„Ist es wirklich nötig ihn dermaßen langsam aufzuwecken? Ich verstehe ja, dass sein Körper ein ganz schönes Trauma hinter sich hat, aber das sind jetzt schon über zehn Stunden Ally. Hast du es nicht leicht übertrieben?" hinterfragte Amber leicht skeptisch, während sie zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Sarah, Sebastian, Kevin, Trestol, Misa und Micheal mit Amanda an einem der inzwischen von Chloe herbeigeschafften Tische saß.
Professor Greenes hatte sich in der Zwischenzeit entschuldigt und völlig übermüdet in sein Quartier geschleppt, um eine Mütze Schlaf zu bekommen.
Die Kommunikationsexpertin trug im Grunde genommen die gleiche Kleidung wie Sarah, nur dass ihr Pullover hellbraun im Gegensatz zum Dunkelgrün ihrer Schwester war. Forke, der gerade dabei war seiner Frau und Trestol jeweils ein Glas Wasser einzuschenken, sah kurz nachdenklich auf, wobei sein Blick hinüber auf den nach wie vor bewusstlosen Shad fiel. Die angesprochene Alina stand mit gezücktem Tablet direkt neben den Monitoren, die den Kreislauf des roten Drachens kontrollierten und notierte sich alle paar Sekunden etwas auf ihr Display.
Angestrengt gab die Ärztin schroff zurück: „Im Anbetracht der Tatsachen wecke ich Shad gerade im Eilverfahren auf, Amber. Normalerweise würde ich für so eine Aufwachphase mehrere Tage ansetzen. Das hier ist eine absolute Ausnahme und erfordert meine volle Konzentration. Wenn es dir also nichts ausmacht." Damit tippte sie zwei kleine Knöpfe hintereinander an, die offensichtlich die Zufuhr irgendwelcher Medikamente steuerte und beobachtete im Anschluss mit Argusaugen die Werte auf dem Monitor.
Noch ehe Amber etwas erwidern konnte, klopfte ihr Sebastian beruhigend auf die linke Schulter und meinte schmunzelnd: „Tout vient à point à qui sait attendre, ma soeurette. So etwas braucht nun einmal seine Zeit." Die Kommunikationsexpertin seufzte daraufhin aufgebend und erwiderte nur: „Schon gut. Vermutlich bin ich einfach schon zu sehr an unsere regenerativen Fähigkeiten gewöhnt.", ehe sie selbst ihr Glas zum Mund führte und einen ausgiebigen Schluck vom eingefüllten Fruchtsaft nahm. „Ich kann dir versichern, dass Alina wirklich schon alles tut, um den jungen Shad so schnell es möglich ist aufzuwecken, aber es ist wirklich eine Gradwanderung die richtigen Dosen, für die verschiedenen Mittel einzustellen, insbesondere, da das neugewachsene Gewebe an seiner Luftröhre noch sehr empfindlich ist, ganz zu schweigen davon, was passieren würde, wenn sie die Schmerz- und Betäubungsmittel zu stark absenkt. Ich beneide sie jedenfalls nicht um diese Aufgabe." erklärte Kevin mit seiner gewohnten ruhigen und tenorartigen Stimme, worauf Amanda zustimmend nickte. „Ohja. Ich bin zwar keine Ärztin, aber als Biologin verstehe ich nur zu gut, was alles schieflaufen könnte. Danke Schatz." meinte sie ernst und gab Mike einen dicken Kuss auf die Wange, als dieser ihr das mit Wasser gefüllte Trinkglas hinstellte.
Der Admiral erwiderte den Kuss mit einem begleitenden liebevollen Lächeln, ehe sein Blick erneut hinüber zu Kensac und dem roten Drachen huschte. Er musste ihnen durchaus rechtgeben. Es mochte zwar für sie als Beistehende ungeheuer langweilig anmuten, doch er wollte sich gar nicht ausmalen wie viele hunderte, wenn nicht gar tausende Variablen Alina zu beachten hatte, während sie Shad aus dem künstlichen Koma holte. Einen ungefähren Eindruck davon bekam er, als Kevin begann Mimiath den Prozess zumindest grob zu erklären, da die weiße Drachendame ihn neugierig danach gefragt hatte. Sie lag dabei immer noch einige Meter neben ihrem kleineren Artgenossen, wobei sie ihren Kopf weit genug entfernt hingelegt hatte, um Alina genügend Arbeitsraum zu lassen.
So vergingen also die nächsten zwei Stunden, in denen hauptsächlich Pestoun versuchte Trestol näher zu beschreiben, was genau es mit der Beinprothese auf sich hatte, die Mark zwischenzeitlich fertig zusammengebaut herangekarrt und nun neben Shad stand, darauf wartend, nach seinem Erwachen eingepasst zu werden. Micheal selbst beteiligte sich an dem Gespräch ebenfalls ausgiebig, da er zwar kein Experte in Prothesen, jedoch in Robotik war. Und der Unterschied zwischen einer Extremität eines Roboters und einer mechanischen Prothese war nur marginal. Der Admiral musste immer wieder schmunzeln, wenn der Drachenreiter etwas nicht verstand und extra nachhakte. So etwas machte ihm Spaß, anderen einen Teil seines Fachgebiets näherzubringen. Schließlich mussten sie aufhören darüber zu reden, als Mimiath ein eher genervtes Knurren ausstieß, das eindeutig bedeutete, dass sie vorerst genug davon hatte und mit einem Drachen ihres Kaliber wollte keiner großartig diskutieren. Selbst Trestol hielt es für besser das Thema zu wechseln, woraufhin sein Blick auf Sebastian fiel, der immer noch in seinem Muscleshirt dasaß und seinerseits von Shad aufsah, als er den Blick des Reiters auf sich bemerkte.
„Ich habe mich das nun schon länger gefragt, aber sagt, haben diese Symbole auf euren Schultern eine bestimmte Bedeutung? Ich kenne solche Hautmalereien ansonsten nur von den Urgals und ein paar der Nomadenstämme." fragte Trestol schließlich wenige Augenblicke später und unwillkürlich sah Mike ebenfalls hinüber auf die Tätowierungen seines Bruders. Seine eigentliche Hochstimmung bekam einen kurzen Dämpfer verpasst, als er sie erblickte und einige unliebsame Erinnerungen durch seinen Kopf zuckten. Auf beiden Schultern hatte Sebastian sich von Alina mit der Spezialtinte ein ungefähr handgroßes Biohazard-Zeichen in schwarz tätowieren lassen. Ein Mahnmal für das, was seine eigentliche Aufgabe darstellte. Bastian nickte knapp und antwortete mit einem verbittertem Lächeln: „Oui, das haben sie. Aber um sie euch verständlich erklären zu können, müsste ich anfangen von wahren Horrorgeschichten zu berichten und das würde ich gern im Beisein der jungen Misa vermeiden. Ich könnte euch jedoch einen kleinen Partytrick zeigen, der zumindest im Groben damit zusammenhängt."
Dabei deutete er hinüber zu dem Mädchen, welches neben ihrem Onkel saß und schüchtern an einem der Apfelschnitze knabberte, die in einer kleinen Schale auf dem Tisch standen. „Ah, natürlich. Ja gerne, wenn ihr wollt." erwiderte Trestol zustimmend nicken und sah neugierig zu, wie der Titan einen der Apfelschnitze nahm und auf seine Ausgestreckte rechte Handfläche legte. Aus dem Augenwinkel bemerkte Micheal, wie auch Mimiath mit ihrem Kopf ein Stück näher rückte, um die ganze Szene besser im Blick zu haben. Sebastians Lächeln verwandelte sich daraufhin in ein verschmitztes Schmunzeln, ehe er spielerisch wissen wollte: „Wisst ihr, was mit einem vom Baum gefallenen Apfel geschieht, den der Bauer auf dem Feld zurücklässt?" „Nun, er verfault, oder?" entgegnete der Reiter unsicher und fokussierte das Stück Obst in der Hand des Titanen, genauso wie seine weiße Drachendame es tat.
Abermals nickte Bastian und fuhr fort: „Oui. Aber was glaubt ihr? Wird der Apfel in meiner Hand verfaulen?" Mit dieser Frage sah Trestol wieder vom Apfelschnitz auf und runzelte leicht nachdenklich die Stirn. Forke wusste, was sein Bruder vorhatte, ebenso wie Kevin neben ihm, während Amanda ebenfalls fasziniert auf das Obststück schaute. Er hatte diesen Trick nun schon hunderte Male gesehen, doch er war immer wieder aufs Neue sehenswert. „Hhm. Wenn ihr schon so fragt, müsste ich eigentlich mit ja antworten, auch wenn mein Verstand nein sagt. Selbst im Hochsommer würde es Wochen, wenn nicht gar Monate dauern, bis so ein Apfel verfault ist." bemerkte der Drachenreiter skeptisch, doch noch ehe er etwas hinzufügen konnte knurrte Mimiath überrascht: *Er verfault! Der Schnitz in seiner Hand verfault!*
Sofort zuckte Trestols Blick wieder hinunter auf die Hand und seine Augen wurden groß, während Sebastians Grinsen breiter wurde. „Was zum Henker – " wisperte der Reiter ungläubig und starrte gebannt auf den Apfelschnitz in der Hand des Titanen. Oder zumindest das, was davon noch übrig war. Mike folgte seinem Beispiel und blickte nun ebenfalls hinunter, wo er genau das vorfand, was er erwartet hatte.
Die gesamte Handinnenfläche seines Bruders, auf der das Obststück lag, sah aus, wie von einer schleimigen Flüssigkeit überzogen, als hätte er die Hand gerade erst durch flüssigen Kleister gezogen. Doch das eigentlich faszinierende, war der Apfelschnitz. Von ihm war nun nämlich inzwischen nur noch ein kleiner, verschrumpelter Rest, von tief dunkler, rostbrauner Farbe übrig, die sogar stellenweise ins Schwarze überging. Auch er war von dergleichen Flüssigkeitsschicht bedeckt, wie Bastians Hand, die Schicht schien sogar noch um einiges dicker zu sein, als auf seiner Haut. Und der Apfel schrumpfte immer weiter und weiter, während ein fauliger Geruch begann in ihre Nasen zu ziehen. Schließlich kam der Prozess zu einem Stillstand, nachdem vom ehemaligen mehr als fingergroßen Schnitz nur noch ein traubengroßer Rest übriggeblieben war.
„Das ist immer wieder so faszinierend, Verrottung in einem derartigen Zeitraffer zu sehen." murmelte Amanda neben dem Admiral begeistert, wobei sie sich jedoch auch wie die Titanen um sie herum die Nase zu hob, da der faulige Gestank doch recht intensiv war. Nicht anders erging es der jungen Misa, die zwar den verrotteten Apfelschnitz nicht sehen, aber deutlich riechen konnte. Sie rümpfte die Nase und klemmte sie sich mit ihren Fingern zu, während sie etwas angewidert meinte: „Das riecht hier wie auf dem Kompost!"
„Oh! Je vous demande mille fois pardon, jeune femme! Ich kann den Geruch leider nicht unterbinden. Nur einen Moment bitte." entschuldigte sich Sebastian daraufhin hastig und stand rasch auf, um das verrottete Apfelstück in den Müll zu werfen. Währenddessen schüttelte Trestol verwirrt den Kopf, ehe er von Micheal wissen wollte: „Wie hat er das gemacht? Ich dachte ihr Titanen beherrscht keine Magie und mir fällt nichts ein, wie er ihn so schnell hätte verrotten lassen können, ohne mit einem Zauber nachzuhelfen."
„Mir wäre es auch lieber gewesen, wenn er es nicht getan hätte. Er weiß, wie mir sowas in die Nase steigt." brummte Amber verärgert, bevor Forke freundlich antwortete: „Wisst ihr, wie oder warum ein Apfel natürlich verrottet, Trestol?" „Was? Oh, nun zumindest ansatzweise, denke ich. Ich habe während meiner Ausbildung einmal gehört, dass die Elfen winzig kleine Wesen gefunden haben, die überall um uns herum leben und für viele Dinge verantwortlich sind, die wir einfach so als gegeben ansehen. Ich habe mich aber bisher noch nie näher damit beschäftigte." erwiderte der Reiter nach kurzem überlegen und horchte auf, als Mimiath neben ihnen schuppenrasselnd ihren Kopf bewegte und leise knurrte. *Seine Hand war so schleimig wie die Haut eines Froschs. Es muss damit zu tun haben! Ich habe gesehen, wie sich dieser Schleim von seiner Hand auf den Apfel hin ausgebreitet hat, als wäre er lebendig gewesen.* meinte die Drachendame bestimmt und Kevin nickte zustimmend. „Damit habt ihr durchaus recht, Mondschwinge. Nur war dieser Schleim, kein wirklicher Schleim, sondern bestand aus unzähligen dieser kleinen Lebewesen, von denen euer Reiter gerade sprach. Sie haben den Apfelschnitz für ihn zerfressen." erklärte er in seiner gewohnt langsamen Art und erntete dafür ein überraschtes Schnauben des Drachens.
*Ihr sagt also, er befehligt diese unsichtbaren Wesen? Obwohl ich noch nicht einmal ihren Geist erspüren kann? Absurd.* gab sie skeptisch zurück und Micheal machte eine abwägende Handbewegung. „Ich würde es nicht befehligen nennen, Mimiath. Aber das genauer zu erklären würde ewig dauern und euch wohl eher noch mehr verwirren. Sagen wir einfach, er bedient sich ihrer Hilfe." entgegnete der Admiral und sah förmlich, wie sich die Zahnrädchen in Trestols Kopf drehten, während er versuchte das Ganze zu verstehen. „Also ist euer Bruder in der Lage mit diesen winzigen Wesen zu kommunizieren?" hinterfragte er anschließend noch einmal genauer und Forke nickte zumindest halb zustimmend. „In gewisser Weise. Zumindest könnt ihr es euch so ungefähr vorstellen, bevor wir jetzt noch tiefer ins Detail gehen müssen." bemerkte er und bekam dafür als Antwort ein bedächtiges Nicken seitens des Drachenreiters als Antwort.
Im gleichen Moment kam Sebastian zurück und setzte sich mit nun frisch gewaschenen Händen wieder zu ihnen an den Tisch und fragte dann Trestol freundlich lächelnd: „Und, haben euch die anderen schon mein düsteres Geheimnis verraten?" „Wenn wir das hätten, würde er wohl jetzt nicht mehr zusammen mit dir an einem Tisch sitzen wollen, Bastian." entgegnete Sarah daraufhin ernst, die mit verschränkten Armen neben ihrer Zwillingsschwester saß und ihm einen eindringlichen Blick zuwarf. Sontal seufzte daraufhin leise, gab jedoch schulterzuckend zu: „Tu as raison, ma soeurette."
Bevor jedoch der Reiter das Wort an ihn richten konnte, horchten sie alle auf, als Alina mit durchdringender, ernster Stimme meinte: „Okay, es ist soweit, er wird gleich aufwachen!" Praktisch sofort sprangen alle am Tisch auf die Beine, wobei Trestol vorsichtig seiner blinden Nichte half und Kevin, Micheal und Amanda zusammen bei den beiden warteten, bis das Mädchen sicher auf den bandagierten Beinen stand und traten dann gemeinsam hinüber zu Shad, wo sich die anderen bereits alle versammelt hatten. Chloe, Jonas und Shenmi hatten sogar Ileakri mitsamt ihrem Nest herbeigezogen, damit sich das Drachenmädchen nichts so ausgeschlossen fühlte und auch ihre Neugier bezüglich ihres Artgenossen befriedigen konnte. Mimiath hingegen legte ihren Kopf wieder an den ursprünglichen Platz neben Shad und beobachtete mit ihrem schneeweißen Auge genauestens was Alina tat, die mit dem Gesicht praktisch im Monitor hing, auf dem nun hunderte Daten auf einmal standen, die sich im Sekundentakt aktualisierten.
Wie Mike bemerkte, hatte sie bereits die Magensonde und den Beatmungsschlauch entfernt, deren Enden nun nutzlos auf dem Boden neben der Lebenserhaltungsmaschine lagen. 'Er kann also zumindest wieder selbstständig atmen. Oder zumindest der automatische Mechanismus des Luftsiebs funktioniert einwandfrei.' dachte der Admiral erleichtert und sah wie Mark neben der großen Beinprothese stand, die er in einem der Repulsorwagen untergebracht hatte.
Im Gegensatz zum vorigen grauschwarz, strahlten die künstlichen Schuppen nunmehr im gleichen knalligen Rot wie die echten Drachenschuppen von Shad. Jedenfalls war der Unterschied der beiden Farbnuancen für Unwissende praktisch nicht zu erkennen, selbst die Krallen aus silbrig glänzendem Wolframcarbid hatte der Ingenieur mit einem mattdunkelgrauen Lack überzogen, um sie den natürlichen Krallen des Jungdrachen anzupassen.
Duncan hatte sich wieder einmal selbst übertroffen, wie Micheal fand.
Wenige Augenblicke später kam er zusammen mit Trestol, Misa, Kevin und Amanda neben Alina zum Stehen, die sich mit dem Tablet in Händen zu ihnen umdrehte. Er bemerkte an ihren braunen Augen, dass sie nachwievor ihre farbigen Kontaktlinsen trug. Ihre Hände waren selbstverständlich in desinfizierte Handschuhe gepackt, während sie ihr Haar wie üblich zu einem Knoten gesteckt hatte. Der offene weiße Arztkittel mit dem weißen Hemd darunter und der weißen Hose verliehen ihr zusätzlich das passende Outfit zu ihrer Arbeit. „Seine Werte sind soweit stabil Mike. Es hat mich richtig erstaunt, wie gut sein Körper die ganzen Eingriffe weggesteckt hat." meinte die Ärztin dann zufrieden, ehe sie sich direkt an den Drachenreiter wandte. „Wir hatten das ja bereits besprochen. Ich kann diese ‚Drogen' wie ihr sie nennt, nicht noch weiter herunterfahren für den Moment, Trestol. Er wird euch dementsprechend nicht in seinem Geist hören können, genauso wenig, wie wir ihn hören werden. Es ist also wichtig, dass er euch direkt nach dem Aufwachen als Bezugsperson sieht, sonst gerät er womöglich in Panik, was alles andere als gut wäre. Am besten stellt ihr euch direkt neben seinen Kopf zum Auge. Keine Angst, er wird nichts groß außer seinen Augenlidern bewegen können, eventuell seine Kiefer, wenn dann aber auch nur auf und zu. Es besteht also nicht die Gefahr, dass er instinktiv nach euch schlägt." erklärte sie ernst, woraufhin der Reiter bedächtig nickte.
„Das ist – gut zu wissen. Ich habe schon einmal erlebt, was passieren kann, wenn ein Drache in einer ungewohnten Umgebung aufwacht und von Fremden umringt ist. Es war kein schönes Erlebnis." erwiderte Trestol und Mimiath unterstrich seine Aussage mit einem tiefen Knurren. „Das kann ich mir gut vorstellen, Trestol. Aber denkt bitte an das, was wir besprochen haben. Shad sollte vorläufig nichts davon erfahren, was genau geschehen ist. Jedenfalls solange nicht, bis mein Vater mit Meister Eragon und seinem Reiter Keno hier sind. Es würde ihn innerlich zerstören." merkte Micheal mahnend an, während Kensac den Drachenreiter hinüber zu Shads Kopf führte, wobei er Misa in Amandas Obhut ließ.
„Glaub aber nicht, dass ich ihm für das vergeben werde, was er getan hat. Vor meinen Augen." fügte Jonas jedoch noch todernst hinzu und stellte sich mit verschränkten Armen neben den Admiral. Im Gegensatz zu allen anderen trug er seine volle Kampfmontur, welche er praktisch immer außerhalb seiner eigentlichen Rüstung anlegte.
Wie auch beim Atlas bestand die Ausrüstung zunächst aus dem gleichen schwarzen Unteranzug, der die erste Schutzlage um den gesamten Körper, ausgenommen dem Kopf, bildete. Darüber trug der Colonel einen hellgrauen Ganzkörperanzug, der etwas dicker war und als Schock absorbierende Lage fungierte. Er war mit einem speziellen Gel aus Flüssigkristallen gefüllt, dass bei einem kinetischen Aufschlag sofort an der entsprechenden Stelle verhärtete und den Schock samt Kugel somit auffing. Allerdings waren nur wenige Flächen des Gel-Anzugs zu sehen, da über ihm noch drei weitere Schichten folgten.
Als nächstes kam der eigentliche Kampfanzug, dessen steingrau geflecktes Muster am meisten zusehen war. Er bestand aus einem speziellen Geflecht aus schusssicheren Verbundmaterialfasern, wie unter anderem Spinnenseide, die mit Graphenzusätzen und eingewobenen aggregierten Diamantnanostäbchen verstärkt waren. Dies sorgte dafür, dass schwächere Kaliber keine Chance hatten bei einem Treffer in den Körper einzudringen. Nur spezielle panzerbrechende Munition, oder Kugeln aus schwereren Waffen wie größeren Maschinengewehren wurden diesem Material noch gefährlich.
Um jedoch auch gegen solchen Beschuss gefeit zu sein bestand die vorletzte Komponente der Kampfmontur aus verstärkten, dunkelgrauen Panzerplatten, die die Brust, Rücken, Arme, Beine und seinen Hals abdeckten und nur relativ kleine Flächen freiließen um die größtmögliche Bewegungsfreiheit zu gewährleisten. Sie bestanden ebenfalls aus einem speziell gehärteten Verbundmaterial, dessen Moleküle in so einer Form aufgebaut waren, dass sie dem strukturellen Aufbau des Außenpanzers eines Fangschreckenkrebses ähnelten. Dadurch erhielt das Material eine sehr gute Schock absorbierende Eigenschaft, neben seiner enormen Härte und Widerstandsfähigkeit. Es war bei weitem nicht so stabil wie die Panzerung des Atlas, doch es genügte, um selbst die Wirkung von schwereren Waffen enorm abzuschwächen, sodass deren Kugeln spätestens im Gel-Anzug stecken blieben, oder gleich an der stark abgerundeten und angewinkelten Form abprallten.
Als letztes Element der Kampfmontur diente dann jedoch noch ein gepanzertes Exoskelett, welches im Grunde nur aus beschusssicheren, schwarzen Metallstreben und Gelenkmotoren bestand und von einem gepanzerten Akkupack auf dem Rücken mit Energie versorgt wurde. Es umfasste einmal Jonas' Rücken und seine Arme und Beine, wo es praktisch mit den schwergepanzerten Handschuhen und Stiefeln verschmolz. Sein Zweck war allerdings m Grunde nur der, das ordentliche Gewicht der Kampfmontur zu tragen, um dem Soldaten keine Geschwindigkeit oder gar Beweglichkeit zu rauben, sondern sie sogar leicht zu steigern.
Lediglich den dazu passenden Helm trug Milten nicht.
Ansonsten jedoch war diese Kampfmontur der Standard für alle Titanen, wenn diese ohne Atlas unterwegs waren und auch einige Spezialeinheiten der UFS-Armee trugen diese sogenannten HAX-Suits, kurz für Heavy Assault Exo-Suits. In dieser Kampfmontur wirkte Jonas zwar um Welten weniger wuchtig, als im Atlas, doch im Vergleich mit den in Zivilbekleideten anderen Titanen stach er doch deutlich hervor. Insbesondere, da er zusätzlich als einziger mit seiner Pistole, dem Kampfmesser und sogar einer in der magnetischen Halterung auf dem Rücken steckend Railgun bewaffnet war.
Micheal konnte nicht anders, als leise zu seufzen.
Milten war im Grunde das Paradebeispiel dafür, was passieren würde, wenn die logische Persönlichkeit seines Vaters einen Hauch seiner anderen Emotionen abbekäme. Jonas glich in seiner stoischen Art sehr stark Mark und John, wobei er teilweise sogar noch härter durchgriff als beide zusammen. Zum Glück hatte er jedoch auch irgendwo unter der harten Schale einen weichen Kern versteckt, der ab und zu zum Vorschein kam. Leider nur nicht jetzt gerade, wobei Forke es ihm diesmal sogar nicht einmal wirklich verübeln konnte. Immerhin war es sein Bruder gewesen, der aus nächster Nähe erlebt hatte, was Shad mit dem jungen Mädchen angestellt hatte.
„Jonas, das hatten wir schon. Shad ist nicht verantwortlich, für das was er getan hat. Die Schwarze Rose hat seinen Verstand kontrolliert. Du selbst warst es doch, der den Edelstein dafür auf Ileakris Schuppen gefunden hat." hielt Micheal ebenso ernst dagegen und entspannte sich innerlich, als sein Bruder kurzangebunden nickte. „Das ist mir durchaus bewusst Mike. Ich wollte lediglich, dass ihr das alle im Hinterkopf behaltet, bei der ganzen Euphorie hier." erklärte der Colonel streng. Dafür bekam er von Chloe einen freundlichen Hieb gegen die rechte Schulter verpasst, dem sie auffordernd hinterher setzte: „Jetzt sei nicht so streng Jo! Shad wird es nicht viel anders ergangen sein als Ileakri und ihr hast du ja auch verziehen. Oder hattest du vorgestern etwa die Finger hinterm Rücken gekreuzt, als du mit ihr darüber geredet hast?"
Jonas' Blick schnellte hinüber zu seiner Schwester, ehe er weiterglitt und schließlich auf Ileakri hängen blieb, die ihn ihrerseits eingeschüchtert mit ihren aquamarinblauen Augen fixierte. Mike wurde hellhörig und hakte nun etwas autoritärer nach: „Was hast du mit ihr besprochen, Jonas?" Es missfiel ihm, dass sein Bruder offensichtlich alleine mit dem jungen Drachenmädchen über ein so heikles Thema geredet hatte, da er genau wusste, wie erdrückend und harsch Miltens Präsenz sein konnte.
Zu seiner Überraschung entgegnete Jonas jedoch einigermaßen ruhig: „Akzeptieren und vergeben, sind zweierlei Dinge, Chloe. Ja, ich habe mit Ileakri ausgiebig darüber diskutiert und ich akzeptiere ihre von Herzen kommende Entschuldigung. Natürlich hätte sie diese Verbrechen niemals freiwillig begangen, zumindest nicht ohne jegliche Provokation. Das bedeutet allerdings nicht, dass ich ihr sofort dafür vergebe! Und das weiß sie auch ganz genau. Nicht wahr?" Daraufhin sahen sie alle hinüber zu Ileakri, die mit den Augen zwinkerte und sogar leicht den Kopf neigte. *Ja, Jonas-Elda.*erwiderte sie respektvoll und erhielt dafür ein anerkennendes Nicken seitens des Titanen.
Forke kam das leicht verdächtig vor, insbesondere der enorm respektvolle, fast schon eingeschüchterte Ton des Drachenmädchens deutete darauf hin, dass Jonas wohl alles andere als sanft in ihrem Gespräch vorgegangen war. Er wollte ihn gerade darauf ansprechen, doch seine Frau kam ihm damit zuvor. „Du wirst doch nicht etwa das junge Mädchen bedroht haben, Jonas? Sie klingt ja fast schon verängstigt!" meinte sie etwas empört und trat mit ihrem hochschwangeren Bauch und nur leichter Bekleidung näher an den vollausgerüsteten Kommandanten heran, der gerade den Mund aufmachte um sich zu verteidigen, als Ileakri ihm zuvorkam. *Nein Amanda-Elda! Er war wirklich überaus freundlich und nett zu mir.* verteidigte sie ihn vehement, wobei ihre Stimme diesmal sehr bestimmt klang. Ihre Verteidigung kam so überraschend, dass selbst Jonas ihr einen verblüfften Blick zuwarf und Chloe skeptisch die Stirn runzelte. „Nett? Ich habe noch nie jemanden gehört, der behauptet hat, dass Jo nett gewesen wäre. Höflich ja, aber nett? Mach bitte drei rote Kreuze im Kalender Shenmi." bemerkte die Chemikerin ungläubig und Shenmi, die in ihrem schwarzen Wollkragenpullover und blauen Jeans neben ihr stand, nickte zustimmend. „Allerdings."
„Okay, wenn ihr jetzt nicht gleich alle den Mund haltet werde ich euch allen der Reihe nach den Arsch aufreißen! Dich natürlich ausgenommen Amanda. Deinen Platz erhält dann Mike, der doppelt drankommt." brüllte Alina keinen Augenblick später durch den Hangar und es war ihr deutlich anzuhören, dass sie genug von ihrer Diskussion hatte. Gleichzeitig deutete sie dabei auf Micheal und hielt zwei Finger empor, um ihm zu signalisieren, was ihm bevorstand.
Schlagartig verstummten alle Anwesenden, woraufhin die Ärztin zufrieden durchatmete und dann Trestol vollends zu Shads Kopf begleitete. „Na also, geht doch." knurrte sie währenddessen leise und gebot dem Reiter in die Knie zu gehen, damit er mit dem Kopf auf ungefähr gleicher Höhe wie das linke Auge des Jungdrachen war. Anschließend nahm sie erneut ihr Tablet zur Hand, wo sie anscheinend einige neueingetroffene Werte begutachtete, ehe sie auf zwei verschiedene Bereiche drückte und selbstzufrieden nickte. „Also gut, ich habe ihm gerade die letzte Dosis des – ‚Aufwachmittels' – gegeben. Er sollte jetzt in den nächsten paar Minuten die Augen öffnen." erklärte sie dem Drachenreiter eindringlich, dessen Haltung sich daraufhin etwas anspannte.
Ebenso gespannt beobachteten Micheal und die anderen den roten Drachen vor ihnen, dessen Atmung so flach war, dass das Biepen des Herzrhythmusmessers sie übertönte. Nur anhand der sich hebenden und senkenden Flanken konnte man äußerlich sehen, dass Shad am Leben war. Aber auch das würde mit der Zeit abklingen, da das Luftsieb eigentlich keine Armbewegung benötigte. Es war nur noch die instinktive Reaktion des Körpers, die Muskeln zu bewegen. Forke erinnerte sich noch daran, wie es etliche Jahrzehnte gedauert hatte, bis sein Körper sich diese unbewusste Bewegung abgewöhnt hatte und noch heute tat er es hin und wieder trotzdem. Er konnte nicht anders, als den fast komplett in Gips und Bandagen gehüllten Körper des Jungdrachen noch einmal mit einem Blick zu überfliegen. Seine Augen zuckten jedoch sofort zurück zu Shads Kopf, als Amanda neben ihm erwartungsvoll laut Luft holte und seine Hand fester packte. Und tatsächlich, der Drache schien zu erwachen.
Zunächst zuckten seine Augenlider nur schwach und seine Nüstern kontrahierten scheinbar ohne wirklichen Grund. Dann begann er immer wieder langsam die Augen zu öffnen, doch jedes Mal schaffte er es nu die Lider bis zur Hälfte zu heben, ehe sie wieder zufielen. Seine Kiefer öffneten sich allmählich wie in Zeitlupe und endlich, beim vielleicht siebten Versuch schaffte er es die Augenlider vollständig zu heben. Darunter kam das bei Reptilien übliche dritte Augenlid zum Vorschein, die sogenannte Nickhaut, doch auch diese schaffte er schon im dritten Ansatz beiseite zu ziehen.
Erst jetzt konnte der Admiral seine Auge richtig einsehen.
Die schlitzartige schwarze Pupille, welche vertikal angelegt war, war geradezu riesig, während der gesamte Rest des Auges eine tiefrote Farbe besaß. Es war ihm deutlich anzusehen, wie stark die Betäubung und die Schmerzmittel immer noch waren, da er einige Augenblicke lang ziellos geradeausstarrte, ehe es ihm überhaupt in den Sinn kam, sich umzusehen. Doch weit kam er nicht, als sein Auge auf Trestols Gesicht hängen blieb, welches nur einen knappen Meter von ihm entfernt war. Allerdings brauchte es einige Sekunden, bis die Pupille sich quälend langsam zu einem kleineren Schlitz zusammenzog, wobei sie in einem noch deutlich zu weiten Zustand kurz hängenblieb, ehe sie vollends eine normale Gestalt annahm. „Pupillenreflex weitestgehend vorhanden, sehr gut." konnte Forke Alina murmeln hören, während er beobachtete, wie Shad seinerseits begann das Gesicht seines Gegenübers mit dem linken Auge abzutasten.
Der Reiter hingegen legte seine Hand behutsam auf die Schuppen direkt unter dem Auge, eine der wenigen Stellen, die nicht bandagiert war und meinte ruhig: „Hallo Shad. Ich bin es, Trestol. Es ist alles gut, du bist in guten Händen." Unterstützend stieß Mimiath gleichzeitig ein tiefes Brummen aus, dessen Vibrationen selbst noch Micheals Körper durchfuhren. Shad blinzelte daraufhin langsam und blickte den Reiter weiter ohne Reaktion an, ganz so, als hätte er ihn überhaupt nicht gehört. *Sein Geist ist von einem dicken Schleier umgeben, wie ihr es vorhergesagt habt, Heilerin.* knurrte die weiße Drachendame daraufhin missmutig und auch Trestol wandte kurz den Blick hinauf zu Alina, die ihrerseits erneut auf den medizinischen Monitor neben dem Drachen schielte. „Kann er mich nicht hören?" wollte der Reiter verwirrt wissen und horchte auf, als Kevin aus der Gruppe vor und neben Kensac trat, die ihm wie abgesprochen ihr Tablet aushändigte. „Nein, nein, es ist alles in Ordnung. Er kann euch durchaus hören, nur ist sein Verstand von den vielen Medikamenten dermaßen vernebelt, dass er wohl keinen Sinn hinter euren Worten erkennt. Er scheint nicht einmal euch wirklich zu erkennen. Gebt ihm etwas Zeit, sich zu sammeln." erklärte sie anschließend beiläufig und Pestoun fügte ruhig hinzu: „Ihr könnt euch das so vorstellen, als hätte euch jemand im Tiefschlaf aus dem Bett gerissen, Trestol. Geduldet euch noch ein paar Minuten, dann wird es sich sehr wahrscheinlich bessern."
Währenddessen ging die Ärztin hinüber zum Infusionstropf, zog eine kleine, verschlossene Ampulle aus dem Arztkittel und vergewisserte sich noch einmal über deren Inhalt, bevor sie das gefüllte Fläschchen an den Schlauch klemmte. Micheal konnte sehen, dass sie den Zufluss wohl auf ein Minimum begrenzte, da nur alle paar Sekunden ein einzelner Tropfen aus der Ampulle in den Schlauch glitt, welcher in Shads Hals mündete. Kensac hatte an dieser Stelle extra eine der Schuppen entfernt, damit es zu keinen Komplikationen mit dem Schlauch kommen konnte, weshalb die rötliche Unterhaut deutlich neben den glitzernden Schuppen hervorstach. Nur wenige Handbreit weiter lagen die Überreste der großen Halswunde, die Julia ihm verpasst hatte, unter dicken Bandagen verborgen, die scheinbar übergangslos in den Gips mündeten, welcher einen Großteil des Rückens des Jungdrachen einnahm.
Die nächsten paar Minuten vergingen unendlich langsam, vor allem, da sie allesamt nur zum zusehen verdammt waren. Lediglich Kevin und Alina hatten die Möglichkeit etwas zu bewirken, doch selbst sie standen meist nur still neben Shads Kopf und behielten seine Werte im Auge, anstatt weitere Medikamente zu verabreichen.
Dann plötzlich veränderte sich das Verhalten des Jungdrachens schlagartig. Sein Auge wirbelte umher und weitete sich mit einem Mal rasant, als er erneut Trestol erblickte. Seine Kiefer öffnete sich einen Spalt weit und ein leises, röchelndes Krächzend drang als erster Ton aus Shads Kehle. Der Reiter schreckte aus seiner geistigen Abwesenheit auf und erkannte was geschehen war auf einen Blick. Eiligst legte er erneut die Hand auf die Schuppen des roten Drachens und meinte lächelnd: „Hallo Shad. Ich bin es, Trestol. Keine Angst, du bist in Sicherheit, unter Freunden. Mimiath ist auch hier." Wie aufs Stichwort stieß Mimiath erneut ein tiefes, ruhiges Brummen aus, um ihrem kleineren Artgenossen ihre Gegenwart zu offenbaren.
Abermals brachte Shad nichts weiter als ein leises, gurgelndes Röcheln hervor, doch sein starr auf Trestol fixiertes, weit aufgerissenes Auge sprach Bände. Schiere Angst und Anspannung stand in darin geschrieben. Wie wild begann der Jungdrache suchend umher zusehen, wobei er natürlich auch Micheal und die anderen Titanen samt Amanda und Misa bemerkte, wie sie in einem ungefähren Halbkreis um ihn herumstanden. Trotz der Anwesenheit des Drachenreiters direkt bei ihm, schien Panik von Shad Besitz zu ergreifen, als seine Kiefer weit aufklappten und er ein krächzendes, schwaches Fauchen hervorbrachte. Mike konnte sich nur zu gut vorstellen, wie der Drache sich fühlen musste. 'Als ob mir jemand den Mund zugenäht und sämtliche Muskeln durchtrennt hätte.' dachte der Admiral missmutig und sah praktisch hilflos mit zu, wie Trestol vergebens versuchte, Shad zu beruhigen.
Er wollte schon selbst einen Schritt vormachen, um zu helfen, doch Kevin kam ihm zuvor, worüber Forke ganz froh war. Sein Bruder sprang dem scheinbar überforderten Reiter bei, indem er direkt neben ihm in die Hocke ging, das Tablet an den Gürtel steckte und dem Jungdrachen ein sanftes, beruhigendes Lächeln schenkte. „Hallo junger Shad. Ich weiß, das muss gerade wohl alles sehr befremdlich für dich sein. Mein Name ist Kevin. Du brauchst keine Angst haben, es ist alles in Ordnung. Du musst dich beruhigen, ganz ruhig. Mach es mir einfach nach. Tief ein- und wieder ausatmen. Ein und aus. Ein und aus." erklärte der Titan mit seiner charismatischen Tenorstimme und schaffte es Shads Blick auf sich zu fokussieren. Gewollt übertrieben machte er die Atemübung für seinen Patienten vor, der ganz offensichtlich nicht völlig davon überzeugt war. Doch während die nächsten Momente verstrichen, beruhigte sich sein Atem tatsächlich langsam wieder auf ein normales Maß und Mike konnte deutlich sehen, wie sich seine Flanken im gleichen Rhythmus wie Kevins Schultern hoben und senkten. Er würde wohl etliche Jahrzehnte brauchen, wie die Titanen selbst, bis sein Körper begriff, dass solche Atembewegungen dank des Luftsiebs nicht mehr nötig waren. Fürs erste war er jedoch nur erleichtert, dass Pestoun es relativ schnell geschafft hatte den Jungdrachen wieder einigermaßen zu beruhigen.
Dafür schenkte der Sanitäter Shad ein weiteres aufmunterndes Lächeln.
„Sehr schön. Siehst du, es ist alles halb so wild, du brauchst wirklich keine Angst zu haben. Mimiath hätte mich mit Sicherheit schon lange aufgefressen, wenn ich dir böses wöllte." scherzte Kevin aufheiternd lachend und wurde dabei von der weißen Drachendame mit einem amüsierten und doch gleichzeitig spielerisch ernstem Knurren unterstützt. Der Titan warf ihr dankend ein Augenzwinkern zu und begann dann ruhig zu erklären: „Du willst sicher wissen, warum du dich nicht bewegen kannst, oder? Nun, du hattest einen schweren Unfall. Du bist aus einiger Höhe abgestürzt und hast dich dabei wirklich sehr schwer verletzt. Kannst du mir soweit folgen? Zwinker einfach zweimal, wenn du ‚Ja' sagen willst." Geduldig wartete er auf eine Antwort und Micheal seufzte innerlich auf, als der rote Drache wenige Augenblicke später, nach kurzem Nachdenken, zweimal zwinkerte.
Zufrieden nickte Kevin und lobte: „Sehr schön. Nun, ich und meine Schwester Alina sind Heiler und haben uns um dich und deine Verletzungen gekümmert. Dabei mussten wir dir jedoch einige Mittel verabreichen, damit es dir besser gehen konnte. Leider verhindern einige dieser Mittel, dass du uns mit deinem Geist erreichen kannst. Und sie sorgen auch dafür, dass du dich nicht bewegen kannst. Aber das haben wir nur getan, um zu verhindern, dass du dich ausversehen selbst verletzt. Einige deiner Verletzungen waren nämlich durchaus nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, mein Freund." Abermals zwinkerte Shad nach wenigen Momenten zweimal , doch ehe Pestoun weiter fortfahren konnte, stieß er ein kurzes, aber gequältes, krächzendes Jaulen aus, das sofort fast jegliche Heiterkeit von Kevins Gesicht fegte.
Schlagartig wurde der Sanitäter wieder ernster, als er eindringlich wissen wollte: „Hast du irgendwelche Schmerzen Shad?" Ohne zu zögern zwinkerte der Drache erneut zweimal, ehe er für ein paar Sekunden schmerzerfüllt das Auge zupresste und ein weiteres solches Jaulen von sich gab. „Ally!" merkte Pestoun gegenüber der Ärztin an, die zustimmend nickte und eine kleine Spritze aus dem Arztkittel zog, deren Inhalt sie nach kurzem überprüfen des Etiketts in den Tropf injizierte. „Sollte gleich besser werden. Das war kurz ein Spike bei den Nervenenden an der linken Schulter und der Brust, den Werten nach zu urteilen." erklärte Alina anschließend nach einem Blick auf den medizinischen Monitor und gesellte sich dann zu Trestol und ihrem Bruder. Auf Micheal machte es mit den dreien direkt vor Shads Auge einen leicht gequetschten Eindruck, doch er hielt bewusst den Mund angesichts der Umstände.
„Hallo Shad. Ich bin deine behandelnde Ärztin – Verzeihung – Heilerin. Die Schmerzen sollten gleich nachlassen. Sie nehmen doch schon ab, oder?" stellte sie sich in ihrer typischen Art vor und machte einen zufriedenen Gesichtsausdruck, als der Jungdrache ihr wenige Sekunden später zweimal zuzwinkerte. „Sehr gut."
„Verzeiht, aber was habt ihr ihm da gegeben? Ich wollte ihm gerade mit einem Zauber helfen." wollte Trestol daraufhin skeptisch wissen worauf Kensac eher beiläufig antwortete: „Lediglich ein einfaches Schmerzmittel." Damit musste sich der Reiter vorerst begnügen, denn schon im nächsten Atemzug wandte sie sich wieder an Shad. „Ich werde dich jetzt zusammen mit Kevin untersuchen, ja? Zwinker einfach Trestol zu, wenn ich dich etwas fragen sollte. Zweimal für ja, dreimal für nein. Und ihr könnt in der Zwischenzeit versuchen herauszufinden, inwieweit er sich noch zurückerinnern kann. Versucht dabei aber bitte – vage – zu bleiben. Ihr versteht was ich meine." meinte die Ärztin und warf dabei doch auch noch einmal dem Drachenreiter einen eindringlichen Blick zu. Natürlich wusste Micheal, was sie damit meinte und auch Trestol nickte verstehend. „Natürlich, ich will helfen, so gut ich kann." Selbstverständlich meinte Kensac damit, dass er nicht über den Angriff auf Lendol direkt sprechen sollte und der Admiral hoffte, dass sich der Reiter nicht ausversehen verplappern würde. Allerdings zweifelte er stark, dass sich der Jungdrache überhaupt an etwas erinnern konnte. Immerhin hatte selbst Ileakri, die im Grunde mit einem blauen Auge davongekommen war, sich nur bruchstückhaft und vage an die Zeit ihrer Gefangenschaft erinnern können.
Die nächsten Minuten verbrachte er damit zusammen mit Amanda gebannt zu verfolgen, wie Alina und Kevin nacheinander die verschiedenen Körperbereiche von Shad abklapperten und jeweils einige Tests durchführten. Er konnte seine Frau neben sich erleichtert ausatmen hören, als der Drache ihnen bestätigte, dass er ihre Berührung an seinen Hinterläufen und am Schwanz spüren konnte. „Gott sei Dank, er ist nicht querschnittsgelähmt." flüsterte Amanda erfreut, worüber Mike etwas schmunzeln musste. „Naja, die Chance war sehr gering, nachdem Alina es war, die sein Rückenmark operiert hat." erwiderte er ebenso wispernd, doch seine Frau war nicht ganz so davon überzeugt wie er selbst. „Eine Chance ist immer noch eine Chance, Mike. Und jetzt wissen wir es zumindest sicher." Damit musste Micheal ihr recht geben, weswegen er zustimmend brummte. „Da hast du wohl recht."
Nach und nach arbeiteten sich Kensac und Pestoun einmal um den roten Drachen herum, während Trestol mühselig versuchte Shad bezüglich seiner Erinnerungen zu befragen, was nicht ganz so einfach war, wenn man bedachte, dass er nur mit ja oder nein antworten konnte. Eine gewisse Unruhe breitete sich unter den restlichen Titanen aus, die untereinander zu flüstern und zu wispern begannen, als ihre beiden Geschwister anfingen den Stumpf von Shads amputiertem linken Vorderbein zu untersuchen. Besser gesagt gab es überhaupt keinen wirklichen Stumpf, da Kevin den gesamten Vorderlauf samt Schulter entfernt hatte. Stattdessen saß unter den Bandagen das bereits eingepasste, künstliche Schultergelenk, welches Alina in stundenlanger Präzisionsarbeit mit den Nervenenden des amputierten Arms verbunden hatte. Diese würden es dem Jungdrachen ermöglichen die Prothese fast wie seine richtige Extremität zu nutzen, mit ein paar kleinen Einschnitten natürlich. Doch auch dort schien alles soweit in Ordnung zu sein, wobei Forke froh war, dass der junge Drache nichts von seiner fehlenden Gliedmaße mitbekam. Es hätte wohl Kevins Beruhigungstaktik vollkommen zunichte gemacht.
So ging es weiter rundherum, bis schließlich Alina die Untersuchung für beendet erklärte, nachdem der Reiter ihr alles mitgeteilt hatte, was er in Erfahrung bringen konnte. „Hhm, ich verstehe." meinte die Ärztin nachdenklich und notierte sich etwas auf dem Tablet, welches Pestoun ihr zwischenzeitlich wieder übergeben hatte. Dann richtete sie das Wort wieder an Shad, der sie erwartungsvoll mit seinem großen roten Auge anblickte. „Nun, ich habe eine gute und eine, sagen wir mal, weniger gute Nachricht für dich. Die weniger gute zuerst. Die Gehirnerschütterung hat bei dir offensichtlich einen vorrübergehenden Verlust des Kurzzeitgedächtnisses verursacht. Du kannst dich nicht mehr an die Dinge erinnern, die während oder nach deinem Unfall geschehen sind. Keine Sorge, das wird sich mit der Zeit legen, in ein paar Tagen sollten die Erinnerungen zurückkommen. Hoffen wir zumindest." erklärte sie ruhig und warf dabei Ileakri einen vielsagenden Blick, den das blaue Drachenmädchen mit einem leichten Nicken des Kopfes beantwortete, ehe Kensac fortfuhr: „Die gute Nachricht ist jedoch, dass dein Körper sich ungewöhnlich schnell zu regenerieren scheint. Wenn es in dem Tempo weitergeht wirst du schon in gut einer Woche mit den ersten Laufübungen beginnen können. Auf jeden Fall werde ich versuchen die Neuroblocker und Schmerzmittel soweit herunterzufahren, dass du wieder mit anderen reden kannst."
„Insbesondere im Hinblick darauf, dass dein Reiter heute Abend oder zumindest in der Nacht ankommen wird. Ihr beide habt sicherlich einiges zu besprechen." fügte Kevin freundlich lächelnd hinzu und sorgte damti dafür, dass sich das Auge des Jungdrachen vor Überraschung weitete und fast so aussah, als würde es ihm aus dem Schädel springen. Gleichzeitig stieß er ein krächzendes Gurgeln aus, was Micheal dem Kontext nach zu urteilen als eine Art glücklichen Ausruf deutete. Er musste unwillkürlich schmunzeln, als er die Freude in Shads Auge funkeln sah und horchte deshalb überrascht auf, als er das typische Geräusch des Aufzugs vernahm.
Sofort schoss sein Blick hinüber, woraufhin er leise kopfschüttelnd in sich hineinlachte. Kein anderer als Angela stand dort in der sich gerade öffnenden Tür, während Benjamin in seinem schwarzen, leicht mattgrünlich schimmernden Atlas neben ihr stand, das Maschinengewehr auf den Rücken geschnallt. Die Kräuterhexe schien wirklich einen geradezu übernatürlichen Sinn dafür zu besitzen, zum passenden Zeitpunkt aufzutauchen. „Ach du meine Güte! Er ist ja bereits aufgewacht! Und keiner sagt mir etwas!", konnte er sie schon von weitem aufgeregt plappern hören, während die beiden im Eilschritt zu ihnen stürmten. Gleichzeitig sah er, wie Benjamin den Ansatz machte in Erwiderung seinen Arm zu heben, doch er beließ es dann doch nur bei einem leichten Kopfschütteln.
Mike konnte sich nur zu gut denken, dass der Waffenspezialist ihr sehr wohl Bescheid gegeben hatte, ansonsten würde sie wohl jetzt nicht hier sein. „Ich hatte vor euch holen zulassen, sobald sich die erste Aufregung gelegt hat, Angela. Es ist ohnehin schon genug Trubel für Shad." verteidigte sich Micheal, aber Angela schien nicht wirklich auf ihn zu achten, da sie geradewegs zu Alina, Kevin und Trestol hinübereilte, direkt am Kopf von Mimiath vorbei, die der älteren Frau einen musternden Blick zuwarf.
„Sorry, aber sie hat darauf bestanden, nachdem ich ihr erklärt habe, warum bis jetzt keiner bei uns war, um nach dem Rechten zu sehen. Sie kann sehr – überzeugend sein." entschuldigte sich Ben währenddessen bei Forke der abwinkend die Hand hob. „Ich weiß, ist schon in Ordnung. Gibt es etwas Neues von Dad? Ich hatte ja mein Funkgerät auf Standby geschalten, weil Alina mich darum bat." fragte er stattdessen und hob neugierig die Augenbrauen, als sein Bruder bejahend nickte. „Ja, Robert hat sich vorhin kurz gemeldet. Er meint sie lägen gut im Zeitplan und würden gerade ein letztes Mal rasten, ehe sie die Wüste vor dem Gebirge überfliegen. Wenn alles gut läuft, sollten sie irgendwann am Abend eintreffen. Wir haben ihm gesagt, dass wir ein paar Signal-Flares zünden, um unsere Position zu markieren, sobald wir sie sehen." erklärte Benjamin neigte im Anschluss grüßend den Kopf in Richtung Amanda, die ihm ihrerseits ein freundliches Lächeln schenkte. Micheal nickte zufrieden. „Das ist gut zu hören. Es wird bestimmt eine schöne Überraschung für sie werden, dass Shad bereits wieder wach ist." „Das stimmt wohl." stimmte Warren zu und wandte den Blick hinüber zu Mark, als dieser mit verschränkten Armen zu ihnen herüberkam.
Dem Gesicht nach zu urteilen wirkte er nicht sehr glücklich, aber eher genervt, als wirklich wütend. „Hmpf. All die Eile umsonst. Ally meint, sie will ihm die Prothese erst anlegen, wenn er mit den Laufübungen beginnt. Hätte ich das vorher gewusst, wäre jetzt schon die halbe Elektronik der Venator repariert! Manchmal könnte ich sie echt schnappen." brummte er missmutig und erntete dafür ein amüsiertes Grinsen seitens des Admirals. „Sieh es doch positiv, jetzt hast du immerhin keinen Terminstress mehr, wenn es so weit ist. Außerdem, wir wissen nicht zu was Eragon im Stande ist. Vielleicht ist es ihm ja sogar möglich Shad so weit gehend zu heilen, dass ihr die Prothese doch bereits morgen einpassen könnt." meinte Forke, woraufhin Duncan leicht die Nase rümpfte.
Der Ingenieur ging jedoch nicht wirklich näher darauf ein, sondern warf stattdessen Benjamin einen Blick zu der typisch durchdringend für ihn war. „Wenn ich jetzt schon Zeit habe werde ich hier nicht unnötig rumhocken und nichts tun. Komm mit Ben, ich entferne jetzt gleich den Fusionskern aus deinem Atlas. Dann kannst du in deinen HAX schlüpfen und Joseph ebenfalls herunterschicken." beschloss er in seiner gewohnt befehlenden Stimme und bedeutete seinem Bruder Richtung Reaktorhalle zu gehen, was dieser in Begleitung eines leisen Seufzers auch tat. Dann wandte sich Mark noch einmal kurz an Mike: „Ich werde versuchen, heute noch die Systeme für die Steuerung des Antriebs zu überholen, dann müssen wir die Wasserstrahltriebwerke nicht mehr ständig von Hand ausrichten. Vielleicht komm ich sogar noch dazu mit den Sensoren anzufangen." „Das wäre wirklich praktisch, Mark. Sag Bescheid, wenn du Hilfe brauchst." entgegnete der Admiral nickend. Duncan brummte zustimmend und verabschiedete sich höflich bei Amanda und der jungen Misa, ehe er hinter Benjamin hereilte, der bereits außer Sicht war.
„Ich frage mich, was Mark tun würde, wenn er eines Tages ohne Arme und Beine ans Bett gefesselt aufwacht." kommentierte Amber das Ganze augenrollend, woraufhin Chloe leise kicherte. „Rien ne sort de rien. Vermutlich würde er sich aus dem Bett rollen und versuchen mit dem Mund Prothesen zusammenzubauen. Das Wort Pause existiert in seinem Wortschatz einfach nicht." erwiderte Sebastian lachend, dem Forke nur schmunzelnd zustimmend konnte, während sein Blick wieder Richtung Shad wanderte, wo mittlerweile Alina versuchte Angela alles zu erklären und Kevin mit Trestol damit beschäftigt war Shad wieder zu beruhigen, nachdem dieser von der nahenden Ankunft seines Reiters erfahren hatte.
Zur gleichen Zeit hoch über der Du Istalri Gata:
*Erinnerst du dich daran, als wir durch diese Wüste gereist sind und ich dich das erste Mal mit auf einen Flug genommen habe?* meinte Feyth aufgeregt, während sie in Johns Schoß sitzend hinunter auf die großen Sanddünen blickte, die langsam unter ihnen dahinzogen. Der Colonel nickte zustimmend und streichelte ihr liebevoll über die Flanke. „Ohja, wie könnte ich das je vergessen?" erwiderte er schmunzelnd. *Das müssen wir unbedingt wiederholen! Es war so ein schönes Gefühl deinen Geist so dicht bei mir zu haben.* entgegnete sie daraufhin und wandte dabei ihren Kopf direkt auf sein Gesicht zu, sodass er ihre großen, strahlend grünen Augen sehen konnte. Sein Schmunzeln wurde zu einem Lächeln, als er ihr väterlich die Hand auf die Stirn legte und sie sachte tätschelte. „Aber natürlich meine Kleine, ich kann es kaum erwarten." Das kleine Drachenmädchen stieß ein fröhliches Fiepen aus und schleckte ihm liebevoll über die Wange, ehe sie den Blick wieder Richtung draußen wandte. *Au ja, das wird toll! Ich werde dir alle meine Flugtricks zeigen, die mir Vater beigebracht hat!* prophezeite sie vorfreudig, woraufhin er kurz auflachte. Gleichzeitig sah er von seinem kleinen Schützling auf und im Cockpit um.
Robert saß selbstverständlich im Pilotensitz und wirkte hochkonzentriert, während neben ihm Julia im Copilotensessel platzgenommen hatte. Sie blickte scheinbar gedankenverloren nach draußen, wo John die Drachen und Reiter erkannte, die wie zuvor mit ihnen in Formation flogen. Emily saß derweil an der deaktivierten Waffenkonsole und hatte ihre zahlreichen Arme schlaff über der Brust und dem Bauch verschränkt. Sie war als einzige von ihnen angeschnallt und trug zusätzlich ihren Helm, wodurch keiner von ihnen sehen konnte, wie sie mit geschlossenen Augen vor sich hin döste. Miller gönnte seiner Tochter die Ruhepause nur zu sehr. Auch wenn die Titanen lange wach bleiben konnten, brauchten sie dennoch kleine Schlafphasen, um ihr Gehirn auszuruhen. Er bildete dabei die Ausnahme. Schließlich war da nur noch Alanna, die im Sitz der Radarkontrolle neben ihm saß. Die Elfe sah ebenfalls träumerisch aus dem Cockpit und er hatte nicht die Absicht sie in ihren Gedanken zu stören. Steven und Alex befanden sich auch an ihren angestammten Plätzen, im Juggernaut und im Truppenabteil und vertrieben sich die Zeit damit über bestimmte Angriffstaktiken zu diskutieren. Zu guter Letzt blieb nur noch Aidan übrig, der mit aktivierter Watcher-Direktive neben Roberts Kopf schwebte.
John atmete tief durch und ließ seinen Blick danach ebenfalls aus dem Cockpit schweifen.
Die Sonne hatte ihren Zenit schon lange überschritten und die heraufziehende Dämmerung ließ keine Zweifel daran, dass sie bereits späten Nachmittag hatten. Die untergehende Sonne ließ die Schuppen der Drachen regelrecht glitzern und warf damit ein lustiges Schattenspiel ins Innere des Albatross'. In der Ferne konnte er schon gut die näherkommende Felswand des großen Gebirgsausläufers erkennen, der überhaupt erst für diese Wüste hier verantwortlich war. Ihr heutiger Reisetag war ungewöhnlich ruhig verlaufen, ganz im Gegensatz zur vergangenen Nacht, in der er Steven eine gehörige Standpauke gehalten hatte, genauso wie Saphira Dun'var auf die üblich rabiate Drachenweise zurechtgestutzt hatte, nachdem die beiden beinahe das halbe Wäldchen in welchem sie übernachteten abgefackelt hatten. Nur durch das flinke Eingreifen von Murtagh, Emily und Dorn hatten sie Schlimmeres verhindern können, sodass nur wenige Bäume niedergebrannt waren. Und nun befanden sie sich auf ihrer letzten Etappe auf dem Weg zur Venator.
In den folgenden Stunden beschäftigte er sich damit Feyth ausgiebig zu kraulen und auch kurz mit Alanna zu reden, als diese ihn danach fragte, ob es eigentlich auch andere Paare unter den Titanen gab. Miller musste kurz über die für ihn recht zusammenhangslose Frage stutzen, ehe er ihr von Shenmi und Steven und natürlich von Micheal und Amanda erzählte. Die Elfe schien ganz überrascht davon zu sein, dass Amanda ein normaler Mensch war und verhielt sich daraufhin merkwürdig neugierig diesbezüglich. Vor allem das seltsame Funkeln in ihren Augen, während er ihr freundlich antwortete, verwirrte ihn leicht. Da aber ihr Gespräch schon kurz darauf in andere Themen abdriftete, kümmerte er sich nicht weiter darum.
So vergingen auf jeden Fall die Stunden, während sich Eragon einmal kurz bei ihnen meldete um kurz ihren Zwischenstand zu besprechen und schließlich, als die Nacht bereits über sie hereinbrach erreichten sie endlich das Gebirge. Im Gegensatz zur Wüste benötigten sie nur wenig Zeit dieses zu überqueren und endlich den gigantischen grünen Wald vor sich zu sehen.
Der Wald, indem er das erste Mal auf Feyth getroffen war.
John überlegte kurz, ob es eine kluge Idee war einen kurzen Abstecher zu Tymdeks Hort zu machen, doch er stellte recht schnell fest, dass sie eine viel zu große Gruppe dafür waren. Der Besuch bei Lyath, Dekri, seinen Söhnen und natürlich den frischgeschlüpften Küken würde wohl noch bis morgen warten müssen. Robert und auch Eragon teilten seine Meinung, woraufhin sie beschlossen, Tymdek im Laufe des nächsten Tages mit einem kleineren Kontingent einen Besuch abzustatten. Anschließend schien die Zeit wie zu fliegen. Die grünen Baumwipfel rasten nur so im Schein des aufgehenden Mondes unter ihnen dahin und Holsted aktvierte die großen Scheinwerfer des Albatross'. Einerseits um ihnen beim Formationsflug zu helfen, da die aufziehenden Wolken den Mond immer wieder hinter sich verdeckten und andererseits, um für die anderen Titanen auf der Venator besser sichtbar zu sein. Zudem hatte der Pilot den Großmeister angewiesen Richtung Strand zu fliegen, da Micheal die Venator anscheinend dorthin umgesetzt hatte.
Feyth schien währenddessen allmählich von ihrer Müdigkeit übermannt zu werden, da ihr Gähnen immer länger und ausgiebiger wurde. Auch ihre Äuglein fielen immer wieder für einige Minuten lang zu, ehe sie wieder hochschreckte. Auf der anderen Seite hingegen streckte sich Emily genüsslich und tätschelte der kleinen kichernd den Kopf, als sie bemerkte, dass sie kurz vorm Einschlafen war. „Na? Wird da jemand langsam müde? Du kannst ruhig schlafen meine Kleine, die anderen werden nicht weglaufen deswegen." meinte die Feldärztin, woraufhin das Drachenmädchen jedoch verneinend brummte. *Ich möchte sie aber heute kennenlernen!* protestierte sie, wobei sie allerdings einen besonders großen Gähner hinterher setzte, weshalb auch John leise lachen musste. „Ich glaube aber, dass dein Körper da anderer Meinung ist." erwiderte er und nickte seiner Tochter zu, als diese ihren Helm abnahm und ihn fragend ansah. Anschließend hob sie die Kleine sacht herüber auf ihren Schoß, wo sich Feyth zu einer kleinen Kugel zusammenrollte. Nur noch der Kopf schaute unter ihrem Flügel hervor und mit schläfriger Stimme widersprach sie: *Ich bleibe schon wach, du wirst sehen.*
Keine zwei Minuten später, war sie eingeschlafen, woraufhin sie Smith liebevoll in eine Wolldecke einwickelte, die sie unter ihrem Sitz hervorzog.
„Sie ist wirklich zu goldig." wisperte sie gerührt und strich Feyth dabei zärtlich über die Schnauze, was dem kleinen Drachen ein unbewusstes Schnurren entlockte. Miller lächelte zustimmend, doch als er an den beiden vorbei hinausblickte, bemerkte er etwas, dass seinen Magen kurz verkrampfen ließ.
Dort in der Ferne konnte er dank seiner Drachenaugen ohne Zweifel die verkohlten Überreste Lendols ausmachen. Schwarze Hausruinen, von denen nur noch wenige Stützbalken standen und die Palisade, welche eigentlich um das Dorf herum stand, existierte praktisch nicht mehr. Missmutig knirschte er mit den Zähnen und ballte unwillkürlich die Hände zu Fäusten. Wer auch immer in der Schwarzen Rose dafür verantwortlich war, würde dafür bezahlen, soviel stand fest. Alanna neben ihm schien die Szenerie zumindest auch im Ansatz wahrzunehmen, da er sie leise keuchen und in einer ihm unbekannten Sprache fluchen hörte.
Zum Glück lenkte ihn Robert nur wenige Augenblicke wieder ab, indem er erfreut meinte: „Ah! Schaut mal dort vorn! Seht ihr die Flares? Das müssen sie sein! Ich sage schnell Eragon Bescheid." Sofort schoss Johns Blick nach vorn und tatsächlich konnte er am Strand einige hundert Meter vor ihnen mehrere rötlich brennende Signalfackeln erkennen, die zusätzlich einiges an Rauch produzierten, um mehr Aufmerksamkeit zu erregen. Dank der Drachenaugen konnte er sogar die Venator im Hintergrund erkennen, die noch genauso gewaltig und massiv war, wie er sie noch von der Erde her kannte. Doch etwas anderes ließ sein Herz noch einen Tick höher schlagen.
Denn dort am Strand, nur ein paar dutzend Meter vom Schiff entfernt, standen einige Personen umher, die offensichtlich auf sie warteten.
Eine gewisse Anspannung und Vorfreude erfasste ihn, weswegen er fast nicht mitbekam, wie Robert Eragon mitteilte, wo sie zu landen hatten. Miller hatte gerade nur noch Augen für seine Familie, von der er vor wenigen Wochen noch gedacht hatte, sie niemals wiederzusehen. Nur wenige Augenblicke später setzten sie bereits zur Landung an, wobei Holsted wie die Male zuvor Steven im Juggernaut vorher absetzte. Doch auch der Albatross stand schon einige Momente später im weichen Sand und nur knapp zwei Dutzend Meter von ihrem Empfangskomitee entfernt.
Eiligst schaltete Holsted sämtliche Systeme aus und öffnete die Laderampe, ehe sie sich alle gleichzeitig aus ihren Sitzen erhoben, wobei Emily besonders vorsichtig war, da sie die schlafende Feyth in Armen hielt. „Mimiath scheint wohl noch in der Venator zu sein, es sei denn ich bin plötzlich blind geworden." merkte Julia skeptisch an, worauf Robert flüsternd antwortete: „Vermutlich haben sie sie bei Shad gelassen, oder Micheal wollte an sich nicht so viel Aufsehen erregen." „Oder aber sie schläft ebenso wie unser kleiner Wonnebrocken hier." gab Smith zu bedenken, während sie dem in die Wolldecke eingekuschelten Drachenmädchen einen liebvollen Blick zuwarf. „Da stimme ich wohl eher Robert zu, meine Liebe. Ich denke nicht, dass sie sich bereits Schlafen gelegt hat, wenn ihr Ordensmeister noch heute auftauchen sollte." erwiderte John gut gelaunt und Alanna nickte zustimmend. „Das glaube ich auch nicht. Erwachsene Drachen können durchaus ein oder zwei Nächte wach bleiben." Dabei gingen die sechs, gefolgt vom schweigenden Aidan, gerade an Alex vorbei, der sich behäbig aus seinem Sitz erhob und ihnen anschloss.
Miller bemerkte jedoch sofort, dass etwas mit seinem Sohn nicht stimmte, da er leicht wankte und Holsted dankend zunickte, als dieser ihm unter die rechte Schulter griff, um ihn zu stützen. „Ist alles in Ordnung Alex?" fragte er deshalb ernst und blieb auch kurz vor der Laderampe. Der goldbraun gepanzerte Titan nickte abermals langsam und fasst sich kurz an den Helm, als wäre ihm schwindlig zu mute. „Ist – ist schon in Ordnung Dad. Ich – fühle mich nur etwas schlapp, alle Gelenke tun weh. Als hätte mir jemand – Stahl in Arme und Beine gegossen." erklärte Nurton leise mit seiner enorm rauen Stimme, wobei er immer wieder kurz mitten im Satz pausierte. Miller hatte eine große Vermutung was los war und Stearn sprach sie für ihn aus. „Wahrscheinich haben die Naniten doch schon früher mit der Mutation begonnen." „Vermutlich, das würde zumindest erklären, warum er sich wie ein nasser Sack Zement anfühlt." stimmte Holsted zu, woraufhin Emily leise mit ihren Mandibeln klickerte. Sie dachte scheinbar kurz einen Moment nach, ehe sie Feyth behutsam an John zurückreichte. „Hier, nimm du die Kleine wieder, Dad. Ich und Robert werden ihn auf sein Quartier begleiten und uns um ihn kümmern. Am besten kommst du einfach nachher noch vorbei, ja?" meinte sie ernst und der Colonel nahm das grüne Drachenmädchen ebenso vorsichtig entgegen, bevor er bestimmt erwiderte: „Ja tut das, es wird das Beste sein. Aber bitte ruft mich, falls etwas passiert, in Ordnung?" „Natürlich!" versicherte ihm die Feldärztin und legte ihm versichernd eine Hand auf die Schulter. Dann griff sie Alex unter die andere Schulter und gemeinsam begannen sie zu dritt die Laderampe hinunterzugehen, wobei Aidan dem Piloten immer noch stillschweigend folgte.
„Robert-Vodhr! Entschuldigt, aber ihr solltet die junge Tinira nicht vergessen. Sie wird voller Sorge sein, wenn ihr Alex so einfach wegbringt, ohne etwas zu sagen." rief ihnen Alanna jedoch flüsternd hinterher woraufhin das Quartett noch einmal kurz stehen blieb und Robert sich zu der Elfe hin umdrehte. Er lächelte freundlich und neigte dankbar den Kopf. „Danke für den Hinweis, Alanna. Wir werden sie uns gerne begleiten lassen, wenn sie will." „Die Gänge der Venator sollten dafür noch breit genug sein, ja." meinte Emily ehe sie wieder losgingen so schnell sie konnten, da Alex in der Zwischenzeit noch tiefer in ihre Arme gesunken war. Im nächsten Moment waren sie bereits hinter der Bordwand des Albatross' verschwunden.
„Ich hoffe es geht ihm schnell wieder besser." bemerkte Alanna mitfühlend, während John zusammen mit ihr, Julia und Feyth in seinen Armen den vier die Laderampe herunter folgte. „Das wird schon wieder, normalerweise ist er hart im nehmen. Nur wie schnell – nun das wird sich noch zeigen." entgegnete Stearn beruhigend, wobei sie allerdings ebenfalls leicht besorgt klang. John konnte ihr da nur zustimmen. Auch er machte sich zumindest einige Sorgen um seinen Sohn, schließlich wusste er, wie schmerzhaft der Mutationsprozess sein konnte.
Es überraschte ihn auch nicht Tiniras überraschtes und besorgtes Fauchen einige Meter neben ihnen zu vernehmen gefolgt von einigen ihm sehr bekannten Stimmen, als sie ins Freie traten.
Geschwind traten sie um den Albatross herum und mit einem Schlag kehrte seine Vorfreude zurück. Dort in einigen Metern Entfernung standen sie alle. Micheal, mit seiner hochschwangeren Frau Amanda, daneben Chloe, Shenmi, Sarah, Amber, Sebastian, Jonas, Benjamin, Joseph, Mark und natürlich Kevin. Lediglich Alina und natürlich Shixin und Mathew fehlten unter ihnen. Keiner von ihnen trug mehr seinen Atlas und auch nur drei von ihnen, Jonas, Benjamin und Joseph, hatten stattdessen ihren HAX-Suit angelegt. Alle anderen trugen gewöhnliche Zivilkleidung, mit Ausnahme von Steven, der gerade aus dem abgestellten Juggernaut sprang und sich zu den anderen gesellte, wo er brüderlich in Bastians ausgestreckte Hand einschlug und danach Shenmi einen dicken Kuss auf die Lippen gab. Dabei hüllten die roten Flares die ganze Szenerie in ein mattes rotes Licht, welches ihm durch seine Drachenaugen natürlich unglaublich stechend vorkam.
Überglücklich ging er schnurstracks auf seine Familie zu, die ihn jubelnd willkommen hießen. Es war ein unglaubliches Gefühl der Erleichterung, als er nach all der Zeit endlich wieder Micheal in die Arme schließen konnte, wobei die Einzelumarmung schlagartig in eine Gruppenumarmung ausuferte, sodass der Colonel höllisch aufpassen musste, Feyth nicht ausversehen zu verletzen. Doch es tat einfach so gut, wieder all seine Kinder vor sich zu haben.
Zumindest fast alle.
„Hey Dad! Es tut so gut dich bei voller Gesundheit zu sehen. Du glaubst gar nicht wie am Boden zerstört wir waren, als du vor ein paar Wochen spurlos verschwunden bist. Ich bin einfach nur froh, dass dir nichts passiert ist. Von den Schuppen einmal abgesehen." meinte Mike ehrlich bewegt, als sie die Umarmung nach einer knappen Minute wieder langsam lösten. Dabei drückte er seinen Adoptivvater noch einmal fest an sich. Eine Geste die dieser nur allzu gerne erwiderte. „Es tut auch gut dich wiederzusehen Mike. Und natürlich auch euch anderen allesamt! Shenmi, Chloe, Ben, Mark, Jonas, Amber, Sarah, Kevin, Joseph, Bastian! Euch alle! Ihr glaubt nicht, wie ich euch vermisst habe." erwiderte er lachend und die ein oder andere Freudenträne sammelte sich in seinen Augen. Sie alle grinsten und lächelten ihn an, selbst Duncan und Milten die für gewöhnlich immer ernst waren. „Du hast uns wirklich gefehlt Dad!" merkte Chloe voller Freude an, dem die anderen lauthals zustimmten. Johns eigenes Lächeln wurde noch breiter, als zuvor, ehe er kurz schniefte, um die Freudentränen zu unterdrücken, und sich an Amanda wandte, die ihrem Schwiegervater freundlich zulächelte.
Er nahm auch sie behutsam in den Arm, wobei er dafür leicht in die Hocke gehen musste, doch das war es ihm allemal wert. Missmutig bemerkte er die Bandagen an ihren Armen und Beinen, die noch von den Brandwunden aus dem Angriff zeugten. „Es ist schön dich wieder bei uns zu haben John." sagte die hochschwangere Frau glücklich und machte dann große Augen, als sie seinen kleinen Begleiter auf dem Arm bemerkte, der entgegen seiner Befürchtungen, trotz des Radaus munter weiterschlief. „Es ist auch schön euch beide wiederzusehen, Amanda." entgegnete John fröhlich und legte die rechte Hand kurz auf ihren geschwollenen Bauch, ehe er sich wieder aufrichtete.
„Ist das etwa die kleine Feyth, von der mir Micheal erzählt hat?" wollte seine Schwiegertochter daraufhin neugierig wissen und er nickte bejahend. „Oh wie süß!" „Schau nur wie putzig sie in der Wolldecke aussieht!" kamen keine Sekunde später die Ausrufe von Shenmi und Chloe, die praktisch sofort vorsprangen und sich um das grüne Drachenmädchen drängten.
Miller war sich ziemlich sicher, dass die beiden drauf und dran waren Feyth an sich zu reißen, doch dieses eine Mal war er froh über Stevens unvorhersehbares Verhalten. Der Hüne packte die beiden Frauen nämlich einfach kurzer Hand und bemerkte glucksend: „Also ihr beide beruhigt euch bitte erst, bevor ich euch in die Nähe unserer neuen Schwester lasse." Dabei hob er sie mühelos hoch und ignorierte den lautstarken Protest sowohl von Chloe als auch von seiner Verlobten.
Kevin, Benjamin und ein paar der anderen mussten unwillkürlich lachen, während Coule sich mit den beiden zurück in die hintere Reihe postierte. Auch John kam um ein amüsiertes Glucksen nicht herum. Er nutzte jedoch die Gelegenheit und überreichte Micheal die schlafende Feyth, der sie behutsam, mit fast schon zittrigen Armen und großen Augen, entgegennahm.
„Sie wirkt so zerbrechlich – für einen Drachen." murmelte er leise und streichelte dem Drachen zärtlich über den Kopf, bevor er in die Hocke ging, um Amanda besser heranzulassen. „Sie ist wirklich zu goldig." meinte Mrs. Forke berührt und fuhr mit ihrem rechten Zeigefinger zärtlich über Feyths Schnauze, was dem Drachenmädchen ein leises Schnurren entlockte. „Un petit ange. Nur in grün." kommentierte Bastian amüsiert schmunzelnd, während Sarah ebenfalls in die Hocke ging, um ihre neue Schwester näher zu betrachten.
„Du bist auch ein kleiner Engel Bastian. Schau mal nach dort hinten, wenn du meinst, dass Drachen farbige Engel sind." brummte Julia belustigt, als sie zu den anderen trat und ihrem Bruder einen freundschaftlichen Knuff in den rechten Oberarm gab. Gleichzeitig deutete sie hinter sich und Miller wusste nur zu gut, wen sie meinte. Da fiel ihm plötzlich ein, dass er Alanna völlig vergessen hatte! Hastig drehte er sich um und sah die Elfe etwas abseits stehen, die Hände vor dem Becken übereinandergelegt. Aus dem Augenwinkel erkannte er außerdem, dass die Drachenreiter, welche noch etwas weiter abseits gelandet waren, um nicht ausversehen mit dem Albatross zu kollidieren, nun langsam näher kamen.
Behutsam fasste er sie an der linken Hand und führte sie mit einem ermutigenden Lächeln hinüber zu seinen Kindern, von denen nun die meisten von Feyth aufsahen und stattdessen die Elfe neugierig musterten. „Darf ich vorstellen? Das hier ist Alanna Silberwind. Und das neuste Mitglied unserer Einheit. Behandelt sie also dementsprechend!" stellte er sie respektvoll vor und betonte dabei vor allem den letzten Satz im Hinblick auf Steven, der inzwischen Chloe und Shenmi wieder abgesetzt hatte und sich nun scheinbar grundlos in Richtung Venator wandte. Schüchtern führte Alanna Zeige- und Mittelfinger ihrer Hand zum Gruß an den Mund und meinte leise: „Atra Esterní ono thelduin."
John verschluckte sich halb, als ausgerechnet Jonas einen Schritt vortrat, ebenfalls Zeige- und Mittelfinger an den Mund führte und erwiderte: „Mor'ranr lífa unin Hjarta onr, un du Evarínya ono varda."
Die Elfe schien ebenso verblüfft zu sein, wie der Colonel, denn sie zwinkerte überrascht, ehe sie leicht den Kopf neigte. „Ich wusste nicht, dass ihr mit der Sprache meines Volkes vertraut seid." entgegnete sie immer noch leicht perplex, doch Milten erklärte in seiner gewohnt stoischen Art: „Wenn man ein fremdes Land betritt, sollte man zumindest einmal versuchen, dessen Kultur und Sprachen zu erlernen. Ich beherrsche sie allerdings keineswegs fließend, nur bruchstückhaft. Ich bin Colonel Jonas Milten, Titan 07. Sehr erfreut ihre Bekanntschaft zu machen, Ms. Silberwind." „Oh, ich verstehe. Die Freude ist ganz meinerseits." erwiderte Alanna verstehend und nacheinander stellten sich nun die anderen der Reihe nach vor.
John schüttelte kurz ungläubig den Kopf ehe er die Stirn runzelte, als er bemerkte, dass Steven scheinbar mit jemandem redete, den er nicht sehen konnte. Doch einen Moment später lüftete sich das Geheimnis, als Coule die Person vorsichtig hochhob und vor ihm wieder absetzte, sodass sie nun direkt vor Miller stand, dessen Augen groß wurden.
„Karl!" rief er freudig aus und umarmte seinen Freund innig, wobei er natürlich darauf achtete, ihn nicht zu verletzen. Trotzdem presste er ihm wohl sämtlich Luft aus den Lungen, denn der schlaksige Wissenschaftler holte tief keuchend Luft, als der Titan ihn wieder losließ. „Schön – schön dich wiederzusehen John." brachte er dennoch erfreut hervor und schenkte ihm ein zurückhaltendes Lächeln. „Du hast es also in einem Stück aus der Station geschafft, was für eine Erleichterung. Ich habe gar nicht mehr groß darauf achten können, bevor die Explosion mich erwischte." meinte John, überglücklich seinen alten Freund wohlbehalten vor sich zu haben. „Nun ja, du hast mir schon das ein oder andere Gelenk verstaucht." widersprach der Wissenschaftler, während er seine dicke Hornbrille zurechtrückte, ehe er etwas stutzte und zögerlich fragte: „Sind das – Schuppen auf deinen Armen? Und Krallen an den Händen?" Der Colonel grinste amüsiert und nickte zustimmend. „Das erzähle ich dir alles später, ist eine etwas längere Geschichte. Aber jetzt sollte ich wohl erst einmal unsere Gäste vorstellen." erklärte er und drehte sich halb um die eigene Achse.
Wie er vermutet hatte, waren Eragon und die anderen nun praktisch bei ihnen angekommen, wobei die Reiter in der Front und die Drachen dahinter gingen. Insbesondere Saphira, Dorn, Dun'var und Galgianth machten dabei eine imposante Erscheinung, während die Schüler um Keno eher eingeschüchtert wirkten. Er konnte Murtagh beeindruckt pfeifen hören, während einige der Reiter mit großen Augen die Venator betrachteten. „Ein Schiff dieser Größe habe ich noch nie in meinem Leben gesehen und das auch noch aus Metall. Das nenne ich mal ein Kriegsschiff!" konnte er den rot gerüsteten Mann sagen hören und setzte ein zufriedenes Lächeln auf.
Diese Nacht würde noch äußerst spannend werden, dessen war er sich sicher.
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[Eragon Fan-Fiction] Der Titan und die Drachenreiter
FanfictionDer Soldat John Miller findet sich nach einem schrecklichem Unfall an den Ufern eines ihm unbekannten Landes wieder. Schon sehr bald wird ihm bewusst, dass er sich nicht mehr in seiner eigenen Welt befindet. So also macht er sich auf den Weg, die Dr...
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