Gestern hatten wir noch bis spät in die Nacht geübt und auch wenn die ständige Nähe von Jake mich noch immer rot anlaufen lässt, konnte ich mich langsam entspannen. Ich bin verdammt froh, dass sich die Spannung nun wieder gelegt hatte. Wir schliefen in dieser Nacht wieder im selben Zimmer, doch nicht in der Hängematte. Ich hatte das Gefühl, Jake hätte Angst mich wieder anzugreifen, wenn er nicht die vollkommene Kontrolle über die Situation hat. So lagen wir, er in seiner Wolfsgestalt und ich an ihn angelehnt, also auf dem Boden. Jake war am nächsten Morgen bereits vor mir aufgestanden und ich war mir nicht sicher, ob er überhaupt geschlafen hatte. Ich muss mir eingestehen, dass ich mir Sorgen um ihn machte. Ich will, dass er sich genauso bei mir entspannen kann, wie ich bei ihm und keinesfalls, dass er das Gefühl hat, auf mich aufpassen zu müssen. Doch bis dahin muss ich wohl erst sein vollständiges Vertrauen gewinnen und ich habe das Gefühl Jake ist ein Mensch, der viel Zeit braucht, um sich jemanden zu öffnen.
Meinen Vormittag verbringe ich damit, endlich meine Gedanken zu sortieren und mir einige meiner Fragen selbst zu beantworten. Während unser Schiff seinen Weg weiter führen kann.
Als es langsam Mittag wird, stehe ich an der Reling und beobachte wie die Inseln immer näher kommen. Das erste was mir auffällt, sind die Schwärme an Vögeln, welche über die Landschaft fliegen. Beindruckt versuche ich einem dieser Tiere zu folgen, doch sie verschwinden jedes Mal so schnell, wie sie auftauchen. "Faszinierend nicht wahr?", spricht plötzlich Runa neben mir. Sie erschreckt mich leicht, doch mein Blick bleibt noch immer auf dem Anblick vor mir gerichtet. Runa spricht weiter: " Die Insel, welche wir heute betreten, wurde das erste Mal vor hunderten Jahren besiedelt. Eine kleine Familie mit dem Gen der Dyr ist hier her gezogen. Wie der Zufall so wollte, war besonders die Vogelgestalt in dem Stammbaum stark ausgeprägt und so wurde dieser Ort zu einem Paradies für diese. Natürlich kamen noch einige anderen Familien hierher, doch durch die Mehrzahl an Vogelwesen, wurden auch die nächsten Generationen Arten von diesen." Gespannt beobachte ich die Insel, während die Aeronaut in den Hafen segelt. Welchen starken Einfluss die Umgebung auf das Leben eines Einzelnen hat, faszinierend. Schließlich wende ich mich ab, um meinen Mantel zu holen. Danach ist unser Schiff auch schon angekommen und wir gehen geschlossen die Stufen hinunter zum Steg. Angekommen begrüßt uns eine junge Dame: " Guten Tag, mein Name ist Jóhanna und ich werde euch durch unsere bescheidene Heimat führen". Wir alle begrüßen sie mit einer kleinen Verbeugung, um ihr dann zu folgen. Während wir zwischen immer höher werdenden Klippen hindurch wandern, beginnt Jóhanna einiges über die Gründerfamilie und die Insel zu erzählen. So erfahre ich zum Beispiel, dass es neben diesem Ort nur noch vereinzelt einige Gemeinden gibt, welche aus einer Tier - oder Wesensart bestehen. Und selbst diese sind nur sehr klein und haben keinesfalls die Ausmaße von hier. Während sie davon erzählt, wie viele Wesen hier leben, zeigt sie an den Wänden hinauf und nun kann auch ich die Eingänge zu den Höhlen sehen, welche in die Mauer geschlagen worden sind. Ich erkenne wie einige Gestaltwandler in ihrer Tiergestalt hinauf fliegen, aber auch wie sie in ihrer menschlichen Gestalt über kleine Wege zu anderen Höhlen gehen. Einige Kinder spielen nah an Abgründen und ich habe einige Male Angst sie würden herunterfallen. Doch sie halten sich elegant auf den Beinen, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Was wahrscheinlich stimmt, da sie hier ja alle aufgewachsen sind und wenn doch eines der Kinder es zu weit treibt, verwandelt es sich, wie aus einem Reflex. Wir erreichen schließlich einen der Wege, welche hinauf führen, während Jóhanna noch immer nicht aufhörte zureden. Der Pfad führt uns an den scharfen Steinwänden entlang und wird immer dünner, so dass ich bald nur mit Schwierigkeiten beide Füße zusammenstellen kann. Wir laufen an vielen Höhlen vorbei, dabei kann ich einige Male einen Blick hinein wagen. Es sind tatsächlich kleine Wohnungen, welche meist mit einem Wohnzimmer beginnen und dann in unterschiedlichste Zimmer führen. Es ist erstaunlich, wie offen hier alles ist. Teilweisen sind sogar die Höhlen miteinander verbunden, wie als wäre alles einige riesige Familie. Wir erreichen schließlich die Spitze der Bergkette und stehen somit auf einem riesigen Platz, mit einem Lagerfeuer in der Mitte und einigen Sitzgelegenheiten. Viele der Gestaltwandler laufen und fliegen hier herum. Kinder spielen mit einander und Erwachsene unterhalten sich, während über uns die Schwärme kreisen. Nun da ich näher dran bin, kann ich die vielen verschiedenen Vogelarten erkennen. Doch egal ob Steinadler, Papageien oder Spatzen, sie fliegen alle zusammen und keiner wird ausgeschlossen. Auf der Plattform verlässt uns schließlich unsere Reiseführerin. Am Anfang weiß ich nicht genau was ich machen soll, bis ich mich schließlich traue zu einigen Wesen zugehen und mich mit ihnen zu unterhalten. Unsere Gruppe teilt sich zwar auf, doch wir sind immer in Sichtweite. Ich rede mit Einheimischen, spiele mit den Kindern und mache mir ein Bild von der Gesellschaft. Wir bleiben noch bis es dunkel wurde und das Lagerfeuer angemacht wird. Wir sitzen in kleinen Gruppen und essen eine Art Linseneintopf, bis wir uns schließlich doch verabschieden müssen und uns auf den Weg zurück zur Aeronaut machen. Wir laufen gerade die dunklen Pfade entlang, als uns ein älterer Mann entgegen kommt. Kurz bevor er uns erreicht, schaut er auf und ich sehe in seine Augen. Sie erschrecken mich, denn sie sind grau, benebelt und abwesend, sie wirken fast leblos. Noch bevor ich weiter darüber nachdenken kann, senkt er wieder seinen Kopf. Als er an uns vorbeiläuft, stießt er plötzlich gegen mich und ich verliere das Gleichgewicht. Mit den Armen rudernd will ich es verhindern, doch ich verliere bereits den Halt. Nur die Reflexe meiner Freunde schützen mich vor dem sicheren Tod, welcher mich erwartet hätte, wäre ich die fünfzig Meter hinuntergestürzt. Jeweils zwei Hände haben sich um meine Handgelenke geschlossen und ziehen mich wieder hinauf. Noch immer mit aufgerissenen Augen starre ich Lian und Runa an, welche mich gerettet hatten und flüstere ein tonloses "Danke". Daraufhin ziehen mich beide in eine Umarmung. Ich bemerke noch wie Jake den Mann anschreien will, doch dieser ist bereits spurlos verschwunden. Mit meinem Atem hadernd laufen wir weiter hinunter, während meine Begleiter meine Seiten flankieren, als hätten sie Angst so etwas würde erneut passieren. Ich habe noch immer nicht ganz verarbeitet was gerade passiert war. Hatte der Mann mich mit Absicht geschupst oder war es nur ein Unfall? Doch warum war er dann spurlos verschwunden? All diese Fragen schießen durch meinen Kopf während wir endlich am Hafen ankommen.
1104 Wörter ✔
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The legends of tomorrow
FantasyTeil 1 „Ich wette mit dir du hast bestimmt mindestens einmal das Verlangen gehabt, in ein Abenteuer zu starten ..." Das waren die Worte welche Kathlin aus ihrem gewohnten und doch so langweiligen Leben zogen, hinein in eine Welt welche von Märchen...
