Die angsterfüllten, panischen Gesichter der Kinder, die versuchten sich hinter den Erwachsenen und den Halbstarken zu verstecken, welche jedoch ebenfalls völlig geschockt auf den Colonel dreinblickten, brannten sich förmlich in Johns Kopf.
Und das Schlimmste daran war: Er konnte sich beim besten Willen nicht genau daran erinnern, was vorgefallen war, um sie dermaßen einzuschüchtern.
Das einzige, das immer wieder vor seinem inneren Auge aufblitzte, war ein unnatürliches Brüllen und das Bild eines entzwei gefetzten Ra'zac, dessen blaugrünes Blut auf ihn spritzte.
Was hatte er nur getan!?
Dann schoss es ihm wieder durch den Kopf. Die Ra'zac, sie hatten die junge Miriam übel zugerichtet und dann – . Sämtliche Farbe wich aus seinem Gesicht, als ihn die Erkenntnis traf, dass genau dasselbe geschehen war, wie damals im Militärlager, nachdem seine Einheit ausgelöscht worden war. „Nein, nein, nein – " begann er in einem nicht wahrhabendwollenden Ton zu murmeln, während er gleichzeitig schamerfüllt die Hände über seine Augen legte und den Kopf senkte. Wie konnte das nur geschehen, dass er in einen Blutrausch verfiel und währenddessen jegliche Erinnerung daran verlor? Er hatte sich doch geschworen, nie wieder so etwas geschehen zu lassen. Und doch war es nun wieder passiert, vor unschuldigen Kindern und anderen Zivilisten! Was mochten sie nur über ihn denken?
Er musste ein Monster für sie sein!
Nie, niemals würde er sich dafür vergeben können, sie für alle Zeit traumatisiert zu haben!
Kinder!
Unschuldige Kinder!
Unweigerlich kam die Erinnerung an seine Adoptivkinder hoch, wie sie zusammengekauert, weinend und völlig panisch in einem abgedunkelten, verschlossenen Raum eingepfercht gewesen waren, vollkommen von der Welt verlassen und in die Sklaverei verkauft.
Ein Paar großer Hände packte ihn kräftig an den Schultern und zwang ihn behutsam sich wieder aufzurichten und die Hände vom Gesicht zu nehmen, sodass John nun unweigerlich in Stevens gütige Augen sehen musste. Gleichzeitig hatte sein Sohn ein wissendes Schmunzeln aufgesetzt, bevor er ruhig meinte: „Hey Dad, Kopf hoch, es ist alles gut. Niemandem ist etwas passiert, du hast die Ra'zac außer Gefecht gesetzt und die anderen dermaßen abgelenkt, dass es für Eragon ein leichtes war ihren Magier zu überwältigen und die restlichen Soldaten auszuschalten. Und Shenmi konnte Vanir mit seinen beiden Gegenspielern helfen. Schau, es ist alles vorbei." Dabei deutete er hinüber mehr in Richtung Mitte des Saals und Millers Blick folgte seiner ausgestreckten Hand. Tatsächlich musste der alte Soldat leicht staunen, als er einerseits den Zauberer der Schwarzen Rose tot am Boden liegen sah, alle Viere von sich gestreckt, während ein großes Rinnsal Blut aus seinem Mund und der Nase rann und andererseits waren die restlichen Angreifer scheinbar bewusstlos übereinander gefallen und bildeten einen größeren Haufen unmittelbar neben den drei Drachen, die ihn nachwievor knurrend und mit gefletschten Zähnen anstarrten. Etwas weiter weg, in der anderen Ecke des Raums, bemerkte er, wie Shenmi ein eindringliches Gespräch mit Vanir führte, der ihr offensichtlich gerade dankbar zunickte. Die beiden Elfen, welche den Lehrmeister zuvor so bedrängt hatten, lagen nun ebenfalls bewusstlos zu ihren Füßen, wobei er durch seine Drachenaugen deutlich das rote Blut sehen konnte, welches ihnen aus Wunden am Kopf rann. Von den Bediensteten und angehenden Drachenreitern hingegen war kein einziger ernsthaft verletzt worden, nichtsdestotrotz wirkten sie einigermaßen erschüttert, wenn auch zweifelsfrei etwas erleichtert. Zumindest die Erwachsenen und auch die Jugendlichen. Die Kinder hingegen wirkten noch genauso kreidebleich wie zuvor. Wenn nicht sogar noch bleicher und das schmerzte John viel mehr, als all die Experimente zusammen, die er zu Beginn des Titan-Projekts hatte über sich ergehen lassen. Insbesondere, da nicht einmal Coule ihm die Sache schön reden konnte, wenn die Jungdrachen ihn ohne Zweifel als Gefahr ansahen, was sie mit ihrem Verhalten deutlich machten.
Daher seufzte er missmutig, ehe er erwiderte: „Das mag vielleicht sein, Steven, aber für die Kleinen bin ich nun ebenso ein Monster, wie die Ra'zac es sind. Wenn nicht noch schlimmer. Dieses Trauma werden sie ihren Lebtag nicht vergessen und ich kann dir nicht einmal sagen, was genau sie gesehen haben, weil ich mich an praktisch nichts erinnere! Weißt du, wie sich das anfühlt? Plötzlich wieder zu sich zu kommen, um zu sehen, was man in den letzten Minuten angerichtet hat?" Coule verzog mitleidig die Mundwinkel und drückte seinen Vater daraufhin kurz herzlich an seine Brust, bevor er bestimmt antwortete: „Nein, weiß ich nicht. Aber ich kann verstehen, wie du dich deswegen fühlst. Du musst aber auch die positiven Seiten betrachten. Zum Beispiel hat dein Eingreifen die junge Miriam gerettet!"
Diese Worte ließen Miller geradezu aufschrecken. Das war etwas, woran er sich noch erinnern konnte! Das Bild der schreienden jungen Frau, welche bei lebendigem Leib von den Ra'zacs angefressen wurde. Hastig wandte er den Kopf in die ungefähre Richtung, in der er sie vermutete und große Erleichterung erfasste ihn, als er Eragon entdeckte, der neben der schwerverletzten Miriam am Tisch stand und angestrengt Heilzauber aufsagte, wobei er die bläulich leuchtende rechte Hand über ihren aufgeschlitzten Bauch hielt. Das Mädchen atmete zwar schwer und schien viel Blut verloren zu haben, dem verschmierten Holz nach zu urteilen, doch sie schrie nicht mehr vor Schmerzen und hatte mit der linken Hand die des Großmeisters fest umschlossen, der ihr damit psychischen Beistand leistete. Erleichtert atmete er aus und schickte ein stilles Stoßgebet gen Himmel, obwohl er eigentlich nicht sonderlich religiös war. Wäre Miriam auch noch gestorben, trotz seines wahnsinnigen Blutrauschs, dann hätte er sich wohl wahrhaftig niemals verzeihen können. Dermaßen abgelenkt zuckte er etwas zusammen, als Steven ihm aufmunternd auf den Rücken klopfte. „Siehst du? Es ist nicht alles schlecht. Das Leben ist nun mal kein Ponyhof und nur selten bekommt man etwas geschenkt. Weiß du noch, was du uns immer wieder eingetrichtert hast? ‚Fast alles im Leben hat seinen Preis, den man bereit sein muss zu zahlen.' Nun, ich denke wir sind noch billig weggekommen damit, wenn der Preis für Miriams Rettung war, den Kleinen da ein bisschen Angst einzujagen, Dad." merkte der Sergeant dann augenzwinkernd an und ließ den Colonel dadurch verdutzt staunen.
Dermaßen philosophisch kannte er Steven gar nicht, doch was er sagte stimmte. Es gab nichts umsonst in der Welt und es war wirklich nur ein kleiner Preis von einigen wenigen gehasst oder gefürchtet zu werden, wenn er damit das Leben eines anderen retten konnte. Kopfschüttelnd lächelnd umfasste er väterlich die Hand seines Sohnes, die immer noch auf seiner rechten Schulter ruhte und entgegnete anschließend: „Ausgerechnet von dir in Lebensweisheiten belehrt zu werden hat etwas sehr ironisches, Steven."
Der Hüne gluckste daraufhin amüsiert und meinte belustigt: „Hey, auch ein blindes Huhn findet einmal ein Korn. Nun komm, bevor dich die Jungdrachen hier noch gleich anfallen. Die sehen doch etwas angepisst aus." Dabei wandte er kurz den Kopf in Richtung der Jungdrachen, die John nachwievor zähnefletschend anfauchten und knurrten. Dabei reichte er seinem Vater den Helm, den er zuvor offensichtlich an seinem eigenen Gürtel befestigt hatte. Dankbar nahm dieser ihn entgegen und setzte ihn ohne lange zu zögern auf. „Du hast recht." erwiderte er zustimmend und warf noch einen Blick auf die Gruppe der Bediensteten, in der die Erwachsenen mittlerweile dazu übergegangen waren, die Kinder in die Arme zu schließen, um sie zu beruhigen. Zu gerne hätte er ihnen zugerufen, wie sehr es ihm leid tat, aber er wusste genau, dass jetzt dafür nicht der passende Augenblick war und er wohl damit eher noch mehr schaden würde.
Stattdessen eilte er zusammen mit seinem Sohn hinüber zu Eragon und Miriam, deren Heilung offensichtlich schon relativ weit fortgeschritten war. Zumindest hatte der Großmeister ihren Bauch wieder bereits geschlossen, wobei es unmöglich abzuschätzen war, wie es mit den inneren Verletzungen aussah. Da der Reiter jedoch weiterhin seine Zauberformeln vor sich hinmurmelte, ging Miller stark davon aus, dass noch nicht alles versorgt war. Missmutig kam er mit Steven neben den beiden zum Stehen und konnte nun besser einsehen, wie es der jungen Frau ergangen war, die ihr Gesicht vor Schmerz verzogen hatte. Im Prinzip trug sie nichts weiter am Leib, als ihre schlichte, weiße Unterwäsche, die jedoch stark mit ihrem eigenen Blut befleckt war. Ein paar letzte Fetzen ihres schwarz-weißen Bedienstetenkleids hingen rechts und links über die Tischkanten hinaus, waren aber nicht weniger mit Blut getränkt und kaum noch als Kleidung zu erkennen. Unnatürlicher Weise wirkte ihr Bauch hingegen vollkommen sauber und unverletzt, obwohl sich der alte Titan noch genau daran erinnern konnte, wie die Ra'zac ihr die Schnäbel in den Wanst geschlagen hatten. Selbst seine Naniten hätten es wohl kaum geschafft in solch kurzer Zeit, eine derartige Wunde vollkommen zu schließen. Coule schien dasselbe zu denken wie er, denn er stieß einen beeindruckten Pfiff aus, bevor er anerkennend meinte: „Alle Achtung, Eragon, ich hätte nicht gedacht, dass ihr die Wunden so schnell heilen könnt. Vielleicht ist Magie doch nicht so nervig, wie ich dachte."
Der Drachenreiter antwortete nicht sofort, sondern konzentrierte sich zunächst darauf, seine magischen Formeln vollständig aufzusagen, um den Zauber abzuschließen, ehe er den Titanen den Kopf zuwandte und dabei vor allem John einen angespannten Blick zuwarf. „Ihr seid wieder ihr selbst?" wollte er unverzüglich wissen woraufhin Miller knapp nickte. „Ja, dank Steven. Es tut mir leid, was geschehen ist. Ich weiß nicht, was über mich kam. Einen solchen Anfall hatte ich schon seit über 150 Jahren nicht mehr." erklärte der Colonel entschuldigend. Eragons Stirn legte sich daraufhin in noch tiefere, skeptischere Falten und warf offenbar seinem Sohn neben ihm einen fragenden Blick mit gehobener Augenbraue zu. Er konnte aus dem Augenwinkel nicht erkennen, ob Coule ihm irgendein Zeichen oder sonst etwas zu verstehen gab, da er leicht vor ihm stand, doch scheinbar schien es den Reiter etwas zu entspannen, der leise seufzte und dann abermals das Wort an John richtete. „Wir kamen ja zum Glück noch einmal mit einem blauen Auge davon, John. Von dem her kann ich euch nicht allzu böse sein, vor allem da euer Blutrausch eine derartige Verwirrung unter ihnen ausgelöst hat, dass es ein leichtes für mich war, ihren Magier zu überwältigen, der vollkommen auf euch fokussiert war. Auch denke ich, dass Miriam euch dadurch ihr Leben verdankt. Ein oder zwei mehr dieser Wunden und ich hätte nichts mehr für sie tun können. So ging es gerade noch einmal glimpflich aus." meinte der Großmeister ernst und ließ den Blick für einen Augenblick hinüber zu den Bediensteten und seinen Schülern wandern. „Auch wenn es wohl etwas Zeit brauchen wird, bis die Jünglinge diesen Schock überwunden haben. Wenn ihr mich dabei unterstützen könntet, wäre mir das eine große Hilfe. Natürlich nachdem wir diesen Kampf hier hinter uns haben." fügte er in einem Ton hinzu, der für Miller keine Vermutungen offen ließ, was der Reiter davon hielt, dass er die Kinder derartig traumatisiert hatte.
Daher neigte er respektvoll den Kopf, während er versicherte: „Es ist nur selbstverständlich, dass ich euch dabei helfen werde. Anders könnte ich es auch nicht mit meinem Gewissen vereinen." Eragon nickte zufrieden und schenkte der jungen Miriam kurz ein beruhigendes Lächeln, als diese leicht ihren Kopf hob, um zu sehen, was vor sich ging. „Seid – seid ihr das Herr Miller?" wollte sie leicht hustend in ihrer piepsigen Stimme wissen, woraufhin der Colonel sofort an ihre Seite trat und ihr mitfühlend die Hand auf die Schulter legte, womit er sie auch mit sanfter Gewalt daran hinderte sich aufzurichten, was wohl in ihrem, jetzigen Zustand nicht ganz optimal gewesen wäre. Dabei achtete er sorgsam darauf, nicht zu fest zu zudrücken, da ihr Körper doch eher zierlich gebaut war. „Ja Miriam. Bleibt nur ruhig liegen, es ist alles in Ordnung." meinte er beruhigend, was der jungen Frau ein erschöpftes Lächeln entlockte, als sie den Kopf wieder hinlegte. „Nun verdanke ich euch schon zweimal mein Leben." murmelte sie offensichtlich noch leicht benommen vom Schock und fröstelte schwach, als ein kleiner Windhauch durch den Saal huschte. Irgendwo von draußen ertönte ein lautes Brüllen. „Macht euch keinen Kopf darum und ruht euch stattdessen aus." erwiderte John und wandte sich kurz an Steven: „Hast du immer noch diese Rettungsdecke einstecken?" Der Hüne nickte rasch und begann hastig in seinen zahlreichen Hüfttaschen zu kramen. Nur Augenblicke später stieß er ein zufriedenes „Aha!" aus und zog die zusammengefaltete Rettungsdecke hervor. Sorgfältig breitete er sie schnell über der halbnackten Frau aus, wobei die aluminiumhaltige Decke leise metallisch raschelte. Er war gerade damit fertiggeworden, als Shenmi und Vanir neben sie traten.
Mit einem Blick bemerkte Miller, dass seine Tochter die beiden elfischen Angreifer bewusstlos am Kragen herbei geschleift hatte und diese nun wie zwei Müllsäcke zu Boden warf. Zudem fiel ihm auf, dass sie ihren Helm nicht aufgesetzt, sondern am Haken an der Hüfte trug, sodass er deutlich ihre gefletschten Reißzähne einsehen konnte. „Du kannst gleich mit den beiden hier weitermachen, Schatz. Einmal fesseln und vor allem knebeln, damit sie ja nicht auf den Gedanken kommen Zauber wirken zu wollen." knurrte die Titanin abschätzig. „Uh, die beiden müssen sich ja richtig beliebt gemacht haben bei dir." entgegnete Steven hingegen belustigt glucksend und angelte dabei gleichzeitig je zwei der Hand- und Fußfesseln aus seinen Taschen, zusammen mit dem nötigen Knebelmaterial in Form einer Rolle Panzertape. Was solche Dinge anbelangte, war Coule ein wandelndes Arsenal, ähnlich wie Chloe. „Einer von ihnen hat mir glatt den Helm durgeschlagen und mich an der Nase erwischt." erklärte die Titanin missmutig und zeigte ihnen rasch den Helm des HAX, der tatsächlich einen diagonalen Schnitt quer über die Front aufwies. Zudem deutete sie mit der linken Hand auf die Spitze ihrer Nase, die von ihrer Darwin-Mutation her deutlich vergrößert war und entfernt der eines Bären ähnelte. Bis auf einen blassrosa erscheinenden Strich konnte John aber nichts erkennen, was wohl bedeutete, dass die Naniten sich bereits um die Verletzung gekümmert hatten.
Allerdings wusste er auch, wie empfindlich seine Tochter im Bezug auf ihre Nase war.
„Nun übertreib mal nicht, da ist ja nicht einmal mehr was zu sehen, Mi. Und so wie es aussieht, hast du dich gut revanchiert. Dem hast du ja halb den Schädel zertrümmert." erwiderte Steven dagegen abwinkend, während er den beiden Elfen gerade den Mund mit dem Panzertape zuklebte. „Und damit können sie noch froh sein." fauchte Yang bissig und verschränkte leicht eingeschnappt die Arme vor der Brust. „Euer Eingreifen war mir in der Tat eine große Hilfe, Shenmi. Ich mag zwar kein Anfänger im Schwertkampf sein, doch selbst für mich ist es doch eine Herausforderung gegen zwei Gegner gleichzeitig zu bestehen." unterbrach schließlich Vanir das hin und her zwischen den beiden Verlobten, noch ehe es überhaupt anfangen konnte zu eskalieren und nickte der Titanin dankbar zu. „Ach, ich habe euch doch schon gesagt, es ist nicht der Rede wert." antwortete Shenmi höflich, wobei der Elf jedoch respektvoll dagegenhielt: „Und dennoch muss es gesagt sein." Dann wandte er sich an Miller, der bei Vanir nun einen ähnlichen Blick, wie zuvor bei Eragon bemerkte. „Und ihr seid anscheinend ebenso heißblütig wie ein Drache zu sein, Herr Miller. Auch wenn man neidlos zugestehen muss, dass euer Vorgehen doch einen gewissen taktischen Vorteil mit sich brachte." merkte der Elf einen Augenblick später ernst an, woraufhin John respektvoll den Kopf neigte. Noch bevor er jedoch etwas erwidern konnte ertönte erneut ein lautes, mehrstimmiges Gebrüll von außerhalb des Speisesaals und sie alle wandten sich um in Richtung der großen, Glasfenster, die in kurzen Abständen in die Wand eingelassen waren und an denen der Colonel zwei merkwürdig deplatzierte blaugrüne Blutflecken bemerkte.
Etwas anderes erregte seine Aufmerksamkeit jedoch noch stärker.
Dort draußen konnte er unmittelbar vor den Fenster zwei riesige Drachen miteinander in der Luft ringen sehen, die sich ihnen im Sturzflug näherten.
„In Deckung! Steven, die Kinder!" brüllte er aus Leibeskräften und packte selbst Eragon und die in die Rettungsdecke eingewickelte Miriam, ehe er sich mit ihnen weg vom Fenster hechtete. Er konnte Steven neben sich fluchen hören, als er aufsprang in Richtung der kleinen Traube aus Menschen und Jungdrachen, doch schon im nächsten Moment tat es einen gewaltigen Schlag, als die beiden erwachsenen Flugechsen durch die Wand krachten. Unzählige Fenster zersplitterten in unterschiedlich große Stücke, die wie Granatsplitter umherflogen und stellenweise auf dem blanken Gestein klirrend zersprangen. Schützend schob der Titan den Reiter und das Mädchen unter sich und konnte deutlich hören und spüren, wie zahlreiche Glassplitter und Stücke der Mauer gegen seinen Rücken, die Rüstung und dem Jump-Pack prasselten. Gleichzeitig vernahm er deutlich, wie die massigen Körper der Drachen sämtliches Mobiliar hinter ihm zermalmten, begleitet von lautem Fauchen und Brüllen. Doch Miller wagte es nicht sich umzudrehen, um danach zu sehen, solange noch Trümmer auf seinen Rücken krachten. Erst als dieser regelrechte Sturm aus Gesteinsbrocken und Glas verebbte sprang er wieder auf die Beine und drehte sich um.
Sein erster Blick galt Steven, der es zum Glück noch rechtzeitig geschafft hatte, sich wie eine lebende Mauer aus Muskeln und Stahl vor die Bediensteten und die angehenden Reiter zu stellen, sodass ihnen bis auf ein paar Schürfwunden oder nur leichte Schnittwunden nichts geschehen war. Irgendwo neben sich konnte er Shenmi hören, die offensichtlich das gleiche mit Vanir gemacht hatte, wie er mit Miriam und Eragon, doch seine Aufmerksamkeit galt gezwungener Maßen den beiden Kolossen, die nun vor ihnen inmitten des großen Speisesaals standen, beziehungsweise lagen.
Den einen Drachen erkannte er durch sein matschbraunes Schuppenkleid als Rúmidos wieder, wohingegen ihm sein fahlgrüner Kontrahent nicht bekannt vorkam. Beide Echsen trugen bereits einige Biss- und Kratzwunden am Körper. Rúmidos vor allem an der rechten Schulter und sogar teilweise am Hals, sein Gegner hingegen eher am linken Vorderlauf und der Brust. Zudem wirkte der Fahlgrüne einen ordentlichen Deut kräftiger, als der matschbraune Drachen, nachdem sie sich beide wieder aufgerappelt hatten und nun mit weit aufgerissenem Maul gegenüberstanden. Instinktiv langte nach hinten, um seine Railgun aus der Halterung zu ziehen, doch er musste laut fluchen, als sie in sein Sichtfeld gelangte.
Es sah aus, als hätte irgendjemand ein Schwert halb durch den Lauf des, schon von sich aus eher empfindlichen, Gewehrs gestoßen und damit unbrauchbar gemacht. Unwillkürlich sah er an sich hinab und bemerkte einen ringfingerlangen Schlitz in seiner Rüstung am unteren Bauch. Offensichtlich hatte er im Blutrausch gegen die Ra'zac ein Schwert von hinten durch den Bauch gerammt bekommen, der dabei seine Zweitwaffe schwer beschädigt hatte. Sofort ließ er die nun nutzlose Railgun fallen und zog stattdessen die Pistole aus dem Holster an seiner Hüfte, lud sie durch und legte auf den fahlgrünen Drachen an, der sich nun lautbrüllend gegen Rúmidos warf, der den Angriff ebenfalls brüllend erwiderte. Es tat einen regelrechten Schlag, als die beiden Giganten ineinander krachten und begannen sich mit Klauen und Zähnen zu beharken.
Nun stand Miller vor zwei Problemen. Erstens dürfte seine Pistole, trotz ihres hohen Kalibers, nicht ausreichen, um den stahlharten Schuppenpanzers zu durchdringen. Entweder die Kugel würde allein durch abgerundete Form der einzelnen Schuppen abgelenkt werden, oder aber sie würde viel zu viel kinetische Energie verlieren, um noch im Innern ausreichend Schaden anzurichten, damit er ihn zur Aufgabe bewegen konnte. Das Problem bestand zwar nicht mit seiner Maschinenkanone, die darauf ausgelegt war, leichte bis mittelschwere Panzerung zu durchdringen, aber seine Waffe lag entweder zwischen oder unter den beiden kämpfenden Flugechsen. Womit er jedoch zum zweiten Problem kam, wegen dem er auch noch keinen Feuer-frei-Befehl gegeben hatte. Die beiden Drachen waren einfach zu eng ineinander verschlungen, um sicherzugehen, nicht den falschen zu treffen. Shenmi und Steven schienen den gleichen Gedankengang gehabt zu haben, wie er, denn keiner der beiden eröffnete von sich aus das Feuer. Stattdessen hastete Yang zusammen mit Vanir an seine Seite, die Maschinenkanone im Anschlag und fragte zackig: „Was jetzt? Wir können unmöglich da rein feuern, sonst treffen wir Rúmidos!" „Ich weiß!" erwiderte der Colonel knurrend und wandte sich nach rechts, wo Eragon gerade neben ihn trat.
„Könnt ihr ihn nicht außer Gefecht setzten, wie die Drachen in der Eingangshalle?" schlug er in einem Geistesblitz dem Großmeister vor, der zu seinem Unmut jedoch nach einem kurzen Augenblick mit angestrengtem Gesicht den Kopf schüttelte. „Nein, nicht direkt. Irgendwelche Schutzzauber sind auf ihn gelegt und ich kann nicht in seinen Geist eindringen, als hätte jemand von außen eine Wand aufgebaut." erklärte der Drachenreiter angespannt. „Das ist schlecht." bemerkte der Titan daraufhin knapp und ließ dabei die Augen kurz hinüber zu Steven huschen, der zwar auch die Maschinenkanone in Händen hielt, aber nicht auf die beiden Drachen vor ihm zielte, während hinter ihm in der kleinen Menschentraube leichte Panik ausbrach. Selbst die Jungdrachen wirkten im höchsten Maße eingeschüchtert und wagten es nicht auch nur einen Schritt weiter als der Sergeant auf die kämpfenden Giganten zu zumachen.
„Ich könnte aber ein letztes Mittel nutzen, aber es wäre höchst riskant, falls jemand der Schwarzen Rose es mitbekommen würde. Eigentlich sogar zu riskant." bemerkte Eragon wenige Momente später sichtlich wütend darüber nichts tun zu können, als Rúmidos gerade schmerzerfüllt aufbrüllte, da der Fahlgrüne ihm kräftig in den Nacken biss, jedoch glücklicherweise nicht genug Halt fand, um diesen kurzen Vorteil auszunutzen. Verbissen dachte Miller darüber nach, was er tun konnte, kam allerdings immer wieder nur zu einer Lösung. Er war gerade schon im Begriff, seine Pistole wegzustecken, um sich die Rüstung an seinen Armen abzumontieren, als schwere Schritte hinter ihnen ertönten und nur Sekunden später Julia, Micheal und Aidan zu ihnen stießen.
Dabei fiel ihm sofort der lederne Beutel auf, den Mike sich über die rechte Schulter gelegt hatte und in dem offensichtlich etwas Schweres untergebracht war. Ohne Zweifel Glaedrs Eldunari. „Aidan sagte uns schon, dass er die Biosignatur von zwei Drachen in diesem Raum hier aufgespürt hat. Hier ist der Eldunari eures Lehrmeisters, Eragon." meinte Forke ernst und überreichte geschwind den Beutel an Eragon, der ihn dankbar nickend entgegennahm. „Wie sieht der Plan aus, Dad? Könnt ihr den Drachen nicht mit Magie ausschalten, Eragon?" wollte Stearn hingegen angespannt wissen, wobei sie sich nicht einmal die Mühe gemacht hatte, ihr Gaußgewehr zu ziehen, da es offensichtlich zu gefährlich war einen entsprechenden Schuss zu wagen in diesem Getümmel. Selbst für sie. „Es gibt Schutzzauber und irgendjemand oder irgendetwas beschützt den Geist des Fahlgrünen. Magie wird nichts gegen ihn ausrichten, oder schafft ihr es jetzt mithilfe von Glaedr die Schutzzauber zu überwinden?" antwortete John zackig und drehte den Kopf dem Drachenreiter zu, der sich nun selbst den Beutel über die linke Schulter hängte. „Daran arbeite ich schon die ganze Zeit, aber wer auch immer seine Zauber mit Energie speist hat mindestens so viel davon zu Verfügung, wie ein Drache. Es wird noch einige Momente dauern sie mit einer solchen Gegenwehr zu überwinden." knurrte der Großmeister angestrengt, woraufhin sich Miller missmutig auf die Unterlippe biss, als der fahlgrüne Drache abermals Rúmidos' Halsansatz zu fassen bekam und es diesmal schaffte mit seinem Gewicht den matschbraunen Drachen umzuwerfen.
„Die hat er nicht mehr. Aber ich habe eine Idee, wenn ich mit meiner Vermutung richtig liege!" rief Julia dann urplötzlich neben ihm und sprintete in Richtung der beiden Echsen los, ehe John sie zurückhalten konnte.
„Julia!" schrie er ihr auffordernd hinterher, aber es war vergebens, sie würde nicht auf ihn hören.
Binnen Sekunden legte sie die Distanz zu den beiden Drachen zurück, wo der Fahlgrüne gerade dabei war, seine Kiefer fester um Rúmidos' Hals zu schließen, der mit wilden Hieben und peitschendem Schwanz vergeblich versuchte sich aus dem Todesgriff zu befreien. Miller konnte sehen, wie seine Tochter sich kräftig vom Boden abstieß und dabei gleichzeitig das Jump-Pack als Sprunghilfe nutzte, um weiter zu kommen und bessere Kontrolle über ihre Landung zu haben. So präzise wie nur sie oder Emily es gekonnt hätte, landete sie mitten auf der Schnauze der fahlgrünen Echse, die ihre Anwesenheit ohne Zweifel bemerkte und deswegen von ihrem Kontrahenten abließ. Wild schleuderte der Drache seinen Kopf mit lautem Gebrüll hin und her doch der Colonel sah, wie sich Stearn mit eisernem Griff an einem der Hörner festklammerte, die sie wohl gerade so noch mit einem weiteren Sprung erreicht hatte. Dann hielt der Fahlgrüne wieder inne und hieb stattdessen mit seiner Pranke nach der Titanin, wie nach einer lästigen Fliege. Doch diese hatte sich mit Schwung zurück auf Schnauze des Drachens gehangelt, wo sie nun direkt zwischen seinen Augen auf der Stirn stand. Mit seinen mutierten Augen bemerkte John, wie sie im Bruchteil einer Sekunde etwas mit ihrem Blick, mitten auf der Stirn des Drachen fokussierte, die rechte Faust zum Schlag ausholte und dann präzise auf diese spezielle Stelle drosch, die sie sich als Ziel auserkoren hatte.
Zu seiner Verblüffung brüllte der Drache jedoch nicht vor Schmerzen, sondern verstummte stattdessen völlig. Die Echse blinzelte mehrfach verwirrt und wich einige Schritte zurück, während sie wie benommen den Kopf schüttelte, von dem Julia nun wieder heruntergesprungen war und dabei irgendetwas in der Hand zu halten schien.
„Was zum – " murmelte er skeptisch, als er mit ansah, wie der Fahlgrüne zunächst erschrocken Rúmidos betrachtete, der sich vor Schmerzen jaulend aufrappelte, ehe sein Blick auf ihre Gruppe fiel und er die Augen erst richtig aufriss. *Meister Eragon? Was –? Wie – wie komme ich hierher? Was ist geschehen? Was habe ich getan? Ich kann mich an nichts erinnern!* ertönte plötzlich eine aufgebrachte und sichtlich verstörte, männliche Stimme in seinem Kopf, die zweifelsohne zu dem grünen Drachen vor ihnen gehören musste. „Ganz ruhig Barys, beruhige dich. Ich weiß wie verwirrt du sein musst, doch dein Geist ist so durcheinander, dass wir dir nicht helfen können." rief Eragon ihm beruhigend zu, was den Titanen nur noch mehr zum Stutzen brachte.
Dann verschwanden mit einem Schlag sämtliche Emotionen von seinem Gesicht und seine Haltung versteifte sich, als die dritte Persönlichkeit wieder die Kontrolle erlangte.
'Scheinbar kennt Eragon diesen Drachen.' schlussfolgerte er für sich selbst trocken und sah zu, wie der Drache versuchte der Bitte des Großmeisters nachzukommen, indem er erst einmal seinen Kopf senkte. Vom restlichen Gespräch würden sie wohl nicht viel mitbekommen, da sie nur telepathisch stattfinden konnte und es keinen ernsthaften Grund gab die Titanen in ein derartig persönliches Gespräch mit einzubinden. Vor allem da dieser Barys offensichtlich das Opfer eines Gedächtnisverlusts war. Womöglich noch von der Schwarzen Rose verursacht. Stattdessen wandte sich der Colonel seiner Tochter zu, die nun wieder zu ihnen stieß, während Eragon mit Vanir nach vorne zum fahlgrünen Drachen und Rúmidos trat. Tatsächlich hielt sie etwas in ihrer rechten Faust verborgen, denn sie sagte in einem missmutigen Ton: „Es war wirklich so, wie ich es mir gedacht habe. Das gleiche wie bei Ileakri, Mike."
„Ein Edelstein auf der Stirn?" fragte der Admiral neben ihm skeptisch, woraufhin Julia zustimmend nickte und die Faust öffnete. Ein sprichwörtliche Handvoll Splitter eines fahlgrünen Edelsteins kam dabei zum Vorschein. ‚Das war es wohl gewesen, was sie auf Barys' Stirn gesucht und anschließend zerschlagen hat.' dachte sich John logisch schlussfolgernd, wobei er jedoch noch nicht ganz verstand, was sie damit meinte. War der Edelstein mit einer Art Zauber versehen, der den Verstand des Drachens übernahm? „Dies bestätigt die Theorie der Kräuterhexe Angela, dass die Schwarze Rose solche Edelsteine zur Gedankenmanipulation benutzt, um Drachen gefügig zu machen, Admiral." erklärte Aidan daraufhin analytisch und scannte dabei die Überreste in Stearns Hand. Zugleich verifizierte er damit Millers Vermutung zu einem gewissen Grad. Dieser steckte nun seine Pistole wieder in den Holster zurück und verschränkte dann die Arme vor der Brust. „Eine Art Manipulationsedelstein also? Ihr habt damit schon Bekanntschaft gemacht?" wollte er nüchtern wissen und warf dabei einen kurzen Seitenblick auf die junge Miriam, um sicherzugehen, dass bei ihr alles okay war. Sie wirkte zwar bewusstlos, doch weitestgehend unverletzt. „Ja. Ileakri, du erinnerst dich an das blaue Drachenmädchen, das unten bei Shad lag? Sie hatte genauso einen Edelstein auf ihrer Stirn, der in Form und Farbe perfekt an ihre Schuppen angepasst war. Sie hat damals völlig desorientiert gewirkt und sich an nichts erinnert, was im Zusammenhang mit dem Angriff auf Lendol stand. Sie erinnerte sich nur daran, von irgendwelchen Gestalten gefangengenommen worden zu sein. Daher kam Angela zu dem Schluss, dass dieser Edelstein der Grund für alles sein musste und scheinbar hatte sie recht damit. Was für Wichser, unschuldigen, nichtsahnenden Drachen einen Edelstein auf die Stirn zu kleben und sie damit zu willenlosen Sklaven zu machen!" erklärte Stearn ausführlich und ballte dabei die linke Hand zu einer wütenden Faust.
Der Colonel nickte verstehend. „So schaffen sie es also diese Drachen unter Kontrolle zu halten und für ihre Zwecke zu missbrauchen." bemerkte er trocken, woraufhin Micheal jedoch hinzufügte: „Nicht nur. Wir dürfen nicht vergessen, dass Bralluths Donner der Schwarzen Rose freiwillig dient, zumindest konnten wir keinen Edelstein auf seiner Leiche finden. Aber es ist trotzdem erschreckend, daran zu denken wie sich diese Drachen fühlen müssen, plötzlich in einer fremden Umgebung aufzuwachen, ohne Erinnerung an das, was sie getan haben." „Ein schrecklicher Gedanke." stimmte Shenmi knurrend zu und auch John musste im Stillen zustimmen. Da er selbst genau wusste, wie sich so etwas anfühlte, konnte er ziemlich genau ahnen, was zum Beispiel diesem Barys gerade durch den Kopf ging. Trotzdem wollte er Eragons Sicht auf den magischen Stein hören, vielleicht konnte er damit noch etwas mehr anfangen, als sie. Daher machte er eine nach vorn zeigende Geste, ehe er ernst meinte: „Wir sollten unsere Entdeckung mit Eragon teilen. Er wird sicher mehr damit anfangen können, als wir." „Gute Idee, Magie ist nicht unser Fachgebiet." befürwortete Julia ihn, wohingegen Shenmi neben Miriam in die Hocke ging und erklärte: „Geht ihr vor, ich bleibe hier bei ihr, um sie nicht allein zu lassen." „In Ordnung." erwiderte Miller nickend und setzte sich dann gemeinsam mit den anderen in Richtung der Eragon-Gruppe in Bewegung.
Dabei sah der Titan geschwind hinüber zu Steven, der inzwischen den Helm abgesetzt hatte und wohl offensichtlich versuchte die Leute bei ihm zu beruhigen, während die Jungdrachen dazu übergegangen waren, ihrem jeweiligen Reiter beizustehen. Dabei bemerkte er den jungen Simon, dem Delon zuneigungsvoll über die Wange schleckte. Der Junge war vollkommen bleich im Gesicht und er konnte sehen, wie sehr sein kleiner Körper vor Angst und Adrenalin nur so zitterte. Er nahm sich vor, später persönlich mit dem Kleinen zu reden, aber erst nachdem die Kämpfe ein Ende fanden. Auch den beiden Elfenangreifern und den Soldaten widmete er einen kurzen Blick. Die beiden Spitzohren lagen nachwievor gefesselt und geknebelt nebeneinander und hatten dank dem Tisch, unter dem sie halb steckten, kaum etwas von den Trümmern abbekommen, wohingegen die Menschen und die beiden Ra'zacs weniger Glück gehabt hatten, da sie deutlich näher an den Fenstern lagen. In ihrem Kampf hatte die beiden Drachen offensichtlich einen Großteil von ihnen unter ihren Klauen zertrampelt oder mit ihren massigen Körpern zerquetscht. Allerdings interessierte das den Colonel praktisch nicht, immerhin konnten sie überhaupt froh sein, dass Eragon sie nicht auf Anhieb getötet hatte.
Wenige Augenblicke später kamen sie dann neben dem Großmeister und Vanir zum Stehen, die ihrerseits vor Rúmidos und Barys standen. Der matschbraune Drache hatte einiges einstecken müssen von seinem größeren Artgenossen, doch er hielt sich tapfer auf den leicht zittrigen Beinen, während der Elf bereits dabei war, sich mit Magie um seine Verletzungen zu kümmern. Der fahlgrüne Drache hingegen hatte den Kopf tief hinunter zum Schattentöter gesenkt, der seine Hand auf die Schnauze der Echse gelegt hatte. Doch sofort als die Titanen zu ihnen traten weitete sich das zu ihnen zugewandte Auge von Barys und ein lautes Schnaube folgte. Der Drache hob abrupt sein Haupt an und fixierte sie mit einem musternden Blick, wohingegen sich Eragon zu ihnen umdrehte.
Sein Gesichtsausdruck strotzte dabei geradezu vor Wut, was Miller nicht sonderlich überraschte. Immerhin hatte der Großmeister bereits schon einmal mit versklavten Drachen zu tun gehabt und dass die Schwarze Rose nun eine ähnliche Methode anwandte brachte ihn ohne Zweifel zur Weißglut.
„Diese madenverseuchten Bastarde einer räudigen Hündin! Wenn ich den Verantwortlichen dafür in die Finger bekomme, wird er sich wünschen niemals geboren worden zu sein!" spie der Drachenreiter knurrend aus und ballte die Hände für einen kurzen Moment zu Fäusten. „Sie versklaven den Verstand der Drachen mit irgendeinem Zauber, der ihnen das Bewusstsein raubt. Barys hier erzählte mir, er könne sich nur daran erinnern, sich in seiner Höhle zum schlafen hingelegt zu haben, nur um dann hier bei uns wieder aufzuwachen, im Kampf gegen seinen eigenen Blutsbruder." „Das ist in der Tat ein großes Problem, Schattentöter. Meine Tochter konnte jedoch einen Edelstein von Barys' Stirn sicherstellen, der offenbar der Grund für sein Verhalten war. Einen ähnlichen Stein haben sie bereits schon bei der jungen Ileakri in Lendol gefunden. Scheinbar nutzt die Schwarze Rose diese mit Zaubern versehenen Edelsteine, um die Drachen zu versklaven." entgegnete John trocken und bedeutete Julia, Eragon die Bruchstücke zu zeigen, was die Pilotin ohne zu zögern tat. Die Augen des Großmeisters wurden groß, als er die Stücke des Edelsteins in die Hände nahm und genauer betrachtete.
Indessen rückte Barys mit seiner Schnauze näher an Stearn heran und schleckte ihr dann ohne Vorwarnung über den Helm, was durch die Widerhaken auf seiner Zunge ein metallisches Kratzen erzeugte. *Ihr, ihr seid es, die mich von diesem Bann befreit hat! Ich kann euch gar nicht genug dafür danken! Ohne euer Eingreifen hätte ich womöglich meinen kleinen Bruder getötet.*ertönte daraufhin erneut die Stimme des fahlgrünen Drachens, der über alle Maßen erleichtert wirkte. Julia wischte sich mit einer raschen Geste den Speichel vom Helm, ehe sie freundlich erwiderte: „Nicht der Rede wert, Barys." Barys schnaubte abermals, ehe er respektvoll meinte: *Ihr seid zu bescheiden, kleine Jägerin! Falls ihr je meine Hilfe benötigt, so werde ich zu euch eilen, so schnell ich kann, bei meiner Ehre!* „Ich werde daran denken, danke." antwortete die Titanin nickend, während John seine Aufmerksamkeit wieder auf Eragon lenkte, der noch immer die Bruchstücke des Edelsteins in seiner Hand musternd untersuchte.
„Und? Könnt ihr noch etwas damit anfangen, Eragon?" wollte er schlicht wissen und der Drachenreiter nickte langsam. „Ich denke ja. So starke Magie, wie sie für solch einen Zauber verwendet wurde, hinterlässt Spuren. Es wird mich einiges an Zeit und Arbeit kosten, aber ich denke ich werde herausfinden, wie sie es schaffen konnten, den Verstand eines Drachens derartig zu unterjochen." erklärte er nachdenklich und viel gefasster, als noch vor wenigen Augenblicken. „Das ist gut zu hören." merkte der Colonel zufrieden an und war etwas überrascht, als eine weitere, ihm fremde Stimme, durch seinen Kopf hallte, die überaus aus alt und weise klang.
*Es ist wohl eine glückliche Fügung, dass eure Tochter einen derartigen Geistesblitz hatte, Drachenritter. Dieser Stein wird uns helfen den faulenden Verstand dieser Madenbruten zu verstehen.* meinte die Stimme dankbar und Miller hatte keine Zweifel daran, wer es sein könnte. ‚Es ist auch schön eure Bekanntschaft zu machen, Glaedr.' erwiderte er in Gedanken und erhielt als Antwort ein telepathisches Brummen, welches durch seinen Schädel hallte. *Ebenso wie es für mich eine Freude ist, Soldat. Auch wenn ich gehofft hatte, dass unsere Begrüßung unter weit freundlicheren Umständen stattfindet. Aber lasst mich gleich meinen Dank für eure Hilfe aussprechen, John. Ohne euch, will ich nicht wissen, was geschehen wäre.* bemerkte der alte Drache respektvoll, wobei John natürlich verstand, was er meinte. Ohne sie, wäre Eragon niemals rechtzeitig zur Verteidigung hier gewesen, auch wenn sie in gewisser Weise gleichzeitig der Grund für seine Reise waren. Aber er verdrängte dieses Paradoxon weit in den Hintergrund und entgegnete stattdessen: ‚Es war nur selbstverständlich zu helfen. Ich hoffe ihr findet heraus, um was für einen Zauber es sich handelt, um einen wirksamen Gegenzauber zu entwerfen. Damit wären wir unseren Feinden endlich einmal einen Schritt voraus.' *Das werden wir, verlasst euch darauf!* knurrte Glaedr ehe sowohl Miller als auch Eragon überrascht aufhorchten, als plötzlich Kenos Stimme aus einer seiner Taschen an der Lederrüstung drang.
„Meister Eragon! Meister Eragon!" rief der junge Reiter leicht gedämpft und ohne zu zögern langte sich der Großmeister in die linke Tasche auf Höhe seiner Rippen, um einen kleinen, ungefähr handflächengroßen Spiegel hervorzuziehen, während auch Micheal, Aidan und Julia etwas näher rückten, um zu sehen, was vor sich ging.
Leicht verwirrt hob der Colonel eine Augenbraue an, als er im Spiegel das Gesicht des jungen Kenos erkennen konnte, der eindeutig aufgewühlt und extrem gestresst wirkte. „Keno? Was gibt es, mein Junge?" fragte Eragon gleichermaßen überrascht, woraufhin ein erleichtertes Seufzen seitens des Jungen folgte. „Oh Meister Eragon! Bin ich froh euch zu sehen! Es ist etwas Schreckliches passiert!" plapperte der Junge eifrig drauflos. Sofort klingelten sämtliche Alarmglocken in Johns Kopf und es wurde nicht besser, als Keno offensichtlich den Spiegel an eine andere Person weiterreichte und er wenige Augenblicke später das grasgrüne Gesicht von Kevin vor sich sah.
„Kevin!" riefen Stearn und Forke gleichermaßen perplex aus, woraufhin der Sanitäter ein bitteres Schmunzeln aufsetzte. „Hallo, es ist einerseits schön euch alle wohlbehalten wiederzusehen und doch gleichzeitig auch nicht, denn ich habe schlechte Neuigkeiten." begann er in seiner typisch ruhigen Art zu erzählen. „Was ist geschehen, Kevin?" verlangte Miller streng zu wissen und das Schmunzeln verschwand wieder gänzlich vom Gesicht seines Sohnes, als dieser ernst aber missmutig antwortete: „Die Venator wurde angegriffen, Dad, genauso wie Tymdeks Hort. Sie haben Shixin, Sebastian, Misa, Lyath und eines ihrer Küken entführt. Von Tymdek selbst fehlt jede Spur und Trestol und Mimiath haben sich als Verräter entpuppt. Sie stecken mit der Schwarzen Rose unter einer Decke."
Die Stille die auf seine Worte folgte, war so vollkommen, dass man sie fast hätte greifen können.
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[Eragon Fan-Fiction] Der Titan und die Drachenreiter
Fiksi PenggemarDer Soldat John Miller findet sich nach einem schrecklichem Unfall an den Ufern eines ihm unbekannten Landes wieder. Schon sehr bald wird ihm bewusst, dass er sich nicht mehr in seiner eigenen Welt befindet. So also macht er sich auf den Weg, die Dr...
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