Eine kleine Wette

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Die Nacht verging ungewöhnlich schnell für John, der es inzwischen gewohnt war jede Nacht stundenlang mit offenen Augen da zu sitzen und über verschiedenste Ereignisse nachzudenken. Doch diesmal war so viel in den letzen Tagen und Wochen geschehen, dass seine Gedanken nur so dahin rasten.

Immer wieder huschte dabei sein Blick auf das verweinte Gesicht Alanna's. Er wusste, dass Elfen nicht wirklich schliefen und im Prinzip alles um sie herum mitbekamen, während sie in ihren Wachträumen verweilten. Daher vermied der Titan es auch, Selbstgespräche zu führen, für die er ein gewisses Faible über die Jahre hinweg entwickelt hatte. Nichtsdestotrotz musste er unweigerlich über die grausame Vergangenheit der Elfe nachdenken.

Er hatte hunderte Vergewaltigungen mit erlebt, oder zumindest die Täter mitten im Akt erwischt und er wusste nur zu gut, was für seelische Narben solch ein abscheuliches Verbrechen im Geist der Opfer hinterlassen konnte und besser wurde es auch nicht, wenn er daran dachte, dass es keine Menschen gewesen waren, die sie vergewaltigt hatten, sondern Kull, die ihm in Sachen Körpergröße in fast nichts nachstanden. 'Es ist wirklich kein Wunder, dass sie dermaßen panisch vom Anblick der Kull wurde damals. Und ich mache dann auch noch so einen unangebrachten Kommentar gegenüber Berdon, der das ganze wohl direkt miterlebt hat.' dachte der Colonel beschämt über sich selbst und schüttelte leicht den Kopf.

Dann schwenkten seine Gedanken jedoch etwas vom direkten Verbrechen ab. 'Nach ihrer Rettung ist sie zum Orden zurückgekehrt, ja ich erinnere mich, dass Keno meinte, dass sie ihn und die anderen Schüler sogar unterrichtet hat. Aber was hat sie dann dazu bewegt fortzugehen, wenn ihr so viel an diesem Ort liegt? Der Junge meinte etwas von einem Streit, aber worüber sollte sie dermaßen mit Eragon gestritten haben, um ihre Heimat zu verlassen und praktisch ihre eigene Familie zu hintergehen indem sie sich der Schwarzen Rose anschloss?' überlegte er unschlüssig. Alles was ihm auf Anhieb einfiel ergab keinen Sinn in seinen Augen. Ein Streit darüber, dass sie nicht gerettet wurde? Nein, das sähe ihr überhaupt nicht ähnlich. Eine Unstimmigkeit über den Unterricht? Dafür verließ man nicht seine Heimat und seinen Meister. Aber was sollte es dann sein? Er wollte sie jetzt nicht ansprechen und auch Nirlath hatte sich ihre Ruhe wohlverdient, weshalb ihm nur sein eigener Verstand blieb, um nach einer vernünftigen Antwort zu suchen.

So zermarterte er sich einige Zeit das Hirn mit dieser Frage, bis ihm schließlich die Erkenntnis, in Form eines unscheinbaren kleinen Nebensatzes den Angela gesagt hatte, traf. Damals beim Fest der länger werdenden Nächste, als er zu Gast beim Wartok-Stamm gewesen war. 'Khartog sprach in seiner Rede von dem zweiten Urgal-Drachenreiter! Das muss es sein. Sie konnte es einfach nicht ertragen jeden Tag dieses Verbrechen in Gedanken erneut zu erleben. Jedes Mal, wenn sie einen der beiden sah. Vermutlich hat das zu ihrem Streit mit Eragon geführt, weshalb sie schließlich den Orden verlassen hat. Es ist zumindest das einzige, dass Sinn ergeben würde.' dachte John mit ernster Miene und blickte kurz hinüber zu Steven, als dieser sich im Schlaf äußerst geräuschvoll umdrehte. Aber das musste es wohl sein, jedenfalls konnte er es sich gut vorstellen, wie sie es nicht ertragen konnte, ständig an ihre Peiniger erinnert zu werden. Er nickte innerlich bestimmt, zufrieden mit seiner Schlussfolgerung, auch wenn er es selbst noch nicht als garantiert einstufte. Doch zumindest bot es ihm einen zufriedenstellenden Schlusspunkt zu dieser Frage, wodurch er seinen Verstand frei für weitere Dinge bekam.

Er behielt jedoch im Hinterkopf Alanna irgendwann danach zu fragen, Zeit genug würde er dafür auf jeden Fall haben, wenn sie für die nächsten Wochen oder Monate ohnehin auf ihrem Schiff verweilte.

Unweigerlich drifteten seine Gedanken hinüber zu seinen anderen Kindern und insbesondere Micheal und seiner Frau Amanda, die ihr erstes Kind erwarteten. Ein kleines Mädchen, wenn er sich recht entsann. Ein breites Lächeln verdrängte seine ernste Miene. Er war so stolz auf seinen Sohn und konnte es gar nicht erwarten sich selbst Opa schimpfen zu können. Aber natürlich freute er sich auch endlich wieder alle seine anderen Kinder wiederzusehen, nach all den Jahren, in denen er durch die beschneidenden Bestimmungen des Oberkommandos kaum Kontakt zu ihnen gehabt hatte. Und natürlich nicht zu vergessen seinen alten Freund Karl, der dieses Treffen überhaupt ermöglicht hatte.

So in Gedanken verschlungen rannen die Stunden langsam dahin, immer in Begleitung mit dem ständigen trommelnden Tropfen des starken Regens auf die Hülle des Albatross' . Doch irgendwann in den frühen Morgenstunden verebbte der Regenschauer schließlich und ließ den Titanen mit dem leisen Summen von Aidan's Maschinerie allein.

Schließlich wurde Miller aus seinen Gedanken gerissen, als Steven ausgiebig zu gähnen begann und sich genüsslich streckte, ehe er leise stöhnend seinen Oberkörper aufrichtete und sich testend ans Kinn fasste. „Oh holy – da hat er aber echt ordentlich zugelangt. Warte. Der hat mir echt en paar Zähne ausgeschlagen! Fucking hell – das wird Wochen dauern bis die nachgewachsen sind!" fluchte der Sergeant leise, während er mit der rechten Hand zuerst seinen Mund untersuchte und dann seufzend über die Stirn fuhr. „Hab ich wohl echt verdient, für den Mist den ich verbockt habe. Oh Dad! Hab dich gar nicht gesehen! Äh – was ist denn mit ihr passiert?" fuhr er danach flüsternd fort und blickte zunächst überrascht seinen Vater an, bevor sein Blick zu Alanna hinüber huschte, wobei er offensichtlich ihr verweintes Gesicht bemerkte.

Symbolisch hielt John seinen rechten Zeigefinger vor den Mund, ehe er wispernd antwortete: „Sie hat sich während unseres Gesprächs an etwas erinnert, das sie eigentlich vergessen wollte. Und bitte Steven, frag nicht an was." Dabei sah er seinem Sohn ernst in die Augen, der daraufhin stumm nickte und sich schwerfällig aufrappelte, wobei Aidan etwas beiseite schweben musste, um nicht mit Coules Kopf zusammenzustoßen. Anschließend streckte er sich ausgiebig und machte einige kleinere Dehnübungen ehe er erwiderte: „Geht klar, Dad. So, wie war das noch gleich? Wir wollten direkt heute Morgen aufbrechen oder? Dann geh ich am besten Mal den Juggernaut für den Transport fertigmachen. Aber bevor ich das mache – wo zur Hölle haben die meinen Anzug hingeworfen? Ah – da ist er ja!" Der Sergeant eilte hinüber zu seinem persönlichen Sitzplatz, auf dem der schwarze Unteranzug lag und beeilte sich ihn wieder anzuziehen. Allerdings hinderten ihn seine enormen Muskelberge daran erheblich, weshalb er knapp zehn Minuten benötigte, bis er endlich den enganliegenden schwarzen Anzug übergestreift hatte. „Es sagt schon einiges, wenn ich mich mit dem Ding hier wohler fühle, als mit der nackten Haut." scherzte er laut glucksend, hob sich aber direkt die Hand vor den Mund, als er einen missmutigen Blick von John zugeworfen bekam.

Entschuldigend hob er die Arme und flüsterte: „Sorry!", ehe er nach hinten zur Laderampe trat, einen Knopf betätigte und diese sich daraufhin unter lautem Quietschen öffnete. Von draußen kam stark gedämpftes Sonnenlicht ins Innere geströmt, so als ob der Himmel noch immer von einer dicken Wolkendecke verdeckt wäre. „Oh, hat wohl gut geregnet heute Nacht, oder? Zum Glück ist das Kiesboden, ansonsten müsste ich wohl durch puren Matsch marschieren." murmelte Steven mehr zu sich, als sonst irgendwem und trat dann ins Freie, woraufhin nach wenigen Momenten ein lautes Platschen und ein „Oh fuck off!" zu hören waren.

Miller musste unweigerlich schmunzeln und stand dann ebenfalls von seinem Platz neben Alanna auf, wobei er darauf achtete, die Elfe nicht aufzuschrecken. Leisen Schrittes trat er ebenfalls ins Freie, dicht gefolgt von Aidan, der sein Licht wieder auf ein normales Level anhob, aber immer noch stumm seiner Watcher-Direktive folgte.

Draußen angekommen blickte der Colonel sich aufmerksam um. Tatsächlich war der morgendliche Himmel immer noch von einer dicken, grauen Wolkendecke bedeckt, durch die nur wenig Sonnenlicht durchdringen konnte. Überall auf dem Platz vor ihm gab es größere und kleinere Pfützen, die sich in den Kuhlen des Kiesbetts gebildet hatten, da das Wasser nur Schlecht durch das darunterliegende Felsgestein abfließen konnte.

Dun'var lag immer noch genauso da wie er es in Erinnerung hatte, mit ausgebreitetem Flügel, um Tinira und Alex zu schützen. Coule hatte sich inzwischen bereits an dem großen Drachen vorbeigestohlen und war gerade dabei den Juggernaut zu reaktivieren, um in ihn hineinschlüpfen und bewegen zu können. „Aidan, wie viel Uhr haben wir gerade?" fragte Miller dann ruhig, woraufhin die KI nüchtern antwortete: „Laut meiner internen Uhr haben wir gerade 5:13 am Morgen, Sir." „Danke." erwiderte der Titan zufrieden nickend und wurde dann plötzlich von einem heftigen Stoß gegen seinen Rücken überrascht.

Doch seine Überraschung verwandelte sich schnell in Freude, als sein Angreifer sich behutsam an seiner Schulter hochzog, um sich um seinen Hals zu legen, bevor sie ihm liebevoll über die Wange schleckte und ihre Schnauze an sein Kinn rieb. *Guten Morgen John!* frohlockte Feyth fröhlich fiepend. John schmunzelte liebevoll und streichelte dem kleinen Drachenmädchen sanft über den Hals. „Dir auch einen guten Morgen, meine Kleine." bemerkte er amüsierte und drehte sich dann um, als er weitere schwere, metallische Schritte über die Laderampe kommen hörte. „So nett wurde ich glaube ich noch nie geweckt, von einem kleinen Drachen komplett sauber geschleckt werden. Na immerhin muss ich mich jetzt nicht mehr duschen." meine Julia lachend, als sie neben ihren Vater trat und kraulte dem grünen Drachenmädchen kurz über den Kopf, was jene mit einem entschuldigenden Fiepen beantwortete.

„Schon gut schon gut, ich kann solchen großen Knopfaugen einfach nicht böse sein." gluckste die Scharfschützin daraufhin und erntete dafür ein fröhliches Schnurren. „Sie ist wirklich ein herzensliebes kleines Mädchen." entgegnete Emily freundlich währenddessen und klickte mehrmals laut mit ihren Mandibeln, was sie häufig tat, wenn sie etwas freute, oder aber störte, was hier wohl aber eindeutig positiv gemeint war. „Das stimmt wohl. Und sieh es von der positiven Seite Julia, Steven hätte uns auch mal wieder mit einem Eimer Wasser ins Gesicht wecken können." merkte Robert lachend an und John stimmte amüsiert mit ein, während Stearn leicht die Nase rümpfte. „Hmpf. Dem hät ich dann meinen Stiefel bis zum Anschlag in den Arsch getreten, glaub mir das, Robert. Wenigstens macht er sich jetzt mal nützlich anstatt Unsinn zu treiben." meinte die Scharfschützin grummelnd und sah hinüber zu ihrem Bruder, der gerade in den überschweren Assault-Atlas stieg. „Das stimmt. Anscheinend hat ihm die kleine Abreibung von Alex gestern dann doch mal gereicht. Oder Dad hat ihn von Schlimmeren abgehalten." entgegnete Holsted grinsend und schmunzelte, als John leicht den Kopf schüttelte.

„Nein, er ist wohl wieder auf ein vernünftiges Maß zurückgefallen. Hoffen wir nur, dass es länger anhält, als ich es in Erinnerung habe." brummte der Colonel, woraufhin ihm Robert aufmunternd auf den Rücken klopfte und erwiderte: „Keine Sorge. Zumindest den Flug über wird er wohl nichts anstellen können, da er im Juggernaut steckt. Aber wo wir gerade beim Thema sind, ich werde mal kurz eine Runde um den Albatross drehen, um alles abzuchecken für den Start. Dass du mir gut auf Emily aufpasst, ja? Lass sie ja nicht aus den Augen." Dabei tätschelte er Feyth lächelnd den Kopf und das Drachenmädchen fiepte bestimmt, bevor sie ihm kurz die Hand schleckte. *Das werde ich!* meinte sie pflichtbewusst und schlüpfte von Millers Schulter hinüber in Emilys Arme, die das kleine Drachenmädchen sanft auffing. „Ich bin mir sicher, dass sie das sehr gewissenhaft tun wird." sagte die Ärztin liebevoll und drückte Feyth einen Kuss auf die Stirn, während ihr Mann verhalten lachte und sich auf machte, den Flieger abflugbereit zu machen. Miller hingegen blickte schmunzelnd hinüber zu Emily und Feyth, wo der kleine Drache inzwischen auf ihre Schulter geklettert war und den Kopf hoch erhoben hielt, als würde sie Wache halten.

Es war ein absolut süßer Anblick, vor allem, als sie ihren Kopf in seine Richtung wandte und ihm das drachige Äquivalent eines Lächelns schenkte, gefolgt von einem aufgeregten Fiepen. *Jetzt bin ich wieder größer als du John! Von hier oben bist du so klein.* zog sie ihn spaßend auf, woraufhin er breit grinste. „Du!" schallt Emily sie lachend und nahm sie wieder herunter in ihr zweites Paar Arme, während sie sie gleichzeitig mit dem ersten Paar Hände sanft zu kitzeln began, woraufhin sich Feyth keckernd zu winden begann.

Es bereitete dem alten Soldaten ungemeine Freude, das kleine Drachenmädchen so glücklich zu sehen. Allerdings fragte er sich insgeheim, ob sie Alanna im Innern des Albatross übersehen hatte, denn so wie er sie kannte, hätte sie der Elfe sofort helfen wollen, sobald sie das verweinte Gesicht bemerkte.

Seine Antwort bekam er jedoch prompt, als weitere Schritte auf der Laderampe zuhören waren, die nur zu Alanna gehören konnten. Als er sich jedoch umdrehte, stutzte er überrascht. Die Elfe kam mit einem sanften Lächeln zu ihnen herüber gelaufen, das Haar wie gekämmt und keinerlei Spuren deuteten daraufhin, dass sie heute Nacht einen kleinen mentalen Zusammenbruch hatte. Sie sah eher wie frisch geduscht aus, was ziemlich unmöglich war, es sei denn Mark hätte einige gravierende Änderungen am Albatross vorgenommen.
Es konnte also nur Magie am Werk sein.

„Ah, guten Morgen, Alanna." meinte Smith freundlich und auch Julia murmelte höflich: „Guten Morgen." , worauf die Elfe respektvoll antwortete: „Auch euch einen guten Morgen, Emily und Julia. Genauso wie ich dir einen guten Morgen wünsche, John-Vodhr und natürlich dir Feyth." Das Drachenmädchen zirpte fröhlich und Miller entgegnete nickend: „Das kann ich nur erwidern. Ich hoffe du hast dich von letzter Nacht gut erholt?" Alanna nickte ebenfalls und deutete eine leichte Verbeugung an, während Stearn skeptisch eine Augenbraue emporzog. „Ja, vielen Dank für deinen Beistand. Es sah vielleicht nicht so für dich aus, aber es hat mir wirklich viel geholfen." erwiderte die Elfe dankbar.

„Irgendetwas passiert, das wir vielleicht wissen sollten?" fragte Julia dann knapp dazwischen und John hob beruhigend die Hand. „Es ist alles in Ordnung Julia. Alanna und ich haben uns lediglich über ihre Vergangenheit unterhalten. Und ehe ich es vergesse: Sie gehört ab heute offiziell zu unserer Einheit, zumindest für die nähere Zukunft, und wird uns im Kampf gegen die Schwarze Rose helfen." erklärte er bestimmt und sorgte damit dafür, dass Alanna's Wangen zartrosa anliefen. Emily nickte zustimmend und meinte: „Das ist schön zu hören. Es ist sicherlich hilfreich, jemanden bei uns zu haben, der das Innere dieser Terrororganisation kennt.", während Stearn akzeptierend mit den Schultern zuckte. „Aha. Naja, warum nicht, wir brauchen ohnehin Magier an Bord. Willkommen im Team." Die Elfe deutete erneut eine Verbeugung an und sagte gleichzeitig: „Vielen Dank. Ich werde euch nicht enttäuschen, dass verspreche ich."

Dann jedoch wurden sie alle von Emily unterbrochen, die zackig ihren Blick in Richtung Dun'var drehte und drohend mit den Mandibeln klickte. „Dad, die Abreibung von gestern hat offensichtlich nicht viel geholfen! Er ist schon wieder dabei." zischte sie dabei energisch und deutete an ihnen vorbei und Millers Blick folgte ihrem ausgestreckten Arm. Seine Augen verengten sich vor Anspannung, als er bemerkte, was seine Tochter gemeint hatte. Steven stand im Juggernaut direkt vor Dun'vars Seite und hatte die gewaltige Hand des Mechs ausgestreckt, um den mitternachtsblauen Drachen an der Schulter zu berühren.

„Steven!" bellte der Colonel Einhalt gebietend, woraufhin dieser mitten in der Bewegung stoppte und den stark gepanzerten Torso des Juggernauts zu ihnen drehte. „Was? Ich wollte ihn lediglich aufwecken, immerhin wollen wir baldig aufbrechen! Das ist doch nicht verboten, oder?" entgegnete er mit einer leicht mechanisch verzerrten Stimme und wich dann hastig zurück, als Schattenklaue vor ihm langsam sein gigantisches Haupt erhob und ausgiebig gähnte, wodurch er automatisch seine messerscharfen Reißzähne entblößte.

Anschließend sah er Steven im Juggernaut mit schräg gelegten Kopf an und meinte verschlafen: *Was soll denn dieser Radau so früh am Morgen?* „Verzeihung Dun'var, es war nicht meine Absicht euch zu wecken." entschuldigte sich John eiligst, während er gemeinsam mit den anderen zu Coule und dem Drachen gelaufen kam. „Das stimmt, das war meine Absicht, aber so geht's auch. Morgen Schattenklaue." gluckste der Sergeant amüsiert und öffnete die Einstiegsluke des Anzugs ein Stück weit, sodass Dun'var sein grinsendes Gesicht sehen konnte. Der Drache schnaubte amüsiert und zog dann seinen Flügel wieder an den Körper, ehe er sich gemächlich aufrappelte. *Donenrfaust, ich hätte es mir ja denken können.* brummte er in einem augenrollenden Ton und blies dem Titanen eine dicke Rauchwolke aus seinen Nüstern entgegen, ehe er sich kräftig schüttelte, um die letzten Regentropfen von seinem Schuppenkleid zu werfen und dann den Kopf hinunter zu seiner Tochter und Alex senkte.

Das gelbe Drachenmädchen hatte ihren Schwanz eng um die Hüfte des goldbraungepanzerten Titans geschlungen, während ihr Haupt mit geschlossenen Augen in seinem Schoß ruhte. Nurton selbst hatte den Rücken an ihre Flanke gelehnt und die rechte Hand sanft auf ihrer Stirn platziert, wo er sie behutsam kraulte. Begleitet wurde die Szene von einem genießerischen Schnurren Seitens Tinira's. Alex' Blick schnellte hinauf zu Steven und knurrte drohend: „Ein Wort und ich zerre deinen Arsch aus dem Mech." „Woah, woah, schon gut, schon gut ich hatte nichts dergleichen vor, Großer." erwiderte Coule hastig, wobei er die Arme des Juggernauts unschuldig gen Himmel hob. „Ich wollte mich nur für meine Dummheit letzte Nacht entschuldigen. Tut mir wirklich leid." fügte er dann kleinlaut hinzu, als Nurton sich vorsichtig aus der liebevollen Umklammerung befreite und aufstand. „Sieht dir gar nicht üblich, sich zu entschuldigen, von dem her – danke, schätze ich. Ah und vielen Dank für den Regenschutz Dun'var, auch wenn ihn Tinira wohl nötiger hatte, als ich." entgegnete er skeptisch und wandte sich im zweiten Teil an Dun'var, der zufrieden schnaubte. *Nicht der Rede wert, Goldschuppe.*

Alex nickte dennoch respektvoll und trat dann hinüber zu Emily, um Feyth begrüßend über den Kopf zu streicheln, was diese mit einem fröhlichen Gurren beantwortete. John musste unwillkürlich schmunzeln. Sein Sohn war deutlich entspannter, als er es gestern gewesen war, was auch für den Colonel selbst sehr entspannend wirkte. Alex war durch seine Phase 1 Mutation schon immer eine tickende Zeitbombe gewesen, wenn es um emotionale Ausbrüche ging und ihn nun so ruhig zu sehen, nach den Ereignissen des gestrigen Abends, war eine große Erleichterung für Miller. „Es ist gut zu sehen, dass es euch nun wieder besser geht, Alanna. Ich freue mich schon auf unsere zukünftige Zusammenarbeit." meinte der goldbraungepanzerte Titan dann höflich an Alanna gewandt, die etwas verlegen nickte und dankbar erwiderte: „Vielen Dank Alex."

Johns Schmunzeln verwandelte sich in ein gutmütiges Lächeln und er legte seinem Sohn kurz väterlich die Hand auf die Schulter, ehe er hinüber zu Tinira sah, die nun verschlafen gähnte und gemächlich die Augen öffnete. Sie erstarrte kurz erschrocken, als sie bemerkte, dass Nurton nicht mehr an ihrer Flanke saß, beruhigte sich aber wieder sofort, sobald sie ihn bei Miller und den anderen stehen sah. Ihre Augen wurden jedoch groß, als sie Steven im Juggernaut an sich vorbeistapfen sah und John konnte beobachten, wie sie angespannt aufsprang und schnell einige Meter in Richtung ihrem Vater zurückwich.

Er konnte ihr unmöglich einen Vorwurf dafür machen, schließlich überragte sie der Assault-Mech um einige Meter und war deutlich massiver, als das eher zierliche Drachenmädchen. Zum Glück schien Coule dies jedoch nicht zu registrieren, sondern stapfte kommentarlos weiter in Richtung Albatross, um wohl mit Robert den weiteren Ablauf zu besprechen. Der Colonel horchte jedoch auf, als Dun'var gemeinsam mit seiner Tochter zu ihnen herüberkam und dem Sergeant einen musternden Blick hinterherwarf. *Ich dachte mir schon, dass dieses Metallungetüm zu euch gehören musste, Rotauge. Es sieht stark aus.* brummte der mitternachtsblaue Drache fasziniert, woraufhin John zustimmend nickte. „Das ist er auch. Ich habe damals die Baupläne gesehen und glaubt mir, wenn ich sage: Denkt nicht einmal daran gegen ihn zu kämpfen." erklärte er mit einem ernsten Unterton, wohlwissen, was im Kopf des kampfeslustigen Drachens vor sich ging.

Schattenklaue schnaubte laut, aber gab dann etwas zurückhaltend zu: *Ich denke, dass ihr damit wohl recht habt.* Dann jedoch schwenkte er sein Haupt hinüber auf Julia, die ihrerseits fragend eine Augenbraue anhob. Miller konnte eindeutig sehen, dass er sie oder besser gesagt ihren Anzug neugierig musterte. Bestätigt wurde seine Vermutung jedoch, als Dun'var interessiert fragte: *Eure Rüstung ist anders als die eurer Kameraden Adlerauge. Sie wirkt eleganter, als die von Goldschuppe. Was hat es damit auf sich?* Stearn grinste breit und setzte sich zur Verwunderung der beiden Drachen ihren Helm auf den Kopf setzte und erst danach amüsiert antwortete: „Seht genau hin."

Vom einen Moment auf den anderen verschwand sie einfach komplett von der Bildfläche, als hätte sich ihr Körper in dünne Luft aufgelöst, woraufhin Schattenklaue und Tinira überraschte Laute ausstießen.

„Ich liebe diesen kleinen Trick." konnte Miller die Scharfschützin lachen hören, während Dun'var laut schnaubte und mit seinem Kopf näher an die Gruppe heranrückte. *Unglaublich!* brummte er beeindruckt, doch der Colonel bemerkte, dass er keine Probleme damit hatte Julia weiterhin im Blick zu behalten, die nun ihre Arme vor der Brust verschränkte. Selbst ein ungeschultes Auge konnte sie auf so eine kurze Entfernung trotz ihrer Tarnung ausmachen, da die Tarnung des Atlas Mark II eher auf Distanz ausgelegt war, anstatt auf den Nahbereich. Die Titanin wirkte wie ein übergroßer, menschenförmiger Spiegel, der genau das was hinter ihm lag auf seiner Oberfläche replizierte. „Es ist nicht perfekt, auf so kurze Distanzen könnte mich selbst noch ein Blinder mit Krückstock erkennen, aber versucht das ganze mal auf eine Entfernung von ein paar hundert Metern, oder was nutzt ihr hier gleich noch als Maßeinheit? Ah ja Fuß – ein paar hundert Fuß zwischen uns und ihr könntet mich nicht mehr erkennen, selbst wenn ich auf dem offenen Feld stehen würde. Außer ihr achtet natürlich auf meinen Schatten." erklärte Stearn ihren Anzug im groben und enttarnte sich wieder, wobei sie gleichzeitig ihren Helm wieder absetzte.

*Das ist wirklich überaus beeindrucken Adlerauge, allerdings habe ich so etwas ähnliches schon einmal gesehen. Es gibt einen Zauber, der den Nutzer ebenfalls vor den Augen verbirgt und das sogar noch weitaus besser.* erwiderte der Drache respektvoll, woraufhin Julia leicht stutzen musste. „Tatsächlich?" fragte sie verwundert und Alanna sprang ihrem Freund zu Hilfe, indem sie entgegnete: „Oh ja, Julia. Es gibt so einen Zauber, aber ich will eure Rüstung nicht schlecht reden. Magie ist eben immer noch Magie." „Wirklich? Dann zeigt ihn mir dann doch mal bitte." verlangte die Pilotin daraufhin skeptisch.

Somit verbrachten sie die nächste halbe Stunde damit, dass die Elfe ihnen erklärte, um was für einen Zauber es sich handelte und wie er überhaupt funktionierte, worüber John wirklich staunen musste. Die Magie sorgte anscheinend dafür, dass sich das Licht um den Körper herum bewegte und somit nicht reflektiert wurde. Ein extrem raffiniertes Konzept, da die Person, oder Gegenstand damit tatsächlich vollkommen unsichtbar wurde, da man nur Dinge wahrnehmen konnte, von denen Licht reflektiert wurde. Schließlich demonstrierte Alanna den Zauber auch noch in der Praxis und verschwand vor aller Augen, ohne dass sie auch nur eine Chance gehabt hätten sie zu sehen, selbst mit den stark verbesserten Augen von Miller und Stearn. Lediglich Emily und die drei Drachen konnten sie noch wahrnehmen. Die Feldärztin durch die Vibrationen im Boden, die Alanna's Schritte verursachten und Feyth und die anderen beiden durch ihren Geruch. Julia musste neidlos anerkennen, dass die Magie in dieser Sache ihrer Technologie um Lichtjahre voraus war, wobei sie es allerdings nicht lassen konnte anzumerken, dass sie in ihrem Anzug keinen Geruch besaß, der einfach wahrnehmbar war, worauf Alanna mit einem höflichen nicken antwortete. Jedoch raunte Feyth ihm in Gedanken zu, dass es durchaus auch Zauber gab, um jemandes Geruch zu verbergen, woraufhin der Colonel wissentlich schmunzelte und der Elfe ein dankbares Zwinkern schenkte, als sie sich ihm kurz zuwandte.

Unterbrochen wurde ihre kleine Diskussion jedoch erst, als Smith ihnen leise zuflüsterte: „Wir bekommen Besuch." John horchte auf und wandte seinen Blick gen Treppe. Und tatsächlich, eine ganze Delegation kam ihnen von der Feste aus entgegen. Unter ihnen waren natürlich Eragon und Murtagh, gemeinsam mit ihren beiden Drachen Saphira und Dorn, die die ganze Gruppe anführten. Dahinter lief Keno zusammen mit Liriàrth und ihrem mattgrauen Drachen Othreni, neben denen, zu Millers Überraschung, Gerlinde mit ihrem Drachen Galgianth gingen. Hinter ihnen folgte das junge Mädchen namens Saskia mit ihrem Seelenbruder Forlon und ein Urgaljunge im Teenageralter, der schulterlange schwarze Haare besaß, gepaart mit giftgelben Augen und einer hellgrauen Hautfarbe. Neben ihm trabte ein pechschwarzer Drache, der etwas größer als Tinira war.

Er sah im Grunde wie eine Miniaturausgabe von Tymdek aus, selbst seine Augen hatten einen ähnlichen hellblauen Farbton. Als hätte man Dunkelschwinge eingescannt und ein kleineres 3-D Modell daraus konstruiert.

Für John war die Ähnlichkeit zu stark war, als dass er an einen Zufall glauben wollte und auch Julia schien seine Meinung zu teilen. „Feyth? Weißt du etwas von einem Bruder oder einer Schwester, die zu den Drachenreitern gehören? Denn der Kerl da sieht deinem Vater verdammt ähnlich." fragte sie nämlich flüsternd, doch das kleine Drachenmädchen schien ebenso verwirrt zu sein, wie sie. *Ich – ich weiß es nicht. Wenn dann hätte es mir Vater nie erzählt. * stammelte sie ebenso verdutzt und musterte ihren schwarzen Artgenossen genau. „Alanna?" leitete Miller daher die Frage weiter an die Elfe und war überrascht, dass sie ratlos mit den Schultern zuckte. „Ich kann es dir nicht beantworten John-Vodhr. Ich kenne die beiden ebenso wenig wie ihr. Sie müssen zu Drache und Reiter erwählt worden sein, bevor ich den Kontakt zum Orden gänzlich abbrach." „Hhm. Dann werden wir wohl darauf warten müssen, dass Eragon uns die beiden vorstellt." bemerkte der Colonel nachdenklich und ließ seinen Blick weiter auf das Ende der Gruppe schweifen, wo er Orik mit seiner Leibgarde ausmachen konnte.

Keine Spur von Bloedhgarm oder den anderen Elfen, wofür er sehr dankbar nach der gestrigen Konfrontation war.

Er richtete den Blick wieder auf die Spitze der kleinen Kolonne und stellte überrascht fest, dass er jemanden neben dem Großmeister übersehen hatte. Eine hochgewachsene Gestalt, deren Körper in einen dicken, braunen Mantel gehüllt war, sodass nur ihr Kopf gut zu erkennen war. Sofort bemerkte der Titan die spitzen, elfentypischen Ohren, neben den kurzgehaltenen schwarzen Haaren. Es handelte sich eindeutig um einen männlichen Elfen, mit hochgezogenen Wangenknochen und dunkelgrünen Augen. Noch ehe er Alanna leise fragen konnte, um wen es sich da handelte, wisperte ihm die Elfe energisch zu: „Das ist Pelendol! Ich hatte nicht erwartet, dass Meister Eragon ihn schon so zeitig mit dir sprechen lassen würde, nach den schweren Verletzungen die er durch dich erlitten hat."

„Pelendol." murmelte der Titan wiederholend und verschränkte nachdenklich die Arme vor der Brust. Er konnte sich nur dunkel an den Kampf mit Filia und ihrem Reiter erinnern. Ein paar Fetzen hier und da, doch nichts wirklich konkretes. Und er hatte auch nicht wirklich die Zeit größer darüber nachzudenken, denn schon wenige Augenblicke später kam der gesamte Tross vor ihnen zum Halten, wobei sie eine Art deformierten Halbkreis bildeten.

Eragon und Murtagh traten gemeinsam mit Pelendol auf einen Schritt näher an sie heran, sodass sie nun auf normalem Gesprächsabstand waren und der rotgekleidete Reiter meinte grüßend: „Ein eher grauer Morgen für unseren Aufbruch. Ich hoffe doch der Regen hat eure Nachtruhe nicht gestört?" „Nein es war alles in Ordnung, wir haben die Nacht alle trocken überstanden. Zumindest fast alle." erwiderte der Colonel freundlich und fügte den letzten Satz glucksend hinzu, als Dun'var gespielt missmutig schnaubte. Murtagh lachte amüsiert. „Zum Glück sind Drachen nicht aus Zucker." merkte er an und fügte dann höflich an die übrigen gewandt hinzu: „Auch euch anderen einen guten Morgen." „Gleichfalls." kam es im Chor von den Titanen zurück, während Alanna respektvoll sagte: „Danke, euch ebenfalls, Ebrithil."

Dann war es Eragon sie zu begrüßen.

„Auch ich wünsche euch einen guten Morgen, meine Freunde. Hoffentlich konnten sich eure Gemüter von den gestrigen Strapazen wieder halbwegs erholen." erkundigte sich der Großmeister höflich, woraufhin insbesondere Alex deutlich nickte und Emily die kleine Feyth etwas fester an ihre gepanzerte Brust drückte. „Wesentlich besser, danke der Nachfrage." antwortete Nurton ernst woraufhin Eragon zufrieden den Kopf neigte. „Das ist schön zu hören. Aber bevor wir wieder in dieses leidige Thema abdriften: John? Darf ich euch Pelendol aus dem Hause Kelthin, den Reiter von Filia vorstellen? Pelendol? Das hier ist Colonel John Miller." fuhr der Drachenreiter fort und seine Stimme wurde ebenfalls ernster, als er schließlich den Elf an seiner Seite vorstellte.

Das vor ihm war also wirklich der Mann, der zugelassen hatte, dass Filia ihre Tochter bei lebendigem Leibe verschluckte!
Unglaubliche Wut brodelte in Johns Unterbewusstsein hoch und er setzte automatisch eine grimmige Miene auf.

Da half es auch nicht, dass Pelendol ihm, im Gegensatz zum sonstigen Elfenbrauch, die rechte Hand zur Begrüßung reichte. „Ich konnte das emotionslose Getue meines Volkes noch nie ab. Ein Händedruck ist bei euch Menschen doch als Begrüßungsgeste normal, oder? Es freut mich euch endlich persönlich kennenzulernen, Herr Miller." sagte der Elf mit respektvoller, etwas hoher Stimme und klang ehrlich bemüht freundlich zu sein.

Grobschlächtig erwiderte der Titan den Händedruck und packte so fest zu, dass seine Gegenüber schmerzerfüllt keuchte, während er ihm sarkastisch zu knurrte: „Die Freude ist ganz meinerseits." Dann ließ er Pelendol's Hand wieder los, wobei die scharkantigen Schuppen oberflächliche Kratzer und Schnitte zurückließen, da er dabei nicht wirklich sanft vorging. Dieser Mann war verantwortlich für das Trauma, dass Feyth hatte durchstehen müssen, eingequetscht in den Innereien ihrer eigenen Mutter, nach Luft japsend, wo keine war. Einzig allein der Umstand, dass seine Kinder und Eragon anwesend waren, rettete dem Reiter davor, dass ihm der Colonel hier und jetzt den Kopf von den Schultern riss.

Und es erforderte ihn einiges Willenskraft, sich zurückzuhalten.

Entgegen seiner Erwartungen reagierte der Elf jedoch nicht mit Spott oder wüsten Verwünschungen sonder er entschuldigte sich mit leicht schmerzverzerrter Stimme, während er seine Hand vorsichtig zurückzog. „Ich – verstehe euren Zorn, John. Wäre ich an eurer Stelle, würde ich wohl das gleiche fühlen, das gleiche tun. Ich kann mich kaum noch an unseren Schlagabtausch von vor einigen Tagen erinnern, scheinbar haben eure Schläge meine Erinnerungen daran verschleiert, wohl zum Besten aller. Aber als ich nach meiner Ohnmacht in meinem Bett erwachte, mit Filia's Kopf direkt an meiner Seite und Eragon-Elda an meinem Bettende sitzend erzählte mir meine Seelengefährtin davon, was vorgefallen war. Dass ich dem Tod nur knapp entronnen sei. Ein Schlag mehr von euch gegen mein Kopf, oder meinen Bauch und es wäre wohl um mich geschehen gewesen. Aber ihr habt mich nicht getötet, obwohl ihr die Chance dazu hattet. Filia will mir bis heute nicht erzählen, wie der Kampf zu Ende ging, doch ihr geschockter Blick und ihre zittrige Stimme reichen mir, um zu wissen, dass ich es nicht wissen will. Eragon-Elda und ich hatten dann am folgenden Tag ein längeres Gespräch, in dem er mir vor Augen führte, wohin mich meine arrogante Art, mit meinem Recht des Stärkeren eines Tages führen würde." erklärte Pelendol und hielt dann kurz inne, um hinauf in John's nach wie vor grimmiges Gesicht zu blicken.

Die dritte Persönlichkeit versuchte sich in den Vordergrund zu drängen, um die Situation auf keinen Fall eskalieren zu lassen, doch der Hass und die Wut auf den Mann vor ihm verstärkte seine aggressive Persönlichkeit nur noch mehr. Er konnte nichts tun, außer zu hoffen, dass wenigstens ein Funken Vernunft übrig geblieben war.

Miller verschränkte blockend die Arme vor der Brust und schnauzte dann: „Und was nun? Wollt ihr etwa um Vergebung betteln, nachdem ich euch den Arsch verdroschen habe und ihr nicht mehr der Stärkere seid?" Zu seiner Überraschung schüttelte der Elf bestimmt den Kopf, ehe er erwiderte: „Nein. Eigentlich sollte ich noch mindestens eine Woche bettlägig bleiben, um mich vollends zu erholen, doch als ich gestern Nacht von Filia von ihrem Kampf und Niederlage gegen euren Sohn und dem Gespräch mit euch erzählte, bat ich Meister Eragon, darum, noch ein kurzes Wort an euch richten dürfen, vor eurem Aufbruch: Ich hege keinerlei Groll oder sonstigen Hass gegen euch, obwohl ihr mich beinahe getötet habt. Ihr tatet lediglich das, woran ihr glaubt. Ihr habt jemanden Beschützt, der euch nahe stand und habt dafür sogar euer eigenes Leben aufs Spiel gesetzt. Dafür respektiere ich euch, genauso wie ihre meine Lebensweise respektieren solltet. Seht in mir keinen Feind, aber auch keinen Freund. Das ist alles. Ich wünsche euch eine erfolgreiche und sichere Reise, Herr Miller. Ebrithil."

Damit neigte respektvoll den Kopf gegenüber dem Titanen und wiederholte die Geste gen Eragon, bevor er relativ schnellen Schritts in Richtung Treppen entschwand.

Es dauerte einige Momente, ehe Julia als erste ihre Stimme wieder fand und beeindruckt nickend anmerkte: „Alle Achtung, der Kerl hat echt Eier. Ich glaube seit General Drevall hat dir keiner mehr so die Stirn geboten, Dad." „Er soll froh sein, dass ich ihm nicht auf Anhieb den Schädel eingeschlagen habe." gab John knurrend zurück und blickte dem Elfen nachdenklich hinterher.

Insgeheim hatte er doch zumindest einen Funken Respekt für Pelendol gewonnen, denn es kostete Mut, sich seinen Fehlern zu stellen und dennoch an den eigenen Prinzipien festzuhalten. Er mochte diese Prinzipien zwar nicht teilen und würde dem Mann gerne seine geschuppte Faust in die Fresse rammen, doch er konnte ihm zumindest ein Quäntchen Respekt entgegenbringen.

Und so schnell wie seine Wut gekommen war, so schnell verflüchtigte sie sich auch wieder, als der Elf sich immer weiter entfernte.

Schließlich horchte John auf und wandte den Blick zurück auf Eragon, als der Großmeister leise seufzte. „Ich hatte ihm davon abgeraten, aber er bestand darauf euch noch vor unserer Abreise zu sprechen. Ich hoffe das hat euch nicht zu sehr verärgert?" Der Titan hob beruhigend die Hand und schüttelte den Kopf, bevor er antwortete: „Nein, ist schon in Ordnung. Das ist eine Sache, die wir ein andermal klären können." Dabei warf er einen kurzen Seitenblick auf Feyth, die nachwievor in Emily's Armen saß und atmete innerlich erleichtert durch, als er sah, dass sie relativ entspannt war. Auch wenn er an ihren Augen sehen konnte, dass sie froh über Pelendol's Verschwinden war. Zur weiteren Beruhigung streichelte ihr Smith sanft über den Kopf und klickte aufgebracht mit ihren Mandibeln, während sie dem Elfen hinterher sah.

„Ich glaube Pelendol sollte ganz froh sein, dass er John zusammen mit uns konfrontiert hat, Bruder, ansonsten hätte er jetzt wohl ein paar Zähne weniger in seiner schönen Visage. Aber naja, wie ihr bereits sagtet John, das ist ein Thema für einen anderen Tag." kommentierte Murtagh schmunzelnd und sein Halbbruder nickte zustimmend. „Ich denke, so ist es am besten, ja. Kommen wir lieber zu den erfreulicheren Dingen." meinte er sich aufraffend lächelnd und machte dabei eine einladende Geste in Richtung der beiden Kinder und ihren Drachen, die etwas schüchtern nähertraten. „Das sind die beiden Schüler, die uns auf unserer kleinen Reise begleiten werden. Ihr habt Saskia ja bereits kennengelernt, John, aber für eure Kinder: Das hier ist Saskia und ihr Drache Forlon. Sie sind meine beiden Schüler." stellte er das junge Mädchen und ihren Partner vor, wobei er auf den türkisenen Jungdrachen zeigte und Saskia fürsorglich die Hand auf die Schulter legte.

Sofort ging John in die Hocke um nicht so angsteinflößend zu wirken und lächelte freundlich, was Saskia jedoch vor Schreck zusammenzucken ließ. Miller brauchte einige Sekunden um sich in Erinnerung zu rufen, dass seine Zähne nun die eines Drachens waren, weswegen er hastig den Mund schloss und stattdessen entschuldigend schmunzelte. „Es freut mich euch beide wiederzusehen." meinte er dann höflich und Feyth stimmte mit einem fröhlichen Fiepen zu, als Emily neben ihn trat und ebenfalls in die Hocke ging. „Ich – wir – ich bin auch froh, dass es euch wieder besser geht, Herr Miller." brachte das Mädchen stammelnd hervor und ihre Augen wurden noch größer, als sie Smith's Gesicht näher betrachtete. „Es freut mich sehr dich kennenzulernen Saskia. Mein Name ist Emily und du brauchst keine Angst vor mir zu haben, ich sehe nur etwas anders aus." erklärte die Ärztin daraufhin schmunzelnd, wobei sie es absichtlich vermied ihre nadelartigen Zähne zu zeigen und mit ihren Mandibeln zu klicken. Das grüne Drachenmädchen gurrte zustimmend und streckte kurz ihren Kopf vor, um Saskia grüßend über die Wange zu schlecken.

John bemerkte, wie Forlon das Ganze mit Argusaugen beobachtete, aber er konnte auch den gewaltigen Respekt sehen, den ihnen der Jungdrache entgegenbrachte, da seine Muskeln stellenweise vor Anspannung verkrampften. Doch Feyth's Nähe schien zumindest dem Mädchen gut zu tun, denn sei schaffte es zittrig zu lächeln, als sie Emily begrüßte. Danach taten Alex und Julia es ihrer Schwester gleich und gingen in die Hocke, um Saskia und auch Forlon „Hallo" zu sagen. Einige Momente später ließ Eragon die beiden dann wieder zurücktreten, wobei John amüsiert das erleichterte Durchatmen der beiden Jünglinge bemerkte, bevor sich seine Aufmerksamkeit auf den Urgaljungen und seinen schwarzen Drachen fokussierte die nun anstatt ihrer Kameraden vor sie traten.

Der Junge wirkte im Gegensatz zu Saskia nicht so schüchtern und er sah, wie seine gelben Augen begannen ihn neugierig zu mustern. „Und das hier ist Mel'khrat mit seinem Seelenbruder Lerod. Sie sind die Schüler von Gerlinde." stellte der Großmeister die beiden vor und zur Verwunderung des Colonels streckte ihm der Urgaljunge höflich die Hand entgegen, die er vorsichtig schüttelte. „Es ist mir eine Ehre euch endlich kennenzulernen, Herr Miller! Keno hat mir schon viel von euch erzählt!" sagte er mit dickem Akzent und seine Augen strahlten förmlich vor Respekt. John musste unwillkürlich schmunzeln, als er antwortete: „Dann eilt mir mein Ruf mal wieder voraus. Es freut auch mich, euch beide kennenzulernen." Dann hob er fragend eine Augenbraue, als der schwarze Drache seinen Kopf direkt vor den seinen schob und ihn mit seinen blauen Augen durchdringend ansah. *Ihr seid also der, den sie Rotauge nennen. Mutter hat mir von eurer Stärke erzählt.* knurrte Lerod anschließend, wobei es eher ein respektvolles anstatt missmutiges Knurren war.

„Das schmeichelt mir, aber – wer ist eure Mutter?" erwiderte der Titan leicht verwirrt und machte große Augen, als Saphira ihr mächtiges Haupt zu ihnen gesellte und dem schwarzen liebevoll über die Flanke schleckte, bevor sie ihm zuzwinkerte. *Lerod ist mein Sohn, Rotauge.* erklärte sie sanft und verblüffte ihn damit ungemein.

Damit hatte wirklich nicht gerechnet.

Er brauchte daher kurz, um die Situation zu begreifen, ehe er nickend entgegnete: „Ah, das erklärt zumindest die Ähnlichkeit mit Tymdek." Dann musste Miller jedoch rasch einen Schritt beiseite machen, da sich nun Dun'var mit seinem massigen Kopf neben ihn schob, um wohl seinen kleinen Bruder näher betrachten zu können.

*Also sind wir nun zu dritt. Rotauge hat recht, du siehst unserem älteren Bruder wirklich zum verwechseln ähnlich.* brummte der mitternachtsblaue Drache und blies Lerod eine dicke Rauchwolke entgegen. Der Jungdrache senkte eingeschüchtert das Haupt und auch Mel'khrat wirkte von Schattenklaue leicht verunsichert. Allerdings legte sich die Spannung auch schnell wieder, sobald der bullige Drache seine Schnauze wieder anhob und stattdessen die beiden von oben aus weiter beobachtete.

*Es ist also ein Bruder von meinem Vater!* flüsterte daraufhin Feyth aufgeregt in seinem Geist und mit einem kurzen Seitenblick sah John, dass die kleine Drachendame ihrem Verwandten neugierige Blicke zuwarf. Emily musste sie sogar festhalten, damit sie nicht zu ihm herübersprang. Währenddessen hatte Julia neben ihnen nachdenklich die Arme vor der Brust verschränkt und skeptisch eine Augenbraue gehoben, während sie den schwarzen Jungdrachen eingehend musterte und dabei immer wieder zu Saphira blickte. „Verzeiht Schimmerschuppe, ich will nicht unhöflich erscheinen, aber mich würde doch interessieren, wer sein Vater ist." wollte sie dann unvermittelt wissen, wobei sie jedoch einen höflichen Ton wählte.

Zu Millers erneuter Überraschung begann Murtagh amüsiert zu lachen und antwortete der Pilotin: „Nun, das wäre dann wohl mein Dorn hier. Er ist etwas schüchtern was das Ganze angeht." Dabei zeigte er hinter sich auf den großen blutroten Drachen der versuchte sich aus der Affäre zu ziehen, indem er ignorierend in die Ferne starrte, als hätte er dort etwas Wichtiges entdeckt.

John stutzte verwundert und betrachtete den gigantischen Drachen mit großen Augen. Wenn Dorn der Vater von Lerod war, musste das bedeuten, dass er auch der Vater von Tymdek und Dun'var und Saphira's Brutpartner war!

'Kein Wunder, dass er so aggressiv gegenüber Alex wurde!' dachte der Colonel, als er sich an die Ankunft seiner Kinder hier in der Drachenfeste erinnerte.

Eine – interessante – Erkenntnis.

„Ich habe jemanden lachen gehört! Was ist los? Ich will auch lachen!" dröhnte dann plötzlich eine wohlbekannte Stimme hinter ihnen und John musste sich nicht einmal umdrehen, um zu wissen, dass sie zu Steven gehörte. Er und Robert waren offensichtlich fertig mit ihren jeweiligen Vorbereitungen und nun gesellten sich die beiden zu ihnen. Allerdings steckte Coule immer noch im Juggernaut, was den vier Schülern einen gehörigen Schrecken einjagte, als der riesige Mech praktisch direkt vor ihnen zum Stehen kam.

„Das verrate ich dir erst, wenn du es schaffst 24 Stunden ohne dummen Streich durchzuhalten." brummte Julia zynisch, worauf der Sergeant mit einem trockenen Lachen antwortete.

Als der erste Schock also verflogen war, fuhr die Begrüßung fort. Nach Mel'khrat und Lerod, war es an Gerlinde und Galgianth sich kurz erneut vorzustellen, wobei sich die Drachenreiterin kleinlaut bei Alex für das gestrige Verhalten ihrer Kameradin entschuldigte, was dieser jedoch mit einer lässigen Handgeste abtat.

Anschließen trat Orik mit seinen Leibwächtern vor und grüßte sie auf seine freundlich robuste Weise. Er sprach vor allem mit Steven und drückte sein großes Bedauern darüber aus, dass seine Leibwache mitten im Kampf gemeint hatte ihn aus Sicherheitsgründen wegzuzerren. Er hätte den Kampf zu gerne gesehen. Schließlich verabschiedete er sich mit einem breiten Lächeln, nachdem er ihnen versprochen hatte, dass die Titanen jederzeit in Tronjheim willkommen seien und dass er bereits seine Berater dazu veranlasst hatte nach willigen Magiern für ihr Unternehmen zu suchen. John dankte dem Zwergenkönig respektvoll und versprach ihm an sein Angebot zu denken.

Dann war es an Keno und Liriàrth ihnen einen guten Morgen zu wünschen, wobei Othreni sich stumm im Hintergrund hielt, als er bemerkte, dass Alex ihn nicht aus den Augen ließ. Miller musste unwillkürlich schmunzeln als er die Freude auf Keno's Gesicht sah und in seiner Stimme hörte. Der Junge konnte es gar nicht mehr erwarten endlich wieder seinen Seelenbruder wiederzusehen. Daher zögerten sie ihren Aufbrauch auch nicht noch länger mit unnötigen Gesprächen hinaus.

Das letzte wichtige was jetzt noch vor ihrem Abflug zu besprechen war, war die Route, die Eragon geplant hatte.

Der Großmeister kramte eine mittelgroße Karte aus seinem Rucksack hervor und breitete sie auf der großen Hand des Juggernauts aus, die Steven ihnen als Tischersatz darbot. Julia, Robert, John und Aidan traten näher heran, um die Route einsehen zu können und Holsted murmelte kurzangebunden an die KI gewandt: „Beende Watcher-Direktive." „Stimmenautorisierung bestätigt, danke Sir." plapperte die der Roboter auf der Stelle los und leuchtete kurz grün auf, ehe er sich direkt mittig über der Karte positionierte.

Eragon warf ihm einen musternden Seitenblick zu, bevor er sich räusperte und erklärte: „Ich habe unsere Reise in vier Etappen geplant, da die Jungdrachen noch bei weitem nicht die nötige Ausdauer besitzen, um solch eine lange Reise an einem Stück fliegen zu können. Ich werde diesbezüglich zwar etwas nachhelfen können, aber die Pausen sind trotzdem nötig. Wir würden für meine Route ungefähr zwei Tage benötigen, wenn ihr damit einverstanden seid." Robert nickte zustimmend. „Natürlich, wir müssen uns schließlich eurem Tempo anpassen. Es gibt ja auch momentan keinen Grund für Hektik." Dankbar neigte Eragon den Kopf und fuhr dann mit seinem Zeigefinger eine gerade Linie von der Drachenreiterfeste hin zu einem kleinen See der etwa 400 Kilometer südwestlich lag, wenn die Legende der Karte stimmte. „Das wird unser erstes Etappenziel. Ich hoffe wir erreichen den See ungefähr in den Mittagsstunden. Dort machen wir eine Rast, bevor wir hierhin aufbrechen." erklärte er rasch und deutete auf ein kleines Wäldchen, das weiter im Westen lag und knapp 200 Kilometer vom See entfernt war.

„Dort verbringen wir dann auch die Nacht und brechen frühmorgens gen Wüste auf." fuhr der Drachenreiter fort und zeigte mit dem Finger auf eine kleine Quelle, die nah an der Grenze zum ‚Brennenden Pfad', nicht unweit von der Stelle, an der John selbst die Regenschattenwüste hinter sich gelassen hatte. Etwa weitere 400 Kilometer von dem Wäldchen entfernt. „Hier füllen wir unsere Wasservorräte noch einmal auf und lassen die Jungdrachen etwas zu Atem kommen, bevor wir die letzte Etappe über die Wüste, den Gebirgszug und den Großen Wald hinweg angehen. Wenn alles glattläuft sollten wir euer Schiff am späten Abend des zweiten Tages erreichen." beendete Eragon seine Routenplanung und blickte erwartungsvoll auf die drei Titanen vor ihm.

Wieder war es Robert, der als erster antwortete. „Das ist ein überaus strammer Zeitplan, dafür, dass eure Schüler noch so jung sind, Meister Drachenreiter. Für uns stellt eure Route jedoch kein Problem dar, oder was denkst du Julia?" Die Scharfschützin zuckte lediglich mit den Schultern. „Ne, ich sehe kein Problem. Wird nur etwas langweilig, so langsam zu fliegen."

„Langsam? Euer Bruder sagte doch gerade selbst, dass mein Zeitplan äußerst straff gesetzt ist." erwiderte Eragon verwirrt, woraufhin Stearn höflich sagte: „Aidan?" Die KI ließ sich auf ihr Augenniveau fallen und wandte sich dem Großmeiser zu, ehe sie analytisch erklärte: „Für ihre Verhältnisse mögen die von ihnen gewählten Etappen zeitlich straff gesetzt sein, doch für den Albatross wäre es möglich die gesamte Route innerhalb von einer Stunde und 12 Minuten abzufliegen, plusminus zehn Minuten durch unvorhersehbare Faktoren."

„Eine Stunde? Für solch eine gewaltige Strecke? Niemals!" rief der Großmeister ungläubig aus und auch Saphira ließ ein skeptisches Schnauben von sich hören.

„Ihr glaubt mir nicht Schimmerschuppe?" fragte die Julia daraufhin herausfordernd. *Nein. Ich glaube zwar nicht, dass ihr mit eurer merkwürdigen Maschine langsam seid, doch das ist unmöglich, selbst für euch.* entgegnete die blaue Drachendame ungläubig.

Miller seufzte innerlich, da er genau wusste, was nun folgen würde.

„Wie wäre es dann mit einem kleinen Wettrennen bis zu diesem See? Wenn ihr dort als erstes ankommt, werde ich euch für dann am Abend jagen gehen, aber wenn wir die ersten sind, werdet ihr für uns jagen gehen. Was sagt ihr?" schlug die Pilotin daraufhin grinsend vor und noch ehe Eragon etwas anmerken konnte, stimmte Saphira zu. *Einverstanden Adlerauge.* sagte sie selbstsicher und berührte Julias ausgestreckte Hand mit der Spitze ihrer Schnauze.

„Oh Jesus, du kannst es einfach nicht lassen, oder?" seufzte Robert leicht genervt und angelte dann einen kleinen Ohrstecker aus seiner Hüfttasche, den er dem ebenso missmutig dreinblickenden Großmeister übergab. „Hier, damit wir in Kontakt bleiben können, sollte das Ganze hier etwas chaotischer werden. Steckt es euch einfach ins rechte Ohr und drückt den Knopf hier oben, um mit mir oder einen der anderen sprechen zu können. Ein weiterer Druck und ihr beendet die Verbindung wieder." erläuterte der Pilot dem Drachenreiter einigermaßen verständlich. Es brauchte kurz ein paar Minuten, bevor dieser das Konzept vollständig begriffen und einen kurzen Testlauf erfolgreich durchgeführt hatte.

Dann wandte sich Eragon jedoch noch einmal an John: „Ah ehe ich es vergesse: Eure Rüstung John! Saphira musste mir helfen, sie ihr auf den Rücken zu schnallen. Sie ist wirklich unglaublich schwer und ich frage mich immer noch, wie ihr euch überhaupt damit bewegen könnt." Wie aufs Stichwort drehte ihnen die große Drachendame ihnen die Seite zu und legte sich flach auf den Bauch, sodass ihr Reiter rasch an ihr hochklettern konnte. Seine Rüstung! Vor lauter Begrüßung und anderem Kram, hatte er sie schon fast vergessen gehabt! Sie hing an einem dicken Seil befestigt am Sattel auf Saphira's Rücken und einen Messerschnitt später krachte sie hinunter auf den Kies, von wo aus Steven sie mit dem Juggernaut aufhob, als wäre der Atlas nur eine leichte Stoffpuppe. Einen weiteren Sprung später landete der Drachenreiter wieder vor dem Colonel und überreichte ihm den schwarzen Unteranzug, der offensichtlich frisch gewaschen und zusammengelegt war.

„Danke." meinte der Titan höflich und neigte respektvoll den Kopf. „Keine Ursache. Larva werde ich euch jedoch erst heute Abend übergeben. Es gibt noch einige Dinge, die ich gerne mit euch besprechen würde. Aber dazu später mehr. Jetzt bin ich erst einmal gespannt, wie ihr eure stählerne Maschine überhaupt in die Luft bekommen wollt." entgegnete der Reiter ernst und schmunzelte, als er in Richtung des Albatross' sah, in dessen Richtung Alex, Emily und Steven bereits unterwegs waren. „Ich warne euch vor: Haltet euch die Ohren zu, am Start ist er immer am lautesten." prophezeite ihm Robert und gab dann Aidan ein Handzeichen, woraufhin die KI fröhlich auf und ab hüpfend ihm und Julia hinterdrein schwebte. „Wir sehen uns am See." verabschiedete sich John nickend und trat dann hinüber zu Alanna, die die letzten paar Minuten etwas abseits gestanden und auf die große Festung gestarrt hatte, die sie nun für immer verlassen würde.

Er räusperte sich laut und schreckte sie damit leicht auf, doch als sie ihn anblickte stahl sich wieder ein schwaches Lächeln auf ihre Lippen, bevor sie ihm dann zum Albatross folgte. Steven hatte bereits mit Alex' Hilfe Millers Atlas im Frachtraum des Transporters verstaut und hatte den Juggernaut nun in einer halb hockenden, sitzbankartigen Haltung fixiert. Die anderen indessen hatten alle schon im Innern Platz genommen, als er und die Elfe den Flieger betraten.

Nurton saß hinten im Truppenabteil und bedeutete den beiden durch zum Cockpit zu gehen, während sich hinter ihnen die Laderampe schloss. Als sie das vordere Abteil betraten, sah John sofort, dass Julia sich auf den Hauptpilotensitz niedergelassen hatte, wobei Robert sich an die deaktivierte Waffenkonsole gesetzt hatte und Emily mit Feyth auf dem Schoss am Radar saß. Aidan schwebte direkt neben Holsted's Kopf.

Das gesamte Cockpit, welches eine halbkugelartige Form besaß, war komplett von Panzerglas umgeben, wodurch die Mannschaft einen perfekten Rundumblick nach draußen hatte, selbst der Boden bestand aus diesem speziellen Glas. „Auf, setzt euch in den Copilotensitz. Robert sagte mir, ihr würdet es wohl recht amüsant finden den Flug aus erster Reihe mitzuerleben. Dad, du kannst dich ja neben Emily und Feyth auf den Notsitz hocken." bemerkte Stearn in voller Konzentration und betätigte einige Knöpfe und Schalter, wodurch die Konsole vor ihr zum Leben erwachte.

„Ich – " wollte Alanna schon fast widersprechen, doch John schob sie mit sanfter Gewalt nach vorn und half ihr, sich in dem großen, ledernen Sitz anzuschnallen, bevor er ihr ein aufmunterndes Lächeln schenkte und dann nach hinten zu Emily trat, wo Feyth den gesamten Innenraum mit großen Augen bestaunte. Er hatte sich kaum angeschnallt, als Julia schon fragte: „Alle bereit?" „Es sind alle angeschnallt, ja." bemerkte Smith und legte ihr drittes Paar Arme zusätzlich um den kleinen Drachen auf ihrem Schoß.

„Ausgezeichnet! Starte Triebwerke!" trällerte die Pilotin daraufhin fröhlich und betätigte einen Schalter über ihrem Kopf. Ein dumpfes Grollen gefolgt von einem anhaltendem Rauschen der vier Triebwerke durchrüttelte den gesamten Flieger, auch wenn der Lärm hier im Innern deutlich gedämpfter war, als für die Außenstehenden. „Triebwerkstart erfolgreich, Captain. Leistungsbereitschaft bei 100 Prozent." bemerkte Aidan analytisch und Julia schnalzte zufrieden mit der Zunge. „Perfekt. Dann alle mal festhalten. Als erstes müssen wir noch unseren Dicken hier auflesen."

„Hey, ich habe nur schwere Knochen!" kam Stevens Stimme glucksend aus dem Intercom zurück und mit einem sanften Ruck ließ Stearn den Albatross ein paar Meter vom Boden abheben.

Der Transporter schwankte leicht und Mille konnte Alanna deutlich flüstern hören: „Wir – wir schweben tatsächlich!" Dabei war ihr Blick auf ihre Füße gerichtete, wodurch sie genau sehen konnte, dass die Maschine einige Meter über dem Boden in der Luft stand. „Natürlich." lachte Julia amüsiert und begann dann das Flugzeug vorsichtig direkt über den Juggernaut zu manövrieren, wobei sie hierfür die Sensoren am Bauch des Transporters benötigte, um zu wissen, wann genau sie in Position war. Einige Momente später gaben ihr diese grünes Licht und ein weiterer Ruck ging durch den gesamten Flieger, als die Lastkrallen in den speziellen Transportösen des Mech einrasteten. „Okay alles klar, ich häng dran." gab Coule ihr Bescheid. „Ausgezeichnet. Dann alle Mann festhalten!"

„Bitte übertreib es nicht Julia!" ermahnte Robert sie ein letztes Mal, worauf Stearn nur angespornt antwortete: „Hey, hier geht's um meine Ehre als Pilotin! Also nichts mit zurückhalten hier!" Und damit drückte sie einen Knopf, der die Landestelzen einholte, schob den Geschwindigkeitsregler bis zum Anschlag hoch und ergriff mit beiden Händen den Steuerhebel. John konnte nur noch Holsted's lautes Fluchen hören, bevor er mit voller Wucht in den Sitz gepresst wurde, als der Albatross in Sekundenschnelle auf seine Maximalgeschwindigkeit beschleunigte.

Neben ihm konnte er Feyth laut jauchzen hören.

[Eragon Fan-Fiction] Der Titan und die DrachenreiterGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt