Karl Greenes stand allein in einem der Aufzüge des ObKoms und fummelte nervös am Knoten seiner Krawatte herum. Es war mittlerweile schon fast eine ganze Woche seit dem Unfall auf AL-3 vergangen und nun hatte der Generalstab einen Untersuchungsausschuss zusammengesetzt, der den genauen Unfallhergang ermitteln sollte. Dazu mussten sie natürlich auch Zeugenaussagen überprüfen, weswegen Karl heute vor den Ausschuss geladen worden war. Er war aufgeregt und gleichzeitig skeptisch was diesen Ausschuss betraf. Zwar wusste er nicht genau, wer in diesem Rat saß, doch der Wissenschaftler vermutete, dass sich darunter auch einige hohe Tiere des OCS, dem Geheimdienst der Union, befinden mussten und das letzte Mal, als er auf Leute des Geheimdiensts gestoßen war, hatte es keinen guten Eindruck hinterlassen.
Der tödliche Unfall seines Vaters, den der OCS geflissentlich untersucht und dann als einfachen Suizid zu den Akten gelegt hatte. Das hatte dazu geführt, dass seine Mutter in schwere Depressionen fiel und sich schließlich eines Tages vor einen Zug warf. Zu dem Zeitpunkt war Karl gerade einmal fünfzehn Jahre alt gewesen und er hatte es dem Geheimdienst bis heute nie verziehen, die wahren Umstände für den Tod seines Vaters geheim zu halten.
Und nun, so dachte der Professor, hatten sie mit Sicherheit vor, auch Johns Verschwinden mit Suizid zu erklären, oder aber – was ihn noch mehr beunruhigte – ihm selbst die Schuld am Unfall zu zuschieben. So also stand er vor Anspannung schwitzend in dem geräumigen Aufzug und wartete darauf, dass seine Fahrt hinauf zu den Sitzungssälen von einem lauten Ping beendet wurde.
Die Türen glitten geräuschlos auf und er fand sich auf einem leeren Gang wieder in dessen Wänden insgesamt nur drei Türen eingelassen waren, zwei rechts, eine links. Aufgebend seufzend setzte er sich trabend in Bewegung. Der gesamte Raum wirkte steril, keine Fenster, weiße Wände, strahlend grelle LED-Lichter. Nur der Boden war pechschwarz, wohl um zu verhindern ihn jedes Mal nach betreten putzen zu müssen. Er fühlte sich unwohl und bei jedem Schritt beobachtet, obwohl er nirgends eine Kamera ausmachen konnte. Schließlich kam er an der linken Tür an und blieb davor stehen. Karl atmete noch einmal tief durch, klopfte an und als ihn nach ein paar Augenblicken immer noch niemand hereingebeten hatte, raffte er seinen Anzug zurecht, öffnete die Tür und erstarrte zur Salzsäule.
Der Raum vor ihm, unterschied sich von dem Gang nur in dreierlei Hinsicht. Erstens war er weitaus geräumiger als der relativ schmale Gang, zweitens befanden sich an seinen Rändern mindestens zwei Dutzend ordinärer Metallstühle und drittens standen und saßen dort bereits einige Leute.
18 um genau zu sein.
Sie alle trugen militärische Ausgehuniformen in Schwarz mit ihren jeweiligen Rangabzeichen auf der Schulter und Verdienstorden an der Brust, dazu feines Schuhwerk aus Leder und Schirmmützen auf dem Kopf. Karl wusste wer sie waren, er kannte jeden einzelnen von ihnen dank der zahlreichen Besuchen bei John. Es war die gesamte Titan-Einheit. Keiner der Soldaten jedoch schien sich für den Neuankömmling zu interessieren, der immer noch überrascht im Türrahmen stand. Nur einer der Titanen stand von seinem Platz auf und schritt mit einem Lächeln auf den Lippen auf ihn zu und streckte ihm die Hand entgegen.
„Einen Guten Tag Professor Greenes. Es ist schön sie wiederzusehen." sagte der Mann freundlich, als Karl zögerlich seine Hand ergriff und kurz schüttelte. „Es ist auch schön sie wiederzusehen Admiral Forke. Ich hatte nicht erwartet sie hier zu sehen." „Nun, was wäre das Leben ohne Überraschungen? Und bitte lassen sie das Admiral weg, ich bin erstens nur Vizeadmiral und zweitens sie nur Zivilist. Nennen sie mich einfach Mike, oder Micheal. Wie es ihnen beliebt." entgegnete Forke augenzwinkernd und geleitete ihn hinüber zu einem der freien Plätze. Mit einem lauten Ächzen setzten sich beide auf die metallischen Stühle und nach einer kurzen, stummen Pause, legte Micheal eine Hand auf die Schulter des Wissenschaftlers.
„Er ist sicherlich froh, dass sie mit heiler Haut davongekommen sind Karl. Wo auch immer er jetzt sein mag. Wissen sie, er hat immer in den höchsten Tönen von ihnen gesprochen, hat sie sogar den klügsten Menschen den er jemals getroffen hat genannt." erzählte Forke mit ruhiger Stimme und nahm damit etwas von der Anspannung des Professors. Er war froh, dass die Titanen ihn offenbar immer noch als eine Art Freund sahen, obwohl es seine Maschine gewesen war, die für Johns Verschwinden verantwortlich gewesen war. Spürbar erleichtert erwiderte er sarkastisch: „Nun, ganz so schlau kann ich wohl doch nicht sein, sonst würde ich heute wohl nicht hier sein." Ein dumpfes Lachen drang aus Forkes Kehle. „In der Tat Professor. Aber sie trifft keine Schuld. Niemand konnte ahnen, dass ihre Einrichtung Terrorgefährdet war. Es wäre nur schön gewesen ihn noch einmal sehen zu können, um Lebewohl zu sagen." „Dann ist es jetzt also bestätigt? Haben sie ihn gefunden?"
„Nein. Aber was sollte sonst passiert sein? Wir haben nichts gefunden, das auf sein Überleben hinweisen würde." erklärte der Admiral niedergeschlagen und blickte den Wissenschaftler skeptisch an, als dieser aufgeregt in seinen Taschen herumwühlte, um schließlich ein kleines Tablet herauszuziehen und nach einigen Eingaben ihm vor die Nase zu halten. „Das ist gut! Es stützt meine Theorie." meinte Karl enthusiastisch woraufhin ihn einige der anderen Titan-Soldaten neugierig ansahen und auch Forke interessiert den Bildschirm vor seinen Augen musterte.
„Das ist eine Formel für die Berechnung einer Sprengkraft, richtig?" stellte er schließlich fest und der Professor nickte bestätigend. „Ja, um genau zu sein die Berechnung der Sprengkraft, welche mein Dimensionsgenerator maximal hätte erreichen können." Die Stille die danach im Raum herrschte war fast unheimlich. Wie auf Kommando erhoben sich sämtliche Titan-Soldaten von ihren Stühlen und bildeten einen Halbkreis um Karl und Forke. Ein leichter Schauer lief dem Wissenschaftler über den Rücken, als ihn diese Giganten umringten. Fast flüsternd fragte der Admiral ernst: „Sind diese Daten korrekt?" Karl nickte langsam und war überrascht als Forke sein Tablet ohne ein weiteres Wort an einen der im Kreis stehenden Titanen reichte und starr zu Boden blickte.
Der Titan, dem er das Gerät gegeben hatte keuchte laut und ehe sich der Professor versah, hatten die Soldaten das Tablet einmal rings herum im Kreis durchgehen lassen. Als er es schließlich zurückbekam und in die Runde blickte, bemerkte er in jedem Gesicht eine Mischung aus Wut und Hoffnung. „Und sie sind sich bei der Rechnung wirklich zu hundert Prozent sicher?" fragte Forke erneut, diesmal mit mehr Nachdruck in der Stimme. Karl schluckte unwillkürlich und antwortete: „Ja, ich habe es zehnmal von Hand und fünfmal per Computer überprüft. Das ist die maximale Sprengkraft die mein Generator hätte erreichen können." „Haben sie schon den Bericht des OCS gelesen?" „Nein, man hat mir keinen solchen Bericht gesandt." „Julia!" bellte der Admiral gereizt und man konnte deutlich hören, wie zornig er war. Einer der Titansoldat, eine Frau Namens Julia Stearn, trat aus der Runde vor, überreichte Karl ein Stück beschriftetes Papier, welches sie aus ihrer Brusttasche gekramt hatte, und machte wieder einen Schritt zurück in den Kreis. Der Professor entfaltete den Bericht sorgsam und begann zu lesen.
Es war nichts besonderes, hauptsächlich formelle Kleinigkeiten, wer wo und wann Wache gestanden hatte, was es an jenem Tag zu Mittag gegeben hatte, wie das Wetter gewesen war. Alles nicht interessant. Doch dann stieß er auf einen kleinen Abschnitt der ihn stutzig werden ließ. Dort stand geschrieben, dass die vermutete Sprengkraft des Dimensionsgenerators bei über 200 Megatonnen lag. Eine Stärke, der nicht einmal mehr die Atlas-Anzüge standhalten konnten. Karl schüttelte verwirrt den Kopf.
„Wie kommen die auf solch einen Wert? Meinen Berechnungen zu Folge hätte der Generator nicht einmal eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen aufbringen können! Die haben sich knapp um das Hunderttausendfache verschätzt!" meinte er erbost und Forke nickte. „Genau da liegt das Problem. Das OCS macht keine Fehler, was nur eine andere Möglichkeit zulässt. Es war Absicht." erklärte er knurrend und griff dem Professor das Tablet und den Zettel aus der Hand.
Dann packte er ihn etwas fester an der Schulter und sprach ernst auf ihn ein: „Hören sie zu Professor. In diesem Ausschuss sitzen drei Mitglieder des OCS. Die dürfen nichts von ihrem Ergebnis oder ihrer Formel erfahren, ansonsten werden sie dieses Gebäude sehr wahrscheinlich nur noch in einem Leichensack verlassen! Also, wenn sie dort hineingehen und diese Leute ihnen Fragen bezüglich des Generators stellen Lügen sie, dass sich die Balken biegen. Offensichtlich läuft hier eine Vertuschungsaktion und wir werden alles tun, um herauszufinden was wirklich mit John geschehen ist. Dafür brauchen wir aber sie Professor, sind sie dabei?" Unruhig fummelte Karl an seine Brille umher, wohlwissend, dass ihn gerade jeder der Titan-Soldaten genau beobachtete. Schlussendlich seufzte er leise und erwiderte: „Natürlich. John war der einzige, den ich in den letzten Jahren als meinen Freund bezeichnen konnte. Außerdem habe ich sowieso noch eine Rechnung mit dem OCS offen. Was muss ich tun?" Ein erleichtertes Lächeln trat auf Forkes Gesicht, doch seine Stimme blieb wie auch schon zuvor todernst: „Fürs erste reicht es, dass sie die Befragung ohne Probleme hinter sich bringen. Danach fahren sie jedoch bitte nicht nach Hause! Nehmen sie ein Taxi und fahren sie zur Kreuzung Washingtonstreet/Nixonalley. Wir werden sie dort abholen. Haben sie verstanden?" „Den OCS belügen und dann zur Kreuzung Washingtonstreet/Nixonalley fahren. Alles klar. Und was soll ich für den Fall eines Lügendetektors bereithalten?" „Falls es dazu kommt, werden wir eingreifen. Keine Sorge, wir hören alles was in diesem Raum gesagt wird."
„Oh bitte lass sie den Lügendetektor einsetzen! Dann könnte ich diesen arroganten Drecksäcken schon hier und jetzt die Ärsche aufreißen!" knurrte einer der anderen Titanen, den Karl als Steven Coule wiedererkannte, und ballte die Hände zu Fäusten.
Mit einer einfachen Handgeste beschwichtigte Forke ihn jedoch. „Wir sollten versuchen solange wie möglich unentdeckt zu bleiben, wer weiß was das OCS genau ausgeheckt hat. Priorität hat jedoch die Sicherheit des Professors, verstanden Steve?" „Wie du meinst Mike, du bist der Boss." grummelte Coule und zog sich die Mütze tiefer ins Gesicht.
Der Admiral rollte genervt mit den Augen und fragte Karl dann erneut: „In Ordnung, haben sie nun alles verstanden?" Der Professor nickte unsicher. Er fand es einerseits faszinierend, wie schnell Micheal mit einem unvorhersehbaren Ereignis umgehen konnte, andererseits beunruhigte es ihn jedoch im Bezug auf sein Misstrauen gegenüber dem OCS recht behalten zu haben. „Sie schaffen das schon Mr. Greenes, keine Sorge. Wir holen sie da raus, falls etwas schief laufen sollte. Vertrauen sie mir. Atmen sie einfach tief durch und gehen sie durch die Tür sobald Alina herauskommt." versuchte Forke ihm Mut einzureden, als sich auch schon die Tür gegenüber dem Eingang öffnete und die Titan-Soldatin Alina Kensac durch den Rahmen schritt, ihre Schirmmütze in der Armbeuge haltend. Ihr Blick wanderte von Karl zu Micheal und wieder zurück, dann meinte sie knapp: „Sie erwarten sie Professor Greenes." Karl nickte ihr dankend zu, stand mit leicht schlotternden Knien auf und schlurfte auf die Tür zu, die in einen fast stockdunklen Raum führte. Ein letztes Mal blickte er zurück auf Forke der ihm einen Daumen nach oben gab, danach schloss er die Tür hinter sich und blickte sich im Sitzungssaal um.
Das heißt, er versuchte es zumindest, doch es war dermaßen dunkel, dass er nichts erkennen konnte, nur der Stuhl in der ungefähren Mitte des Raums war mit einigen dunkelroten Lichtern beleuchtet. Eine männliche Stimme tönte aus den Lautsprechern: „Bitte setzten sich Mr. Greenes. Die Befragung beginnt sofort." All seinen Mut zusammennehmend ging Karl auf den unheimlichen Stuhl zu und setzte sich hin. Es war ein gewöhnlicher gepolsterter Stuhl mit Armlehnen, er ächzte nicht einmal als er sich darauf fallen ließ. Seine Augen hatten sich mittlerweile an das schwache Licht gewöhnt, doch er vermochte es nicht weiter als ein paar Meter zu sehen, die äußeren Bereiche des Saals blieben für ihn pechrabenschwarz.
Da drang erneut die gleiche Stimme aus dem Lautsprecher: „Für das Protokoll: Es beginnt nun die Befragung des Augenzeugen Prof. Dr. Karl Eugene Greenes, geboren 14. März 2412 in Rochester. Sohn von Mason und Sandra Greenes. Keine Geschwister, keine anderen lebenden Verwandten. Ist das korrekt Mr. Greenes?"
Karl schluckte eingeschüchtert bevor er antwortete: „Ja."
„Gut. Dann fangen wir jetzt an. Erste Frage: Woran arbeiteten sie in AL-3?"
Der Professor rutschte unruhig auf dem Stuhl hin und her.
„Ich habe an einer meiner Erfindungen gearbeitet. Einem Dimensionsgenerator."
Eine andere tiefere Stimme ergriff das Wort: „Zweite Frage: Wie weit war ihr Projekt fortgeschritten?"
„In Zahlen ausgedrückt ungefähr zu 89 Prozent. Es fehlten nur noch einige Feinjustierungen und Tests."
Eine dritte Stimme, diesmal wohl eine ältere Frau, drang durch den Lautsprecher: „Dritte Frage: Welche Energiequelle nutzte ihr Generator?"
Angespannt spielte Karl mit seinen Händen.
„Eine nukleare Energiequelle." Seine Stimme zitterte leicht, wohlwissend, dass ihn auch nur ein einziges falsches Wort den Kopf kosten könnte.
Wieder meldete sich Stimme Nummer eins zu Wort: „Vierte Frage: Was genau war die Aufgabe von John Miller?"
„Soweit mir bekannt ist, war er als mein persönlicher Leibwächter und Chef der Sicherheitsabteilung eingeteilt."
Eine vierte Stimme ergriff das Wort, ohne Zweifel ein Kettenraucher: „Fünfte Frage: Wie lange kannten sie John Miller?"
„Mindestens zehn Jahre."
Die fünfte Stimme im Bunde gehörte einer jungen, wohl arroganten Frau: „Sechste Frage: Wie würden sie ihr Verhältnis zu John Miller bezeichnen?"
Karl presste seine gefalteten Hände fest zusammen.
„Wir waren enge Freunde."
Erneut ergriff Stimme Nummer zwei das Wort: „Siebte Frage: Ist es korrekt, dass sie jedes Mal bei ihrem halbjährlichen Besuchstag einen anderen Titan-Soldaten als Gast ausgewählt haben, in dem Wissen, das es Mr. Miller untersagt war Besuch zu empfangen?"
Dem Wissenschaftler rutschte das Herz in die Hose, doch er schaffte es halbwegs fest zu erwidern: „Ja."
Nun meldete sich wieder der Raucher zu Wort: „Achte Frage: Wissen sie, wie die Terroristen ihren Generator in die Luft sprengen konnten, obwohl sie nachgewiesener Maßen keinerlei Sprengstoff bei sich trugen?"
„Ich –" Karl haderte mit seiner Wortwahl, bis er sich schließlich entschied zu antworten. „Nein."
Es war eine glatte Lüge. Natürlich hatte er vermutet, dass die Terroristen Sprengstoff genutzt hatten, um den Anschlag zu verüben, doch auch ohne Sprengsatz hätte jemand mit den nötigen Hintergrundinformationen den kleinen nuklearen Reaktor zur Bombe umfunktionieren können, der in seinem Generator verbaut worden war. Das bedeutete allerdings, dass dieser jemand Zugriff auf seine Dateien gehabt haben musste.
Er wurde von der alten Frau aus seinen Gedanken gerissen: „Neunte Frage: Wussten sie von Millers psychischer Erkrankung?"
„Ja, er hat es mir direkt zu Beginn unserer Zusammenarbeit erzählt."
„Zehnte und letzte Frage Mr. Greenes, danach können sie gehen. Wie ist ihre Beziehung zur restlichen Titan-Einheit?" meinte die Stimme vom Anfang und Karls Herz begann zu rasen.
„Ich kenne sie, mehr aber auch nicht." presste er hervor und erwartete irgendeine Erwiderung, doch es blieb Still.
Niemand forderte ihn auf sich zu erheben, oder zu gehen. Hatten sie etwas bemerkt? War er aufgeflogen? Diese Gedanken rasten Karl durch den Kopf und jede Sekunde in der er einzig und allein seinen rasenden Herzschlag hören konnte fühlte sich an wie eine Ewigkeit. Schließlich, knapp zwei Minuten nach seiner Antwort meldete sich wieder die arrogante Frauenstimme und sagte: „Nun gut Professor Greenes, das wäre dann alles. Sie dürfen gehen. Wir melden uns bei ihnen, sobald die Auswertungen fertig sind."
Deutlich erleichtert stand der Wissenschaftler auf und eilte schnellen Schritts zur Tür, ohne auch nur zurück zu sehen. Seine Finger waren dermaßen in Schweiß gebadet, dass er mehrmals von der Türklinke abrutschte, bis er sie endlich zu packen bekam und die Tür aufriss. Der Warteraum war nun leer und Karl holte erleichtert Luft, als er die bedrückende Dunkelheit hinter sich ließ. Es war doch um einiges besser gelaufen, als er es sich gedacht hatte. Seine Brille zurechtrückend durchquerte er den doch recht großen Raum, öffnete die Tür und schritt nach draußen auf den Gang.
Langsam, um seinen doch noch sehr hohen Puls zu beruhigen, trabte er auf den Fahrstuhl zu, der am Ende des Gangs auf ihn wartete. Er hatte ihn schon fast erreicht, als er hinter sich zwei Türen auf- und zugehen hörte und blickte nach hinten über seine Schulter. Zwei Männer, einer ungefähr so groß wie er selbst, der andere deutlich kleiner, kamen ihm hinterher gehastet. Sie trugen feine, graue Nadelstreifenanzüge und schwarze Krawatten. Karl betrat den Fahrstuhl und ihn beschlich ein schlechtes Gefühl, als sich die beiden Männer zu ihm in die Kammer gesellten. Sie grüßten ihn mit einem kurzen Nicken und starrten danach stur geradeaus. Dem Professor wurde mulmig zu Mute, als er bemerkte, dass die beiden auch noch Handschuhe trugen und das bei heiterem Sonnenschein und 30°C im Schatten. Die Fahrstuhltüren glitten zu und die Maschine setzte sich in Bewegung.
Er malte sich schon aus, wie ihm einer der Männer wohl gleich eine Kugel durch den Kopf jagen würde, als der Aufzug überraschend nach zwei Etagen stehen blieb und die Türen aufsprangen. Ein großer, grinsender Mann in Ausgehuniform zwängte sich zu den dreien in den Fahrstuhl.
„Oh, hallo Professor! Hatte gar nicht erwartet sie noch einmal zu sehen. Das Frühstück hatte mir wohl den Magen verdorben und ich habe knapp ne halbe Stunde auf der Keramik verbracht. Ich sage ihnen, lassen sie die Finger vom Fast-Food." grölte Coule und klopfte dem Wissenschaftler freundschaftlich auf die linke Schulter.
Karl fiel ein Stein vom Herzen, die Titanen hatten ihn nicht vergessen. Er antwortete mit einem Lächeln, woraufhin ihm der Soldat verstohlen zu zwinkerte. Sie fuhren ein paar Sekunden ohne Störung weiter nach unten, bis der Fahrstuhl plötzlich mit einem Ruck stehen blieb, ohne dass sich die Türen öffneten. „Nun meine Herren, ich glaube das hier ist ihre Etage." kommentierte Coule verschmitzt und bevor die beiden Agenten auch nur ihre Waffen ziehen konnten, hatte er ihnen beiden die Schädel mit bloßen Fäusten eingeschlagen. Blut, Gehirnmasse und Knochensplitter klebten an seinen Fingern und er wischte sich an den Anzügen der Männer sauber. Karl stand immer noch da wie zu Eis erstarrt und musste einen Brechreiz unterdrücken.
Völlig gefühlslos hingegen fasste sich der Soldat ans rechte Ohr und knurrte: „Ziele ausgeschalten, der Professor ist sicher. Wir kommen nun über die Nottreppe runter, haltet euch bereit." An den Professor gewandt meinte er: „Tut mir Leid Prof, aber es ging nicht anders. Offenbar haben sie jemand im Ausschuss da oben nicht sonderlich gut gefallen." Karl nickte, immer noch die Hand vor dem Mund haltend, um sich nicht zu übergeben, während ihm ein paar Blutspritzer die Wange herunterliefen.
„Ah ja, wir steigen wirklich hier aus." fügte Coule hinzu und betätigte den gleichen Knop noch einmal, den er gerade genutzt hatte um die Türen zu zuhalten. Dieses Mal glitten sie auf und angeekelt stieg der Wissenschaftler über die beiden Leichname hinweg in den Gang, dicht gefolgt vom Titan-Soldaten, der jedoch vor dem Verlassen noch einmal die Schaltfläche des Aufzugs bediente und ihn zurück in die oberste Etage schickte. Dann führte er Karl ans andere Ende des langen Gangs und trat eine Tür auf, an der ein Schild mit der Aufschrift: "Feuertreppe" befestigt war.
„Ich hoffe doch, sie haben nichts gegen ein paar Treppen?" scherzte Coule während er vor dem Professor die Treppe nach unten eilte. Karl schüttelte den Kopf, nun wieder einigermaßen Herr über seinen Mageninhalt. „Nein. Aber was waren das für Typen? Etwa vom OCS?" „Es war zumindest diese arrogante OCS-Kuh, die die beiden losgeschickt hat. Oh, wenn ich die noch einmal in die Finger kriege wird sie sich wünschen niemals auch nur einen Fuß zu OCS gesetzt zu haben." knurrte der Soldat als Antwort. Der Professor zweifelte nicht an der Wahrheit dieser Worte.
Der restliche Abstieg verlief recht schweigsam und ohne weitere Zwischenfälle. Es dauerte knapp zehn Minuten, bis sie schließlich am Ende der Treppe ankamen und Coule die Tür nach draußen aufstieß. Im Gegensatz zum Supersoldaten, war Karl komplett außer Atem und musste sich kurz ausruhen, um nicht gleich tot umzufallen. „Kommen sie Professor, wir habens gleich geschafft!" forderte ihn Coule auf und als sich der Wissenschaftler daraufhin immer noch nicht in Bewegung setzte, packte er ihn vorsichtig mit beiden Händen und warf ihn sich über die Schulter.
Zielstrebig rannte er auf einen der geparkten Truppentransporter, die auf dem Flugfeld des ObKoms herumstanden und klopfte an die Heckklappe eines komplett blaugrau angestrichenen Albatross, die sofort aufklappte. Mit einem Satz war er im Innern des großen Transportjets, die Heckklappe schloss sich hinter ihm und die Motoren des Fliegers erwachten brüllend aus ihrem Schlaf. Halbwegs wieder bei Atem sah sich Karl keuchend um, während ihn der Soldat in einen der Sitze platzierte und anschnallte. „Alles klar Professor? Wir sind jetzt in Sicherheit. Ruhen sie sich ruhig aus, wir haben einen langen Flug vor uns." erklärte er ihm und Karl nickte, immer noch leicht überrumpelt von den Ereignissen der letzten paar Minuten. Coule klopfte ihm noch einmal aufmunternd auf die Schulter und ging dann nach vorne durch ins Cockpit, wo bereits zwei andere Titan-Soldaten in voller Montur saßen und den Albatross in die Luft wuchteten. Er gab ihnen das Zeichen, das alles ok war und setzte sich dann in den Sitz der Waffenkontrolle. Der Copilot reichte ihm ein kleines Funkgerät nach hinten, welches er mit einem dankbaren Nicken entgegennahm.
Coule drückte den kleinen Knopf für "Senden" an der Seite des Geräts und sagte grinsend: „Es hat alles geklappt, der Professor ist an Bord. Wir sind auf dem Weg zu euch. Vermutliche Ankunftszeit 2100. Haltet uns noch was vom Abendessen warm! Ich habe jetzt schon Kohldampf."
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[Eragon Fan-Fiction] Der Titan und die Drachenreiter
FanfictionDer Soldat John Miller findet sich nach einem schrecklichem Unfall an den Ufern eines ihm unbekannten Landes wieder. Schon sehr bald wird ihm bewusst, dass er sich nicht mehr in seiner eigenen Welt befindet. So also macht er sich auf den Weg, die Dr...
![[Eragon Fan-Fiction] Der Titan und die Drachenreiter](https://img.wattpad.com/cover/57579266-64-k536634.jpg)