„Hey, aufwachen Professor! Wir sind schon in ein paar Minuten da." meinte Steven laut und rüttelte sanft an Karls Schulter, um ihn aus dem Schlaf zu reißen. Ausgiebig gähnend öffnete der Wissenschaftler langsam seine Augen. Er sah hinüber zu Coule, der sich ihm gegenüber auf einen der Sitze niedergelassen hatte. Mit trockenem Hals fragte er: „Wo sind wir?" Grinsend stand der Soldat auf, ging vor zum Cockpit und kam nach ein paar Sekunden mit einer kleinen Wasserflasche zurück, die er locker dem Professor zuwarf.
„Wir sind ungefähr dreihundert Kilometer vor der Küste Islands. In ner knappen Viertelstunde sollten wir in unserem Versteck ankommen, wenn alles glatt läuft. Ich hoffe nur, sie haben uns was von Amandas Fleischbällchen aufgehoben, ich liebe diese Teile." erklärte Steven, während Karl gierig einige große Schlucke aus der Flasche nahm. Das Wasser war warm und schmeckte leicht salzig. Der Professor blickte den Titan skeptisch an. „Euer Versteck liegt in Island?" „Nun, ich würde es eher Zuhause nennen, aber Versteck kommt wohl dem eigentlichen Nutzen näher als das andere." entgegnete dieser achselzuckend und setzte sich wieder auf seinen Platz. Karl nickte stumm und sah sich dann aufmerksam im Inneren des Flugzeugs um in dem er saß.
Es war außerordentlich groß und geräumig für eine Militärmaschine, mit jeweils einer Sitzreihe an den beiden Wänden, die zusammengenommen Platz für 24 Personen boten. Dazu kam die äußerst spärliche Auskleidung der Wände, an denen man unverdeckte Kabel, Schläuche, Dichtungen und Pumpen erkennen konnte, die mehr schlecht als recht von einigen Schrauben und Schellen an Ort und Stelle gehalten wurden. Man konnte glatt meinen, dass dieser Flieger noch mitten in der Produktion steckte, wären da nicht die großen, stählernen Flickplatten, die überall an der Hülle verstreut angebracht waren und auf den Beschuss durch Flak hinwiesen. Er berührte die Schweißnaht einer dieser Flicken, der direkt über seiner Schulter saß. Coule lächelte schief.
„Der Treffer hat damals Julia ganz schön durchgerüttelt. Direkter Schlag gegen das rechte Schulterblatt. Der Abpraller hätte fast den Piloten gekillt." „Das Flugzeug muss ja schon über zweihundert Jahre alt sein, wenn es damals im Krieg eingesetzt wurde!" meinte Karl staunend und Steven nickte. „Oh ja, in dem Teil hier steckt einiges an Arbeit und Herzblut. Es ist das einzige seines Modells, das noch nicht vom OCS verschrottet wurde, was wohl nur Micheal zu verdanken ist, der so ziemlich jede Gefälligkeit die er offen hatte einfordern musste, um es zu bekommen. Aber das ist es wert." „Ich nehme an, dass es ein Truppentransporter ist, der speziell für die Titan-Einheit konstruiert wurde?" Der Soldat nickte erneut. „Stimmt. Sie scheinen sich ja ganz gut auszukennen Prof, ich dachte immer sie seien nur Physiker." Karl lächelte bescheiden als er entgegnete: „Mein Vater war Testpilot für die Air Force. Als ich noch klein war hat er mir jeden Abend von seiner Arbeit, dem Fliegen und den Motoren erzählt. Deswegen hab ich später auch den Maschinenbau als erstes Studium gewählt und meinen Doktor der Ingenieurswissenschaften gemacht bevor ich zur Physik überging." „Ah! Mason Greenes habe ich recht? Bin ihm ein, zweimal über den Weg gelaufen auf dem Stützpunkt, schien ein cooler Typ zu sein. Tut mir echt leid, dass es so für ihn enden musste." schlussfolgerte Coule und warf dem Wissenschaftler einen aufmunternd Blick zu. „Er hat immer gesagt, dass er eines Tages mit dem Steuerknüppel in der Hand sterben würde." versuchte der Professor halbherzig zu scherzen, doch keiner der beiden lachte. Ein unangenehmes Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus, untermalt vom leisen Dröhnen der Triebwerke.
Schließlich räusperte sich der Titan und fragte interessiert: „Was glauben sie, ist mit John wirklich geschehen? Könnte er tatsächlich irgendwo da draußen noch am Leben sein?" Karl nickte bestimmt. „Ja. Es gab nichts an dieser Explosion, das ihn hätte umbringen können, weder Strahlung noch Hitze. Die wahrscheinlichste Möglichkeit ist wohl, dass der Generator durch die Überladung kurzfristig ein Tor in eine andere Dimension aufgestoßen hat und er durch die entstehende Schockwelle hindurch gezwängt wurde." mutmaßte er und Steven machte große Augen. „Eine andere Dimension? Aber wie sollen wir ihn dann jemals finden?" „Das ist eigentlich recht simpel. Ein Dimensionstor hinterlässt, nachdem es sich geschlossen hat, eine Art Riss im Raum, der eine bestimmte Strahlensignatur in unserer Welt hinterlässt. Für gewöhnlich bleiben diese Risse sieben Monate lang bestehen, bis sie schlussendlich verschwinden, zumindest war es bisher in unseren Testläufen immer so. Ich habe ein Gerät entwickelt, dass diese Signatur auffängt, in Daten umwandelt und in eine Art Koordinatensystem überträgt. Damit kann ich dann den Generator auf die richtige Frequenz bringen und ein Tor in die gewünschte Dimension öffnen. Theoretisch zumindest." erklärte der Professor und Coules Augen wurden noch größer.
Er packte den Wissenschaftler an den Schultern und schüttelte ihn vor Freude ordentlich durch. „Das ist Wahnsinn Professor! Sie sind wirklich ein Genie!" „Hey ganz ruhig Steven, der Professor hat keine Stahlknochen im Gegensatz zu dir." meinte eine ernste weibliche Stimme aus dem Lautsprecher über ihren Köpfen und erschrocken ließ der Soldat Karl los und entschuldigte sich kleinlaut: „Sorry Prof. Da ging es wohl grad mit mir durch. Alles noch an Ort und Stelle?" Der Wissenschaftler nickte, rieb sich aber dennoch mit leicht schmerzverzerrtem Gesicht die linke Schulter, während er sagte. „Schon gut, nichts passiert. Aber freut euch nicht zu früh. Es gibt ein Problem: Ich benötige zwei äußerst seltene Materialien um das Suchaggregat und den Dimensionsgenerator zu bauen." „Was genau brauchen sie Professor?" wollte die Stimme aus dem Lautsprecher wissen und Karl entgegnete laut: „Hundert Gramm reines Iridium und ungefähr zehn Gramm Rheniit."
„In Ordnung, Mark hat sich das notiert. Er meinte, dass noch etwas Iridium vom Bau der Venator übrig sei und das Rheniit auch kein Problem wäre. Macht euch nun bereit zur Landung ihr beiden, wir sind da." antwortete die Frau, woraufhin Coule wie von der Tarantel gebissen aufsprang. „Das müssen sie unbedingt auch den anderen erzählen! Hoffentlich haben sie mit dem Essen auf uns gewartet, ich kann die Fleischbällchen und Knödel schon förmlich riechen." meinte er fröhlich während Karl behäbig aufstand und sich an den seitlich angebrachten Griffen festhielt. „Was genau ist die Venator?" wollte er von dem Soldaten wissen, doch der winkte schnell ab. „Die Venator ist Mikes Projekt. Fragen sie am besten ihn was es damit auf sich hat."
Ein leichter Ruck fuhr durch den Albatross und der Wissenschaftler konnte deutlich hören, wie die Triebwerke heruntergefahren wurden. Er blickte kurz über die Schulter, als er das metallische Klackern von Schritten hinter sich hörte und bemerkte die beiden Titan-Soldaten, welche aus dem Cockpit zu ihnen stießen. Bei ihrem Anblick musste Karl unfreiwillig schlucken. Sie waren in voller Kampfmontur gekleidet. Ihr Atlas war mit einem blaugrau gefleckten Tarnanstrich versehen, ein langes Kampfmesser hing an ihrer Hüfte und auf dem Rücken geschnallt lugten die Läufe von schweren Gewehren zwischen der rechten Schulter und dem Helm hervor. Beide Titanen waren in etwa gleichgroß, doch der linke Soldat wirkte bulliger und breiter gebaut, was nahe legte, dass ein Mann in der Rüstung steckte. Sein Verdacht wurde bestätigt, als beide gleichzeitig ihren Helm vom Kopf nahmen. Er erkannte sie als Robert Holsted und Julia Stearn, die ihm den Bericht vor der Anhörung gezeigt hatte, wieder und reichte jedem der beiden die Hand. „Es ist schön sie wiederzusehen Professor. Ich hoffe doch meine Flugkünste waren nicht allzu schrecklich?" begrüßte ihn Robert mit einem schmalen Lächeln. Er hatte im Gegensatz zu Coules rabenschwarzem Locken, knallrote Haare, die kurzgeschnitten und wild durcheinander auf seinem Kopf standen. „Nein, nein. Es war ein sehr angenehmer Flug." entgegnete Karl leicht nervös, während er zu ihm emporschaute. Er selbst war mit Sicherheit nicht kleinwüchsig, sondern sogar eher recht groß, aber neben den Titanen wirkte er wie ein kleines Kind. Es war jedes Mal eine einschüchternde Erfahrung neben solchen Riesen zu stehen. Beruhigend legte ihm Julia eine Hand auf die Schulter. „Keine Sorge Professor, wir werden sie schon nicht auffressen." meinte sie augenzwinkernd und betätigte einen Schalter an der Bordwand, der die Heckklappe öffnete.
Frische, kalte Luft strömte von draußen ins Truppenabteil des Flugzeugs und sorgte bei Karl für eine Gänsehaut. Gemeinsam trat er mit den Soldaten aus dem Flieger und fand sich auf einer einfach geteerten Landefläche wieder, die von vier Flutlichtern erhellt wurde. Außerhalb der Lichtkegel war es schon tiefschwarze Nacht, doch als seine Augen dem beleuchteten Weg, der vom Landeplatz wegführte folgten, klappte ihm fast Kinnlade nach unten.
Dort, in vielleicht hundert Metern Entfernung stand eine gigantische zweistöckige Villa in rustikalem Stil, mit angrenzender turnhallengroßer Veranda und einem riesigen Swimmingpool der jeder olympischen Schwimmbahn das Wasser reichen konnte. Zusätzlich stand etwas abseits ein weiteres großes Gebäude, das entfernt an einen Hangar erinnerte und offenbar von jemandem genutzt wurde, da durch die Fenster der Halle Licht nach draußen schien. Auch die Villa an sich war in einigen Räumen hell erleuchtet und warf lange Schatten auf das sie umgebende Gras.
„Home, sweet Home." pfiff Steven fröhlich und führte den immer noch verblüften Karl den Weg entlang zu Veranda. Robert und Julia folgten dicht hinter ihnen. „Das ist – ich hätte nicht mit so etwas gerechnet, als ihr ein Versteck erwähntet." stammelte der Wissenschaftler, während sie der überdachten Terrasse immer näher kamen. „Was glauben sie, wie wir gestaunt haben, als Paps uns damals das Anwesen gezeigt und Mike den Schlüssel für das Ding in die Hand gedrückt hat?" meinte Coule lachend und hob die Hand zum Gruß, als Micheal, Alina und zwei andere Titan-Soldaten, die Karl als Jonas Milten und Benjamin Warren identifizierte, in ihr Sichtfeld kamen. Sie alle trugen stinknormale Zivilkleidung wie Jeans, Sweatshirts und in Mikes Fall sogar einen gestrickten Wollpullover mit hohem Kragen. Es gab nichts an ihnen, dass sie, abgesehen von ihrer Körpergröße, von normalen Menschen unterschied.
Sie erwiderten den Gruß, blieben jedoch auf ihren massiven Holzstühlen sitzen, die um einen großen, länglichen Tisch herum aufgestellt waren. Lediglich Forke erhob sich, um zunächst Steven mit einer brüderlichen Umarmung und danach Karl per Handschlag zu begrüßen. „Willkommen in unserem kleinen Domizil Professor Greenes, fühlen sie sich wie zu Hause. Bitte, nehmen sie doch Platz, Amanda ist gerade in der Küche um die Reste des Abendessens aufzuwärmen." Der Soldat wies ihm den Stuhl direkt neben sich zu und richtete sich dann kurz an Julia und Robert, die er ebenfalls freundschaftlich umarmte. „Wir springen erst mal kurz unter die Dusche und dann zu den anderen in die Werkstatt. Die können sicher noch zwei weiter Helfer gebrauchen." erklärte die Frau und Micheal nickte. „Gut. Gib Mark dann bescheid, dass der Professor da ist. Er hat sicher einiges mit ihm zu klären." „Ist gut."
Ohne weitere Worte öffneten die beiden, die Terrassentür und traten in das wohlbeleuchtete und mit Sesseln, Schränken und Fernseher ausgestattetem Wohnzimmer. Mit einem lauten Klacken schloss sich die Glastür wieder hinter ihnen und Mike setzte sich langsam zurück auf seinen Stuhl neben dem Professor, während sich Coule ihnen gegenüber niederließ. Die übrigen drei Titanen waren offenbar in eine hitzige Diskussion verstrickt und nahmen von all dem keine Notiz. „Darf ich ihnen etwas zu trinken anbieten Mr. Greenes?" fragte Micheal nun höflich und stellte dem Wissenschaftler einen der metallischen Becher hin, die in Stapeln auf dem Tisch verteilt standen. Das gedämpfte Licht der altmodischen Laternen, welche an der Decke über ihren Köpfen baumelten, ließ die Schatten auf dem Holz hin und her zucken. „Ein einfaches Wasser würde reichen." entgegnete Karl bescheiden, woraufhin der Soldat zustimmend nickte, eine der Sprudelflaschen aufdrehte und das Glas voll goss. „Danke." meinte er und nahm einen großen Schluck. Micheal lächelte ihn breit an, die Arme verschränkt vor der Brust, während Steven unruhig hin und her rutschte und immer wieder ins Haus lugte.
„Also Professor Greenes, es freut sie sicherlich zu hören, dass wir es vor dem OCS in ihre Wohnung geschafft haben, um alles mitzunehmen. Sie werden nämlich seit bereits fünf Stunden wegen Hochverrats Steckbrieflich gesucht. Die Sprecherin des Geheimdienstes klang ziemlich aufgebracht als sie ihre Anklageschrift in den Nachrichten verlesen hat. Ist irgendetwas passiert bei ihrer Anhörung?" erzählte der Admiral , doch bevor Karl antworten konnte, ergriff Coule das Wort. „Die haben ihm zwei Agenten auf den Hals gehetzt. Ich musste eingreifen, sonst hätte unser Prof hier die Aufzugfahrt wohl nicht überlebt. Ist leider nicht ganz Sauber über die Bühne gegangen, deswegen wohl auch die Sache mit dem Hochverrat. Tut mir leid." „Oh nein, nicht doch. Ohne eure Hilfe wäre ich wohl einfach spurlos von der Bildfläche verschwunden. Auch wenn ich mir schöneres vorstellen kann, als wegen Hochverrats vom OCS gesucht zu werden." wiegelte der Wissenschaftler ab und der Soldat grinste breit. „Da haben sie wohl recht."
Forke hingegen wirkte nachdenklich. „Das macht die ganze Sache etwas schwieriger. Wenn sie nicht ganz inkompetent sind, haben sie bereits das Überwachungskameramaterial durchforstet und festgestellt, dass wir den Professor mitgenommen haben. Und sie wissen, wo sich die Titan-Einheit momentan aufhält. Das beschränkt unsere Zeit ungemein, wenn wir Pech haben sind sie in drei Tagen bereits hier und versuchen euch festzunehmen, was wir natürlich nicht zulassen würden." mutmaßte er und fuhr sich gedankenverloren durch den Kinnbart. Schließlich fuhr er fort: „Also Professor, was ist das für eine Theorie von der sie da gesprochen haben. Gibt es eine Möglichkeit John zu finden?" Karl räusperte sich bevor er anfing zu erklären.
„Ja, die gibt es. Wie ich bereits Steven hier erzählt habe, dreht sich meine Theorie darum, dass John durch die Explosion in ein Dimensionstor gestoßen wurde und sich nun in einer anderen Welt befindet, als der unseren." „Das würde zumindest erklären, dass wir keinerlei Überreste oder Funksignale seines Anzugs gefunden haben." warf Micheal ein, wurde dann wieder jedoch still und lauschte gespannt weiter. Auch die anderen drei Titanen hatten ihr Gespräch kurzfristig unterbrochen und sich dem Wissenschaftler zugewandt. „Nun, ja. Ich habe während meiner Forschungen entdeckt, dass die Dimensionstore einen winzigen Riss im Raum hinterlassen, wenn sie sich schließen. Dieser Riss besitzt eine individuelle Strahlungssignatur, je nachdem in welche Dimension das Portal geführt hat. Mit Hilfe der Strahlensignatur und eines von mir entwickelten Dekodierers kann ich die nötige Frequenz feststellen, mit der ich den Generator betreiben muss, um in die gewünschte Dimension zu gelangen. Und da diese Risse genau sieben Monate lang bestehen bleiben, haben wir genug Zeit einen neuen Decoder und einen neuen Dimensionsgenerator zu bauen. Einen Empfänger für die Strahlung aufzutreiben dürfte wohl auch kein Problem sein." erläuterte Karl und sah Forke skeptisch an, als dieser laut in die Hände klatschte.
„Sie sind wirklich das Genie, als das sie John immer angepriesen hat. Wir hatten selbst schon den Verdacht, dass womöglich so etwas passiert ist, doch wir kannten keine Möglichkeit es zu überprüfen. Ein Decoder für die austretende Strahlung, einfach nur genial Professor." lobte er den Wissenschaftler begeistert und auch Alina, Jonas und Benjamin nickten ihm anerkennend zu. Völlig überrumpelt von dem Lob kratzte sich Karl verlegen am Kopf. „Bitte nicht zu viel des Guten, schließlich habe ich ja das alles nicht über Nacht herausgefunden, sondern durch jahrelange Forschung und etwas Glück." „Nichtsdestotrotz waren sie es, der auf die Idee kam einen Decoder zu bauen Professor, oder etwa nicht? Seien sie nicht so bescheiden." meinte Jonas mit rauer Stimme und die anderen Titanen pflichteten ihm bei.
„Aber sagen sie Professor, wo befinden sich die Pläne für den Decoder? Wir haben zwar die Pläne für den Generator auf ihren Festplatten gefunden, als wir ihr Haus ausgeräumt haben, aber darauf befanden sich keine Hinweise auf einen Decoder." wollte Micheal dann wissen, als alle wieder etwas leiser geworden waren und mit einem verschmitzten Lächeln zog Karl das Tablet aus der Innentasche seines Anzugs. „Scheint wohl so, als ob mein Verstand unterbewusst schon eingeplant hatte, dass meine Wohnung durchsucht werden würde. Hierauf sind die Baupläne für einen tragbaren Decoder und die neuste Version meines Dimensionsgenerators. Auf den Festplatten in meiner Wohnung befanden sich nur die Prototypenpläne." erklärte der Wissenschaftler und erntete ein breites Grinsen vom Admiral. „Das erklärt natürlich weshalb Mark sich die Haare zerrauft hat, als der die Pläne sah." „Ja. Aber sagen sie, was genau meinen sie damit, dass sie mein Haus ausgeräumt haben?" fragte Karl verwirrt und es war Alina die antwortete: „Wir haben ihren gesamten Haushalt in unseren Jet gepackt und hierher geflogen. Ihr Bett, die Computer, die Schränke, selbst ihr halb vertrockneter Bonsai steht da drüben im Wohnzimmer."
Bevor der Professor protestieren konnte, kam Micheal seiner Kameradin zu Hilfe. „Tut uns wirklich leid, dass wir nicht um ihre Erlaubnis bitten konnten Mr. Greenes, aber hätten wir das Haus nicht geräumt, wären all ihre Eigentümer jetzt im Besitz der OCS. Ich denke, dass ihnen die erste Option doch lieber war, als die zweite." Karl seufzte leise. „Vermutlich haben sie recht." Aufmunternd klopfte ihm der Offizier sanft auf die Schulter. „Keine Sorge, wir haben genug Platz im Haus und ihnen auch bereits ein Zimmer eingerichtet. Sehen sie es einfach als Umzug an." Der Wissenschaftler wollte gerade fragen, ob auch alles den Transport unbeschadet überstanden hatte, als hinter ihnen die Terrassentür klackerte und Coule begann sich vorfreudig die Hände zu reiben.
„Ach Mrs. Forke, sie sind ein echter Engel!" rief er laut, als eine Frau mittleren Alters durch die nun offene Tür schritt und in jeder ihrer Hände einen großen, dampfenden Topf hielt, die sie beide über Karl hinweg wuchtete und auf dem Tisch abstellte. Sie hatte eine kräftigen Körperbau, langes blondes Haar, welche in einem verknoteten Zopf zusammengefasst waren, blaue Augen und ein freundliches Lächeln im Gesicht. „Ich hoffe es schmeckt euch beiden. Leider haben die anderen vorher schon das gesamte Preiselbeerkompott aufgegessen." meinte sie entschuldigend, doch Steven winkte ab. „Passt schon. Solange es noch genug Knödel und Fleischbällchen mit Sauce gibt, ist alles gut." entgegnete er grinsend und schaufelte sich gleich zehn, der faustgroßen Fleischbällchen zusammen mit fünf Knödeln auf einmal auf den Teller, den er sich bereit gestellt hatte. Belustigt warf sie dem Soldaten ein gutmütiges Lächeln zu, bevor sie sich Karl zuwandte und ihm freundlich die Hand reichte.
„Und sie müssen wohl der berühmte Professor Greenes sein. Es freut mich sehr sie endlich einmal persönlich kennenzulernen. Mir haben ihre Auftritte in verschiedenen Dokumentationen immer sehr gefallen, sie reden nicht lange um den heißen Brei herum, wie manche dieser Eierköpfe. Aber wo sind meine Manieren? Ich bin Amanda, Micheals Ehefrau." „Karl Greenes, sehr erfreut Mrs. Forke." erwiderte der Wissenschaftler die Begrüßung und stutzte kurz als ihm Amanda ebenfalls einen Teller hinstellte, Besteck hinzulegte und einen großen Schöpfer Fleischbällchen auftat und mit zwei Knödeln abrundete. Das Essen duftete herrlich und Karls Magen knurrte unweigerlich. Er hatte seit dem Frühstück heute Morgen nichts mehr gegessen und das war schon über zwölf Stunden her. „Schlagen sie zu Mr. Greenes. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Jungs vergessen haben ihnen Unterwegs etwas anderes als einen Energieriegel anzubieten." meinte die Frau und bedachte Coule mit einem strengen Blick, der förmlich im Stuhl zusammenschrumpfte und es vermied aufzuschauen.
„Dazu werde ich nicht nein sagen, vielen Dank Mrs. Forke." sagte der Professor und begann mit Heißhunger zu essen, während sich Amanda lächelnd im Schoß ihres Mannes niederließ und an seine Brust lehnte. Steven hatte nicht zu viel versprochen, als er von ihren Kochkünsten schwärmte. Das Essen schmeckte hervorragend. Das Hackfleisch schön saftig, die Sauce nicht zu fettig, mit vielen frischen Kräutern und die Kartoffelknödel wunderbar fest und mit kleinen Stückchen gebratenen Specks durchzogen. Solch eine deftige Hausmannkost konnte man nirgends kaufen, selbst die besten Restaurants in denen Karl schon gespeist hatte, konnten eine derartige Fülle an Geschmack nicht überbieten. „Sieht so aus, als hätten wir einen weiteren an deine Küche verloren Schatz." meinte Micheal lachend und fuhr seiner Frau liebevoll durchs Haar, die ihm ihrerseits einen dicken Kuss gab.
Die Minuten verstrichen langsam, während Steven und Karl aßen, Alina, Jonas und Benjamin sich wieder ihrer hitzigen Diskussion widmeten und der Admiral mit seiner Frau tuschelte und Zärtlichkeiten austauschte. Es dauerte fast eine geschlagene halbe Stunde bis der Wissenschaftler schließlich Messer und Gabel bei Seite legte, sich mit einer Serviette den Mund abwischte und einen ordentlichen Schluck Wasser trank, um das Essen abzurunden. Coule hingegen mampfte immer weiter und Fleischbällchen um Fleischbällchen verschwand in seinem Rachen. Offenbar hatte der Soldat beschlossen den Topf komplett zu leeren. „Meinen allergrößten Respekt Mrs. Forke. Ich habe noch nie in meinem Leben derart gut gegessen. Wie heißt dieses Gericht?" lobte Karl und Amanda schenkte ihm ein breites Lächeln als sie antwortete: „Vielen Dank Professor. Es ist eine Spezialität meines Landes, K –"
„Ah da sind sie ja Professor! Ich hab da einige wichtige Fragen!" unterbrach sie eine laute männliche Stimme rüde und ein weiterer Titan-Soldat kam aus der Dunkelheit auf die Veranda gerannt.
Der Mann mit dunkelgebräunter Haut trug eine bis zu den Ellenbogen hochgekrempelten Militärjacke mit grünem Tarnmuster, eine dazu passende Hose mit schweren Arbeitsstiefeln und auf dem Kopf eine hochgeklappte, graue Schweißermaske. Abgerundet wurde das Ganze von schwarzen Schutzhandschuhen und einem breiten Werkzeuggürtel, an dem allerhand Krimskrams hing, von Schraubenschlüsseln über Feilen bis hin zu Sägen und sogar verschiedenen Hämmern. Nur zu gut konnte sich Karl an ihn erinnern, es war Mark Duncan, Mitglied im Ingenieurskorps der Army. Er war es damals gewesen, der ihm geholfen hatte den ersten Protypengenerator zusammenzubauen, zumindest zeitweilig, da er eines Tages andere Befehle erhalten hatte und umstationiert worden war.
Mark ignorierte die drei abseitssitzenden Titanen, gab Coule im vorbeigehen einen ordentlichen Klaps auf den Kopf mit und setzte sich dann neben dem Professor auf den Tisch, sodass er ihn direkt ansehen konnte. Ohne auch nur ein Wort an Micheal oder Amanda zu richten meinte er zu Karl: „Schön, dass sie es in einem Stück hergeschafft haben Prof. Also, es geht um folgendes: Ich habe ihre Pläne vom Dimensionsgenerator mal genauer unter die Lupe genommen und mir ist aufgefallen, dass sie die Spulen in Abschnitt vier falsch ausgerichtet haben. Sie müssten eigentlich das Magnetfeld in Richtung des Isotopspalters B2 lenken, aber in der jetzigen Formation ist er nur zur Hälfte vom Feld umschlossen. Das verschleißt den ganzen Apparat um sechzig Prozent schneller, bei fünfzig Prozent niedrigerer Ausbeute. Und was ist mit dem Einstrahler beim Iridium? Sollte er nicht näher drann sein als fünfzehn Millimeter? Ansonsten gehen zu viele Partikel in der Kammer verloren und erhitzen den Kern unnötigerweise."
Der Wissenschaftler brauchte einige Augenblicke, um den Schwall an Informationen zu verarbeiten. Schließlich entgegnete er mit einem Fingerzeig auf sein Tablet: „Sie haben die Prototypenpläne des Generators. Ich habe einige Verbesserungen daran vorgenommen wie zum Beispiel stärkere Magnetspulen, einem dünneren Iridiumkern und Helium 2 anstatt Stickstoff im Kühlsystem. Der neue Plan ist hier auf diesem Gerät gespeichert."
Der Titan zog die Handschuhe aus, klemmte sie sich unter den Arm und nahm den Tablet in die Hand. Schon nach nur wenigen Sekunden hatte er offenbar die richtige Datei gefunden und seine Augen sausten hin und her um den Plan zu studieren. Nachdenklich kratzte er sich am Kinn. „Ja, genau. Die Kernhülle aus Bor, sehr gute Idee. Die Außenhülle aus Titan, ja. Und die Spulen aus Silberdraht mit Eisenkern, interessant. Ja, ich verstehe. Gut Professor, damit lässt sich arbeiten. Sie können sich ja morgen dann das Resultat ansehen. Ich wünsche noch einen schönen Abend. Mike, Amanda." murmelte Mark, schüttelte dann kurz die Hand des Wissenschaftlers, nickte dem Ehepaar zu und eilte dann wieder, mitsamt dem Tablet, in die Dunkelheit der Nacht davon.
„Ach ja Professor: Ihr Rheniit wird Morgenfrüh geliefert. Kommen sie einfach rüber in die Werkstatt und wir besprechen, was sie damit vorhaben." rief der Titan ihm noch im fortgehen zu, dann war er verschwunden.
Karl warf dem Admiral einen skeptischen Blick zu, doch der konnte nur entschuldigend mit den Schultern zucken. „Er war schon immer so und glauben sie mir, das war noch harmlos. Sie müssen ihn mal erleben, wenn er Kaffee getrunken hat. Dagegen ist ein Hurrikan nur ein laues Lüftchen." „Das kann ich mir lebhaft vorstellen." erwiderte der Professor und schüttelte leicht den Kopf. „Naja, es hat auch seine positiven Seiten. So hat er zum Beispiel den Herd, den der Techniker vom Hersteller als 'hoffnungslos Kaputt' betitelt hat, innerhalb von einer Viertelstunde auseinander genommen, einige Teile ersetzt und wieder zusammengebaut. Seither läuft er ohne Probleme." erwähnte Amanda belustigt und brachte damit Coule, der gerade den letzten Knödel verdrückte, zum Grinsen. „Gott segne ihn und deine Kochkünste." schmatzte er mit vollem Mund.
Karl staunte nicht schlecht. Wie hatte der Titan so viel in sich hineinstopfen können, ohne zu kotzen? Es sollte ihm wohl immer ein Rätsel bleiben. Es gab jedoch noch etwas weitaus wichtigeres zu klären. Er räusperte sich und fragte dann mit ernster Stimme: „Micheal? Dürfte ich wohl kurz unter vier Augen mit ihnen sprechen?" Der Offizier nickte. „Natürlich." Vorsichtig schob er seine Frau vom Schoß, stand auf und öffnete die Tür ins geräumige Wohnzimmer. „Kommen sie." forderte er den Wissenschaftler höflich auf und betrat das Haus, dicht gefolgt von Karl. Er setzte sich in einen großen, beigefarbenen Sessel und bot dem Professor an, sich neben ihm auf der Couch niederzulassen.
„Also, was haben sie auf dem Herzen Professor?" wollte er schließlich freundlich wissen und sah den Wissenschaftler fragend an. „Es geht um den Dimensionsgenerator. ich weiß, was sie vermutlich vorhaben und wollte sie davor warnen. Es gibt – Komplikationen." erklärte dieser ernst und fuhr nach einer kurzen Pause fort.
„Sehen sie, ich weiß, dass sie wohl Vorhaben mit meiner Hilfe ein Portal zu der Welt zu öffnen, auf der John gefangen ist. Das Problem ist: Wir können ihn da nicht so einfach herausholen, wie sie vielleicht hoffen."
„Was genau meinen sie?"
„Nun, es gibt zweierlei Probleme, die zusammen gegen uns arbeiten. Als erstes hätten wir da den Greenes-Effekt. Wenn wir von der Erde aus ein Portal in eine andere Welt öffnen, bestimmen wir bereits in welche Richtung diese Brücke führen wird für immer, verstehen sie? Sie können sich diese Brücke wie eine Einbahnstraße vorstellen und da liegt das Problem. Wir können John nicht durch dieses Portal nach Hause holen. Egal wie viele Portale sie erstellen, sie führen alle nur in eine Richtung. Was uns zu Problem Nummer zwei führt. Man könnte jetzt natürlich sagen: ‚Kein Problem, nehmen wir doch einfach den Generator mit durch das Tor und öffnen eine Brücke zu einer völlig neuen Welt und von dieser dann zurück auf die Erde.', aber leider funktioniert das nicht. Der Generator verschmort vollständig, sobald sie ihn durch das Tor bringen. Die Brücke an sich bleibt zwar für einige weitere Sekunden bestehen, aber danach sitzt man in der anderen Dimension fest, ohne Möglichkeit zurückzukehren."
Micheal fuhr sich nachdenklich mit dem Finger über die Lippen. „Und was wäre, wenn wir einen zweiten inaktiven Generator mitnehmen würden?"
Karl schüttelte energisch den Kopf. „Es hilft nichts. Auch er wird komplett zerstört, wenn er die Zwischendimension durchquert. Es ist wie eine Art Kurzschluss und ich habe bisher keine Möglichkeit gefunden es zu verhindern. Selbst ein komplett mit Blei umhüllter Apparat geht kaputt." Eine unheimliche Stille breitete sich zwischen den beiden aus.
Nach ein paar Minuten stellte der Admiral schließlich nüchtern fest: „Es ist also ein One-Way-Ticket."
„Ja, leider. Ich müsste wahrscheinlich noch viele Jahre an diesem Thema forschen, um einen Weg zur Rückkehr zu entwickeln." erklärte der Professor seufzend. Wieder schwieg der Titan einige Minuten lang, er schien über etwas nachzudenken. Dann meinte er freundlich: „Ich werde mit meinen Kameraden darüber diskutieren, aber sie sollten sich nun am besten schlafen legen, es ist schon sehr spät. Kommen sie, ich zeige ihnen ihr Zimmer." Karl nickte zustimmend und erhob sich zeitgleich mit Micheal von der Couch.
Der Offizier führte ihn einmal quer durch das Haus, vorbei am Esszimmer, der Küche und allerhand verschiedener Räume, die er nicht näher benannte, die Treppe empor und noch einen langen Gang entlang, dann blieb er vor einer Tür stehen. „Das hier ist ihr Zimmer, ich hoffe es gefällt ihnen, wie wir die Möbel eingerichtet haben. Falls sie eventuell in der Nacht mal aufs WC müssen, das Badezimmer ist dort vorne links. Alles was sich dort drinnen befindet, dürfen sie auch benutzen, wie zum Beispiel das Duschgel oder die Handtücher im Schrank. Für alle Fälle haben wir auch zwei Flaschen Wasser auf ihren Nachttisch gestellt." erklärte Micheal ausführlich und öffnete dann die Tür, um Karl eintreten zu lassen.
Den Lichtschalter betätigend staunte der Wissenschaftler, als er sich im großen Zimmer umsah. Es war locker dreimal so groß wie sein bisheriges Schlafzimmer und kombinierte die Ausstattung ebenjenes mit dem seines Arbeitszimmers. Auf der rechten Seite standen sein Bett, inklusive Nachttisch, sein Kleiderschrank und die kleine Kommode in der er allerhand alter Dokumente lagerte. Auf der linken Seite hingegen standen sein großer Schreibtisch mitsamt dem Drehstuhl und die große altmodische Tafel, auf der er immer wieder gerne mit Kreide Formeln aufzeichnete, um sie zu lösen. Ihm gefiel vor allem Dingen die enorm hohe Decke, da das Haus ursprünglich für die Titan-Soldaten gebaut worden war. „Ich wünsche ihnen eine gute Nacht Professor." meinte der Admiral freundlich und schloss mit einem Lächeln auf den Lippen die Tür hinter sich. Karl seufzte zufrieden, schaltete die kleine Lampe auf dem Nachtisch ein und große die Zimmerlampe aus.
Ohne sich umzuziehen, ließ er sich in das fein säuberlich gemachte Bett fallen, knipste die Lampe aus und schloss die Augen. Mit der Hoffnung darauf, doch noch einen Geistesblitz zu bekommen, wie sie John retten konnten ohne selbst festzusitzen, schlief er erschöpft ein.
Am nächsten Morgen
„Aufwachen Mr. Greenes!" dröhnte eine laute Stimme in seinem Kopf und verschlafen öffnete Karl langsam die Augen. Mit einem Satz war er auf den Beinen, als er vor Micheals Erscheinung erschrak, der direkt neben ihm in voller Kampfausrüstung kniete. Sein Atlas war marineblau angestrichen und an den Schultern prangten die Admiralsabzeichen. Im Gegensatz zu Julia und Roberts trug er jedoch kein Gewehr oder Messer bei sich, sondern nur eine gehalfterte, schwere Pistole, die größer war als Karls Kopf.
„Was ist los?" wollte der Wissenschaftler benommen wissen und Forke antwortete ernst und knapp: „Unser Zeitplan hat sich extrem verkürzt. Packen sie das notwendigste an Kleidung für eine Woche in diesen Koffer und kommen sie dann nach unten ins Wohnzimmer. Es gibt etwas Dringendes zu besprechen." „O – ok." stammelte der Professor und eilte hinüber zum Schrank. Ohne große Sorgfalt packte er irgendwelche Klamotten, Hemden, Pullis, Unterhosen, Jeans und stopfte sie in den vom Titan bereitgestellten Koffer. Der Admiral war indessen schon wieder aus dem Zimmer verschwunden. Karl fragte sich, wie man mit solch einer schweren Rüstung derart leise sein konnte. Er brauchte knapp zehn Minuten bis er endlich den Koffer gefüllt, zugemacht und die Treppe herunter geschleift hatte. Ein Glück, dass er in seinen Sachen eingeschlafen war, ansonsten hätte es wohl noch länger gedauert.
Er stutzte, als er ins Wohnzimmer kam und dort mehrere Titanen, ebenfalls in ihrer Rüstung, an der Veranda vorbeieilen sah, jeder entweder eine große Kiste, einen Koffer oder einen Sack in den Händen. Micheal stand neben Amanda, die auch schon mit Jacke und Schuhwerk ausgestattet war, in der Terrassentür und schien das ganze Treiben mit Argusaugen zu beobachten. Als er den Wissenschaftler hinter sich bemerkte, schnappte er sich ohne zu fragen dessen Koffer und drückte ihm einen der Vorbeieilenden in die Hand.
Dann sagte er knurrend: „Falls sie sich wundern, weshalb ich sie so früh geweckt habe und wir den Albatross beladen, schauen sie auf den Fernseher. Diese Nachrichten laufen schon den gesamten Morgen und in Dauerschleife auf allen staatlichen Sendern." Karl blickte hinüber an die Wand, auf die Forke zeigte und seine Augen weiteten sich, als er Begriff was dort lief. Er konnte nichts hören, da offenbar jemand das Gerät auf stumm geschalten hatte, doch die Bilder und die Untertitel reichten vollkommen aus, um das Gezeigte zu verstehen.
Im Hintergrund des Studios wurde ein Bild, der verkohlten, rauchenden Überreste des ehemalgien OCS-Hauptquartiers gezeigt zusammen mit einem in den Vordergrund gerückten Fotos von Micheal in seiner Rüstung. In der unteren Nachrichtenleiste sauste immer wieder der Text vorbei: ‚Titan-Soldaten verüben Terroranschlag auf den Geheimdienst, hundertdreißig Menschen getötet. Präsident Patcher verordnet Alarmstufe Rot, Titan-Soldaten ab sofort wegen Hochverrats, Mordes und terroristischer Machenschaften angeklagt.'
Karl konnte nicht fassen, was dort stand.
„Sie habe euch alle zum Staatsfeind Nummer 1 gemacht? Wieso?" fragte er verwirrt und erhielt prompt eine Antwort. „Weil sie Angst vor uns haben, Angst davor uns nicht kontrollieren zu können. Deswegen haben sie die Titan-Einheit auch offiziell aufgelöst kurz nach Ende des Krieges, um zu vermeiden, dass wir uns sehen und eventuelle Pläne gegen sie schmieden. Ich habe immer gewusst, dass das OCS ein Haufen verweichlichter, paranoider Scheiße ist, aber das sie ihr eigenes HQ in die Luft sprengen, nur um uns damit in den Dreck zu ziehen? Unfassbar." fluchte der Admiral.
„Und was haben sie jetzt vor?" wollte Karl immer noch vollkommen überrumpelt wissen und zu seiner Verwunderung legte ihm der Soldat sanft die Hand auf die Schulter. „Wir werden zu John gehen. Weg von dieser korrupten Welt, einen Neuanfang wagen, wo auch immer wir dabei landen. Die Frage ist nur, wollen sie uns begleiten? Überlegen sie gut, denn wie sie selbst sagten, es gibt kein Zurück."
Der Blick des Professors fiel noch einmal auf die Nachrichten. Der OCS war bereit über Leichen zu gehen, um sein Ziel zu erreichen und er zweifelte nicht daran, dass sie ihn hinrichten würden, sollten sie seiner habhaft werden. Es war keine Entscheidung die es zu treffen galt, die Sache war klar.
„Ich werde mit euch gehen. Es gibt nichts, das mich hier an diese Welt bindet und der Geheimdienst will meinen Tod. Da gibt es kaum eine andere Wahl." „Das freut mich zu hören Professor. Kommen sie, der Ladevorgang ist so gut wie abgeschlossen. Wir müssen los." entgegnete Forke erleichtert und geleitete seine Frau und den Wissenschaftler hinaus zum Albatross, dessen Triebwerke bereits grölten und nur noch auf sie wartete. „Wo fliegen wir hin?" fragte Karl ein letztes Mal bevor er in den Flieger stieg. Mit kalter Stimme antwortete der Admiral:
„Das OCS hat etwas geweckt, dass es niemals wecken wollte. Wir fliegen ins Landesinnere. Ich habe Projekt Dreadnought aktiviert, die Venator wird in dreißig Minuten abflugbereit sein. Wohin wir fliegen Professor? Wir ziehen in den Krieg!"
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[Eragon Fan-Fiction] Der Titan und die Drachenreiter
Fiksi PenggemarDer Soldat John Miller findet sich nach einem schrecklichem Unfall an den Ufern eines ihm unbekannten Landes wieder. Schon sehr bald wird ihm bewusst, dass er sich nicht mehr in seiner eigenen Welt befindet. So also macht er sich auf den Weg, die Dr...
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