Chapter 71

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Langsam hört der Applaus auf und die Parlamentsmitglieder kommen einer nach dem anderen zu mir, um mir zu gratulieren. Jeder der Weisen, welcher mich beglückwünscht hat, verschwindet einen Moment später durch die Tür, durch welche bereits die Hexe gegangen war. Wenn ich mich recht erinnere, müsste der darauffolgende Gang auf den Hof führen, von wo man dann zum Hafen kommt.
Mit der dreizehnten Verbeugung ist  auch das letzte Mitglied verschwunden und mein Vater steht vor mir. Stolz lächelnd zieht er mich in eine Umarmung und flüstert mir entgegen: " Das hast du gut gemacht. Ich bin stolz auf dich". Dann löst er sich von mir und schiebt mich zu der anderen Tür, welche gegenüber der war, wo bereits die anderen durchgegangen waren. Ich kann gerade noch einen Blick auf Jake erhaschen, welcher mir ebenfalls zulächelt, da werde ich schon durch die Tür geschoben. Wir gehen direkt auf einen großen, offenen Balkon zu, welcher nur von einigen marmornen Säulen umrandet ist. Mit jedem Schritt dem ich dem Geländer näher komme, wird das Murmeln und Tuscheln lauter. Schließlich trete ich aus dem Schatten der Säule heraus und werde von lauten Rufen und grellem Sonnenlicht empfangen. Es sind Unmengen an Wesen auf dem Platz unter mir und mir wird erneut bewusst, wie viel Verantwortung nun auf meinen Schultern liegt. Doch bevor die Panik sich erneut in mir breit macht, spüre ich wie sie Zenobio an mich schmiegt und sich neben mich setzt. Wieder in der Realität spüre ich auch die Präsenz von Jake und meinem Vater hinter mir und fühle mich automatisch sicherer. Ich stelle mich in meiner vollen Größe vor das Volk und warte bis Stille herrscht. Bereits nach wenigen Sekunden wird es ruhiger und einen Moment später hätte man eine Grille hören können. Mit lauter und kraftvoller Stimme beginne ich zusprechen: " "Vielen Dank, dass ihr so zahlreich gekommen seid. Mein Name ist Kathlyn Rayloydóttir und ich bin die Tochter von eurem geschätzten König Rayloy. Manche von euch haben mich vielleicht schon gesehen, denn ich durfte die letzten Wochen euer geliebtes Land besuchen und habe dabei viele verschiedene Orte und Wesen kennengelernt. Was ich jedoch festgestellt habe, ist die Besonderheit, dass ich trotz meiner Unbekanntheit immer herzlich aufgenommen wurden und so hoffe ich dass ich ihr mich mit der gleichen Offenheit und Gastfreundlichkeit als Kronprinzessin akzeptiert". Zuerst ist es still, doch dann beginnt der lautstarke Applaus und der Jubel. Doch erst als sich ein junger Mann vor mir verbeugt, kann ich aufatmen, denn das heißt ich werde akzeptiert. Nach und nach folgen immer mehr den Beispiel des Mannes und bald hat jeder aus dem Volk seinen Kopf gesenkt. Mein Blick wandert durch die vielen verschiedenen Wesen und erneut kommt das Gefühl der Ehre in mir zum Vorschein. Bis mein Blick an einem Mann hängen bleibt, welcher stur nach vorne starrt, es ist nicht so, als würde er mir trotzen, vielmehr als ob er gar nicht hier wäre. Ich kenne diesen Blick, denn er verfolgt mich jede Nacht in meinen Träumen. Erinnerungen tauchen auf, wie eine Person mit diesen Augen mich von einer Klippe stürzt oder mehrere uns angreifen. Mein Blick fliegt zu Jake und seine Haltung verändert sich sofort, als er meine Panik sieht. Sein Blick wandert nun auch über die Wesen, als sich seine Augen plötzlich weiten. In den nächsten Moment geht auf einmal alles so schnell und gleichzeitig so langsam. Jake stürzt sich auf mich und schubst mich zu Seite. Ich sehe eine Pfeilspitze blitzen, sie schießt durch Jakes Arm und bleibt mit voller Wucht in der Wand hinter uns stecken. Lautes Geschrei geht vom Volk aus, voller Angst und Schrecken. Jake schiebt meinen Vater und mich, trotz seiner strak blutenden Verletzung, in den Palast. Mein Vater ist weniger geschockt und schreitet fast majestätisch schnell in den Palast, während Jake mich mit sich ziehen muss. Die Türen knallen hinter uns zu und eine fast grausame Stille umschließt uns, doch Jake scheucht uns weiter. Langsam komme ich wieder in der Realität an und bewege mich nun von selbst. Immer weiter laufe ich meinem Vater hinterher. Im Augenwinkel sehe ich Zenobio, welcher mich immer wieder angespannt umrundet. Jake führt uns immer weiter ins Innere des Schlosses, bis uns ein gehetzter Soldat entgegenkommt, nach seiner Uniform zu urteilen eine Leibwache des Königs. Sein Blick wandert gehetzt umher, während er uns entgegenkommt. Vor meinem Vater bleibt er schlitternd stehen und fällt in eine tiefe Verbeugung. "Eure Majestät wir werden angegriffen, ein unbekannter Gegner ist während der Zeremonie eingedrungen und hat alle Soldaten ausgeschaltet. Wir müssen uns im Thronsaal verbarrikadieren, dort ist der einzige sichere Ort.", spricht der Soldat schnell auf den König ein. Dieser hört gespannt zu und stimmt schließlich zu, so dass wir der Leibwache zum Thronsaal folgen. Jake und der Soldat schieben die Flügeltüren auf und wir folgen ihnen zügig in den großen Saal. Als die Türen sich schließen, will ich gerade durchatmen, als ich eine Gestalt auf dem Thron erkenne. Auch meine Begleiter bemerken die Person und König Rayloy geht einige Schritte auf diese zu. Ich folge zögerlich, nicht sicher was ich überhaupt tun soll. Zenobio und Jake neben mir, gehen wir immer weiter auf die Gestalt zu, welche sich als hochgewachsene Frau entpuppt.  Sie hat langes, schwarzes Haar und bleiche, fast weiße Haut mit scharfen Wangenknochen. Fast schon arrogant schaut sie auf uns herab, kommt uns aber schließlich entgegen. Als wir auf gleicher Höhe sind, bleiben wir jedoch nicht stehen, wir umrunden uns, so dass die Fremde nun an der Tür steht. Dort bleibt sie schließlich stehen, was auch uns zum Stehen bringt. Plötzlich pfeift die Frau durch ihre Zähne und wie bei einem Befehl geht die Leibwache, welche uns gewarnt hatte, auf sie zu und stellt sich vor sie. Mit einer kurzen Berührung an der Stirn des Soldaten, von der Hexe aus, kippt die Leibwache einfach um. Panisch weiten sich meine Augen. Hatte sie ihn getötet? " Was soll das? Was machen sie hier und was wollen sie.", fragt nun mein Vater erbost und geht noch einen Schritt weiter auf die Person zu. Nur Jakes Arm, welchen er vor den König gehoben hatte, hält diesen ab noch weiter zugehen. "Wieso sollte ich euch sagen, was ich für Beweggründe habe.", spricht die Unbekannte, überlegt es sich dann aber doch anderes und beginnt wieder zusprechen: " Obwohl, wenn ich euch jetzt einfach töten würde, wäre das ja langweilig.", dabei gibt sie ein gehässiges Lachen von sich. Dann beginnt sie zu erzählen: "Ich war eine unbedeutende Hexe, ohne Familie und ohne Heimat. Ich kam in diese Land, aber nicht mal euer Volk konnte mir einen Ort zum Leben geben. Ich wurde ausgeschlossen und ausgestoßen. Ich flüchtete in die Menschenwelt und fand einen geeigneten Gemahlen, welcher zufälligerweise König war. Doch statt mich zu heiraten, fand er diese Schnepfe von Gestaltwandlerkönigin und zeugte auch noch mit ihr einen Bastard von Sohn, der nichts besseres zu tun hat, als König von dem Land zu werden, welches ich so abscheulich hasse. Und jetzt stehen wir hier und ich bekomme endlich meine Rache. Was für ein Glückstreffer, dass ich vor einigen Wochen von der neuen Kronprinzessin erfahren habe. Sie wäre das perfekte Druckmittel, hatte ich mir gedacht, doch die Dummköpfe von Wandlern schafften es nicht mal ein einfaches Mädchen zu fangen oder gar zu töten". Wieder einmal lacht sie auf eine grausame Art und Weise, während ich sie nur verstört anschauen kann. Die Hexe ist an den ganzen Angriffen Schuld und noch dazu will sie uns jetzt töten, weil sie vor hunderten von Jahren mal nicht akzeptiert wurde. Langsam bekomme ich das Gefühl, dass die Frau eine an der Klatsche hat. "Naja ist ja jetzt auch egal, während ich euch meine Geschichte erzählt habe, ist mir eine neue Idee gekommen, euch zu beseitigen.", spricht die Hexe erneut und grinst dabei verrückt. Mit einem Schnipsen steht die Leibwache, welche ich für tot gehalten hatte, wieder auf und starrt mit trüben Augen an mir vorbei. Die Hexe beugt sich langsam vor und flüstert dem Soldaten etwas zu. Im gleichen Moment fixieren die Augen des Mannes den König und er zieht sein Schwert. Ich realisiere es kaum, da überwindet der Soldat die wenigen Schritte zu meinem Vater und will diesem das Schwert in die Brust jagen, doch Jake springt da zwischen und pariert mit seinem Schwert den Angriff, wird dabei jedoch schwer am Bauch verletzt. Mein Vater stolpert nur einige Schritte zurück, während sich Jake und der Soldat bekämpfen. Doch trotz der starken Verletzungen an welchen Jake leidet, trifft er mit einem tödlichen Schlag und der Soldat geht stöhnend zu Boden. Doch bevor sich Jake zu uns drehen kann, steht die Hexe vor ihm hebt ihre Hände links und rechts neben den Kopf von Jake und flüstert ihm etwas zu. In einer langsamen Bewegung dreht sich Jake nun zu uns und was ich dann sehe, lässt mein Blut gefrieren. Die grauen, starren Augen, welche ich so fürchte, besitzt nun Jake. Mit langsamen Schritten geht Jake auf meinen Vater zu, die Hexe direkt hinter ihm. Ich weiß nicht was sich bei mir umschaltet, doch bevor Jake sein Schwert auf meinen Vater hinunter stießt, springe ich vor ihn und schließe panisch meine Augen. Doch ich verspüre keinen Schmerz und so öffne ich flatternd meine Augenlieder. Zischend starre ich auf die Spitze des Schwertes, welche kurz über mir ruht. Mit aller Macht zwinge ich mich in Jake Augen zuschauen und was ich da erblicke überrascht mich. Jake hat wieder die typischen blauen Augen eines Dyr, welche bei ihm eine so bekannte Geborgenheit ausstrahlt. Doch er starrt mich noch immer unweigerlich an und so traue ich mich nicht mich nur einen Millimeter zubewegen. Die Hexe schaut zuerst verwirrt, legt dann aber ihre Arme um Jakes Hals und flüstert ihm einige Worte ins Ohr. Ich hätte sie am liebsten von Jake weggeschubst, doch sein Blick hat mich noch immer fest im Griff. Jake hebt langsam sein Schwert, so als würde er erneut zustechen wollen, doch diesmal schließe ich nicht die Augen, im Gegenteil ich starre ihn weiter hin an. Mit Schwung schießt das Schwert los, verpasst mich um Haaresbreite und während sich Jake dreht, sticht die Schwertspitze in den Bauch der Hexe, welche noch immer hinter Jake steht. Ihre Augen weiten sich und sie starrt verwirrt auf das Schwert, welches in ihr steckt. Dann bricht sie zusammen und Jake zieht das Schwert aus ihr. Erleichterung durchströmt mich und ich atme schwer aus.

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The legends of tomorrowGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt