Das Fest der längerwerdenden Nächte

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John sah sich sein Spiegelbild einige Sekunden lang nachdenklich an, dann begannen bereits die Zahnrädchen in seinem Kopf zu rattern. 'Das Darwin-Protokoll, Lyaths Blut! Aber wie? Dieses Programm sollte schon seit knapp zweihundert Jahren deaktiviert sein! Wie konnte es wieder aktiv werden?' überlegte er und betrachtete musternd seine gepanzerte Hand. Wäre eine seiner anderen beiden Persönlichkeiten am Steuer gewesen, als er das Drachenauge bemerkte, hätten sie womöglich panisch, oder geschockt reagiert, doch ihm war es nicht möglich derlei Dinge zu fühlen. Er ging analytisch mit der Situation um, aber auch er konnte nur über die eigentliche Ursache rätseln.

'Dr. Roth hätte mich niemals belogen, wenn nicht ihr Leben davon abhängig gewesen wäre. Wahrscheinlich hat sie jemand von "oben" dazu getrieben, das Programm laufen zu lassen, aber zu welchem Zweck? Das widerspricht sämtlicher Logik. Alle denkbaren Szenarien wurden bereits bis zum Zeitpunkt der eigentlichen Abschaltung durchgenommen, es gab keinen Grund das Experiment fortzuführen!'

Er schloss und öffnete immer wieder sein linkes und rechtes Auge, um die unterschiedlichen Sichtverhältnisse zu ergründen. Ändern konnte er es sowieso nicht mehr, das Darwin-Protokoll würde bis in alle Ewigkeit aktiv bleiben, da die einzige Person, welche Zugriff auf die Naniten gehabt hatte, schon seit mehr als hundert Jahren tot war. John selbst hatte damals, zusammen mit seinen Adoptivkindern, die gute Frau Doktor zu Grabe getragen. Vor ihrem Tod schwor sie ihm am Sterbebett, dass niemand außer ihr den Code jemals zu Gesicht bekommen und sie ihn niemals aufgeschrieben hätte. Es gab für ihn keinen Grund an ihren Worten zu zweifeln. So also sagte ihm sein Verstand, dass er mit der neuen Situation zurechtkommen musste und das möglichst schnell.

Sich an den Farbfaktor des neuen Auges zu gewöhnen, würde Zeit brauchen, war jedoch nicht wirklich schlimm, eher lästig. Viel mehr bereitete ihm der krasse Schärfegrad der Sicht des Drachenauges Probleme. Es war irritierend einerseits das gewohnte Abbild seines Panzerhandschuhs zu sehen, andererseits allerdings jede noch so kleine Unebenheit und Dreckpartikel auf ihr zu erkennen. Selbst die eingearbeiteten, feinen Rillen auf den Fingerkuppen für bessere Grifffestigkeit konnte er wahrnehmen. Er spürte wie sich seine brutale Seite versuchte nach vorne zu schieben, angelockt von dem kurzen Schock und den Eindrücken, die zu ihm durchsickerten, aber er ließ sich nicht beirren und beharrte auf seiner Machtposition. Erst musste er alles gründlich untersuchen, bevor er einen der beiden ans Ruder ließ. Wer weiß was sonst passieren würde. 'Ich hoffe, es tritt kein Trigger-Event auf. Diese Situation ist viel zu prekär, um sie einen der beiden zu überlassen.' dachte er sich und stand wieder auf.

Er blinzelte mehrmals, um mit seiner neuen Sehkraft klarzukommen, aber der Unterschied war zu groß, um ihn einfach so zu überkommen. Nachdenklich meinte er: 'Ich werde wohl nicht umhinkommen, auch mein zweites Auge ersetzen zu lassen. Diese Differenz ist einfach zu gewaltig, als das man sich daran gewöhnen könnte.' Aufmerksam sah sich John in der Grotte um. Er war nicht bereit, sein menschliches Auge einfach so aufzugeben, vor allem nicht, da er keine Ahnung hatte ob die Naniten den Blendschutz für das neue Sehorgan übernommen hatten oder nicht. Denn das war ein enormer Vorteil, auf den er nur ungern verzichten würde. Also ging er hinüber zu den Fackeln und löschte sie alle nacheinander, indem er die Flammen mit seinen großen Pranken erstickte. Schließlich stand er in vollkommener Finsternis da und nur noch ein schwaches, gedämpftes Flackern aus dem Zugang leuchtete in die Grotte.

Verwundert sah er auf seine Hände, die er leicht angewinkelt vor sich hielt.

Mit seinem rechten Auge konnte er alles noch gut erkennen, zwar leicht gräulich aber vollends sichtbar. Im Gegensatz zum Drachenauge. Mit seiner linken Seite sah er alles so klar und voller Farbe, als würde jemand die Höhle mit einem Suchscheinwerfer ausleuchten. 'Das ist – unerwartet.' stellte er mit hochgezogenen Augenbrauen fest.

Er wusste zwar, dass es einige nachtaktive Reptilien gab, aber dass sich Drachen derart gut in der Dunkelheit zurechtfanden, verblüffte ihn. Immerhin gab es keine eindeutigen Hinweise auf eine nächtliche Lebensweise. „Faszinierend." murmelte der Titan und griff nach seinem Helm. Mit den an ihm angebrachten Lampen, wollte er testen, ob die Naniten, die Modifikation übernommen hatten und hielt ihn sich vor das Gesicht. Er befahl leise: „Licht!" und schon strahlten in die vier Hochleistungslampen mit einer Intensität entgegen, die einen normalen Menschen wohl für mehrere Stunden erblinden lassen würde. Nicht so einen Titan-Soldaten. Zufrieden stellte John fest, dass beide Augen automatisch ihre Hornhaut verdunkelten, um sich den neuen Lichtverhältnissen anzupassen. So blieb für ihn nur noch die Frage, ob er sich sein eigenes Auge hier und jetzt ausstach oder damit warten sollte, bis er dieses Festmahl hinter sich gebracht hatte.

Seine Miene veränderte sich und voller Schock fasste er sich an das linke Auge.

„Das kann nicht sein!" keuchte er und eilte erneut hinüber zum Teich wo er bestürzt sein Spiegelbild betrachtete. Das Drachenauge war immer noch dort. „Wieso zur Hölle hat sich dieses vermaledeite Darwin-Protokoll reaktiviert? Hat Dr. Roth gelogen, als sie es damals abgeschaltet hat? Fuck!" Wütend trat er gegen einen naheliegenden Stein, der krachend an der gegenüberliegenden Felswand zerschellte. Diese verkackten Wissenschaftler, keinem dieser Kittelträger konnte man trauen! Außer vielleicht Karl, aber der trug auch keinen weißen Anzug. „Dieses verfickte Programm! Was kommt als nächstes? Flügel? Ein Schwanz?" regte sich John weiterhin auf. Sein Echo hallte laut von den Wänden wieder, aber es juckte ihn nicht, ob irgendjemand außerhalb der Grotte das Gebrüll hören konnte.

'Immerhin werde ich wohl keine geschuppte Haut bekommen, das wäre jetzt schon um das Auge herum sichtbar, wenigstens ein kleiner Trost. Wenn der Doc nicht schon abgekratzt wär, würde ich ihr glatt die verlogene Zunge herausreißen, die Augen ausstechen und sie ihr hinten reinstopfen, mitsamt meinem Stiefel!'

Um seinem Ärger weiter Luft zu machen packte er einen der herumstehenden Stalagmiten von der Größe eines Kindes, brach ihn ab und warf ihn mit voller Wucht gegen die Wand, wo er mit einem lauten Krachen zersplitterte. Er fühlte sich betrogen und ausgenutzt.

„John? Alles in Ordnung da drinn?" hörte er Angelas Stimme aus dem Gang herausschallen. Fast gleichzeitig dröhnte ihm der wohl bekannte Akzent Larvas durch den Schädel.

*Beruhige dich! Du darfst der Hexe nichts tun! Sie ist mächtig! Und gut! Wir brauchen sie noch.*

Das Schwert hatte recht. Seinen Zorn an der Kräuterhexe auszulassen, wäre durch nichts zu rechtfertigen, immerhin war sie eine Verbündete, die ihm bis jetzt sehr geholfen hatte.

Er atmete mehrmals tief durch, bevor er laut antwortete: „Ja, alles klar. Bin nur dummerweise mit dem Kopf gegen einen Stalagmiten gestoßen und hab mich kurz gehen lassen." „Ach so. Und ich dachte schon, du würdest versuchen ein Loch in den Berg zu schlagen. Wir sind ganz schön zusammengezuckt als wir die Schläge gehört haben." entgegnete Angela belustigt und blieb am Eingang der Höhle stehen. „Du meine Güte, wieso hast du denn alle Lichter gelöscht? Hier ist es ja pechrabenschwarz!" „Die Fackeln? Ach die, die warn schon so, als ich hierhergekommen bin. Müssen die Urgals wohl vergessen haben anzuzünden." beschwichtigte John sie und schloss schnell sein linkes Auge, um weiterhin seine Verletzung vorzutäuschen. Auch die Helmlampen schaltete er hastig aus, darauf hoffend, dass der grelle Lichtkegel sein Gesicht verdeckt hatte.

„Oh, ja natürlich. Schließlich war es ja nicht geplant, dass sich noch jemand zu solch später Stunde waschen will. Und diese Dinger kann man ja auch unmöglich lange hier drinn brennen lassen, der Qualm würde wohl kaum auszuhalten sein." stimmte die Kräuterhexe zu und kniff die Augen zusammen, um noch etwas in der Dunkelheit erkennen zu können. „Bist du ansonsten fertig mit der Körperpflege? Unsere Gastgeber werden schon langsam ungeduldig." „Sofort." erwiderte der Titan, während er seinen Kopfschutz wieder an der Hüfte befestigte und Larva vom Boden auflas. Mit großen Schritten kam er auf die kleine Frau zu, welche er haushoch überragte und lächelte schief, als er in den Schein der Fackeln trat. „Wir können." „Gut!" meinte sie fröhlich und ging voraus durch den Gang zurück, John dicht hinter ihr. 'Ich werd mich wohl zusammenreißen müssen, nen Fauxpas sollte ich mir bei den Urgals nicht erlauben. Besser ich behalte diese Entdeckung erst einmal für mich, wer weiß wie die darauf reagieren würden.' dachte er sich während sie Richtung Dorfplatz trotteten.

„Irgendetwas das es zu beachten gilt?" fragte er die Kräuterhexe beiläufig, doch die zuckte nur mit den Schultern. „Nicht wirklich. Solange du nicht mit deinem Schwert fuchtelnd auf sie zustürmst, sollte alles in Ordnung sein. Es gibt nur eine Sache, die du auf keinen Fall tun solltest." „Die wäre?" „Mach dich nicht über ihre Hörner lustig, es sei denn du willst eine Fehde vom Zaun brechen." Der Titan grinste breit. „Das werd ich wohl grad noch so hinkriegen." Wenige Augenblicke betraten sie den Ort des Geschehens und wurden mit lautem Gebrüll und Geknurre begrüßt.

John war beeindruckt.

Den Platz, den er vorhin noch völlig leer vorgefunden hatte, war nun mit großen Tüchern, Fässer, Essensplatten und der ganzen Dorfgemeinschaft besiedelt. Es duftete vorzüglich nach gebratenem Fleisch, gebackenem Brot und gedünstetem Gemüse, dazu der strenge Geruch von Bier und Schnaps. „Ich hoffe du verträgst eine gute Menge Alkohol, ihr Schnaps ist so ziemlich das stärkste Zeug, das es gibt. Selbst ein Drache schafft davon nicht einmal ein ganzes Fass ohne beschwipst zu werden." flüsterte Angela ihm warnend zu, als sie seinen Blick auf die Schnapskaraffen bemerkte. „Och das dürfte kein Problem sein. Ich bin äußerst trinkfest. " meinte er beschwichtigend und winkte ab. „Das ist natürlich vorteilhaft. Sollte ich jemals eine Trinkwette abschließen, werde ich auf dich zurückkommen." entgegnete sie zwinkernd und deutete auf einen freien Platz im Kreis, den die Urgals mit Matten gebildet hatten.

Gemeinsam setzten sie sich hin, direkt vor eine dampfende Lehmschale voller Eintopf und die Kräuterhexe nickte Khartog zu, der am anderen Ende des Dorfplatzes saß. Daraufhin stand der große Kull behäbig auf und begann grollend in seiner Muttersprache zu sprechen. John verstand natürlich kein Wort, aber Angela war so freundlich für ihn zu übersetzten, nachdem der Häuptling seine Rede beendet und das Festmahl unter großem Jubel eröffnet hatte.

„Er erzählte weshalb sie heute Nacht zusammengekommen sind, um das 'Poelkvatha', das Fest der längerwerdenden Nächte, zu feiern. Dann hat er aufgezählt, was das Dorf dieses Jahr alles erreicht hat, wer geboren wurde und wer gestorben ist und selbstverständlich auch die Erwählung eines Urgals, als erst zweiten Vertreter ihrer Rasse, zum Drachenreiter. Anschließend begrüßte er uns beide nochmal als seine Gäste und hat den anderen im Dorf von deinem Erfolg im Kampf erzählt."

Skeptisch zog der Titan die rechte Augenbraue nach oben. „Erfolg im Kampf?"

„Nun, du hast vier Fanghur im Kampf ohne Waffen getötet und zwei weitere mit jeweils einem Schwerthieb niedergeschlagen. Das mag für dich vielleicht nicht außergewöhnlich erscheinen, aber für sie und auch für mich, ist es eine große Leistung. Du musst wissen, Urgalkinder müssen, um als Erwachsene zu gelten, ein wildes Tier im Kampf ohne Waffen niederringen. Üblicherweise sind es Nagra oder Shrrgs die sie jagen, nur die stärksten wagen sich an einen Beorn." „Also habe ich mit den Fanghur sozusagen meine Prüfung abgelegt?" fragte er interessiert. Ihm gefiel dieser Gedanke, seine Stärke im Kampf beweisen zu müssen, um als Mann zu gelten. Die Kräuterhexe nickte.

„Sozusagen. Deswegen nennen sie dich auch 'Ferrakthur', Eisenfaust, weil deine Schläge so hart sind, dass du damit sogar Eisen zertrümmern könntest. Wenn ich dich richtig einschätze dürfte das sogar recht einfach für dich sein, immerhin hast du Tymdek in eine Pattsituation getrieben und das im Zweikampf ohne Magieeinsatz." „Das war aber mehr Glück als Verstand, hätte er nicht versucht mich zu fressen, wäre der Kampf vielleicht anders ausgegangen." erwiderte er grummelnd und tat sich etwas vom Eintopf in eine kleine Holzschale, welche ihm von einem der kleinen Kinder mit großen Augen überreicht worden war. „Selbst der beste Kämpfer braucht hier und da ein Quäntchen Glück." meinte sie lächelnd und biss herzhaft in etwas, das aussah wie eine Birne. „Das schmälert jedoch nicht deinen Erfolg. Behalte immer im Hinterkopf das Tymdek, zusammen mit seinem Bruder und seiner Mutter, als einer der mächtigsten Drachen gilt. Nicht umsonst werden sie von den anderen ihrer Art, als Anführer anerkannt und respektiert."

John verschluckte sich fast an seinem Essen. Hustend wollte er wissen: „Tymdek und Dun'var sind die Anführer der Drachen?" „Zumindest hören die meisten ihrer Art auf sie. Aber selbst diese beiden beugen noch ihr Haupt aus Respekt vor ihrer Mutter." meinte sie zwischen zwei Bissen. 'Wenn solche Kraftpakete wie Tymdek und Dun'var sich ihrer Mutter unterordnen, was für ein Monster muss sie dann sein?' überlegte er nachdenklich und erkundigte sich dann: „Wer ist ihre Mutter?" „Oh du wirst sie schon bald kennenlernen. Spätestens, wenn du bei den Drachenreitern ankommst. Sie hört auf den Namen Saphira Schimmerschuppe und ist die Gefährtin von Eragon Schattentöter, dem Großmeister des Ordens. Sicher hast du schon von ihr gehört, oder?"

Der Titan stoppte mit dem vollen Löffel im Mund, als er den Namen hörte. Er hatte die Bücher zwar schon vor langer Zeit gelesen, damals als kleiner Junge, doch an Saphira konnte er sich immer noch gut erinnern, genauso wie an Eragon, den Protagonisten der Geschichte. 'Dann ist Feyth also Saphiras Enkeltochter!' schlussfolgerte er erstaunt und schluckte den Bissen im Ganzen herunter. An Angela gewandt meinte er: „Ja, ich habe schon von ihr gehört. Sie hat zusammen mit ihrem Reiter geholfen Galbatorix zu stürzen, wenn ich mich recht entsinne." „Das stimmt. Für jemanden aus einer anderen Welt, weißt du ja erstaunlich viel über die Geschichte Alagäsias. Ja, sie war dabei, als Eragon den Verräter niedergerungen hat. Saphira ist überaus freundlich und warmherzig. Zumindest, wenn du nicht versuchst jemanden der ihr nahe steht zu verletzten. Dann Gnade dir Gott. Ansonsten wirst du wohl kaum gegen sie kämpfen müssen wie gegen Tymdek oder Dun'var. Sie wird dir viel eher innig danken, dass du dich um Feyth kümmerst." erklärte die Kräuterhexe freundlich.

John hinterfragte erst gar nicht, woher die Frau von seinem Kampf gegen Dun'var wusste.

„Das ist schön zu hören, ich würde nur äußerst ungern gegen einen Reiter und seinen Drachen kämpfen müssen. Insbesondere gegen die Großmeister des gesamten Ordens." sagte er stattdessen glucksend und schaufelte sich den restlichen Inhalt seiner Schüssel in den Rachen. Es tat gut endlich wieder richtiges Essen zu sich zu nehmen und kein trockenes Dörrfleisch oder verfluchte Sardinen. Das einzige was seinen Genuss etwas schmälerte war die Aussicht auf einen weiteren unausweichlichen Kampf gegen den Herrn der Berge, schließlich hatte es dieser groß angekündigt bei ihrem nächsten Aufeinandertreffen ernst zu machen. 'Das könnte übel werden, hoffentlich kann ich Feyth und Keno davor noch in Sicherheit bringen.' Da fiel ihm ein, dass er Angela noch gar nicht gefragt hatte, was nun mit dem jungen Drachenreiter passieren würde.

„Was mir gerade noch einfiel: Was ist jetzt eigentlich mit Keno? Kommt er mit uns, oder –?" „Ja, er wird dich und Feyth begleiten. Alleine wäre seine Chance sicher zurück zum Orden zu kommen ziemlich gering, wenn man bedenkt, wie viele Spione die Schwarze Rose mittlerweile in Nidhan hat. Du hast doch nichts dagegen, oder?" erklärte die Kräuterhexe und blickte ihn fragend an. Er zuckte mit den Schultern. „Nein natürlich nicht. Ein bisschen Gesellschaft ist immer gut, vor allem für mich. Vielleicht finden wir ja unterwegs Hinweise auf den Verbleib seines Drachens, Shad hieß er glaub ich. Den hat die Schwarze Rose ja auch gekidnappt, mit viel Glück weiß diese Elfe ja etwas darüber." Den letzten Satz stieß er knurrend aus, riss brutal das Bein einer gebratenen Ziege aus und biss herzhaft hinein. „Vielleicht." murmelte Angela und blickte ihn leicht verdrossen an.

„Du bist wütend auf Alanna, habe ich recht?"

„Sagen wir es so, gäbe es eine Möglichkeit die Ketten ohne ihre Einwilligung zu entfernen, säße ihr Kopf morgen nicht mehr auf den Schultern."

Sie seufzte schwer. „Ich kann verstehen, dass du sauer auf sie bist, wäre ich vermutlich auch, wenn sie mich mit den Drachenketten gefesselt hätte. Aber gib dem Mädchen noch eine Chance, in ihrem Leben ist schon so viel schiefgelaufen. Sie ist auf dem Pfad einfach nur falsch abgebogen. Wenn du ihr den richtigen Weg zeigst, wirst du sehen, wer sie wirklich ist." „Eine zweite Chance?"

Der Titan schlug seine Zähne erneut in das saftige Fleisch, bevor er mit vollem Mund schmatzend fortfuhr: „Weshalb sollte ich ihr noch trauen? Sie hat mir die Ketten angelegt und behauptet mir helfen zu wollen. Allein das ist schon ein Paradoxon in sich, aber darüber könnte ich noch hinwegsehen. Allerdings hat sie mich angelogen und von Beginn an meinen Geist kontrolliert. Hätte sie mir einfach gesagt was Sache ist, meinetwegen, ich hätte vielleicht wütend darauf reagiert, aber es verstanden, immerhin war ich ein Gefangener. Aber mein Vertrauen, dass ich der Elfe auf Grund der Lügen geschenkt hab, ist verpufft, als ihr mir gesagt habt, was der wahre Zweck dieser Drachenketten ist. Ihr wollt, dass ich ihr eine zweite Chance gebe? Nennt mir einen Grund weshalb ich das sollte!"

„Alanna hat Feyth vor ungefähr anderthalb Jahren das Leben gerettet, als ihre Mutter sie töten wollte. Wäre sie damals nicht aufgetaucht, dann gäbe es das kleine Drachenmädchen wohl nicht mehr." entgegnete die Kräuterhexe ernst.

John hielt inne und legte das Bein vor ihm auf die Matte. Das war in der Tat ein Grund für eine weitere Chance. 'Wäre ich hier nach Feyths Tod angekommen und Angela hätte mir die Geschichte mit dem misslungenen Experiment trotzdem erzählt –. Ich mag gar nicht daran denken, was ich dann getan hätte. Feyths Mutter – mit ihr werde ich auch noch abrechnen, wenn wir sie treffen!' dachte er und schloss für einen kurzen Moment sein Auge.

Er atmete einmal tiefdurch und knurrte dann: „Na schön, eine letzte Chance, da mir das ansonsten an meiner Ehre kratzen würde. Falls sie die aber erneut in den Sand setzt, garantiere ich für nichts." „Natürlich. Ich verspreche, du wirst es nicht bereuen und Feyth wird es dir auch danken." „Hmpf."

Angela lächelte im freundlich zu, während der Titan wieder dazu überging an der Ziegenkeule zu nagen. Es gefiel ihm nicht, der Elfe erneut sein Vertrauen zu schenken zu müssen, allerdings stand sein kleiner Schützling in ihrer Schuld und somit auch er selbst. Er war jemand, der Schulden immer beglich. John genehmigte sich einen großen Schluck aus einem mit Schnaps gefüllten Holzbecher, den ihm eine der Urgalfrauen respektvoll überreicht hatte und spürte das scharfe brennen des Alkohols in seinem Hals, nachdem das süß-bittere Aroma über seine Zunge gerollt war. Es erinnerte ihn entfernt an den Geschmack von Absinth, nur etwas fruchtiger und leicht süßlich.

Alle die um ihn herumsaßen, starrten ihn mit großen Augen an, als er in einem Zug den restlichen Inhalt des Bechers leerte. Selbst Angela hielt mitten in ihrer Bewegung mit offenem Mund inne.

„Du hast das gerade nicht wirklich getan oder?" fragte sie schockiert, als er den Becher abstellte und zufrieden nickte. „Wieso nicht? Ein überaus leckerer Schnaps, mein Kompliment. Gibt es noch mehr davon?"

„John! Das war gerade genug Alkohol um selbst noch einen Kull auszuknocken! Der Inhalt des Bechers war für das gesamte Festmahl bestimmt!" Der Titan grinste neckisch. „Mein Körper funktioniert anders Angela. Ich kann nicht betrunken werden, vertraut mir. Ich und meine Jungs haben schon öfters zu Weihnachten Trinkwettbewerbe veranstaltet, der Gewinner war meistens der, der als letzter zur Toilette rennen musste." Ungläubig schüttelte die Kräuterhexe den Kopf, während sie von einer dampfenden Kartoffel abbiss.

„Ich habe noch nie jemanden erlebt, der diesen Beerenschnaps weggekippt hat, als sei es ein Krug voll Wasser. Aber du scheinst wirklich nicht davon beeinflusst zu werden, ansonsten lägst du jetzt wohl mit Krämpfen auf dem Boden und würdest um Luft ringen. Es gibt sogar schon Legenden über diese Spirituose, sowohl unter den Urgals, als auch bei den Menschen, von Männern, die schon von nur einem einzigen großen Schluck dieses Teufelszeugs gen Himmel fuhren! Ob das nun wahr ist, sei dahingestellt, aber im Ernst, geht es dir wirklich gut? Oder brichst du mir gleich zusammen?" „Alles in Ordnung, keine Sorge." beruhigte er Angela mit erhobener Hand. Sie musterte ihn einige Sekunden lang eindringlich, dann seufzte sie aufgebend und wandte sich an einen der Urgals zu ihrer Rechten, welche den Titanen immer noch entgeistert anstarrten. Amüsiert beobachtete John sie lächelnd, während die Frau mühselig versuchte, die großen Kerle aus ihrer Schockstarre zu lösen.

Die nächsten paar Stunden verbrachte er damit, sich den Bauch vollzuschlagen, Lieder und Erzählungen des Stammesschamanen zu lauschen und immer wieder einem der Kull seine Kraft zu beweisen, indem er entweder das Bierfass, welches man nach dem kleinen Zwischenfall zu ihm gebracht hatte, mit einer Hand anhob, oder aber den Urgal selbst mit einem Stupser gegen den Kopf halb K.O schlug. Es kamen selbst einige der Frauen zu ihm und wollte die Geschichte mit den Fanghur von ihm persönlich erzählt bekommen, was John mit Hilfe von Angelas Übersetzungskünsten auch halbwegs bewerkstelligen konnte. Schließlich, in den frühen Morgenstunden, als so gut wie jeder müde ins Bett getorkelt war und die ersten Sonnenstrahlen bereits in die versteckte Höhle schienen, standen der Soldat und die Kräuterhexe Seite an Seite an der Felskante und blickte hinaus auf die erwachende Wüste.

„Wird wohl langsam Zeit, nicht wahr?" fragte er entschlossen und Angela nickte. „In der Tat."

Das laute Echo eines weit entfernten Knalls hallte über die Berghänge hinweg, doch John schenkte ihm keine Beachtung. 'Wohl nur irgendein Felssturz.' dachte er und folgte der Kräuterhexe, die inzwischen zurück zu ihrer eigenen Wohnhöhle gestiefelt war. Nach nur wenigen Schritten hatte er sie eingeholt. „Brecht ihr ebenfalls jetzt schon auf, oder wartet ihr, bis eure Freunde mit einem fetten Kater aufwachen?" wollte er wissen und bemerkte zu spät, das Solembum sich irgendwann zu ihnen geschlichen hatte.

*Das ist aber keine nette Bezeichnung Drachenritter.* meinte die Werkatze gespielt aufgebracht. Der Titan bedachte ihn mit einem kurzen Glucksen. „Ich hab mich schon gefragt wo du abgeblieben bist Fellknäul! Hast leider die ganze Feier bereits verpasst." *Ich habe kein Interesse an stumpfsinnigen Trinkgelagen.*

Bevor John noch etwas erwidern konnte, sprang Angela dazwischen. „Schluss jetzt. Es gibt wichtigeres zu klären, ob dieses Fest nur ein Trinkgelage für Idioten war. Um deine Frage zu beantworten John: Ich werde wohl noch warten müssen, bis meine Eskorte wieder bei klarem Verstand ist. Du jedoch solltest sobald es geht aufbrechen, Feyth und die anderen sind wahrscheinlich bereits unterwegs zum Treffpunkt." „Wird schön sein, die Kleine endlich wiederzusehen." stimmte er zu und blieb auf ein Handzeichen hin vor der Tür zu Angelas Unterkunft stehen. „Warte hier einen Augenblick, ich hole nur schnell dein Reisegepäck." „Natürlich."

Lässig schulterte er das immer noch in Tüchern eingewickelte Schwert und vertrieb sich die Zeit damit den Rhythmus eines alten Lieds auf seinem Helm zu trommeln, während die Kräuterhexe die Höhle betrat. Solembum, der ihn dabei neugierig beobachtete, ignorierte er geflissentlich. Nach ein paar Minuten öffnete sich die Tür auch schon wieder und Angela kam mit einem riesigen Rucksack vor sich tragend zum Vorschein. Die Frau hatte gewisse Schwierigkeiten das für ihre Verhältnisse gigantische Gepäckstück zu tragen, weshalb John ihr fix zu Hand ging und ihr den Rucksack abnahm.

Dabei bemerkte er, dass an seiner Vorderseite etwas eingearbeitet war, das entfernt einem kompakten Sitz glich. Trotzdem bot der hintere Teil des Ranzens einen großen Stauraum, der dem Gewicht nach zu urteilen auch gut ausgenutzt worden war.

„Das hier ", meinte Angela und klopfte auf eine der hölzernen Stangen des eingearbeiteten Stuhls, „ist ein Tragerucksack, den ich vor einigen Jahren mal zusammen mit meinen Freunden erfunden habe. Er ist ideal dafür geeignet eine kranke oder bewusstlose Person durch Gelände zu transportieren, vorausgesetzt man besitzt die nötige Stärke dafür. Ich habe einige Trockenfrüchte, Rauchfleisch und Kartoffeln als Proviant hineinpacken lassen, genug um dich, Keno und Alanna gut zwei Wochen lang satt zu machen. Zusätzlich sind auch einige meiner Heilsalben und Verbände dort drin, für den Notfall. Nur der Wasserschlauch reicht leider maximal vielleicht zwei Tage, eher weniger. Also halte immer Ausschau nach einer Wasserquelle." John nickte beeindruckt. „Das wird die ganze Sache ziemlich vereinfachen, habt vielen Dank. Ich nehme an, in den Sitz wollt ihr die Elfe stecken?" „Fürs erste, ja." entgegnete sie und zog ein kleines gläsernes Fläschchen aus ihrer Jackentasche hervor.

Eine azurblaue Flüssigkeit schwappte darin herum.

„Dies ist das Mittelchen, das Alanna davon abhalten wird, ihre magischen und telepathischen Kräfte einzusetzen. Hör jetzt genau zu, denn dieses Zeug kann in den falschen Händen eine Menge Schaden anrichten. Du musst ihr jeden morgen zwei Tropen davon verabreichen, damit es seine volle Wirkung entfalten kann. Solltest du es einmal vergessen ist das nicht weiter schlimm, da das Mittel lange genug vorhält für solche Fälle. Vergisst du es jedoch an zwei Tagen hintereinander erlischt der Effekt und sie ist wieder im Vollbesitz ihrer Kräfte. Hast du das verstanden?" erklärte Angela ausführlich und der Titan nickte erneut. „Einmal täglich zwei Tropfen, verstanden." „Gut. Das Fläschchen sollte eigentlich mehr als ausreichen für die Reise von hier bis zum 'Du Fell Ilumëo', auf dem die Drachenreiterfestung steht. Falls dies jedoch nicht das erste Ziel deiner Reise sein wird, kannst du von ungefähr einem Monat ausgehen." schärfte sie ihm ein.

John runzelte die Stirn. „Du Fell – was?"

„Du Fell Ilumëo, es bedeutet so viel wie Berg der Weisheit. Die Menschen und Zwerge nennen ihn jedoch einfach nur 'Drachenberg', ein weitaus passenderer Name als dieses elfische Gesülze." „Ich habe so langsam den Eindruck, dass ich und die Elfen wohl nie dicke Kumpel werden." knurrte der Titan genervt und nahm das Fläschchen mit dem Magieblocker vorsichtig entgegen. „Ach, sie sind vielleicht etwas hochtrabend, im Grunde jedoch recht ordentliche Kerle. Schön, da nun alles bereit ist, sollten wir noch euren Passagier aus dem Kerker abholen." meinte die Kräuterhexe schmunzelnd, während er die Phiole vorsichtig im Rucksack zwischen den weichen Verbänden deponierte. Dabei fiel ihm ein, dass etwas sehr wichtiges noch fehlte. „Einen Moment Angela, mag sein, dass ich vielleicht den Namen des Orts kenne, aber ich denke nicht, dass ich mich dorthin durchfragen kann. Habt ihr eventuell eine Karte und einen Kompass die ihr erübrigen könnt?" fragte John, doch Angela schüttelte nur kurz den Kopf. „Das wird nicht nötig sein. Ich habe Keno angewiesen deinen eigenen Kompass und die Karte mitzubringen, die du bereits besessen hast." „Oh, gut. Das klärt das natürlich."

Er wollte sich gerade den Rucksack auf den Rücken schnallen, als sein Blick auf eine längliche Seitentasche fiel, die entlang des gesamten Ranzens verlief. 'Perfekt, dann muss ich Larva nicht die ganze Zeit in der Hand mit mir rumschleppen.' dachte der Titan und steckte das Schwert behutsam in die Tasche, um das Leder nicht zu beschädigen. Es saß wie angegossen und zufrieden schnallte er sich den Rucksack an. „Na schön, von mir aus können wir die Elfe holen gehen." sagte er, woraufhin Angela nickte und vorausging in Richtung der Treppen, die er vor wenigen Stunden selbst entdeckt hatte. Hinter den beiden trottete Solembum mit aufgestelltem Schwanz, darauf bedacht einen großen Abstand zu Johns Stiefeln zu halten.

Wenige Augenblicke später befanden sie sich bereits auf den Weg tiefer hinein in den Berg und wurden am Ende der Treppe schließlich von zwei Wachen begrüßt, die simple Lederrüstungen und Keulen als Waffen trugen. Die Kräuterhexe wechselte einige Worte mit den Urgals in ihrer Muttersprache, dann führten die beiden sie zu Berdon und Alanna, die jeweils in einer mit Eisengitter verschlagenen Zelle saßen, oder im Fall der Elfe, lagen. Der Hauptmann sprang sofort auf, als er John und Angela erblickte, stürmte ans Gitter und beobachtete sie mit wutentbrannter Miene. Die Wachen öffneten die Tür zu Alannas Zelle und der Titan betrachtete die schlafende Frau einen Augenblick lang. Ein kurzes Zucken erfasste ihre Arme und Beine und augenblicklich spannte John sämtliche Muskeln in seinem Körper an, bereit sie bei kleinsten Anzeichen ihres Erwachens zu packen.

„Ganz ruhig, ihr Körper reagiert nur auf eine für ihn vollkommen unbekannte Situation, da Elfen für gewöhnlich nicht wirklich schlafen." beruhigte ihn die Kräuterhexe und meinte dann, dass er sich umdrehen und in die Hocke gehen solle, damit sie Alanna ordentlich festbinden konnten. Während also Angela zusammen mit den Urgals, die Elfe im Sitz des Rucksacks festmachten, starrten sich der Titan und Berdon gegenseitig an.

Schließlich grinste der Hauptmann gehässig und meinte: „Na? Habt ihr etwa ein Auge im Kampf gegen die Fanghur eingebüßt, oh großer Krieger? Ihr seid wohl doch nicht mehr, als ein vom Glück verfolgter Streuner." „Ich würde den Mund nicht so voll nehmen Bürschchen, lieber verliere ich eine Schlacht, als den ganzen Krieg. Oder habt ihr bereits vergessen, wer gerade hinter Gittern sitzt? Ich oder ihr?" gab John knurrend zurück und ballte die Hände zu Fäusten. Er hatte das große Verlangen diesem Mann die Visage umzukrempeln.

„Pah! Wehe ihr krümmt meiner Herrin auch nur ein Haar! Dann werde ich euch bis in alle Ewigkeit jagen, selbst wenn es mich mein Leben kostet! Habt ihr gehört? Ich werde euch bis ans Ende der Welt verfolgen!" spie Berdon hasserfüllt aus. „Ihr meint die Elfe?" fragte der Titan gespielt ahnungslos. „Oh, ich werde ihr schon nichts tun. Nur einige meiner Freunde sind ganz wild darauf sie kennenzulernen, ich glaube ihr nennt sie Kull, richtig? Oh ja, die freuen sich schon riesig darauf, mit ihren muskelbepackten Adonis-Körpern, dem langen schwarzen Haaren und ihren langen, dicken Schwä – "

„Das würdet ihr nicht wagen!" brüllte der Hauptmann.

John hob unschuldig die Hände. „Was? Hat sie etwa ein Problem mit den Kull? Davon weiß ich nichts, hat mir niemand gesagt. Was meint ihr? Sie wird sich doch bestimmt freuen, diese kräftigen Prachtkerle mal aus der Nähe ansehen zu können!"

„Ihr! – Ihr! – " geiferte Berdon voll blinden Zorns und versuchte den Soldaten durch die Gitterstäbe hindurch zupacken zu kriegen.

Der Titan lachte hämisch und stand auf, als Angela wieder neben ihn trat. „Hört auf ihn zu quälen John, er wird noch genug für seine Verbrechen bezahlen müssen." sagte die Kräuterhexe ernst. „Dann wird es nicht schaden, wenn er jetzt schon ein bisschen leidet, wer weiß wie viele unschuldige Leben er zerstört hat in seinem blinden Gehorsam?"

Ganz leise, so dass nur er es hören konnte flüsterte sie kühl: „Und wie viele tausend waren es bei euch?"

„Na schön" , knurrte John zähneknirschend, „Wie ihr wollt. Gehen wir." „Gut." meinte Angela freundlich und ging wieder die Treppe hinauf, nachdem sie sich bei den beiden Wachen bedankt hatte. Der Titan blieb dicht hinter ihr.

Diese Frau wusste genau, wo seine wunden Punkte saßen.

Aus dem Augenwinkel bemerkte er, dass Solembum unten vor Berdons Zellentür sitzen geblieben war, maß dem jedoch keine große Beachtung bei. Zurück in der Haupthöhle, marschierten sie quer durch das Dorf hindurch zum Ausgang, wobei John durchaus überrascht vom Tempo der kleinen Frau war. Er bewegte zwischendurch immer wieder die Schultern, um ein Gefühl für das neue Gewicht auf seinem Rücken zu finden, während sie durch den mit Malereien verzierten Tunnel stapften und stellte schließlich zufrieden fest, dass der Rucksack mitsamt der Elfe ihn nicht wirklich einschränkte. Als sie endlich wieder ins Freie traten, stand die Sonne schon deutlich höher, als zuvor und die Kräuterhexe drehte sich zu ihm um.

„In Ordnung John, sieht wohl so aus, als ob sich unsere Wege fürs erste trennen würden. Bevor du aufbrichst wollte ich dir nur noch einmal sagen, was für eine Freude es mir war, dich endlich kennenzulernen. Ich bin mir nun sicher, dass du und Feyth wie für einander geschaffen seid. Achte gut auf sie und natürlich auch auf Keno und Alanna." Sie reichte ihm die Hand, die er vorsichtig ergriff und sanft schüttelte.

„Es war mir eine Ehre euch kennenzulernen Angela. Ihr habt mir wirklich sehr geholfen, wer weiß, wo ich mittlerweile ohne euch gelandet wäre? Vielen Dank noch einmal für alles." entgegnete er höflich. Sie lächelte fröhlich. „Es war mir ein Vergnügen John. Ach ja, ehe ich es vergesse: Ich habe Alanna vorhin bereits ihre tägliche Dosis gegeben, während wir sie auf den Rucksack geschnallt haben. Du brauchst also erst morgen damit zu beginnen." „Gut zu wissen. Danke." John deutete eine leichte Verbeugung an und sagte dann zum Abschied: „Auf bald!"

„Auf Wiedersehen John! Bestellt Eragon meine Grüße , wenn du ihn siehst!" erwiderte die Kräuterhexe vergnügt und winkte ihm hinterher, während er davon lief.

Er atmete tief ein und aus, dann setzte er sich seinen Helm auf den Kopf, öffnete sein linkes Auge und beschleunigte seinen Schritt so lange, bis er rannte. In einiger Entfernung unten am Fuß des Berges und Ende des Weges, konnte er drei Gestalten auf dem hellbraunen Sand der Wüste ausmachen. Zwei Drachen und ein Mensch. Vorfreudig beschleunigte er seinen Sprint noch einmal, er wollte so schnell wie möglich wieder mit seinem kleinen Schützling vereint sein.

In vielen hundert Kilometern Entfernung, weit draußen auf hoher See, ragte ein gigantisches, metallisches Objekt senkrecht fast 50 Meter in die Höhe.

„Sprung erfolgreich Admiral!"



[Eragon Fan-Fiction] Der Titan und die DrachenreiterGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt