„Das ist zumindest eine grobe Übersicht der Dinge, Freki. Ich denke ihr könnt mir nachsehen, in Anbetracht unserer Situation nicht näher ins Detail zu gehen." beendete Eragon seine knappe Erklärung, während John mit verschränkten Armen neben ihm und dem Söldner stand. Er hatte dem Drachenreiter immer wieder kurz unter die Arme gegriffen, wenn dieser mit den richtigen Wörtern haderte, als er die Titanen beschrieb. Micheal und die anderen hatten sich ebenfalls hinter und neben ihnen positioniert, was Freki und Muninn jedoch nicht wirklich zu stören schien. Scheinbar waren sie durch die Kull in ihren Reihen schon vollkommen an Leute gewöhnt, die sie dermaßen überragten.
„Bei Wotans Bart! Das sind wahrlich grausige Ereignisse, die ihr da beschreibt, Meister Drachenreiter. Es war wohl ein Geschenk der Götter, Meister Miller an Nidhans Küste zu spülen." erwiderte der Hauptmann brummend, worauf Steven ein leises Glucksen hören ließ. „Naja, als Geschenk der Götter würde ich das nicht unbedingt bezeichnen. Eher als riesiger Zufall." „Wie dem auch sei, wir können darüber später weiterdiskutieren, nachdem wir die Festung befreit haben. Noch ist die Schlacht nicht gewonnen." bemerkte Miller ernst und bekam dafür Zustimmung von allen Seiten.
Die Gruppe war bereits während ihres Gesprächs langsam hinüber zu Pelendol, Hagrind und ihren Drachen getreten. Die beiden Reiter kümmerten sich schon mittels Magie um die Wunden ihrer Partner, wobei der Elf seinem Kameraden dabei half, den silbernen Drachen zu versorgen, da Filia recht glimpflich davongekommen war. Ihren Artgenossen hingegen hatte es übel erwischt. Neben der schweren Bisswunde im rechten Hinterlauf, hatte er eine weitere davon am Nacken, sowie mehrere tiefe Kratzspuren auf seiner rechten Flanke davongetragen. Von seinem Schwanz war sogar ein großes Stück regelrecht herausgebissen worden, dessen Ausmaße locker einen Titanen ausmachten und seine linke Pfote wirkte unnatürlich deformiert.
Der Silberne war zwar in etwa gleichgroß wie Filia, aber wirkte vom Körperbau her etwas robuster, was wohl der einzige Grund war, weshalb er nicht schon während des Kampfes in die Knie gegangen war. Nun lag er jedoch leise winselnd auf dem roten Kies und hatte die Augen vor Schmerzen zugepresst, während das grüne Drachenweibchen direkt an seiner Seite stand und ihm beistehend über die Schnauze schleckte. Silbrige und grüne Magie schienen jeweils von Hagrind und Pelendols Händen auszugehen, die sich wie ein glühendes Schimmern um die Wunden legte. Zeitgleich konnte der Colonel deutlich die Beschwörungsformeln ausmachen, die die beiden Reiter hastig rezitierten. Eragon eilte ihnen sichtlich angespannt voraus, um seinen Kameraden zu helfen und stieg sofort in die Heilzauber mit ein, ohne groß mit einem der beiden zu reden.
John und der Rest der kleinen Gruppe, bestehend aus Team Alpha, Freki und Muninn, kamen nur wenige Augenblicke später in respektvollem Abstand vor den Drachen und Reitern zum Stehen. Allerdings legte sich Millers Gesicht in tiefe, angestrengte Falten, als sein Blick direkt auf Filia fiel. Der unbändige Hass seiner aggressiven Persönlichkeit schien wie von einem Orkan neu entfacht zu werden und er musste all seine Willenskraft aufbringen, die Kontrolle zu behalten, denn würde er sie jetzt verlieren, mit der schussbereiten Railgun in Händen, die er zuvor vom Boden aufgelesen hatte, dann würde Chaos ausbrechen. So also zwang er sich den Blick von Feyth's Mutter abzuwenden und stattdessen stur ihren silbernen Artgenossen zu fixieren, dessen Verletzungen wortwörtlich wie durch Zauberhand heilten.
„Das ist also Filia, von der du mir erzählt hast?" konnte er jedoch hinter sich Shenmi ebenfalls missgelaunt fragen hören, worauf Steven antwortete: „Oh ja, wie sie leibt und lebt. Der Elf dort bei Eragon ist ihr Reiter und sein Name ist Pelendol, wenn ich mich recht entsinne." „Wir werden hier keine Streitigkeiten über das Thema Feyth anfangen, verstanden, Shenmi? Mir kommt auch die Galle dabei hoch, wenn ich nur daran denke, was sie der Kleinen alles angetan hat, aber diese Sache ist geregelt, das hat dir Steven selbst erklärt. Und wir werden uns dementsprechend verhalten, nicht wahr, Dad?" unterbrach Micheal die beiden jedoch sofort streng, worüber der Colonel äußerst dankbar war. „So ist es. Sie ist eine Verbündete und wir behandeln sie auch so, habt ihr verstanden?" fügte er daher trocken hinzu, wobei er es explizit vermied Filias Namen zu nennen. „Jawohl." antworteten Julia und Forke zackig und auch Coule entgegnete sichtlich belustigt: „Kein Problem meinerseits.", wohingegen Yang einige Momente verstreichen ließ, ehe sie knurrend zustimmte: „Meinetwegen, aber nach der Schlacht, werde ich mit ihr darüber reden!" „Oh, das will ich sehen." gluckste ihr Verlobter darauf amüsiert, doch John versuchte bereits wieder das Thema Filia aus dem Kopf zu drängen, da er selbst schon bemerkt hatte, wie sein Finger immer weiter Richtung Abzug gewandert war und das Streben nach Vergeltung seiner aggressiven Seite immer stärker wurde. Er musste ihre Nähe unverzüglich verlassen.
Damals vor ein paar Tagen, als Steven sie niedergerungen hatte, war seine andere Seite wohl noch etwas durch das relativ lange Heilkoma geschwächt gewesen, aber jetzt? Jetzt war er sich nicht sicher, sie völlig zurückhalten zu können, wenn die Situation noch länger andauerte.
Glücklicherweise jedoch, abhängig davon wie man es sah, kam eine passende Ablenkung daher.
Hoch über ihnen herrschte nach wie vor eine Reihe von Fauchen, Krachen und Brüllen, weswegen John und die anderem einem lautem Kreischen, direkt über ihren Köpfen nicht sonderlich viel Beachtung schenkten. Eragon jedoch sprang aufgeschreckt aus seiner Hocke, sah hinauf in den Himmel über ihnen, wobei Miller sehen konnte wie sich seine Augen vor Schreck weiteten, bevor er den Kopf hinüber in ihre Richtung warf und brüllte: „In Deckung!", gefolgt von einem Zauber, der auf das gezielt war, dass scheinbar von oben auf sie zukam.
Ohne groß nachzudenken packte der Colonel Hauptmann Freki und sprang mit ihm beiseite, genauso wie Julia Muninn schnappte und ebenfalls weghechtete. Micheal und Shenmi wichen genauso zur Seite aus, nur Steven blieb an Ort und Stelle stehen, da er wohl genau wusste, dass er zu behäbig war, um auszuweichen. John und Freki kamen hart im roten Kies auf, während es hinter ihnen einen gewaltigen Schlag tat, dem ein lautes Fluchen seitens Coule vorwegging, der laut hörbar: „Oh fucking hell!" rief.
Der Aufschlag wirbelte etliche der Kieselsteine umher, die mit einem metallischen Klirren von Millers Rüstung abprallten und dabei blieb es nicht. Keine Sekunde verging, da ertönte ein wütendes Brüllen von hinter ihm, auf das ein bösartiges Kreischen folgte. Hastig sprang der Titan von seiner liegenden Position auf und wirbelte herum, um ein Blickfeld auf den Einschlagort zu haben, während der Söldner neben ihm noch etwas unbeholfen wirkte. Sofort spannte sich seine komplette Muskulatur bis zum bersten an.
Dort vor ihm, rappelte sich gerade ein matschbrauner Drache auf, das Maul zu einem Brüllen aufgerissen, wodurch die rasiermesserscharfen Zahnreihen deutlich zu sehen waren. In seiner rechten Flanke, die er John zugewandt hatte, prangte eine große Punktionswunde, die scheinbar tief ins Fleisch ging und aus der ein kleines Rinnsal Blut herunter tropfte. Der Verantwortliche dafür stand ihm nun Auge in Auge gegenüber, in Form eines Lethrblakas, das ebenfalls das schnabelartige Maul aufgerissen hatte und ein schrilles Kreischen ausstieß. Auch dieses Biest trug bereits mehrere Wunden am Körper, mehrere Krallenspuren am Torso und eine Verletzung, die dem Colonel sofort ins Auge fiel. Im linken Mundwinkel des Lethrblaka fehlte ein halbkreisförmiges Stück, dessen Ränder unnatürlich klar geschnitten waren.
Wie von einem Laser.
Sein Blick huschte suchend umher und tatsächlich fand er ihn einige Meter über den Köpfen der beiden geflügelten Kontrahenten schweben. Aidan. Der Roboter wirkte leicht mitgenommen. Er konnte deutlich zwei große und relativ tiefe Kratzer auf der gepanzerten Außenhülle erkennen. Zusammen mit dem ausgeschnittenen Stück der Wange schloss John blitzschnell daraus, dass der Lethrblaka ihn wohl irgendwie zwischen die Kiefer bekommen hatte und sich die KI daraufhin mit ihrem Laser einen Fluchtweg gebrannt hatte. Ohne groß weiter darüber nachzudenken brüllte er den Befehl: „Feuer frei auf das Lethrblaka!" und legte selbst mit der Railgun auf das Ungetüm an.
Nur wenige Augenblicke später brach die Hölle über das Lethrblaka herein.
Aus drei verschiedenen Richtungen eröffneten die Titanen das Feuer und eine Flut aus Kugeln hämmerten in die Seiten des Viehs, welches schmerzerfüllt kreischte. Während Julias Gau-30 und die Maschinenkanonen von Mike und Shenmi, regelrechte Krater in die ledrige Außenhaut rissen, bohrte sich die panzerbrechende Munition aus seiner Railgun tief in den Körper und durchlöcherte sämtliche inneren Organe im Bauchraum. Gleichzeitig schlug ein blauer Strahl, der wie ein Blitz geformt war, direkt in den Schädel des Lethrblakas ein, was den gesamten Körper kurz krampfhaft zucken ließ, ehe der Kopf wie eine Überreife Tomate zerplatzte. Wie Granatsplitter flogen kleine Stückchen des Schädelknochens umher, während alle Umstehenden in dutzenden Tropfen blaugrünen Bluts gesprenkelt wurden und gräulich-matschige Gehirnstückchen vom Himmel regneten. Sofort stellten die Titanen das Feuer ein, während der noch zuckende Leichnam des Ungetüms krachend zu Boden sackte. Ein regelrechter Fluss aus blaugrünem Blut ergoss sich aus dem nun kopffreien Hals und sammelte sich mit den Rinnsalen der Schusswunden zu einer großen Lache.
„Ich hasse diese madenverseuchten Ausgeburten der Nacht! Ist bei euch alles in Ordnung, John?" meinte Eragon wenige Momente später knurrend, als die Titanen mit Freki und Muninn wieder beisammen getreten waren und der Reiter eilig zu ihnen herüber gespurtet kam. Miller hatte keinerlei Zweifel daran, dass es die Magie des Großmeisters gewesen war, die das Lethrblaka getötet hatte, als er nüchtern antwortete: „Es ist alles in Ordnung, Schattentöter, niemand wurde verletzt."
„Oh, sprech nur für dich selbst Dad!" kam es unmittelbar darauf angewidert von Steven zurück, und alle sahen hinüber zum leblosen Kadaver, unter dessen zerrissenen Hals nun Coule hervorkroch und sich mühselig aufrappelte. Er war von Kopf bis Fuß mit dem blaugrünen Blut des Ungetüms bedeckt, das er nun versuchte abzuwischen. „Es hat niemand von dir verlangt, dass du unter dem Lethrblaka stehen bleibst." kommentierte Julia spitzfindig worauf Steven trocken lachte und erwiderte: „Können vor Lachen, Julia."
*Es tut mir Leid, dass ich euch erwischt habe, Donnerfaust. Ich konnte im Zweikampf nicht mehr darauf achten, wohin wir stürzten.* meldete sich nun eine zurückhaltende, männliche Stimme zu Wort, die sehr Schuldbewusst klang. Johns Blick richtete sich automatisch auf den matschbraunen Drachen vor ihnen, der sich nun hingesetzt hatte und mit großen Augen auf sie herabsah. Er erkannte ihn nach kurzem Nachdenken als Rúmidos wieder, einer der Drachen, die bei Stevens Kampf mit Filia zugeschaut hatten. Auch Coule blickte hinauf zu der Flugechse und machte eine abwinkende Geste. „Schon in Ordnung. Rúmidos war der Name, richtig? Sowas passiert nun einmal im Eifer des Gefechts. Lieber bin ich mit Blut beschmiert, als dass irgendjemand ernsthaft verletzt wurde." versicherte der Sergeant, während Eragon inzwischen angefangen hatte, die große Punktionswunde in seiner Flanke zu heilen.
„Zudem ist es mein Verschulden, dass es überhaupt zu dieser Situation gekommen ist. Ich bitte vielmals um Entschuldigung, Sergeant. Und euch danke ich vielmals für euer Eingreifen, Rúmidos. Ich hätte mich zwar selbst befreien können, doch eure Ablenkung beschleunigte den Prozess um einiges." ertönte eine weitere Stimme über ihren Köpfen, dessen analytischer Unterton ohne Zweifel zu Aidan gehörte. Und tatsächlich gesellte sich die KI wenige Augenblicke später zu ihnen, wo sie direkt neben Micheals Kopf zum Stehen kam. Dieser musterte seine Schöpfung offenbar ausgiebig, während Shenmi wissen wollte: „Wie das? Hat dich das Lethrblaka überrascht?" „Positiv. Ich war gerade im Begriff wieder zu ihnen zu stoßen, nachdem ich Team Charlie unterstützt hatte, als dieses Wesen mich im Sturzflug überraschte und ich ihm nicht mehr ausweichen konnte. Es bekam mich mit seinem gezahnten Schnabel zu packen und nur durch Rúmidos' zeitiges Einschreiten konnte ich mich durch einen gezielten Laserschnitt selbst befreien." erklärte Aidan zackig.
„Dann hattest du wohl Glück im Unglück, was?" erwiderte Yang, worauf die KI antwortete: „Wenn sie es so nennen wollen, Captain." *Ich – ich habe lediglich gesehen, dass ihr Hilfe benötigtet, Metallgeist. Selbstverständlich habe ich geholfen.*meinte der matschbraune Drache anschließend schüchtern und John übersetzte die Gedankensprache rasch. „Er sagt, er hätte dir gern geholfen, Aidan." Der Roboter wandte daraufhin sein gelbes Auge gen dem Kopf des Drachens und wechselte kurz die Farbe von rot zu grün, ehe er wieder zurück auf rot schaltete, was wohl seine Art eines dankbaren Nickens darstellte.
Mike hingegen schien nicht ganz so zufrieden mit dem Ausgang der Situation zu sein und verlangte: „Schadensanalyse, Aidan. Und einen Kurzreport vom Einsatz gegen die beiden Drachen." „Analysiere Schaden. Interne Systeme nicht beschädigt, Außenpanzerung zu 82 Prozent intakt, keinerlei Einschränkungen diagnostiziert. Report: Drachen durch Schallemitter außer Gefecht gesetzt, harter Aufschlag am Boden. Scanner zeigten mehrere Knochenbrüche in den Beinen, keine lebensbedrohlichen Verletzungen. Habe weiteres Vorgehen, Colonel Milten auf dessen Befehl hin überlassen." erzählte Aidan in seinem maschinellen Tonfall, woraufhin der Admiral zufrieden nickte.
„Ich habe noch nie einen Geist gesehen, der in eine metallische Kugel eingeschlossen ist." bemerkte dann Muninn fasziniert und Miller bemerkte, wie sie die KI fasziniert studierte, ebenso wie Freki, der auch große Augen machte. John und Forke brauchten einige Augenblicke, den beiden zu erklären, was Aidan war, beziehungsweise machten sie ihnen weiß, dass es sich bei der KI tatsächlich um einen wohlgesonnen Geist handelte. Zum Glück war auch der Roboter selbst geistesgegenwertig genug, um ihnen dabei zu helfen, wodurch sie sich einiges an Problemen ersparten.
Dann traten sie alle gemeinsam wieder rasch hinüber zu Pelendol, Filia, Hagrind und dessen silbernen Drachenpartner, dessen Verletzungen anscheinend schon halbwegs wieder geheilt waren. Zumindest blutete er nicht mehr und er hatte sich inzwischen wieder aufgesetzt und die Augen geöffnet, die John unwillkürlich an polierten Stahl erinnerten. Zudem rieben er und Feyth's Mutter innig die Schnauzen aneinander. Scheinbar waren die beiden mehr, als nur einfache Kameraden. Vorsichtshalber blieb der Colonel aber eher im Hintergund, in Stevens Nähe, stehen, als sie die vier erreichten. Sein Sohn wäre wohl der einzige, der ihn sicher aufhalten konnte, falls er die Kontrolle verlieren würde. Micheal, der offenbar eine ungefähre Ahnung davon hatte, was in seinem Vater vorging, übernahm kurzfristig seine Position neben Eragon, als dieser nun endlich dazu kam, seine Ordensmitglieder angemessen zu begrüßen.
„Es erleichtert mich wirklich sehr, dass ihr hier seid, Ebrithil. Die Situation mit den Grauen Wölfen und den beiden Drachen wäre mit Sicherheit hässlich geworden, wenn ihr nicht eingegriffen hättet. Und natürlich gehört auch euch Titanen mein Dank." meinte Pelendol mit seiner weichen Elfenstimme, nachdem sie alle Begrüßgungsfloskeln abgehalten hatten und nickte dabei Forke zu. Von seinen Verletzungen aus dem Kampf gegen ihn, konnte John nichts mehr erkennen und auch sonst sah der Elf nicht so aus, als hätte er gerade einen Kampf hinter sich gehabt. „Es tut auch gut, dich wohlauf zu sehen, Pelendol. Und natürlich auch dich, Hagrind. Konntet ihr Nodhryns Verletzungen alle heilen?" erwiderte der Großmeister und warf dabei dem Zwerg und dem silbernen Drachen einen fragenden Blick zu. Während die Flugechse bejahend schnaubte, entgegnete sein Reiter brummend: „Zumindest die größeren, ja. Und die paar kleinen Kratzer wird Nodhryn schon verkraften, Ebrithil." Er wirkte deutlich angestrengter, als sein elfischer Kamerad und hatte auch einen leichten blutigen Kratzer auf der Wange, dem er jedoch keine Beachtung beimaß. „Sehr gut. Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren. Hagrind, das sind die Titanen, von denen du sicher schon gehört hast." meinte Eragon zufrieden nickend und stellte sie rasch der Reihe nach vor, was Miller zwar etwas unnötig fand, in Anbetracht, dass der Reiter gerade erst erwähnt hatte, wie sie unter Zeitdruck standen, aber er verstand auch warum. Immerhin konnte es im Kampf auch nützlich sein, den Namen seines Verbündeten zu kennen.
Als Steven an der Reihe war, fletschte Nodhryn unwillkürlich die Zähne und stieß ein wütendes Knurren aus, während Hagrind eher beeindruckt wirkte. „Ihr seid also der Mann, der Filia niedergerungen hat? Eine beindruckende Leistung, Herr Coule. Bitte verzeiht Nodhryns Manieren, ihr seht es ihm sicherlich nach, dass er nicht ganz so glücklich darüber ist, wie ihr seine Nistpartnerin behandelt habt." erklärte der Zwerg und fuhr sich dabei nachdenklich durch den gepflegten, braunen Bart, der ihm bis auf die Brust hinunter reichte. „Oh! Na dann nichts für ungut Nodhryn. Mich trifft da keine Schuld, wenn ihr euch bei jemand beschweren wollt, fragt mal eure Partnerin. Oder Filia?" entgegnete der Sergeant glucksend und hob dabei grüßend die Hand in Richtung der grünen Drachendame, die ihrem Ausdruck nach zu urteilen einen Heidenrespekt vor dem Titanen hatte. John hatte keine Ahnung, ob und was sie darauf antwortete, denn er hatte in weißer Voraussicht seine geistigen Barrieren errichtet, wie Angela es ihm beigebracht hatte. Er wollte es nicht zulassen, ein Triggerereignis zu bekommen, falls er ihre Stimme erneut vernahm. So hörte er also nur die Antwort seines Sohns, der amüsiert sagte: „Lassen wir das Thema am besten ruhen, bevor mich euer Gemahl noch auffrisst. Außerdem müssen wir nun erst einmal eure Heimat befreien."
„Das ist wahr. Pelendol, Hagrind, am besten ihr folgt uns in die Feste, wir müssen unverzüglich, Bloedhgarm-Elda und den anderen zu Hilfe eilen, die sich im Ratssaal verbarrikadiert haben. Freki, Muninn? Kann ich auf euch zählen, die beiden Drachen zu versorgen und das Plateau zu sichern? Rúmidos du bleibst am besten hier draußen bei ihnen, falls ein weiterer Angriff erfolgt." ergriff der Schattentöter daraufhin erneut das Wort, wobei er einen todernsten Ton anstimmte. Die drei Drachen schnaubten sofort zustimmend, wobei Nodhryn sich eiligst aufrappelte und auch die beiden anderen Reiter nickten ohne zu zögern. Freki hingegen schlug sich mit der rechten Faust gegen die Brust, als er selbstsicher erwiderte: „Selbstverständlich, Meister Drachenreiter! Überlasst das nur uns! Und kontaktiert Muninn, falls ihr unsere Hilfe im Inneren benötigt."
Eragon neigte respektvoll den Kopf und wandte sich dann zu John hin um, der in den letzten paar Minuten praktisch kein Wort von sich gegeben hatte und nur still alles verfolgte.
Zu groß war die Befürchtung, seine aggressive Seite freizulassen, da vor allem selbst sein väterlicher Teil nicht unbedingt gut auf Filia zu sprechen war. „Wir sollten keine Zeit mehr verlieren John. Folgt mir zum Tor und seid weiterhin achtsam. Wer weiß, was im Innern auf uns lauert." meinte der Großmeister ernst, worauf der Colonel mit einem Nicken antwortete, jedoch auch gleichzeitig nüchtern fragte: „Habt ihr keinen Kontakt mit irgendjemanden in der Festung?" Zu seinem Unmut schüttelte Eragon leicht den Kopf. „Ich stehe nur mit meinem alten Lehrmeister in Kontakt, aber er kann uns nur bedingt helfen. Und Bloedhgarm-Elda hat sich mit vielen der Elfengarde in der Ratskammer verschanzt, auf der bestimmte Schutzzauber liegen, die einen Kontakt verhindern. Ansonsten spüre ich zwar etliche Lebewesen in der Festung aber entweder sind sie zu sehr in Panik, als dass ich in ihren Geist eindringen kann, oder sie schützen sich dagegen." „Ich verstehe. Die oberste Priorität ist es also, die Ratskammer zu sichern?" „Exakt. Danach können wir unser weiteres Vorgehen besser planen, vor allem da wir dann unsere mächtigsten Verbündeten zurückgewonnen haben." „Einverstanden. Aber ich hätte eine Bitte an euch, Eragon." merkte der Titan zustimmend an und Eragon sah ihn fragend an.
„Natürlich, worum geht es?"
„Behaltet meinen Verstand im Auge. Noch habe ich sie zwar unter Kontrolle, aber meine aggressive Seite wütet und tobt im Innern, darauf bedacht sich an Filia zu rächen. Solltet ihr merken, dass sie die Kontrolle übernimmt und sich gegen Filia wendet, müsst ihr mich sofort mit Magie festhalten, sonst geschieht ein Unglück." erklärte John eindringlich mit gesenkter Stimme. Der Drachenreiter warf ihm daraufhin einen musternden Blick zu, ehe er nach einem kurzen Moment bestimmt nickte. „Das werde ich tun, danke für eure Warnung. Ihr solltet allerdings kurz eure Schutzmauer senken, damit ich überhaupt in euren Geist hineinkomme." „Natürlich." erwiderte Miller und konzentrierte sich darauf seine Barrieren einen Augenblick lang zu senken. Sofort spürte er die Präsenz des Schattentöters in seinem Kopf, woraufhin er wieder die Schutzmauer aufbaute. „Normalerweise würdet ihr mich nicht spüren, aber ich zeige mich euch absichtlich, damit ihr wisst, dass ich da bin." erläuterte ihm Eragon das Gefühl kurz, da er nun logischerweise wusste, was der Titan dachte, der im Anschluss bestimmt den Kopf neigte und wieder die Stimme anhob.
„In Ordnung. Steven, wie beiden bilden die Speerspitze, Micheal und Shenmi, ihr flankiert die Gruppe links und rechts, Julia du bildest die Nachhut und Aidan und fliegst über uns. Ihr Drachenreiter lauft in unserer Mitte und eure Drachen am besten noch hinter Julia." bellte er befehlsgewohnt und zu seiner Zufriedenheit befolgten sowohl die Reiter, als auch die Drachen seine Kommandos, auch wenn er aus dem Augenwinkel sehen konnte, wie ihm Filia einen grimmigen Blick zuwarf. Er verdrängte sie allerdings sofort wieder in den Hintergrund und positionierte sich selbst zusammen mit Steven vor der Gruppe, während er gleichzeitig die Railgun zurück in die Magnethalterung steckte und stattdessen die Maschinenkanone zog, die er sogleich durchlud.
„Und Abmarsch! Achtet auch auf den Himmel und vergesst nicht die unsichtbaren Ra'zac. Aidan, schalte auf Thermalsicht um, damit solltest du sie trotzdem noch erfassen können." sagte er trocken und die KI bemerkte analytisch: „Schalte um auf Thermalsicht." Damit setzte sich die Gruppe endlich im Laufschritt in Bewegung und hielt schnurstracks auf die große Treppe zu, die hinauf zum Tor der Feste führte. Dabei kamen sie auch an den beiden gefangenen Drachen vorbei, die mittlerweile von den Soldaten der Grauen Wölfe umringt waren und keinerlei Anstalten machten zu fliehen, was aufgrund der Drachenketten auch nicht weiter verwunderlich war. Über ihnen konnte er noch immer das laute Gebrüll von kämpfenden Drachen vernehmen, das immer wieder von lautem Rauschen oder Kreischen unterbrochen wurde.
Doch er fokussierte sich jetzt gerade auf das große Tor, welches langsam aber sicher näher kam, wobei er rasch den HAX-Suit auf interne Luftzirkulation umstellte, da seine Nase angefangen hatte durch den Gestank des Lehtrblakabluts auf Steven zu brennen. 'Das wird noch von Nachteil sein, wenn wir in der Feste auf feindliche Drachen stoßen. Sie werden uns schon weit vorher riechen.' dachte er und wandte sich dann erneut an Eragon: „Aus welcher Entfernung könnt ihr das Tor öffnen?" „Wenn ihr wollt schon von hier." antwortete der Drachenreiter sofort. „Gut, dann öffnet es kurz bevor wir die obersten Stufen erreichen. Damit erreichen wir den maximalen Effekt." erwiderte der Colonel knapp. Sie flogen die Treppen geradezu empor und waren gerade auf dem letzten Abschnitt vor dem Tor, als Aidan meldete: „Erfasse mehrere Biosignaturen im Inneren. Anzahl: 24. Davon zwei der Kategorie Drache. Ich rate zur Vorsicht, Sir." „Verstanden. Bereithalten zum Durchbruch, nutzt den Überraschungsmoment! Überlasst die Drachen vorerst Filia und Nodhryn und kümmert euch vorrangig um die Zweibeiner. Eragon, öffnet jetzt das Tor!" befahl er zackig und nur einen Augenblick später rief der Großmeister hinter ihm: „Ládrin!".
John und Steven setzten gerade den ersten Fuß auf die letzte Stufe, als er vor ihnen laut hörbar das ihm schon bekannte Knacken ertönte, woraufhin die mächtigen Türflügel aus beschlagenem Eichenholz begannen sich zu öffnen. Durch den entstehenden Spalt konnte er bereits in die große Einganghalls blicken, wo er ohne große Mühe eine Gruppe von fünf schwarzgekleideten Zweibeinern in der Mitte des Raums stehen sah, hinter denen zwei Drachen von Rúmidos' Größe direkt vor dem verborgenen Zugang zur Ratskammer saßen.
Einer war schwarz und der andere hatte sandbraune Schuppen.
Sie schienen sich gerade überrumpelt zum Tor umzudrehen, als Miller bereits: „Feuer frei!" bellte.
Ohne zu zögern eröffneten sofort er selbst, Coule, Shenmi und Micheal das Feuer aus ihren Maschinenkanonen und durchsiebten die Luft vor ihnen mit einer Barrage aus 30 Millimeter Kugeln. Da sie sich jedoch immer noch im vollen Sprint befanden, war ihre Genauigkeit stark eingeschränkt, weswegen etliche Geschosse wirkungslos an den vermummten Gestalten vorbeischossen. Sie hatten das nun offene Tor schon fast erreicht, als endlich zwei der Feinde getroffen zu Boden gingen, wohingegen der Rest mit unmenschlicher Schnelligkeit nach links und rechts auswichen. 'Elfen.' schoss es ihm spontan durch den Kopf, während er gleichzeitig brüllte: „Drachen vor!", denn die feindlichen Drachen waren bereits aufgesprungen und machten Anstalten, sich auf sie zu stürzen. Praktisch synchron sprangen Filia und Nodhryn mit lautem Gebrüll über ihre Köpfe hinweg in den riesigen Saal und verwickelten ihre Artgenossen sofort in ein großes Gerangel, wobei das grüne Drachenweibchen den sandbraunen und Nodhryn den schwarzen Drachen übernahm.
Mit diesem Problem aus dem Weg sah sich Miller blitzschnell im restlichen Raum um und sah dank seiner Drachenaugen sofort, wo sich die restlichen 20 Widersacher aufhielten. Neun von ihnen hatten sich rechts von ihnen positioniert, während die anderen elf links Stellung bezogen hatten. Allesamt zogen sie gerade ihre Schwerter, die im flammenlosen Licht der Laternen gefährlich funkelten. „Aufteilen! Steven, Shenmi, Hagrind, Julia, ihr übernehmt rechts! Micheal, Aidan, Eragon und Pelendol mit mir nach links!" brüllte er laut und bog ohne weiter zu zögern in die genannte Richtung ab. Steven neben ihm tat dasselbe und auch der Rest der Gruppe folgte seinen Anweisungen.
Nun stürmten er und Micheal vor den beiden Drachenreitern vorneweg auf die, ebenfalls auf sie zukommenden, vermummten Angreifer zu, die Maschinenkanonen im Vollbetrieb. Aber wie zuvor schon gegen den Magier auf dem Plateau schienen die Kugeln um die Personen herumzufliegen, zumindest bei einigen der Kerle. Bei dem Rest jedoch schienen die Geschosse auf eine unsichtbare Mauer zu prallen und anschließend wirkungslos zu Boden zu fallen. Sofort bemerkte John den unterschied. Während die Ablenker zwar kurz zuckten, als die auf sie gezielten Kugeln abgefälscht wurden, stockten diejenigen mit den massiven Mauern mit ihren gesamten Bewegungen, als sie die Geschosse aufhielten.
Die Mauern verschlangen weitaus mehr Energie!
Mit dieser Erkenntnis fokussierte er das Feuer in den verbleibenden paar Sekunden vor ihrem Aufeinandertreffen, auf ebenjene Gestalten mit massiven Schutzmauern um sich herum. Und die panzerbrechende Munition tat ihr übriges. Zwei der Angreifer brachen unter dem gezielten Beschuss binnen weniger Treffer zusammen, ehe weitere 30 Millimeterkugeln riesige Löcher in ihre Körper stanzten. Blut spritzte über den gesamten Boden vor ihnen, ehe die beiden Gruppen ineinander krachten. Zwei weitere der Kerle unterschätzten das Momentum von Miller und Forke komplett und wurden regelrecht unter der Wucht des Aufpralls zermalmt, als die beiden Titanen sie mit der Schulter voran tackelten. Blut und gebrochene Knochen schrammten über Johns Visier hinweg, während der Mann an seiner Schulter einen gurgelnden Todesschrei ausstieß. Ohne zu zögern warf er mit einer Bewegung seines rechten Arms den zertrümmerten Leichnam von sich und konnte gerade noch rechtzeitig seine Waffe anheben, um einen Schwerthieb zu blocken, der gegen seinen Hals geführt wurde.
Die Maschinenkanone hielt dem Stahl der Klinge stand, auch wenn der Aufprall einige Funken schlug und um einiges stärker war, als das, was ein Mensch vollbringen konnte. Gekonnt stieß der Titan das Schwert beiseite und rammte dem Elf in derselben Bewegung den ausgefahrenen linken Ellbogen gegen den Kopf. Die grüngefleckte Panzerplatte erreichte die Wange seines Kontrahenten jedoch nicht, sondern wurde wie zuvor die Kugeln von einer unsichtbaren Macht abgehalten. Stattdessen ließ der Elf seine Klinge herumwirbeln und zielte mit einem weiteren Schlag auf Johns Hüfte. Der Colonel schaltete schnell. Rasch ließ er seine Waffe fallen, die ihn in diesem Kampf durch ihre Sperrigkeit nur weiter behindert hätte und griff seinerseits nach der Führungshand seines Gegners. Dieser hatte scheinbar nicht damit gerechnet und schaffte es nicht mehr rechtzeitig den Arm wegzuziehen, sodass sich Millers gepanzerte Finger um die doch eher filigrane Hand des Elfen schlossen. Was danach kam, hatte er tausende Male trainiert. Zuerst zerquetschte er das Handgelenk einfach, sodass er spürte, wie die Knochen im inneren brachen. Im selben Zug zog er den nun vor Schmerzen schreienden Kerl an sich heran und packte ihn mit der linken Hand am Hals. Dabei bewegte er den Arm nicht zu schnell, damit die Schutzzauber gegen Schläge, die der Elf offensichtlich besaß, sich nicht aktivierten und sobald er den Hals zu fassen bekam, brach er seinem Widersacher in einer kräftigen Bewegung das Genick, was ein ekelerregenderes Knirschen und Knacken erzeugte. Sofort erschlaffte der gesamte Körper und der Colonel warf ihn mit voller Wucht gegen seinen Kameraden, der gerade auf ihn zusprang.
Jedoch nicht, bevor er ihm rasch das Schwert aus der gebrochenen Hand gerissen hatte.
Der Angreifer wich dem Leichnam gekonnt aus und setzte zu einem heftigen Stoß mit seiner Klinge an, den Miller bereit war beiseite zu fegen, als überraschend für sie beide ein blutroter Laserstrahl auf die Stirn des Elfen fiel und binnen einer Millisekunde den gesamten Kopf durchbrannte, ehe er wieder erlosch, sodass ein knapp fingerdickes Loch im Schädel des Mannes zurückblieb, welches merkwürdig rauchte. Der Elf kippte einfach tot um, wobei sein Gesicht immer noch den gleichen angestrengten Ausdruck trug, den er bei seinem Stoß gegen den Titanen aufgesetzt hatte. John blickte rasch über seine Schulter und sah dort Aidan, der sich nun einem weiteren Elfen widmete, der gerade dabei war Micheal sein Schwert in den Rücken zu rammen, während der Admiral bereits mit einem weiteren Angreifer rang.
Derartig abgelenkt schrie Miller vor Schmerzen auf, als sich etwas Scharfes tief in seine linke Flanke grub und dabei scheinbar jegliche Panzerung zu ignorieren schien. Er spürte, wie die Klinge über seine legierten Rippen schrammte und ließ seinen linken Arm instinktiv einen großen Schwinger vollführen, der seinen ungesehenen Widersacher zwang, das Schwert wieder herauszureißen, um einen Ausweichsprung zu machen.
Wut durchflutete seinen Verstand, als der pochende Schmerz in seiner Seite langsam abflaute, als die Naniten sich darum kümmerten. Es war nicht Wut über die Verletzung oder den Elf, der sie ihm zugefügt hatte und den er nun ins Visier, nein. Es war vielmehr Wut auf sich selbst, auf den absoluten Anfängerfehler, den er begangen hatte. Zusammen mit dem noch schwelenden Zorn auf Filia war es zu viel und Miller brüllte seine Wut heraus, als die aggressive Seite seine logische verdrängte.
Ohne nachzudenken hieb er mit dem entwendeten Schwert in seiner rechten Hand so kräftig er konnte auf seinen Gegner ein. Dieser dachte offenbar, dass er den Schlag blocken konnte und hielt mit seiner eigenen Waffe dagegen, aber er hatte den angespornten Titanen massiv unterschätzt. Wie eine Naturgewalt trafen die Waffen aufeinander und für einen kurzen Moment schien der Elf dagegen halten zu können, doch schon einen Wimpernschlag später gab sein Handgelenk unter der brachialen Gewalt von Johns Hieb nach.
Wie Butter durchdrang Millers Klinge den Unterarm seines Gegners der wie am Spieß aufschrie, als der blanke Stahl seine gesamte Hand abtrennte, die mit einem nassen Flatschen und einem begleitenden Klirren der Waffe auf dem Boden fiel. Doch John wartete nicht und setzte augenblicklich einen heftigen Tritt hinterher, der seinen Widersacher mittig zwischen die Beine traf. Er verspürte eine gewisse Genugtuung, als die Kronjuwelen des Mannes vor ihm, von seinem gepanzerten Stiefel zu Brei zermalmt wurden und er ihm im gleichen Zug das Becken brach. Vollkommen unter Schock fiel der Elf vor ihm zu Boden, wo der Colonel mit grimmiger Miene seinen rechten Stiefel erneut hob und in Begleitung eines ekelerregenden Knackens den Kopf unter seiner Sohle zerquetschte. Blut und Gehirnstücken schossen über den Boden und etliche Reste blieben an seinem Stiefel kleben, als er über den nun kopflosen Leichnam hinweg trat.
Sein Blick fiel sofort auf Micheal, in dessen Rücken er noch den Griff eines Schwerts erkennen konnte, dass der hinter ihm tot daliegende Angreifer bis zum Anschlag hineingestoßen hatte. Währenddessen rang er heftig mit einem weiteren Elfen vor ihm, der wohl klug genug war, aus der Reichweite der Hände des Titanen zu bleiben und nur immer wieder mit flinken Hieben und Stößen angriff, denen Forke große Mühe hatte auszuweichen. Zur gleichen Zeit hatte Eragon sich bereits eines anderen Angreifers entledigt und kreuzte nun mit einem weiteren die Klingen. Die beiden Waffen waren geradezu ein Sturm, so flink war der Schlagabtausch der beiden und der Schattentöter schien langsam die Oberhand zu gewinnen. Pelendol hingegen hatte alle Hände voll damit zu tun, sich gegen seine beiden Kontrahenten zu wehren. Dabei konnte er wohl von Glück sagen, dass er mit einem Schild kämpfte, welches ihm gerade das Leben rettete, indem er wohl eher instinktiv einen Schwerthieb gegen seinen Hals damit blockte. 'Schwächling.' knurrte John innerlich, wirbelte jedoch aufgeschreckt herum, als er hinter sich ein metallisches Scheppern vernahm.
Aber da war nichts hinter ihm.
Seine Augen verengten sich zu Schlitzen, doch konnte beim besten Willen nichts erkennen. Trotzdem spannte sich seine gesamte Muskulatur an, da er genau wusste, dass unsichtbare Ra'zac hier ihr Unwesen trieben. Daher überraschte es ihn auch nicht, als plötzlich etwas Metallisches hart gegen seinen Helm prallte und ihn kurz benommen machte. Er taumelte einen Schritt zurück, ehe er sich knurrend wieder fasste und seine Thermalsicht einschaltete, während aus dem Hintergrund ein besonders lautes Brüllen seine Ohren erfüllte. Jetzt sah er ihn. Zwar nicht wirklich seinen Körper, da die Magie scheinbar auch die Infrarotstrahlung seines Körpers zu schlucken schien, aber nicht die ihn umgebende Luft, die durch die abgegebene Wärme erhitzt wurde. So legte sich ein rötlichgelber Schatten um ein ungefähr mannsgroßes Stück Luft, welches sich auf ihn zu bewegte.
Angepisst von diesem hinterhältigen Trick ging John nicht einmal das Risiko ein, dass der Ra'zac einen Schwertstreich parierte, ließ daher die Klinge fallen und zog zackig seine Pistole aus dem Holster, die er schon zuvor im Albatross durchgeladen und entsichert hatte. Blitzschnell richtete er sie auf den scheinbar überraschten Unhold und feuerte in schneller Folge drei Schüsse ab, die allesamt ins Ziel trafen. Ein ersticktes Kreischen ertönte von vor ihm, woraufhin offensichtlich der Zauber erlosch, als plötzlich der komplette Körper des Ra'zacs vor seinen Augen auftauchte, welcher leblosen auf dem Boden zusammensackte. Mit einem grimmigen Knurren schaltete er die Thermalsicht wieder ab, sodass er nun seinen Kontrahenten in Farbe vor sich sah und wie ein kleiner Fluss aus blaugrünem Blut begann sich mit dem roten Elfenblut zu vermischen.
Anschließend drehte er sich um, nur um zu sehen, wie Aidan einen von Pelendols Gegnern mit einem weiteren gezielten Laserimpuls in den Hinterkopf traf und dieser daraufhin wie ein nasser Sack zur Seite wegkippte. Dann ertönten in kurzen Abständen drei laute Schüsse, die im gesamten Raum widerhallten und sogar noch das Drachengebrüll übertönten. Keinen Moment später explodierten die Köpfe der drei verbliebenen Elfen wie überreife Tomaten und bespritzten Eragon Mike und Pelendol mit Blut und Gehirnstückchen. Mit einem hämischen Grinsen sah Miller, wie der elfische Reiter etwas davon in den offenen Mund abbekam und auf der Stelle anfing zu würgen, ehe der Titan den Blick hinüber auf die Schützin wandte. Dort, auf der anderen Seite der Eingangshalle kniete Julia auf dem linken Bein und nutzte das rechte Knie dagegen als Stütze für ihr Gau-30, dessen panzerbrechende Wolfram-Eisen-Geschosse offensichtlich zu viel für die Schutzzauber der Angreifer gewesen waren.
Stearn, Steven, Shenmi und der Zwerg Hagrind, der der blutenden Nase nach, wohl einen Stoß gegen den Kopf davongetragen hatte eilten so schnell sie konnten, zu ihnen hinüber, während sich Johns Aufmerksamkeit nun auf Filia richtete, die nach wie vor mit ihrem sandbraunen Artgenossen rang und bereits einige Biss- und Kratzspuren am Körper trug.
Filia.
Die Drachendame, die versucht hatte, seine kleine Feyth zu ermorden.
Die sie bei lebendigem Leib verschlungen hatte.
Endlich würde er seine Rache bekommen!
Ohne weiter zu zögern richtete er die Pistole auf das grüne Drachenweibchen, doch ehe er abdrücken konnte ertönte eine befehlende Stimme in seinem Kopf: *Beruhigt euch, John! Lasst die Sucht auf Rache nicht euren Verstand verzehren! Ihr seid stärker als das Verlangen!*
Stärker als was für ein Verlangen? Filias Tod war kein Verlangen, es war die Lösung! Nie wieder würde sie der kleinen Feyth nachstellen können! Nie wieder bräuchte das Drachenmädchen Angst haben!
*Ja, denkt an Feyth! Würde sie es wollen? Will sie, dass ihr ihre Mutter tötet? Hat sie euch darum gebeten?*
Natürlich hatte sie –
Seine Gedanken kamen ins Stocken, als er darüber nachdachte, was Feyth im Bezug auf ihre Mutter gesagt hatte.
Filias Tod war das genau Gegenteil, von dem, was sie wollte.
Aber sie würde sie nie wieder angreifen können!
Und Feyth würde dich für immer hassen! Sie würde dich noch mehr hassen, als alles andere! Sie liebt ihre Mutter, trotz dem, was sie getan hat!
Stillschweigend ließ er langsam die Waffe wieder sinken und nahm gleichzeitig den Finger vom Abzug.
Würde er Filia töten, würde er Feyth für immer verlieren. Und was immer er auch tat, er würde nie wieder eine Tochter verlieren.
Sofort nach dieser Selbsterkenntnis wurde sein Gesicht wieder zu einer steinharten, kalten und ausdruckslosen Mauer und der Titan schenkte Eragon ein ernstes Nicken. „Danke." bemerkte er trocken, woraufhin ihm Eragon ein zufriedenes Lächeln schenkte, ehe er sich dem Drachenkampf vor ihnen widmete. Keinen Augenblick später kamen die anderen neben ihnen zum Stehen, wobei Julias Blick sofort auf Micheal fiel, der mühsam versuchte das Schwert zu fassen bekommen, welches nach wie vor in seinem Rücken steckte. Schnell trat sie vor und erlöste ihren Bruder von der Waffe, während Steven kopfschüttelnd meinte: „Das Thema hatte wir doch schon. Du sollst dich nicht als Schaschlikspieß verkleiden." Glücklicherweise ignorierte Forke die Sticheleien des Sergeants, wohingegen Shenmi ihrem Verlobten einen harten Schlag auf den Hinterkopf verpasste.
Inzwischen war der Großmeister ein paar Schritte nach vorn getreten und hatte die rechte Hand erhoben. „Slytha!" rief er laut und wie aus dem nichts, ließen sich der schwarze und der sandbraune Drache einfach auf den Bauch fallen, schlossen die Augen und eine gleichmäßige Atmung setzte ein. Das versetzte selbst Miller ins Staunen. Der Drachenreiter hatte gerade zwei erwachsene Drachen binnen eines Wimpernschlags auf die Bretter geschickt. Zwar erklärte sich die Leichtigkeit etwas, als Eragon nachdenklich meinte: „Sie haben ihnen nicht einmal einfachste Schutzzauber gegeben. Scheinbar hatten sie nur mit wenig Widerstand gerechnet.", doch es blieb immer noch bei der Tatsache, dass er gerade, quasi mit einem Fingerschnippen, zwei Drachen niedergerungen hatte.
Pelendol hingegen schien noch damit zu hadern, dass es Elfen gewesen waren, die die Drachenreiterfeste gestürmt hatten. „Ich kann es nicht glauben, dass Angehörige meines Volkes zu so etwas fähig sind." konnte der Colonel ihn missmutig murmeln hören. „Macht euch nichts draus. Wenn ich jedes Mal so denken würde, wenn wir Menschen wieder was verbocken, oh Junge, ich glaube dann hätte ich jetzt schon eine Glatze." kommentierte Coule seine Gedanken laut, wohingegen Julia etwas beistehender sagte: „Niemand ist perfekt, Pelendol. Überall gibt es schwarze Schafe." Sie alle wurden jedoch von Aidan unterbrochen, der bereits hinüber zum versteckten Durchgang geflogen war und nun in einer merkwürdig melancholischen Stimme meinte:
„Sir, ich habe etwas entdeckt, das sie sich näher ansehen sollten. Zwei Leichname, direkt auf den ersten Stufen der Treppe in Richtung der Ratskammer. Es tut mir leid."
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[Eragon Fan-Fiction] Der Titan und die Drachenreiter
FanfictionDer Soldat John Miller findet sich nach einem schrecklichem Unfall an den Ufern eines ihm unbekannten Landes wieder. Schon sehr bald wird ihm bewusst, dass er sich nicht mehr in seiner eigenen Welt befindet. So also macht er sich auf den Weg, die Dr...
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