmen unser Frühstück zu uns. Es wirkt eine ausgelassene Stimmung und ich genieße diesen Moment sehr. Leider ist er wieder viel zu schnell vorbei. So übernimmt Lian wieder das Ruder, Runa bringt das Geschirr weg und Jake macht sich mit mir im Schlepptau dorthin, wo wir bereits gestern geübt hatten. Wieder setzten wir uns auf den Bode und Jake erklärt die nächsten Schritte: " Okay, da nun der Entdeckungsprozess wieder funktionieren müsste, würde ich sagen, probierst du dich einfach ein bisschen aus. Versuch eine Bindung zu deinem Tier zu finden, der Rest wird von alleine kommen". Tief durch atmend versuche ich das Gesagte um zusetzten. Ich spüre die Präsenz des Polarfuchses nur zu gut, also folge ich dessen stiller Bitte in die Tiefen meines Unterbewusstseins. Ich erwarte schon wieder im Dunkeln zustehen, doch von dem ist nichts mehr zusehen. Im Gegenteil ich stehe auf einer wunderschönen Blumenwiese und in der Mitte sind nur noch die Ruinen meiner Mauer, diese sind bereits mit Ranken überwuchert. Auf diesen Fragmenten spielt der kleine Polarfuchs. Als er mich jedoch sieht, springt er schnell zu mir und lässt sich streicheln. Eine wohltuende Wärme geht von dem kleinen Fuchs aus. Ich verliere mich in dem Anblick der mir mein Unterbewusstsein bietet. Jedoch muss ich mich schnell wieder konzentrieren, schließlich habe ich hier eine Aufgabe. Anscheinend versteht mein Gegenüber das, denn er setzt sich brav vor mich hin. Fasziniert mustere ich ihn, jedes einzelne Haar präge ich mir ein. Schließlich bleibe ich abermals an den Ohren hängen, mit ihnen würde ich anfangen. Ich erkenne die runde Form, welche leicht spitz zuläuft, Die creme-weiße Farbe und wie jedes einzelne Haar sich bewegt. Ich schließe die Augen und stelle mir all diese Merkmale vor, als ich die Augen wieder öffne, schaue ich nicht mehr in die schwarzen Augen des Polarfuchses, sondern in die blauen von Jake. Ein leichter Wind weht um mich und ich spüre ihn besonders an meinem Kopf. Langsam hebe ich meine Hände und berühre zwei flauschige Ohren. Ein Grinsen schleicht mir auf die Lippen. Ich habe es tatsächlich geschafft. Leider verschwinden die Ohren, genau in dem Moment, in welchem ich diesen Satz ausspreche und mein Lächeln verschwindet so schnell wie es gekommen war. "Keine Sorge, das ist normal, mit ein bisschen Übung, wirst du deine Gestalt für immer längere Zeit behalten.", spricht Jake aufmunternd. Noch etwas traurig, dass sie so schnell wieder verschwanden, will ich meine Augen wieder schließen, um es noch einmal zu üben. Da unterbricht mich Jake: " Lass dir einen Moment Pause. Wir üben erst noch ein bisschen Färöisch und dann kannst du noch es noch einmal ausprobieren okay?" Nickend stimme ich ihm zu und so holt Jake einige Bücher heraus.
Gähnend wiederhole ich ein zehntes Mal den Satz, welchen Jake mir vorgesprochen hat. "Machen wir für heute Schluss und essen Mittag.", unterbricht er mich und beendete so unseren Unterricht. Erleichtert stehe ich auf und strecke mich. Freudig gehe ich in die Küche und bereite eine Gemüsepfanne vor, welche wir anschließend alle zusammen auf Deck verspeisen. Während wir essen, beginnt Jake wieder einmal etwas zu erklären: " Also Kathlin eine weitere Sache, musst du nach dem König, noch lernen nämlich Völkerkunde. Dies wird bei dir wahrscheinlich auch ziemlich schnell gehen, da dir deine Oma ja bereits alle Informationen, als Sagen und Legenden erzählt hat. Wir werden dir trotzdem alle Fragen beantworten, wenn du etwas nicht verstehst. Außerdem haben wir dir ein Buch zusammengestellt, wo noch mal alle Völker aufgezählt sind. Das einzige was du jetzt wohl noch lernen musst, ist wie du mit ihnen umzugehen hast. Es leben nämlich so einige Völker bei uns mit auf den Inseln und jede von ihnen hat ihre eigenen Rituale und Manieren. Deshalb werden wir dir immer die Regeln erklären, bevor oder während du auf diese Wesen triffst. Die aller erste und wichtigste Regel dabei ist, dass jedes Wesen, genau gleich viel wert ist. Also wenn du gut behandelt werden willst, dann behandele die Anderen mit Respekt". Nickend gebe ich zu, dass ich alles verstanden habe. So reicht mir Jake ein dickes in Leder gebundenes Buch, welches ich vorsichtig annehme.
Während die Sonne untergeht, blättere ich in dem mir geschenkten Buch weiter. Ich habe den ganzen Nachmittag damit verbracht, mein Wissen, mit diesen Informationen, zu erweitern. Und hatte nur Pausen gemacht, um meine Verwandlung zu üben. Erschöpft lege ich den dicken Wälzer nun weg und setzte mich nochmal in den Schneidersitz. Sofort umhüllt mich die schmeichelnde Wärme des Polarfuchses und ich stelle mir einige seiner Merkmale vor. Ich schaffe es nun bereits die Ohren, die spitzen Zähne sowie den Schwanz für eine halbe Stunde zuhalten. Diesmal versuche ich nur die Ohren für einen längeren Zeitraum zu behalten. Die Verwandlung einzelner Körperteile ist nun kein Problem mehr und so sind keine Sekunde später, zwei flauschige Ohren an meinem Kopf. Leicht schlage ich meine Augen auf und bewege die Ohren ein bisschen mit dem Wind. Es ist wirklich faszinierend, wie viel ich nun hören kann. Noch immer mit den Fuchsohren stehe ich auf und mache einen kleinen Spaziergang an der Reling entlang. Langsam wird es immer schwieriger die Ohren aufrecht zu halten und ein leichter Schweißfilm bildet sich auf meinem Gesicht. Verzweifelt schließe ich die Augen und flüstere mir selbst zu: " Nein, jetzt noch nicht. Du musst dass endlich schaffen, das ist eine Übung für Kinder". Ein Knurren löst sich aus meiner Kehle und wie als wäre ein weitere Mauer eingestürzt, fällt es mir nun kinderleicht die Ohren zu behalten. Ein erleichtertes Lachen kommt von mir, als ich befreit mein Gesicht in den Wind halte und dieser meine Ohren umschmeichelt.
1291 Wörter ✔
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The legends of tomorrow
FantasiTeil 1 „Ich wette mit dir du hast bestimmt mindestens einmal das Verlangen gehabt, in ein Abenteuer zu starten ..." Das waren die Worte welche Kathlin aus ihrem gewohnten und doch so langweiligen Leben zogen, hinein in eine Welt welche von Märchen...
