Chapter 43

79 6 1
                                        

Am nächsten Morgen bin ich sehr früh wach. Ich weiß nicht warum, aber noch bevor die Sonne aufgehen konnte, stand ich auf dem Deck und ließ mir den Fahrtwind durch die Haare wehen. Doch plötzlich wird es still um mich, kein Lüftchen weht mehr. Verwirrt schaue ich mich um, bis mein Blick bei Lian hängen bleibt. Vielleicht weiß er was los sei. Zügig springe ich die Stufen zu ihm hinauf und stelle mich zu ihm, um ihn zu fragen: " Lian, was ist los"? " Nun wir haben wohl eine Flaute erwischt, so wie ich diese Gegend kenne, werden wir wohl heute nicht mehr weiter kommen.", erklärt mir Lian. Davon hatte ich gehört, die meisten unserer Schiffe sind als Segelschiffe, auf den Wind angewiesen. Wenn aber eine Windstille herrscht konnte es passieren, dass sich die Planung um Tage verzögert. Aber ich vertraue auf Lians Kenntnisse und glaube daran, dass wir heute Nacht weiter fahren können. Also mache ich mich daran, dass Frühstück vorzubereiten, da die ersten Sonnenstrahlen sich an Deck schleichen. In der Küche angekommen, suche ich mir meine Zutaten zusammen und bereite für jeden ein Brot mit Rührei und Seekrabben vor. Schließlich dekoriere ich noch alles mit Schnittlauch und anderen Gewürzen und decke den Tisch. Ich gehe auf Deck, um Lian Bescheid zusagen. Dieser kommt auch schnell herunter, nachdem er den Anker gelegt hat. Bei Runa muss ich nur schnell klopfen, da öffnet sie bereits die Tür und ich kann ihr berichten, dass das Frühstück angerichtet ist. Bei Jake ist das ganze schon etwas schwieriger. Es ist zwar irgendwie normal geworden bei ich zu schlafen, aber der Morgen danach ist noch immer etwas komisch, zumindest für mich. Also stehe ich kurz etwas verunsichert vor der Tür, bis ich an dieser klopfe. Doch im Gegensatz zu Runa, öffnet Jake nicht die Tür. Ich höre nicht mal ein Geräusch des Aufwachens, auch nach dem zweiten Klopfen, ist kein Lebenszeichen zuerkennen. Also beschließe ich nachzuschauen, vorsichtig öffne ich die Tür und betrete den Raum. Schnell sehe ich, dass Jake noch immer in der Hängematte liegt und ruhig schläft. Ein Schmunzeln schleicht sich auf meine Lippen, als ich sein friedliches Gesicht sehe. Nach einigen Schritten stehe ich vor seinem Bett und lege meine Hand auf seine Schulter, um ihn sanft zu wecken. Doch mit dem was als nächstes passiert, hatte ich nicht gerechnet. Blitzschnell schlägt Jake sein Augen auf und zieht mich mit einem Handgriff unter sich. So das er meine Hände über meinen Kopf hällt und seinem Körper dicht an seinen gepresst ist. Da aber die Hängematte definitiv nicht für diese Angriffe gemacht ist, dreht sie sich einmal um sich selbst und wir landen auf den Boden. Nur liege ich diesmal auf Jake und dieser scheint auch langsam zu bemerken, was passiert ist. Von einer Sekunde auf die andere realisiert mein Körper die Position in welcher ich liege und mein Blut läuft mir in den Kopf, während ich so schnell wie möglich versuche, von Jake runter zukommen. Nach dem ich dies irgendwie geschafft habe, stottere ich ein: " Das Frühstück ist fertig." und flüchte aus dem Raum. Tausend Gedanken legen sich in meinen Kopf. Wie konnte das passieren? Was würd er jetzt von mir halten? Wie soll ich mich ihm gegenüber verhalten. Schließlich bleiben meine Füße vor dem Esszimmer stehen und ich realisiere erst jetzt, dass ich immer weiter gelaufen bin. Einmal tief durchatmend schiebe ich meine Gedanken beiseite und öffne die Türen. Ich sollte wirklich einmal aufhören, meine Gedanken immer zu ignorieren, aber ich kann sie nun wirklich gerade nicht gebrauchen. Also setzte ich mich zu den anderen an den Tisch und beginne schweigend mein Frühstück zu verspeisen, die Blicke von Runa und Lian ignorierend. Im Augenwinkel kann ich die Türen aufschwingen sehen und wie Jake eintritt. Doch mein Blick bleibt stur auf meinem Teller. Er begrüßt uns und setzt sich ebenfalls, um zu essen. Es herrscht eine unangenehme Stimmung, Jake und ich sagen kein einziges Wort und Runa und Lian wissen nicht, was passiert war. Irgendwann durchbricht Runa die Stille und sagt: " Ich werde heute dein Training übernehmen, du wirst die ersten Grundlagen des Bogenschießens erlernen". Erleichtert nicke ich, so muss ich erstmal nicht mit Jake arbeiten.

" Stell dich gerade hin und spanne deinen Ellenbogen mehr an.", spricht Runa streng. Wir trainieren seit einer Stunde die Grundlagen und doch muss Runa immer wieder etwas an meiner Haltung verbessern. Sie ist keine einfache Lehrerin, komplett anders als Lian oder Jake und eine richtige Perfektionisten. Doch ich will mich nicht beschweren, denn es ist keinesfalls so, dass ich nichts von ihr lerne. "Jetzt spann doch deinen Finger nicht so an und zieh endlich deine Schultern nach hinten.", kommandiert sie mich weiter herum. Ich versuchte ihren Anforderung gerecht zu werden, doch es ist nicht so einfach, wenn man das alles ohne Waffen lernt. Stöhnend dreht sie sich von mir weg. Ich will ihr schon hinterher, um mich zu entschuldigen. Doch sie kommt bereits mit meinem Holzbogen wieder. Erleichtert seufze ich auf, sie hat mich also doch noch nicht komplett aufgegeben. Sie reicht mir den Bogen und ich versuche das Gelernte zu übertragen. Doch auch dabei muss ich einiges verbessern. "Kathlin, du sackst schon wieder zusammen und nimm endlich den Bogen fest in die Hand.", zischt sie mir entgegen. Ich dachte eigentlich, ich hätte eine gute Haltung. Doch diese reicht wohl nur für den Adel und nicht für das Waffentraining.

Es vergingen weitere zwei Stunden bis ich eine einigermaßen annehmbare Haltung, nach Runa, besaß. Danach machen wir erstmal Pause. Erschöpft sacke ich zusammen und setzte mich erstmal für einige Minuten auf den Boden. Ich hätte nie gedacht, dass alleine die Haltung so anstrengend ist und mein Respekt für alle Krieger wuchs, um ein riesiges Stück. Unser Schiff schwimmt noch immer auf der gleichen Stelle, denn der Wind war, wie Lian vermutet hatte, seit heute Morgen nicht mehr aufgetaucht. Schließlich raffe ich mich auf, um mich um das Mittagessen zu kümmern. Ich entscheide mich für eine Pilzpfanne, welche wir dann jeder für sich verspeisen. Runa und ich auf unserem Übungsplatz, Jake unter Deck und Lian im Ausguck. Nach dem wir aufgegessen haben, besteht Runa darauf, weiter zu üben und trotz das mir bereits jeder Knochen wehtut, stimmn ich ihr zu. Nach dem wir nochmal die Haltung durchgegangen sind und ich ihr nochmal jede Bewegung in der Theorie vollführen musste. Gibt sie mir das erste Mal einen Pfeil in die Hand und stellt mich einige Meter von der Zielscheibe auf. Jetzt bin ich froh, dass wir die Bewegungen den ganzen Vormittag geübt hatten, denn ich lege den Pfeil und spanne die Sehne mit Routine ein, die ich mir selbst nicht zugetraut hätte. Doch als ich kurz davor bin loszulassen, beginnt meine Hand extrem zu zittern. Was war denn jetzt los. Runa stellt sich genervt neben mich, legt eine Hand auf meine Linke und die andere auf meinen Bauch, als sie mir zuflüstert: " Kathlin, du musst atmen. Vergiss doch nicht das Wichtigste. Atme tief ein und aus". Verwirrt folge ich ihren Anweisungen und beruhige mich langsam. Ich habe gar nicht bemerkt wie unruhig ich geworden bin. Doch nun konzentriere ich mich wieder auf meine Atmung und nur durch die ewige Wiederholung behalte ich meine straffe Haltung. Noch einmal atme ich tief ein und mit dem Ausatmen löst sich der Pfeil und schießt in Richtung Pfahl. Leider jedoch direkt an diesem vorbei, frustriert schließe ich die Augen. "Nicht schlimm Kathlin, kein Meister ist vom Himmel gefallen.", spricht Runa beruhigend auf mich ein. Lächelnd schaue ich zu ihr und hole mir schließlich meinen Pfeil wieder, um es erneut zu versuchen.

Es ist bereits dunkel, doch mit Hilfe meiner Fuchsaugen kann ich genau erkennen, wie mein Schuss erneut am Pfahl abprallt. Seufzend hole ich ihn wieder und lege ihn erneut an, als mich eine Hand auf der Schulter innehalten lässt. Leise raunt mir Jake ins Ohr: "Lass mich dir helfen". Erschrocken erstarre ich auf der Stelle, während er weiter redet: "Tut mir leid, dass ich dich heute Morgen so angegriffen habe, alte Reflexe. Nun schließe das linke Auge". Während er mir eine Gänsehaut nach der anderen beschert, legen sich seine Arme um mich und korrigieren meine Haltung, um ein paar Millimeter. Wenn er nur wüsste, was er gerade mit mir macht und das es heute Morgen überhaupt nicht um den Angriff ging. Seine Hände liegen noch immer auf meinen und sein Körper schmiegt sich an meinen Rücken, während er in mein Ohr wispert: " Fokussiere den mittleren Punkt und während du ausatmest, lässt du los". Und schon schießt der Pfeil Richtung Pfahl und trifft. Ein riesiges Lächeln bildet sich auf meinem Gesicht und voller Freude drehe ich mich zu Jake. Doch der steht noch immer genauso nah vor mir. Mein Lächeln rutscht mir aus dem Gesicht und ich laufe rot an, aber einen Schritt nachhinten zugehen wage ich mich nicht, zu gefesselt bin ich von den Augen, welche sich in meine bohren. Auch Jake scheint sich nicht von mir wegbewegen zu wollen und so stehen wir einige Minuten gegenüber, bis ich es schließlich schaffe mich zu lösen. Räuspernd drehe ich mich um und hole meinen Pfeil wieder. Um es erneut zu versuchen, diesmal mit der Unterstützung von Jake.

1531 Wörter ✔

The legends of tomorrowGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt