„Da – Dad? Mein Kopf – fühlt sich an als hätte ich in ein Stromlabel gebissen – danke." brachte Alex stammelnd hervor während er mit dem Oberkörper vornüber auf seine Hände gestützt da kniete. Er ballte die Hände zu Fäusten, womit er etwas vom Kies mit auflas und begann leicht schwankend aufzustehen, während er dann plötzlich panisch aufsah und den Kopf hastig hin und her schwenkte, bis er Tinira ins Sichtfeld bekam. „Tinira! Ich – ihr – ihr geht es hoffentlich gut?" fragte er bestürzt, woraufhin John ihm väterlich und beruhigend die Hand auf die Schulter legte. Die Miene des Colonels war voller Mitgefühl, als er sanft lächelnd nickte. „Keine Sorge Alex, sie hat zwar ein paar Schrammen abbekommen, aber es ist nichts Ernstes." erklärte er ruhig und spürte deutlich, wie sein Sohn erleichtert durchatmete. „Was ein Glück." hauchte Nurton froh und fasste sich danach mit der rechten Hand etwas gröber an die Schläfe, bevor er entschuldigend erklärte: „Ich – ich habe versucht dem – Drang – zu widerstehen, aber – ihr – ihre Pheromone waren einfach zu stark. Ich konnte mich einfach nicht zurückhalten. Alles nur wegen – STEVEN!!!"
Seine Stimme verwandelte sich beim letzten Wort in ein wütendes Brüllen und sein Blick wandte sich schlagartig Steven zu, der keine fünf Meter vor ihm stand und eine angestrengte Grimasse zog, als er bemerkte, was ihm bevorstand. „Oh Fuck, jetzt bin ich wohl dran." presste er noch aufgebend heraus, bevor Alex mit einem Sprung direkt vor ihm stand und mit der rechten Faust voll ausholte.
„Du fucking Arschloch! Ich hätte Tinira ernsthaft verletzten können durch deine schiere Dummheit! Denkst du überhaupt auch nur einmal über irgendetwas nach?!" schrie der goldbraun gepanzerte Titan zornig und drosch mit seiner Faust auf Coules linke Gesichtshälfte ein.
Miller hatte keine Möglichkeit dies zu verhindern und erschrak ein bisschen, als er erkannte, dass Alex's zuvor bei dem ersten kleinen Scharmützel mit seinem Bruder, doch nicht seine volle Kraft eingesetzt hatte. Der Hieb traf Steven mittig auf die Wange und ein lauter metallischer Schlag in Begleitung eines ekelerregenden Reißens hallte über den Platz. Er hatte den Schlag mit einer derartigen Wucht geführt, dass Coule's massiger Körper wie eine Marionette beiseite geworfen wurde, wobei sich sein Schädel extrem weit nach rechts drehte und der Unterkiefer laut hörbar aus seiner Verankerung sprang. Zusätzlich flogen knapp eine Handvoll Zähne aus dem Mund des Sergeants, während er durch die Luft segelte und schließlich auf dem harten Kiesboden aufkam. „Ich hätte sie töten können!" setzte Nurton brüllend hinterher und machte einen weiteren Satz hinüber zu seinem Bruder, der schwankend und komplett benommen versuchte sich wieder aufzurappeln.
„Alex! Bitte lass Vernunft walten! Du kennst Steven, er hat es nicht böse gemeint!" rief John eiligst dazwischen im Versuch seine Söhne auseinander zubekommen, doch er hatte Nurton erst zweimal in seinem Leben derart wütend gesehen. Einmal an seinem 12. Geburtstag, als Steven seine Torte mit einem Feuerwerkskörper gesprengt hatte und einmal kurz nachdem er von seiner Darwin-Mutation erwachte. „Ja, ich kenne ihn nur zu gut! Und deswegen sorge ich jetzt dafür, dass er ein paar Stunden lang nichts mehr macht!" gab Nurton knurrend zurück, packte Coule's Kopf mit der rechten Hand und hämmerte ihn zunächst mit voller Wucht gegen sein gepanzertes Knie, was erneut einen metallischen Schlag nach sich zog, ehe er ihn dreimal mit aller Macht gegen den Kiesboden schlug, wo Steven bewusstlos liegen blieb und sich nicht mehr regte.
Ein kleines Rinnsal Nanintenblut floss ihm aus dem Mundwinkel und der Colonel seufzte kopfschüttelnd.
„Das war unnötig Alex." tadelte er seinen Sohn, welcher wieder zu ihm und der geschockten Alanna getreten war und zu Antwort mit den Schultern zuckte. „Vielleicht, aber es war die einzige Möglichkeit meiner Wut ein Ventil zu geben und immerhin ist er jetzt mal für einige Zeit still." erwiderte der Captain und sah dann wieder hinüber zu Tinira, etwas abseits von ihnen lag und immer noch leicht zitterte, was wohl eher an den Schmerzen ihrer Verletzungen, als an Johns Schock lag. Obwohl Dun'var neben ihr stand und mit seiner Schnauze fürsorglich an stupste hatte sie jedoch nur Augen für Nurton, der keine weitere Zeit verlor und hinüber zu den Drachen und Aidan eilte.
John indessen trat gemeinsam mit der Elfe hinüber zu Coule der reglos auf dem Bauch lag. Er ging neben seinem Sohn in die Hocke und überprüfte kurz ob alles soweit in Ordnung war, während Alanna schockiert flüsterte: „Bei den Ahnen!" „Es ist alles halb so wild Alanna, glaubt mir. Hätte Steven das nicht gewollt, hätte er sich gewehrt. Er hat gewusst, dass er übertrieben hat und wollte, dass Alex sich abreagiert. Keine Sorge, bis zum Morgen wird er sich wieder erholt haben." erklärte der Titan ruhig, stand wieder auf und legte ihr kurz beruhigend die Hand auf die Schulter.
Sie setzte zu einer Erwiderung an, wurde jedoch unterbrochen, als die anderen Titanen aus dem Albatross gestürzt kamen.
Angeführt wurden sie von Julia, gefolgt von Robert, doch zu Johns großer Überraschung folgte ihnen Emily mit nach wie vor abgenommen Helm und verweinten Augen. Und in ihren Armen trug sie die kleine Feyth, welche aufgeregt umherblickte. „Okay, was ist genau ist passiert? Wir haben einen größeren Tumult gehört, wollten Emi aber nicht allein lassen. Und jetzt – oh!" wollte Stearn mit gerunzelter Stirn wissen und machte große Augen, als sie den bewusstlosen Steven neben ihrem Vater liegen und Alex hinüber zu Tinira und Dun'var eilen sah. Holsted verschaffte sich ebenfalls einen kurzen Überblick über die Situation und schüttelte seufzend den Kopf, als er Tinira's Verletzungen bemerkte, während alle vier hinüber zu Miller und Alanna traten. „Lass mich raten Dad, Steven hat Alex's Helm geklaut?" mutmaßte er missmutig, woraufhin John knapp nickte. „Kurz gefasst, ja. Aber sag, Emily mein Schatz, geht es dir wieder besser?" antwortete der Colonel und umarmte seine Tochter fürsorglich, nachdem diese Feyth auf ihre Schulter gesetzt hatte.
Das kleine Drachenmädchen nutzte die Gelegenheit, um ihm liebevoll über die Wange zu schlecken, woraufhin er ihr ein fröhliches Lächeln schenkte und kurz den Kopf streichelte.
„Ja – es – ich hoffe nur, ich habe dem jungen Aesdol nicht ernsthaft weh getan. Es – es war einfach nur zu viel für meinen Kopf in dem Moment. Sorry Dad." erwiderte sie halb schluchzend und vergrub ihren Kopf in seiner Brust. Ihre Mandibeln hatte sie wohl wegen Feyth ins Innere des Mundes zurückverlagert und Miller streichelte ihr zärtlich durchs schwarze Haar, bevor er ihr einen dicken Kuss auf die Stirn gab. „Ist schon gut Schatz, die Elfen haben sich um Aesdol's Verletzungen gekümmert, da brauchst du dir keine Sorgen zu machen." erklärte er ruhig. „Robert sagte mir das, ja, aber ich werde mich trotzdem persönlich bei ihm entschuldigen, sobald ich ihn wieder treffe. Aber – aber genug davon, ich – seh schon wieder aus, wie ein kleines heulendes Mädchen aus, oder?" meinte sie und schniefte laut, ehe sie sich wieder von John löste und ein halbherziges Grinsen aufsetzte. Daraufhin fiepte Feyth mitfühlend und rieb ihren Kopf zärtlich an Emily's Kinn. Diese streichelte das kleine Drachenmädchen mit ihrem obersten rechten Arm dankbar am Hals und erschrak dann leicht, als sie offensichtlich Tinira mitsamt ihren Verletzungen bemerkte. „Du meine Güte!" rief sie entsetzt aus und sprang ohne zu zögern hinter Alex her, der die beiden Drachen inzwischen fast erreicht hatte.
„Feyth ist echt ein kleines Wunder. Es ist, als würde exakt wissen was Emily bedrückt und was sie tun muss, damit es ihr besser geht." murmelte Robert beeindruckt, während sich nun auch ihre Gruppe langsam in Bewegung setzte. „Ja, das ist sie." stimmte Miller schmunzelnd zu und sah mit fragend erhobener Augenbraue zur Seite auf Alanna, die ihn leicht irritiert ansah. „John-Vodhr? Wollt ihr euren Sohn in dieser Verfassung wirklich einfach so liegen lassen?" fragte sie leicht entsetzt, doch Julia wiegelte sie mit einer einfachen Handbewegung ab. „Der kann das schon ab, Alanna. Ihr habt ja vorhin bereits gesehen, was sein Körper einstecken kann. Und so ist er wenigstens mal ein paar Stunden still, was auch ein Segen für sich ist. Vielmehr würde mich interessieren, was genau zwischen Alex und Tinira vorgefallen ist! Die Wunde an ihrem Bein sieht echt übel aus." brummte die Pilotin und sog scharf die Luft ein, als sie hinüber zu dem jungen Drachenmädchen sah.
Ehe John antworten konnte, räusperte sich Robert und kostete rasch die Luft mit seiner gespaltenen Zunge, bevor er bestimmt nickte. „Wenn ich richtig vermute: Tinira hat Alex's Pheromone wahrgenommen, als er aus dem Albatross kam und hat daraufhin instinktiv ihre eigenen Pheromone freigesetzt, ihn vielleicht sogar angebalzt. Alex hat sich dann jedoch vermutlich schnell den Helm wieder aufgesetzt, aber Steven wird ihn ihm wohl wieder abgenommen haben, woraufhin ihn die volle Wucht der Duftstoffe traf. Und ich weiß, wie Drachen ihre Balz abhalten, das ist keine unbedingt sanfte Angelegenheit. Liege ich damit richtig Dad?" mutmaßte Holsted, woraufhin Miller zustimmend nickte. „Das ist sehr nah an der Tatsache, Rob, ja. Ich musste mit meiner alten Fähigkeit eingreifen, um Schlimmeres zu verhindern." erklärte der Colonel und erntete einen Blick mit hochgezogenen Augenbrauen von seinem Sohn. „Was, du? Wieso? Ich hätte vermutet, dass Dun'var oder Alanna sie mit Magie auseinandergebracht haben." „Das hätte ich auch bevorzugt, aber Dun'var und Nirlath haben sich da ein bisschen quergestellt." bemerkte John und warf Alanna einen ernsten Blick zu, die nur entschuldigend mit den Schultern zucken konnte.
„Ihr wisst wohl mittlerweile selbst, wie stur Drachen sein können, John-Vodhr und Nirlath wollte partout nicht, dass ich in den Balzkampf ihrer Tochter eingreife." entschuldigte sie sich kleinlaut und wirkte selbst nicht sonderlich glücklich darüber. „Verzeiht, aber wer ist Nirlath? Etwa Tinira's Mutter? Wo ist sie? Ich habe doch nicht etwa einen ganzen Drachen übersehen, oder?" hakte Julia leicht verwirrt nach, doch Miller hob abweisend die Hand. „Alles zu seiner Zeit Julia, Alanna wird gleich noch genug Zeit haben, uns allen Nirlath vorzustellen, denn ich würde gerne ein ernstes Wort mit ihr darüber reden. Jetzt heißt es aber erst einmal die Situation zwischen Alex und Tinira vollends zu klären." meinte er bestimmt, ehe sie neben der anderen Gruppe zum Stehen kamen, wo Emily inzwischen bereits dazu übergegangen war, die offene Fleischwunde am Bein des gelben Drachenmädchens mit Verbandszeug aus ihrer kleinen Hüfttasche zu versorgen, während Feyth versuchte mit lautem Fiepen Tiniras Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Doch diese hatte nur Augen für Nurton, welcher vor ihrer Schnauze, die sie erschöpft auf den Kiesboden gelegt hatte, in der Hocke saß, die Hände überkreuzt zwischen seinen Beinen haltend. Schattenklaue stand einige Meter daneben und beobachtete die beiden genau, machte jedoch keine Anstalten etwas zu sagen oder anderweitig einzugreifen, worüber John überaus froh war. Das letzte was er jetzt noch hätte gebrauchen können, wäre ein Streit mit Dun'var gewesen. Jetzt galt es nur zu hoffen, dass sein Sohn die richtigen Worte fand.
POV Alex
Alex's Herz pochte so schnell, als hätte er gerade einen Gewaltmarsch über 100 Kilometer hinter sich gebracht und seine Hände zitterten leicht. Begleitet wurde das Ganze von einem flauen Magen und die Schmerzen von seinem geprellten Bein und den Kratzern im Gesicht rückten komplett in den Hintergrund. Es war ein ähnliches Gefühl, wie vor einigen Tagen, als er Mimiath das erste Mal begegnet war, nur nicht ganz so stark und in einer etwas anderen Richtung.
Tinira's zitronengelbe Augen vor ihm strahlten regelrecht vor Freude, Aufregung und vor allem Zuneigung. Und auch er selbst musste zugeben leicht hingezogen zu dem Drachenmädchen zu sein. Ihre zitronengelben Schuppen schimmerten in den letzten Strahlen der untergehenden Sonne in einer wunderschönen Farbpalette und ließen seine goldbraunen Schuppen geradezu nach Matsch aussehen. Jedoch waren seine Gefühle ihr gegenüber anderer Natur als die, die er gegenüber Mimiath hegte.
Er sah in ihr keine mögliche Gefährtin.
Zumindest nicht direkt.
Ruhig hob er seine rechte Hand, um sie ihr sanft auf die Schnauze zu legen, während er ihr durch sein Visier hindurch tief in die Augen blickte, doch anstatt die Oberseite ihrer Schnauze zu berühren, öffnete Tinira vorsichtig ihr Maul einen Spalt weit und dirigierte seine Hand mit ihrer Zunge zwischen ihre Zähne, wo sie begann zärtlich darauf herumzuknabbern. Nurton musste leicht über diese Geste der Zuneigung schmunzeln und war sich sicher, dass sie ihn diesmal selbst ohne den Atlas nicht verletzt hätte.
„Ist alles in Ordnung Tinira? Ich hoffe die Schmerzen sind nicht allzu groß." fragte er mit gezwungen ruhiger Stimme und verzog missmutig das Gesicht, als er die Bissspuren an ihrem rechten Ohr entdeckte, welche er hinterlassen hatte. *Es ist alles in Ordnung Eisenkiefer.* gab sie säuselnd zurück und zwinkerte ihm ausdrucksvoll zu. Ihre Stimme, die vor Zuneigung fast überzulaufen schien, in seinem Kopf zu hören brachte ihn noch weiter aus dem Konzept. Er hatte ihre Stimme zuvor nur ganz kurz gehört, als sie sich zusammen mit ihrem Vater vorgestellt hatte, doch jetzt merkte er erst richtig wie jung und wunderschön sie klang. Noch nie hatte ihn jemand derart angesprochen, für gewöhnlich kreischten die meisten Frauen, wenn sie sein richtiges Gesicht sahen, weswegen es für ihn vollkommen neues Territorium war, auf dem er sich bewegte.
Es fühlte sich so an, als würde er über einen zugefrorenen See laufen, ohne zu wissen, wie dick das Eis unter seinen Füßen tatsächlich war, während sein Herz begann ihm bis zum Hals zu schlagen.
„Oh, nun – äh – das – das ist gut zu hören." erwiderte er stammelnd und linste aus dem Augenwinkel hinüber zu Emily, so als würde er sich Hilfe von ihr erhoffen, doch die Feldärztin war vollends darauf konzentriert die tiefe Fleischwunde zu versorgen. Selbst Feyth hatte es inzwischen aufgegeben Tinira's Aufmerksamkeit zu erlangen und war von Smith's Schultern verschwunden. Wohin, konnte Nurton auf die Schnelle nicht erkennen.
Vor Aufregung bekam er gar nicht mit, wie das gelbe Drachenmädchen seine Hand wieder freigab, ihren Kopf so anhob, dass er direkt vor dem des Titanen schwebte und ihm liebevoll übers Visier schleckte. Erschrocken stolperte Alex einen Schritt rückwärts und landete im nächsten Moment auf seinem Allerwertesten, woraufhin Tinira ein leises, aber amüsiertes Keckern ausstieß. Eine unangenehme Schamesröte schoss ihm augenblicklich aufs Gesicht, dass den Umstehenden jedoch dank des Helms und seiner Schuppen verborgen blieb. „Ver – Verzeihung, ihr – ihr habt mich nur überrascht." entschuldigte er sich hastig und wollte sich wieder aufrappeln, aber Tinira hinderte ihn daran, indem sie ihren Kopf dicht vor ihn hielt und seinen Helm behutsam mit der Schnauze an stupste. *Du brauchst dich dafür nicht zu entschuldigen Eisenkiefer. Zeige mir doch viel lieber dein wahres Gesicht und nicht diesen kalten Helm.* erwiderte sie schnurrend, was Alex weiter in die Bredouille brachte.
Er wollte nichts lieber, als ihr Auge in Auge gegenüberzustehen, doch er befürchtete, dass ihre Pheromone ihn wieder zu stark benebeln würden. So hin und her gerissen bemerkte er gar nicht, dass er dem Drachenmädchen keine Antwort gab, sondern nur verschwiegen dasaß. Tinira legte daraufhin fragend ihren Kopf schräg und stupste ihn erneut gurrend an, bis Nurton schreckhaft zusammenzuckte, als ihn eine große Hand an der rechten Schulter fasste.
„Ganz ruhig, Alex. Tinira will nur mit dir reden. Denk einfach an das, was wir geübt haben." sprach ihm Robert, der nun neben ihm in der Hocke saß, ruhig zu und schenkte ihm ein aufmunterndes Schmunzeln. „Aber – die Duft – " setzte Alex zu einem Widerwort an, doch seine Bruder schüttelte bestimmt den Kopf. „Alex, wer hat die Kontrolle über dich? Nur du selbst! Schau doch! Du hattest dich immer noch soweit unter Kontrolle, dass du der Kleinen keine wirklich gefährlichen Wunden beigebracht hast! Du bist der Herr deiner Sinne und deines Körpers Alex, atme einfach tief durch und dann nimm bitte den Helm ab. Die Pheromone sind auch nicht mehr so stark wie sie es wohl gerade noch waren. Ich bleibe auch an deiner Seite, wenn du dich dann sicherer fühlst." meinte der Pilot ernst und nickte ihm ermutigend zu, während er ihm in die Hocke half.
Nurton presste angestrengt die Kiefer aufeinander und schloss gleichzeitig für einen kurzen Moment die Augen, um ruhig durchzuatmen. Dabei fasst er sich mit den Händen links und rechts an den Helm und sagte zu sich selbst in Gedanken: 'Ich bestimme was ich tue, es ist nur ein normales Gespräch, nur ein normales Gespräch.' Das ganze wiederholte er dreimal, ehe er die Luft anhielt und anschließend mit einem Zischen den Helm vom Kopf nahm.
Erst dann öffnete er wieder die Augen und fand sich keinen Meter von Tinira's zitronengelbem Auge wieder, das ihm fröhlich zuzwinkerte. Er zwang sich jedoch ruhig zu bleiben, wobei ihm Robert mit der Hand auf seiner Schulter sehr half, zumindest mental. *Ah, da bist du ja!* rief sie freudig aus und schleckte ihm direkt über die Stirn, wodurch ihre raue Zunge ein metallisches Klirren auf seinen Schuppen erzeugte. Gleichzeitig verzog er leicht schmerzerfüllt das Gesicht, als sie die beiden Striemen erwischte, die nach wie vor nicht wirklich verheilt waren. Er wusste zwar weshalb der Vorgang seiner Regeneration in den letzten Tagen immer länger geworden war, doch er hatte gerade andere Sorgen, als sich Gedanken darüber zu machen, weshalb zwei relativ kleine Kratzer noch nicht verheilt waren.
„Sehr gut Alex, und jetzt hol bitte ganz ruhig Luft, schließlich willst du ja mit ihr reden, oder nicht? Keine Sorge, ich bin da, falls etwas passiert." forderte ihn sein Bruder etwas drängend auf und übernahm seinen Helm, wohl um ihn ihm direkt wieder aufzusetzen, falls es nicht klappen sollte. Alex wandte seinen Kopf noch einmal zögerlich zu Robert hinüber, der ihm ermutigend zunickte, bevor er den Blick wieder auf Tinira richtete. Erst dann stieß er langsam die Luft aus, was dank der enormen Kapazität des Luftsieb's knapp über eine halbe Minute dauerte, ehe er anfing wieder normal zu atmen.
Jedoch vorsichtshalber durch den Mund, um das Risiko zu senken.
Alex konnte den anziehenden, ja verlockenden und betörenden Duft des gelben Drachenmädchens deutlich wahrnehmen, wie er versuchte seine Sinne und seinen Verstand völlig zu vernebeln, doch wie im Training mit Holsted stemmte er sich mental mit aller Macht dagegen und schaffte es nach einigen Augenblicken seinen klaren Blick für die Dinge wiederzufinden. Er fühlte sich – freier – als sonst und etwas zu Tinira hingezogen, obwohl er noch Herr seiner Sinne war.
Ganz ließen sich diese Instinkte eben nicht unterdrücken.
Freundschaftlich lächelte er ihr mit seinem bedrohlichen Kiefern zu und tätschelte ihr die Oberseite der Schnauze, während er bemerkte: „Du bist äußerst stark und wild für dein Alter, das muss ich dir lassen. Es gibt nicht viele, die behaupten können mir solche Verletzungen beigebracht zu haben." Dabei deutete er mit der linken Hand auf die beiden tiefen Kratzer in seinem Gesicht, was ein gewisses Funkeln in den Augen des zitronengelben Drachenmädchens auslöste. *Aber du bist weitaus stärker Eisenkiefer! Und deine Schuppen sind so wunderschön!* hauchte sie in einem schmeichelhaften und enorm aufgeregten Ton. Zudem schleckte sie ihm erneut liebevoll über die Wange, diesmal darauf bedacht, nicht seine Wunde zu berühren und begann die Spitze ihrer Schnauze an seinem Kinn zu reiben. Daraufhin musste der Titan amüsiert lachen, wurde jedoch auch ein klein wenig stolzer in seiner Haltung, indem er sich fast wie ein Gockel aufplusterte. „Danke, da bist du aber die erste, die mir so ein Kompliment macht, Kleine." erwiderte er freundlich, wobei seine ohnehin schon rauchige Stimme einen noch tieferen und kratzigeren Ton als sonst annahm.
Langsam aber sicher begann Alex das Mädchen wirklich zu mögen. Ihre strahlend gelben Schuppen, die liebvollen und doch wilden Augen –
'Nein!' versuchte Alex sich in Gedanken zurecht zurufen. Er konnte spüren, wie ihre Pheromone langsam aber sich begannen die Oberhand über seinen Verstand zu gewinnen. Sie ließen ihn das Drachenmädchen in einem völlig anderen Licht sehen, als wäre sie das wunderschönste Geschöpf auf Erden. Sie wäre sogar viel passender von ihrer Größe her –
Aber nein, sein Herz gehörte Mimiath!
Und doch konnte er es nicht über sich bringen, das Herz der kleinen Drachendame zu brechen, die ihn voller Zuneigung und Hingabe anstarrte. Seine linke Hand verkrampfte sich leicht, während er angestrengt darüber nachdachte, was er nun tun solle, wobei es nicht gerade behilflich von Tinira war, ihre Schnauze liebevoll an seiner Wange zu reiben.
Es dauerte fast geschlagene drei Minuten, in denen weder Robert noch die anderen Umstehenden etwas sagten, bis er sich einen Ruck gab und leise räusperte.
„Ährm – Tinira – ich – ich weiß, dass du mich – naja, dass du mich als deinen Gefährten – auserkoren hast und – äh – das – das schmeichelt mir wirklich sehr, aber – aber das kommt so plötzlich für mich. Würde – würde es dir etwas ausmachen mir noch ein paar Tage Zeit zugeben, um das Ganze zu – überdenken? Das – das ist immerhin keine leichte Entscheidung." brachte er stammelnd hervor und schloss die Augen wie ein kleines Kind, dass eine Standpauke erwartete.
Es war die einzige Formulierung und Lösung gewesen, die er mit seinem Gewissen hatte vereinbaren können, jedoch dachte er dabei überhaupt nicht an mögliche Konsequenzen. Er wollte nur nicht das junge Drachenmädchen jetzt traurig oder wütend mit gebrochenem Herzen vor sich sehen. Deshalb zuckte Nurton auch etwas überrascht zusammen, als er erneut ihre Zunge auf seiner Stirn spürte, wie die Widerhaken über seine Schuppen glitten, und öffnete zögerlich die Augen. Da vor ihm schwebte immer noch Tinira's Kopf und ihre Augen funkelten geradezu vor Freude und Übermut. *Natürlich Eisenkiefer! Ich werde bis dahin immer an deiner Seite bleiben und sehnlichst deine Antwort erwarten!* erwiderte sie fast vor Aufregung platzend, wobei ihre Stimme einen leichten Quietschton annahm. Erleichtert atmete der Titan aus und schenkte ihr breites Lächeln. „Natürlich gern." gab er zurück, während er ihr erneut die Schnauze tätschelte und danach seinen Helm wieder aufsetzte, ehe er gemeinsam mit Robert aus der Hocke aufstand.
Allerdings musste er unwillkürlich schlucken, als sich sein Bruder mit dem Kopf zu ihm vorbeugte und ernst zuflüsterte: „An sich gut gemacht Bruderherz, nur glaube ich, brauche ich dir nicht zu sagen, dass du dir gerade quasi selbst ins Knie geschossen hast, oder?"
Dabei klopfte er ihm brüderlich auf die Schulter und Alex traf die komplette Wucht der Erkenntnis was er gerade getan hatte, wie der Schlag mit einem Vorschlaghammer mitten ins Gesicht. Doch jetzt konnte er nichts mehr dagegen tun, nicht nachdem Dun'var ihm einen strengen und musternden Blick zuwarf. Er musste unbedingt so schnell es ging mit seinem Vater reden, er würde wissen was zu tun war!
POV John
John hatte nachdenklich die Arme vor der Brust verschränkt, als Alex gemeinsam mit seinem Bruder wieder aus der Hocke aufstand. Er hatte die ganze „Unterhaltung", wenn man es so nennen konnte, mit Argusaugen beobachtet und nickte nun zufrieden. Der Colonel war überaus zufrieden damit, wie sein Sohn mit dieser heiklen Situation umgegangen war. Vor allem damit, dass er sich nicht sofort auf etwas festgelegt, sondern sich Zeit zum Nachdenken erbeten hatte. Schließlich war dies eine Entscheidung, die man nicht leichtfertig treffen sollte.
Er runzelte jedoch etwas die Stirn, als Nurton plötzlich zu Salzsäule erstarrte, nachdem Robert ihm etwas zugeflüstert hatte. Irgendetwas stimmte nicht ganz und er sah sich in dieser Meinung bestärkt, als Alex Blickkontakt mit ihm suchte. Er nickte verstehend, was den goldbraun gepanzerten Titanen sichtlich entspannen ließ und Feyth, die inzwischen auf John's Schulter geklettert war, fiepte fröhlich. *Die beiden passen irgendwie zusammen findest du nicht auch? Zumindest ihre Schuppen tun es wie ich finde.* meinte sie heiter, woraufhin Miller als Antwort brummte. „Das wird sich wohl erst noch herausstellen meine Kleine." entgegnete er schmunzelnd und tätschelte ihr den Kopf, während zu Alanna blickte, die die Sache wohl ähnlich, beziehungsweise deutlich skeptischer sah, als er selbst. Zumindest ihr Blick ließ sich so deuten. Ähnlich wie Julia, die leise seufzend den Kopf schüttelte.
„Er ist echt eine Katastrophe was Frauen und Beziehungen angeht. Na das kann noch heiter werden." murmelte sie in ihren nicht vorhandenen Bart, bevor sie einen Schritt beiseite machte, um Robert Platz zu machen, der sich zwischen sie und John stellte. „Du solltest auf jeden Fall nachher mit ihm reden Dad." bestätigte der Pilot dann seine Befürchtungen. „Das habe ich schon bemerkt Robert, aber danke, dass du ihm geholfen hast." erwiderte Miller nickend und sah kurz hinüber zu Emily, die inzwischen fertig mit dem Verband an Tinira's Bein war und nun in Richtung Schwanz trat, um dort die Bissspuren mit der Wundsalbe zu versorgen.
Er wandte sich jedoch wieder schlagartig Alanna zu, als diese überraschenderweise seine linke Hand mit ihrer rechten erfasste. Kleinlaut entschuldigte sich diese: „Verzeihung John-Vodhr, aber ihr wolltet doch mit Nirlath reden? Nun, sie will auch mit euch reden im Bezug auf euren Sohn. Abe Vorsicht, sie ist leicht – emotional geladen – ist glaube ich der richtige Ausdruck dafür." Gleichzeitig schob sie ihre linke Hand in die versteckte Brusttasche und zog wenige Momente später den gleichen rundlichen Edelstein hervor, den er damals im Gebirge gesehen hatte.
Nirlath's Eldunari.
Er besaß eine kräftige goldgelbe Farbe, die Honig nicht unähnlich sah und war ungefähr so groß wie eine Orange. Es mochte vielleicht nur eine Täuschung seiner Augen durch das Zwielicht von Sonne und Mond sein, doch er konnte schwören, dass ein schwaches pulsierendes Leuchten von ihm ausging. John öffnete seine Hand, sodass die Elfe den Eldunari hineinlegen konnte, doch noch ehe der Seelenstein ihn berührte machte sein erwartungsvoller Blick einer völlig nüchternen Miene Platz.
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[Eragon Fan-Fiction] Der Titan und die Drachenreiter
FanfictionDer Soldat John Miller findet sich nach einem schrecklichem Unfall an den Ufern eines ihm unbekannten Landes wieder. Schon sehr bald wird ihm bewusst, dass er sich nicht mehr in seiner eigenen Welt befindet. So also macht er sich auf den Weg, die Dr...
![[Eragon Fan-Fiction] Der Titan und die Drachenreiter](https://img.wattpad.com/cover/57579266-64-k536634.jpg)