Ein ungleicher Kampf

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„In Deckung!" rief John, lies den Sack fallen, packte Feyth und Keno und hechtete mit ihnen hinter einen Fels, als der Drache sie angriff. Er war noch relativ klein, gerade einmal einen Kopf größer als John, doch nichtsdestotrotz war er mit gefletschten Zähnen auf sie zugestürmt. „Ihr wartet hier in Sicherheit!" befahl der Soldat seinen beiden Begleitern, die stumm und mit weit aufgerissenen Augen nickten. Ohne weiter darüber nachzudenken, richtete sich John wieder auf und stürmte seinerseits auf den Drachen zu, der sich kurz vor dem Höhleneingang befand. Der Abstand zwischen ihm und der Echse waren zwar nur ein paar Meter, doch es reichte, um fast auf sein maximales Sprinttempo zu kommen. Er war froh, dass der Drache noch jung war, denn so konnte er ihm seinen Kampfstyle aufzwingen, nicht wie bei Tymdek, gegen den er improvisieren musste.

Mit voller Wucht tackelte er seinen überraschten Gegner ins Freie, weg von Keno und Feyth. Der starke Regen beeinträchtigte seine Sicht zwar etwas, doch das Gleiche galt auch für den Drachen. John machte den noch am Boden liegenden Drachen vor sich aus und stürzte sich erneut auf ihn, um ihm bloß keine Zeit zu lassen, sich zu erholen. Mit einem kräftigen Schlag brach er das linke Vorderbein der Echse. Diese brüllte vor Schmerzen und schnappte nach seinen Kopf, doch der Titan wich dem plumpen Angriff aus und trieb seinerseits das Messer tief in die Seite des Tieres. Der Drache jaulte abermals und riss sich von ihm los, wobei John ein Anfängerfehler unterlief und er das Messer nicht mehr rechtzeitig herauszog. Es steckte immer noch bis zum Heft im Fleisch des Drachen und nun hatte er nur noch seine Fäuste als Waffen. Davon ließ er sich jedoch nicht beeindrucken. Seine Taktik, die alle Titanen anwendeten, war es, seinen Gegner niederzuhalten, ihm möglichst die ganze Zeit unter Druck zu setzen. Eine Taktik, die zwar bei Tymdek auf Grund seiner Stärke und Größe nicht funktionierte, jedoch gut gegen dieses kleinere Exemplar umzusetzen war.

Der Drache bäumte sich auf und schlug mit der noch gesunden rechten Pranke nach ihm und dieses Mal versuchte John nicht, dem Hieb auszuweichen. Die scharfen Krallen kratzen mit einem schrillen Kreischen über die Panzerung des Atlas, doch mehr als ein bisschen Lack abzukratzen vermochten sie nicht auszurichten. Stattdessen konnte der Soldat nun ohne Mühe das Bein packen und mit einem Tritt brechen. Zum dritten Mal brüllte der Drache laut vor Schmerzen und konnte nicht anders, als sich auf seiner Brust abzustützen, da die gebrochenen Beine unter seinem Gewicht nachgaben. Ein schmales Rinnsal Blut floss ihm aus der Wunde, in der immer noch das Messer steckte, wurde jedoch größtenteils vom Regen weggewaschen. Ein leises Wimmern drang an Johns Ohr, als er sich zu ihm hinunter beugte. Als letzte Verzweiflungstat schnappte der Drache noch einmal nach ihm, aber ohne große Mühe packte der Titan mit der rechten Hand die Schnauze des Drachen und hielt so den Kopf des Tieres fest im Griff. Die Echse sah ihn voller Schrecken aus ihren großen silbernen Augen an, wohl schockiert, von einem Menschen besiegte worden zu sein. Der Titan hatte kein großes Mitleid mit ihm, immerhin war er es gewesen, der ohne Grund angegriffen hatte.

Er wollte dem Drachen gerade den Schädel einschlagen, als ihn etwas gegen die Schulter traf und Feyth in Gedanken schrie: *Nein! Töte ihn nicht, bitte! Es ist ein Missverständnis, bitte lass ihn am Leben!* Er wandte seinen Blick zu ihr und stellte fest, dass sie an seiner rechten Schulter hing und mit Zähnen und Klauen versuchte seine Aufmerksamkeit zu erlangen. „Warum sollte ich ihn nicht töten? Er hat uns angegriffen, ohne Aggression unsererseits. Erklär mir das." entgegnete er ernst und machte keine Anstalten seinen Griff zu lockern. Das kleine Drachenmädchen hörte auf, Johns Arm zu beißen und sah ihn vorwurfsvoll an. *Er wollte nur seine Mutter und seine Geschwister beschützen. Keno und ich haben mit der Mutter gesprochen, ein paar Minuten, nachdem du ihn ins Freie befördert hast. Sie will uns nichts böses und würde es gestatten, das wir in ihrer Höhle das Unwetter ausharren. Bitte, er hatte nicht vor jemanden von uns zu töten, er wollte uns nur Angst einjagen.* erwiderte sie, doch John lachte nur trocken.

„Wenn Drachen das unter Angst einjagen verstehen, möchte ich nicht erleben, was passiert, wenn ihr töten wollt. Feyth, hättest du oder Keno gegen ihn gekämpft wärt ihr jetzt vermutlich tot, zumindest wenn Keno immer noch zu erschöpft für Magie gewesen wäre. Ich werde ihn nicht loslassen, bis ich eine Sicherheit dafür habe, dass er euch nicht mehr verletzt." *Verletzen? Sie ihn dir doch einmal an! In diesem Zustand könnte er nicht einmal mehr versuchen uns anzugreifen!*Als der Soldat den Drachen immer noch nicht los ließ, fügte sie flehend hinzu: *Bitte!* Er wandte seinen Blick wieder von ihr ab und sagte dann ernst: „Auf deine Verantwortung hin. Wenn er auch nur ansatzweise irgendwelche Aggressivität zeigt werde ich ihn umbringen." Mit einem Ruck, zog er das Messer aus der Flanke des Drachens, ließ seine Schnauze los und stand auf.

*Danke! Vielen Dank!* seufzte Feyth erleichtert und sprang von seiner Schulter hinunter an die Seite ihre Artgenossen, der John immer noch entgeistert anstarrte, jedoch keine Anstalten machte ihn oder das Drachenmädchen anzugreifen. Der Soldat erwiderte den Blick und sah ihn grimmig an, wovon die Echse jedoch nichts mitbekam, da das Visier Johns Gesicht verdeckte. Der Regen goss immer noch wie aus Kübeln und wusch das Blut, welches nun aus der schmalen Wunde, die das Messer hinterlassen hatte, weg. Feyth hatte sich nun vor den größeren Drachen gesetzt und der Titan vermutete, dass sie mit ihm sprach. Dann, nach einigen Augenblicken trat sie an seine Flanke und betrachtete missmutig die Wunde. Das Drachenmädchen schleckte einige Male die offene Stelle und widmete sich danach den beiden gebrochenen Vorderbeinen.

Mit hochgezogenen Augenbrauen beobachtete John, wie sich die tiefe Wunde schloss und die Stelle wieder so aussah, als hätte niemals ein Messer darin gesteckt. 'Also habe ich mich doch nicht getäuscht.' dachte er sich und verschränkte die Arme vor der Brust, während Feyth sich zu ihm umdrehte, nachdem sie die Beine untersucht hatte.

*Würdest du ihn bitte zurück in die Höhle tragen? Das hier muss Keno sich ansehen.* meinte sie bittend und sah ihn freundlich mit ihren smaragdgrünen Augen an. „Na schön." antwortete er achselzuckend und hob den silbernen Drachen ohne große Mühe hoch. An die Echse gewandt sagte er drohend: „Wag es nicht, eine unnötige Bewegung und ich drehe dir den Hals um. Das Feyth dir vertraut, bedeutet nicht, dass ich es tue. Nur damit wir uns richtig verstehen." Der Verletzte antwortete nicht, sondern lag einfach schlaff in Johns Armen. Dieser machte sich nun wieder mit dem Drachen auf dem Arm und Feyth vor sich herlaufend auf in Richtung des Höhleneingangs. ‚Auf die Erklärung bin ich jetzt aber wirklich gespannt.' dachte er sich, als er aus dem starken Regen ins Trockene trat, wo er schon von Keno erwartet wurde.



[Eragon Fan-Fiction] Der Titan und die DrachenreiterGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt