In den Morgenstunden kommen wir in Kvívik an. Lian, Jake und Runa haben wieder ihre vollständige Rüstung an und stehen mit mir zusammen an der Reling, um den Plan nochmal durchzugehen. Lian und Runa wollen sich darum kümmern, dass die Reserven wieder aufgefüllt werden, während Jake und ich zu irgendwelchen Ruinen gehen wollen. Jake meint sie würden mir die Geschichte des Landes näher bringen und so lasse ich mich auf den kleinen Landausflug ein. Als wir die Stufe hinunter gehen, stehen wir direkt in einem kleinen Dorf. Es erinnert mich ein bisschen an jenes, in welchem Lians und Runas Eltern leben. Denn die Häuser verschwinden ähnlich in der Landschaft, mit ihren Dächern aus Moos und doch wirkt es größer und lebhafter. Höfflich nicken uns die Bewohner zu und wir grüßen zurück. Keiner scheint zu wissen wer wir sind. Erleichtert amte ich durch, dass hätte mir gerade noch gefällt, wenn jeder mich jetzt anderes behandeln würde. Ich bin genauso froh, dass auch meine Freunde mit mir normal umgingen. Und so schlendern wir durch die Gemeinschaft bis zu einem kleinen Markt, dort trennen sich unsere Wege. Wir würden uns erst morgen Mittag wieder sehen, da es bis zu den Ruinen doch eine ziemliche Strecke ist.
Als wir das Dorf verlassen, genieße ich die Stille, welche sich um uns legt. Über die Tage hinweg waren meine Sinne immer auf Hochtouren, selbst während der Meditationen konnte ich mich nie vollkommen entspannen. Ich habe die Ruhe vermisst, welche entsteht, wenn Jake und ich unterwegs sind. Leises Zwitschern lässt mich aufblicken und ich erkenne, dass wir den Wald betreten haben. Die Äste unter mir knacksen leise, als ich auf sie trete und die Blätter rascheln, während sie hinunterfallen. Ein Rauschen durchbricht die Ruhe und wird von Schritt zu Schritt lauter. Bis wir schließlich an einem Bach angelangen.
Der Bach wird über die Kilometer die wir zurücklegten zu einem reißenden Fluss, welcher sich zwischen zwei Bergketten hindurch zieht. Die Sonne hat ihren Zenit überschritten und wir machen endlich eine Pause am fließenden Wasser. Leicht erschöpft kühle ich meine Füße im Fluss und genieße die Rast, während ich eines der mitgenommenen Brote zu mir nehme. Der Aufenthalt hält jedoch nicht lange an und so machen wir uns wieder auf den Weg. Nach einer weiteren Stunde verlassen wir das Flussufer und bewegen uns wieder ins Innere des Waldes. Bis wir schließlich auf einer Lichtung stehen bleiben. Der Anblick lässt mich entsetzt, scharf die Luft einziehen. Vor mir scheint mal ein Dorf gewesen zu sein, doch nun sind nur noch Fragmente davon zuerkennen. Von den Häusern stehen nur noch die Mauern. Es wirkt als hätte hier ein riesiges Feuer gewütet, aber schon vor Jahren. Erschüttert schaue ich zu Jake und frage: " Was ist hier passiert"? Er starrt nach vorne und schaut doch nirgendwo hin als er beginnt zu erzählen: " Der Krieg vor zehn Jahren, war nicht die einzige Tragödie in unserer Geschichte. Wir sind ein Volk, welches das Privileg hat Land ihr Eigen nennen zu dürfen, das hat bei vielen Anderen Neid ausgelöst. Verschiedene Wesen, haben immer wieder versucht, sich ein Stück unser Inseln zugreifen. Doch unsere Königin, die Mutter deines Vaters, hat es immer wieder geschafft, mit Verhandlungen, dies zu verhindern. Jedoch verschwand sie vor vielen Jahren auf dem offenen Meer, als sie nach einer ihrer Botschaftsreisen zurück wollte. Danach war unser Volk, den anderen schutzlos ausgeliefert. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine Schutzmauer, geschweige denn eine Armee. Das alles kam erst zu der Zeit deines Vaters. Rachsüchtige Stämme, sahen darin eine Möglichkeit sich ihr eigenes Land zusichern. Einige schafften es bis hier her und brannten ganze Dörfer nieder, manche waren sogar so gewalttätig und schlachteten Familien ab. Es war ein Massaker und die Gestaltwandler hatten keine andere Möglichkeit als zurück zu weichen. Die Einzigen die das Land noch zusammen hielten, waren die Mitglieder des Parlaments. Sie schlossen einen Pakt mit den Elfen und dank derer Hilfe und der der Bevölkerung schafften sie die Eindringlinge zurück Zudrängen. Es mussten viele Jahre vergehen, bis die Versuche unser Land einzunehmen, aufhörten und noch viele mehr, bis sich die Völker untereinander wieder vertrauen konnten. Hauptsächlich hat es dein Vater geschafft, die verschiedenen Wesen wieder zu vereinen, denn als er bei uns ankam, war das Land geschwächt und hätte kaum einen weiteren Krieg überstanden. Er schaffte Frieden zwischen unseren Völkern und baute unser Land wieder auf. Bis es wieder in seiner vollen Pracht glänzte". Geschockt hatte ich zugehört, während wir durch die Ruinen laufen. Das Land hat so friedlich und herzlich gewirkt. Ich habe mich sofort hier wohl gefühlt, dass dahinter eine so grausame Vergangenheit steckt, lässt mich erschaudern. Ich habe größten Respekt vor den Gestaltwandlern, dass sie ihren Feinden verzeihen und sie sogar in ihrem Land aufnehmen. Den Einzigen denen sie ihre Existenz verheimlichen sind die Menschen und vielleicht war das auch der Grund, warum alle anderen Wesen trotz ihrer Vergangenheit zusammenhalten. Sie haben alle das gleiche Geheimnis und wollen nur einen Ort bei welchem sie sich zuhause fühlen können.
Nachdenklich sitze ich an einem der Bäume gelehnt, welche am Rand stehen. Jake wollte Feuerholz sammeln gehen und ließ mich mit meinen Gedanken alleine. Ein Knacksen lässt mich aufschrecken. Was war das? Eine Bewegung auf der anderen Seite lässt meinen Blick hinüber schweifen. Erkennen kann ich nichts, doch ein ungutes Gefühl breitet sich in mir aus. Egal was da draußen ist, ich kann mich nicht verteidigen. Ängstlich schaue ich in den Wald, als ich eine Hand auf meiner Schulter spüre. Ruckartig drehe ich mich um, sehe jedoch nur in die fragenden Augen von Jake. Erleichtert atme ich auf. Zusammen machen wir uns daran, unser Lager aufzuschlagen.
Unser Lagerfeuer knistert leise vor sich hin, während einzelne Funken gen Himmel steigen. Meinen Gedanken nachhängend sitze ich an einem Baum angelehnt und beobachte wie die Schatten über die zerstörten Wände tanzen. Es scheint mir als würden mir die Flammen eine Geschichte erzählen. Eine Geschichte über Kinder, welche fröhlich über die Wiesen toben und Mütter und Väter, die ihren Aufgaben nachgehen. Sie alle scheinen voller Freude Zusein. Dann bricht eines der Holzstücke in sich zusammen und die Flammen verändern sich. Sie ziehen über die Mauern, suchen sie ihren Weg durch die Häuser und Familien und zerfressen alles was in ihren Weg kommt. Voller Panik reiße ich mein Augen auf, kann sie aber nicht von dem Schattenspiel lösen. Meine Atmung wird immer flacher und ich habe doch das Gefühl keiner meiner Atemzüge würde ankommen. Das Massaker vor mir wird immer grausamer und es kommt mir vor, als wäre ich mittendrin. Alles spielt sich erneut vor meinem inneren Auge ab und ich ersticke fast unter den vielen Erinnerungen, die auf mich eindringen. Nein, das konnte nicht sein. Die Ereignisse sind Jahrzehnte her. Woher kommen diese Erinnerungen. "Kath ... Kathlin ... Was ist los? Sprich mit mir?", erschrocken reißt mich die Stimme aus der Panik. Jake ist über mich gebeugt und schüttelt heftig an meinen Schultern. Noch immer starre ich ihn mit aufgerissenen Augen an. Doch ich scheine langsam im Hier und Jetzt anzukommen, blinzelnd versuche ich das eben Geschehene zu verstehen. Doch mir fällt keine logische Erklärung ein und so tue ich das Einzige was mir in diesem Moment einfällt. Ich beginne zögernd zusprechen: "Jake, ich habe es gerade gesehen, das Blutvergießen, als wäre ich dabei gewesen". Meine Stimme bricht als ich ihm panisch davon erzähle. Ich kann seinen Ausdruck nicht deuten, weiß nicht ob er mich ernst nimmt. Doch was als nächstes passiert, hätte ich sowieso nicht geglaubt. Jake zieht mich in seine Arme und spricht beruhigend auf mich ein. Seine Hand streicht vorsichtig meinen Rücken rauf und runter, während sich meine Atmung langsam beruhigt. Eine wohlige Wärme legt sich um mich und mir fallen langsam die Augen zu.
1285 Wörter ✔
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The legends of tomorrow
FantasyTeil 1 „Ich wette mit dir du hast bestimmt mindestens einmal das Verlangen gehabt, in ein Abenteuer zu starten ..." Das waren die Worte welche Kathlin aus ihrem gewohnten und doch so langweiligen Leben zogen, hinein in eine Welt welche von Märchen...
