Beratung

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„Holy Fuck!" konnte John, Steven hinter sich keuchen hören, während er selbst ebenfalls überrumpelt in der riesigen Höhle umher sah. Durch seine Drachenaugen wurde das Licht der einzelnen Edelsteine, die nichts anderes als Seelenhorte sein konnten, um ein Hundertfaches verstärkt und er konnte nicht anders, als mit halboffenem Mund über die Szenerie zu staunen. In all seinen Jahren, hatte er noch nie etwas Vergleichbares erlebt. Nicht einmal annähernd.

Aus den Augenwinkeln heraus bemerkte er, wie Feyths Körper vor Aufregung zu zittern begann. Glücklicherweise bemerkte Emily es auch und fuhr dem kleinen Drachenmädchen beruhigend über den Hals. „Das ist – unglaublich." murmelte Robert hinter ihm ebenso verblüfft und seine Frau klickte laut mit ihren Mandibeln, wohingegen Julia scheinbar in Windeseile jeden einzelnen der großen Edelsteine kurz mit ihren Adleraugen musterte. Nur Alex schien recht unbeeindruckt zu wirken, wobei man es ihm durch seinen Helm hindurch auch nicht wirklich ansehen konnte.

Der Colonel war so gebannt von dem ganzen Anblick, dass er leicht zusammenzuckte, als er plötzlich das Gefühl hatte, als würde ihm jemand mit einem Schneebesen durchs Hirn rühren. Gleichzeitig konnte er im Hintergrund hunderte von fremden Stimmen hören, die in einer komplett unverständlich Sprache miteinander flüsterten, beziehungsweise war es nicht einmal eine richtige Sprache, sondern vielmehr ein gutturales Knurren und Raunen. Er wusste jedoch ganz genau, was eigentlich in seinem Verstand vorging und ein Blick zur Seite auf seine Kinder, welche sich leicht den kopfschüttelnd gegen die Stirn fassten, bestätigte seine Vermutung.

Die Drachen, deren Geist offensichtlich in diesen Kristallen hauste, durchsuchten ihre Erinnerungen und Miller war alles andere als glücklich darüber. „Es freut mich euch kennenzulernen Umaroth, aber denkt ihr wirklich es ist in eurem Interesse, einfach so unsere Gedanken zu durchwühlen, ohne unsere Erlaubnis?" knurrte er leicht verstimmt in Richtung des metallischen Wächters, den Eragon zuvor als Cuaroc vorgestellt hatte.

*Es ist notwendig, Drachenritter. Jeder der in diese Halle eingelassen wird, muss sich unserer Prüfung stellen, unabhängig davon, was für Heldentaten ihr schon vollbracht habt.* antwortete der alte Drache, mit seiner respekteinfordernden Stimme und wie um seine Worte zu unterstreichen zuckte John abermals zusammen, als ein kurzer, eisiger Stoß durch seine Gedanken schoss. Er knurrte verärgert und ballte die linke Hand zu einer Faust. Die Selbstgefälligkeit des Drachens missfiel dem Colonel zutiefst und damit war er nicht allein. „Ich verstehe eure Bedenken sehr gut, Umaroth, aber ohne Erlaubnis in meiner Privatsphäre herumzuschnüffeln? Was glaubt ihr, was wir sind? Spione der Schwarzen Rose?" meinte Robert erbost und verschränkte die Arme vor der Brust, während er nicht Cuaroc, sondern Eragon mit ernstem Blick ansah. Der Pilot mochte zwar nicht so ausladende Schultern wie Steven oder Alex besitzen, doch mit seinen über drei Metern Größe wirkte er fast genauso einschüchternd.

*Würdet ihr einer völlig fremden Person ohne zu zögern trauen, wenn sie voll gerüstet euer Heim betritt?* entgegnete Umaroth in einem ebenso scharfen Ton, woraufhin Robert trocken dagegenhielt: „Das kommt darauf an. Wenn dieser jemand zuvor ein Dorf vor der völligen Ausrottung und zweien meiner Schülern das Leben retten würde, dann, ja, glaube ich, würde ich ihm zumindest das Vertrauen schenken, selbst entscheiden zu dürfen, ob man in seinem Geist herumwühlt oder nicht."

„Bitte verzeiht ihr rüdes Verhalten, meine Freunde. Umaroth-Elda meinte es mit Sicherheit nicht böse. Viele der älteren Drachen in dieser Halle würde eure Worte, mit denen ihr euch ansonsten vorgestellt hättet, nicht wirklich verstehen, da ihre Denkweise völlig andere Richtungen einschlägt, wie die unsere. Eure Erinnerung zu durchsuchen, ist der schnellste und einfachste Weg für sie, euch richtig kennenzulernen. Noch hinzukommt, dass viele von ihnen Menschen im Allgemeinen misstrauen, was den Gräueltaten von Galbatorix zuzurechnen ist. Und ihr könnt euch sicher sein, sie würden niemals eure intimsten und privaten Momente genauer betrachten, darauf habt ihr mein Wort, Robert." sprang der Schattentöter schnell dazwischen, bevor die kleine Diskussion noch zu einem richtigen Streit werden konnte. Holsted hob skeptisch eine Augenbraue, doch John nickte verstehend. „Es wäre dennoch angebracht gewesen, uns zumindest vorher zu warnen, aber ich kenne diesen Unterschied von dem ihr redet. Es ist praktisch so, als würde man ein Kleinkind mit einem alten Mann sprechen lassen." merkte er ernst an und richtete dann seinen Blick kurz auf Alanna, die in der Zwischenzeit vorsichtig seine rechte Hand ergriffen hatte und selbst extrem eingeschüchtert neben ihm stand.

Scheinbar waren die Titanen nicht die einzigen Betroffenen des Übergriffs. „Das berechtigt den alten Mann trotzdem nicht, einfach die Gedanken des Babys zu lesen, wie auch immer er das anstellt." brummte Alex missmutig und schüttelte seinen Kopf, als würde er versuchen eine Fliege zu verscheuchen. *Schattentöter hat recht. Viele von uns haben schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht und die Ältesten unter uns sprechen in einer Art miteinander, in der es selbst mir noch schwerfällt, sie zu verstehen. Euch wäre es unmöglich es überhaupt erst zu versuchen.* fügte Umaroth bestätigend hinzu und einen Augenblick später verschwand das Gefühl in Johns Kopf komplett.

*Nichtsdestotrotz, die Küken haben recht, es war respektlos euch gegenüber.* ergänzte er seine Aussage entschuldigend, wobei jedoch sein Ton nach wie vor respekteinfordernd klang. „Woah! Ich werde mich nie wieder darüber beschweren, wenn du deinen Looping mit 720° Drehung fliegst, Rob. Man fühlt sich das Scheiße an, als hätte mir jemand das Hirn durchgeknetet." murmelte Steven leise und schlug sich selbst gegen die Schläfe, wohl um die Benommenheit abzuschütteln. Julia hingegen schien sich schon erholt zu haben und fixierte etwas direkt über ihnen an der Höhlendecke, höchst wahrscheinlich einen der Eldunari. Miller sah immer noch die Elfe an, deren an sich schon extrem helles Gesicht noch bleicher geworden war. Ihre Knie hatten sogar begonnen zu zittern. Der Titan hatte schon eine grobe Idee, was die Ursache dafür war. Mit ziemlicher Sicherheit hatten die Drachen sich ihrer angenommen und wegen ihrer vielen Verbrechen ordentlich zusammengefaltet.

Oder Schlimmeres.

Er konnte nicht anders, als Mitleid für sie zu empfinden. Sie war kein schlechter Mensch, oder in ihrem Falle Elf, wie er mittlerweile selbst festgestellt hatte und sie bereute ihre Taten wirklich zutiefst.

„Alles in Ordnung?" fragte er deshalb mit gesenkter Stimme, woraufhin Alanna schwer schluckte und ihn dann langsam nickend ansah. „J – ja. Ich sollte nur froh sein, dass keiner der alten Meister noch seinen Körper besitzt, sonst würde ich meinen Kopf nicht mehr auf den Schultern tragen." erwiderte sie hörbar erschüttert und fügte nach einem kurzen Seufzer mit gesenktem Kopf hinzu: „Aber es war nicht so schlimm, wie ich es befürchtet hatte. Sie werden sich noch einmal über meine Strafe beraten, sobald die Ratssitzung vorbei ist und Umaroth-Elda meinte, dass meine Taten zwar verachtenswert wären, jedoch hätte ich zumindest gemerkt, was richtig und was falsch ist und zumindest einen Teil meiner Schuld bereits beglichen. Wenn auch nur einen sehr geringen Teil." „Sie werden gesehen haben, dass du es wahrhaftig bereust, was du getan hast. Ich habe dir ja versprochen, sobald du dich bei Lyath entschuldigt hast und sie dir vergibt, werde ich keinerlei Groll mehr gegen dich hegen. Ich werde es zwar nicht vergessen, aber du kannst dich darauf verlassen, dass ich dich ab diesem Augenblick als Freund sehe. Bis dahin seid ihr nur ein Verbündeter." meinte er aufmunternd und schenkte ihr ein wohlwollendes Lächeln. Eine große Last schien von der Elfe abzufallen, denn fast sofort kehrte ihre gewöhnliche Gesichtsfarbe zurück und sie erwiderte sein Lächeln. „Vielen Dank, John-Vodhr, das bedeutet mir wirklich sehr viel." entgegnete sie mit weicher Stimme und ihr Griff um seine Hand schien sich deutlich zu entspannen.

Sie machte auch einen Schritt näher an seine Seite, sodass ihre Schulter seinen Arm berührte, was ihn leicht stutzig werden ließ, doch bevor er sie darauf ansprechen konnte, ergriff Eragon erneut das Wort und er horchte auf: „Ich bitte noch einmal diese misslungene Vorstellung zu entschuldigen, meine Freunde. Umaroth-Elda habt ihr ja nun bereits kennengelernt und sicher fragt ihr euch, was es mit all den Edelsteinen in dieser Halle auf sich hat, beziehungsweise, wo sich Umaroth und die übrigen Ratsmitglieder verbergen, die ihr bereits in eurem Geist gespürt habt." Dabei deutete er mit einer ausladenden Geste auf die hunderten Seelenhorte, die in die pechschwarzen Wände eingelassen waren und die Höhle mit ihrem warmen Licht erhellten. „Nun ja, das wäre zumindest mal ein Anfang, nach der Aktion gerade." entgegnete Steven zustimmend, während er der kleinen Feyth, die immer noch leicht verwirrt wirkte, zärtlich den Kopf tätschelte.

Der Großmeister neigte noch einmal entschuldigend das Haupt bevor er fortfuhr: „Zunächst jedoch, muss ich euch allesamt bitten, einen Schwur in der Alten Sprache abzulegen, der dafür sorgt, dass diese Kammer und ihre Bewohner geheim bleiben. Das bedeutet nicht, dass ich euch nicht vertrauen würde, das Geheimnis für euch zu behalten, aber bei dieser Sache geht Sicherheit vor. Jeder in diesem Raum, hat diesen Schwur abgelegt, selbst König Orik." Der Zwerg fuhr sich nickend durch den Bart und brummte bejahend: „Das stimmt. Dieses Geheimnis ist zu wertvoll, um es ohne eine Absicherung preiszugeben."John, der bereits wusste um was es sich bei den Edelsteinen handelte erwiderte ernst: „Natürlich, das verstehen wir vollkommen." „Wir haben schließlich auch Geheimnisse, die nicht jeder wissen zu wissen braucht." stimmte Emily mit klickenden Mandibeln zu und streichelte gleichzeitig Feyth liebevoll über die Flanke, was dem kleinen Drachen sichtlich ihre Anspannung nahm, denn sie fiepte dankbar und schmiegte sich noch enger an die Brust der Titanin. Eragon schien innerlich erleichtert aufzuseufzen, als sie ihre Zustimmung gaben, den Schwur abzulegen, denn wie Miller bemerkte entspannte sich seine komplette Körperhaltung und auch die Gesichtszüge wurden weitaus freundlicher. Es dauerte einige Minuten, bis sie alle nacheinander den Schwur, den ihnen der Drachenreiter vorsagte, nachgesprochen hatten, wobei sogar Feyth dieses Versprechen in der Alten Sprache ablegen musste.

Dann jedoch kamen sie zu einem kleinen Problem, als Aidan an der Reihe war.

John hob skeptisch eine Augenbraue, als der Großmeister sich der KI zuwandte, die bisher stumm neben ihm auf Kopfhöhe verharrt war. „Der Schwur wird bei ihm sehr wahrscheinlich keine bindende Wirkung haben, Eragon. Aidan ist kein gewöhnliches – Lebewesen." versuchte der Colonel es zu erklären und war überrascht zu sehen, dass Eragon mit ernster und gleichzeitig faszinierter Miene nickte. „Das wissen wir bereits, John. Seit er hier ist, konnte weder ich, noch Saphira oder sonst eine Person, seinen Geist erspüren. Es ist, als würde er nicht existieren. Diese Fähigkeit den Geist komplett zu verbergen, habe ich bis heute nur bei einem anderen Wesen erlebt, den Ra'zac." „Ja, nur ist es bei ihm keine Fähigkeit sonder, nun, wie soll ich es am besten erklären? Aidan am besten versuchst es du selbst. Aber bitte in einer einfachen Ausführung!" erwiderte Robert und kratzte sich nachdenklich am Kinn. Sofort erwachte der Roboter zum Leben und sein kleines, gelbes Auge, inmitten des blau leuchtenden Gehäuses, fixierte den Drachenreiter vor sich.

„Wie sie wünschen, Major. Ich werde versuchen, es ihnen zu erklären, was ich bin, Sir. Bitte, drehen sie sich um und blicken zu der Person, die sie als Cuaroc, den Wächter vorgestellt haben." begann Aidan munter loszulegen und Eragon tat wie ihm geheißen. Auch Saphira und die anderen Anwesenden sahen hinüber zu dem metallischen Drachenmann und spitzten gleichzeitig neugierig die Ohren. Miller hingegen runzelte leicht die Stirn. 'Was er wohl vorhat?' fragte er sich in Gedanken und stutzte über die Antwort, mit der er nicht gerechnet hatte.

„Er und ich sind in unserem Aufbau praktisch identisch, wenn man von den technologischen Unterschieden absieht." meinte die KI und klang dabei regelrecht fasziniert. Alle Anwesenden, mit Ausnahme von Robert und Julia, machten große Augen und blickten immer wieder von dem schwebenden Roboter zu Cuaroc hin und her. „Ich verstehe nicht ganz, wie meint ihr das?" fragte der Großmeister und schüttelte verwirrt den Kopf, während Cuaroc sein Drachenhaupt leicht schräg legte und die KI mit seinen roten Augen anstarrte.

Aidan ließ sich jedoch nicht beirren und antwortete in seiner typischen Art: „Sein Körper, besteht aus einer besonderen Metalllegierung, genauso wie der meine. Jedoch geht es bei meinem Vergleich eher um unseren jeweiligen Kern. Cuaroc besitzt einen ungefähr kopfgroßen, ungeschliffenen Edelstein in seinem Inneren, welcher durch Drähte aus reinem Silber mit dem Körper verbunden ist, aber das dürfte ihnen ja bereits bekannt sein, Sir. Jedoch ist es nahezu identisch, beziehungsweise ähnelt es dem Aufbau meines Systems sehr stark. Auch ich besitze als Speichermatrix einen eigens dafür angefertigten Speicherkristall, der durch vielerlei Drähte und Verbindungen mit dem ihm umgebenden Körper verbunden ist."

Diese Erklärung reichte John und den anderen Titanen völlig aus, zu verstehen, was die KI meinte. 'Wenn man es so betrachtet, hat er völlig recht.' dachte Miller leicht beeindruckt von dem unglaublichen Vergleich, den der Roboter auf die Schnelle gezogen hatte.

Nur die Reiter, die Drachen, Bloedhgarm und Orik schienen dem ganzen noch nicht ganz zu glauben. *Das ist unmöglich, Metallgeist! Würdet ihr einen Eldunari in euch tragen, könnten wir ihn spüren.* donnerte Umaroths mächtige Stimme abermals durch seinen Kopf und der Colonel bemerkte, dass der alte Drache leicht aufgebracht wirkte, als hätte Aidan irgendein Tabu gebrochen, oder ihn einfach angelogen. *Dem stimme ich zu, Ebrithil. Würde der Metallgeist tatsächlich aus irgendeinem unerfindlichen Grund einen Seelenhort in sich tragen, könnte er sich niemals vollständig verbergen.* folgte eine deutlich sanftere, männliche Stimme, die John nur Dorn zuordnen konnte.

Eine unangenehme Stille entstand zwischen allen Anwesenden, bis der Titan geistesgegenwärtig feststellte, dass Aidan diese telepathische Unterhaltung überhaupt nicht hören konnte.

„Sie sagen, dass sie dir nicht glauben, Aidan." erklärte er der KI rasch, welche daraufhin kurz von Blau auf Violett und dann über Grün zurück auf Blau wechselte. Dann wandte Aidan sich Robert zu und sagte ernst: „Bitte entfernen sie kurz meinen Speicherkristall, Major, und zeigen sie ihn Herrn Eragon." Der Pilot zog fragend eine Augenbraue nach oben und erwiderte: „Wenn du das willst." „Positiv. Gehe auf Standby-Modus." meinte der Roboter bestimmt und sofort erlosch das blaue Licht, das ansonsten von ihm ausging. Er schwebte nun nur noch wie eine leblose Hülle direkt vor Holsteds Gesichts, welcher sich vorsichtig daran machte, einige Mechanismen an dem metallischen Kugel zu betätigen, nur um wenige Augenblicke später behutsam einen etwa faustgroßen Kristall aus einer mehrfach versiegelten Kammer zu ziehen.

Aidans Speicherkristall besaß eine kräftige hellblaue Farbe, eine makellose Oberfläche und glich in seiner Form einer in die Länge gestreckten Doppelpyramide. John hatte ihn bisher nur ein einziges Mal gesehen, damals, als Micheal voller stolz sein neustes Projekt vorgestellt hatte. Doch seitdem hatte sich nichts an ihm verändert. Vorsichtig reichte Robert den Kristall an John weiter, während er erklärend flüsterte: „Nimm du ihn lieber, Dad. Ohne Atlas hast du ein besseres Handgefühl, als ich." Miller nickte zustimmend. Der Kristall fühlte sich merkwürdig warm in seiner Handfläche an. Zusammen mit Alanna, die den Speicherkristall mit neugierigen Augen betrachtete und immer noch seine Hand hielt, ging er zu Eragon und den anderen am Tisch hinüber. In seinem Kopf konnte er spüren, wie Feyth den Kristall durch seine eigenen Augen ebenfalls fasziniert musterte. Achtsam, sodass seine Krallen den Speicher nicht ankratzten, zeigte er ihn den Drachenreitern, Orik und Bloedhgarm, die allesamt sehr beeindruckt wirkten. Er konnte hören, wie auch Saphira und Dorn ihre mit Schuppen besetzten Hälse reckten, um einen besseren Blick auf den Kristall zu erhaschen.

„Das ist wirklich unglaublich." murmelte der Großmeister in Gedanken, wohingegen Murtagh Aidans Speicherkern einfach nur stumm musterte. „Wer auch immer diesen Kristall bearbeitet hat, wusste was er tat. Mein Clan ist zwar bekannt für seine Schmiedearbeiten, doch jeder Zwerg erkennt einen perfekt geschliffenen Edelstein, wenn er ihn sieht. Ohne Zweifel das Werk eines wahren Meisters der Edelsteinschleifkunst!" brummte der Zwergenkönig anerkennend und Bloedhgarm nickte zustimmend. „Es scheint, als hätte euer kleiner Kamerad tatsächlich die Wahrheit gesagt." meinte der Elf mit seiner Singsang-Stimme. *Es ist, wie der Wolfskatzenelf sagt. Auch wenn es keiner unserer Seelenhorte ist, ist es unweigerlich ein Kristall und der Kern seines Wesens.* grollte Umaroths Stimme durch Johns Kopf. *Er ist wirklich sehr hübsch.* flüsterte Feyth anschließend in seinen Gedanken, woraufhin der Titan leicht schmunzeln musste.

Allerdings versteifte sich einen Moment später seine Haltung, seine Gesichtszüge wurden emotionslos und auch Alannas Hand ließ er ohne Umschweife los. „Ich denke, das reich als Beweis, für Aidans Aussage, oder? Ich will nicht unhöflich auf euch wirken, aber wir haben im jetzigen Augenblick keine Zeit dafür darüber zu diskutieren, inwiefern sein Speicherkristall einem Seelenhort ähnelt, insbesondere solange die Schwarze Rose weiterhin ihre Machenschaften in den Schatten fortführt." bemerkte er nüchtern und trat daraufhin zurück zu Robert und überreichte ihm den Kristall wieder. Holsted, der natürlich wusste, was plötzlich mit seinem Vater los war, nickte verstehend und setzte den Speicherkern umgehend wieder in den Roboterkörper ein. Auch die anderen Titanen erkannten sofort, dass die Persönlichkeit ihres Vaters gewechselt hatte und Steven murmelte Alex verdrossen zu: „Jetzt ist der Spaß erst mal vorbei." „Ja." erwiderte Nurton leise, während Eragon überrascht die Augen aufriss.

„Woher wisst ihr von den Seelenhorten?" verlangte er streng zu wissen, worauf John vollkommen trocken antwortete: „Lyath hat mir in gewisser Weise davon erzählt, als ich das erste Mal auf sie traf. Aber das tut jetzt nichts zur Sache, ihr wolltet uns ohnehin erklären, was es mit den hunderten Edelsteinen in der Höhle hier auf sich hat. Oder möchtet ihr, dass ich euch Wort für Wort erkläre, wie sie mir davon berichtet hat? Ich für meinen Teil, würde es vorziehen derlei unbedeutende Dinge ein andermal zu besprechen, falls es unbedingt notwendig ist." Der Großmeister blinzelte mehrmals überrumpelt und sah hinüber zu Murtagh, der leicht den Kopf schräg legte.

Während der kurzen Zeit des Nachdenkens, schloss Robert den Speicherkristall wieder an Aidans Körper an, der mit einem leisen Biepen erwachte und sofort wieder seine gewohnte, blaue Farbe annahm. „Hochfahren erfolgreich. Zeit im Standby-Modus: Fünf Minuten. Schön sie wiederzusehen, Major. Konnte die Angelegenheit inzwischen beigelegt werden?" „In gewisser Weise Aidan." erwiderte der Pilot schulterzuckend. „Ausgezeichnet! Reaktiviere Watcher-Direktive." plapperte die KI zufrieden und verstummte erneut, während er sich abermals neben Johns rechter Schulter positionierte. Inzwischen hatte der Großmeister leicht resigniert geseufzt und nickte nun zustimmend.

„Ihr habt recht, John. Wir sollten hier im Rat nicht über derart belanglose Dinge diskutieren, wenn es weitaus wichtigere Sachen zu besprechen gibt." „Schön, dass ihr mir zustimmt." entgegnete Miller teilnahmslos und verschränkte die Arme vor der Brust, wobei er sich fast selbst mit seinen Krallen in die Brust stach. Er nahm sich vor, sie bei der nächstbesten Gelegenheit zu schneiden. Dann widmete er seine Aufmerksamkeit erneut dem Schattentöter, welcher nun wieder etwas gefasster wirkte und mit einer Geste auf die schier unzähligen Eldunaris deutete.

„Diese Edelsteine, die ihr hier in den Wänden eingelassen seht, sind allesamt Seelenhorte von Drachen. Es ist der letzte Ausweg, den ein Drache wählen kann, um zu überleben. Falls sein Körper sterben sollte, kann er seinen Geist und die gesamte Energie, die er zum Zeitpunkt seines Todes in sich trägt, in dieses edelsteinartige Gebilde in seiner Brust übertragen. Es wird auch Herz der Herzen, oder aber Eldunari. Das was ihr also hier seht, sind die Ratsmitglieder, die vor ein paar Minuten, so unsanft eure Erinnerungen durchsuchten. Wie Umaroth-Elda schon sagte, viele von ihnen sind uralt, weswegen ihr Geist angefangen hat in einer gänzlich anderen Art zu denken. Die jungen Drachen unter den Eldunaris, verstehen nicht, was die Ältesten untereinander bereden und umgekehrt ist es meist nicht besser. Deswegen hat Umaroth-Elda sich dazu bereiterklärt, als Brücke zwischen den Generationen zu stehen. Er ist es auch, der ihre Gedanken in Worte fasst." erklärte Eragon ernster Stimme und schien einigermaßen überrascht zu sein, als sich die Verblüffung bei den Titanen sehr in Grenzen hielt.

Lediglich Steven wirkte etwas mehr beeindruckt und sah sich die edelsteinbesetzten Wände und die Decke noch einmal mit halboffenem Mund an. „Wow! Dann sind das hier also wirklich alles, junge und uralte Drachen? Echt Wahnsinn." murmelte der Sergeant laut, während Feyth aufgeregt aus Emilys Armen sprang und auf Alex Schulter landete, wo sie sich zu voller Größe aufrichtete und staunend die Seelenhorte ihrer Artgenossen betrachtete. Nurton sah das kleine Drachenmädchen verblüfft an und legte ihr nach einem kurzen Zögern zärtlich seine riesige Pranke auf die Flanke.

*Es – es sind so viele John! Ich wusste, dass es alles uralte Drachen waren, als sie unseren Geist durchsuchten, aber Vater hat mir nie von einem "Herz der Herzen" erzählt! Und ich habe mich schon damals gefragt, was Keno mit "Eldunari" meinte!* meinte sie aufgeregt in Johns Kopf. Ihr Aufregung, Freude und Ehrfurcht waren deutlich zu spüren für ihn und er überlegte schon, ob er nicht wieder seiner anderen Persönlichkeit Platz machen sollte, doch er beschloss, dass die kommende Besprechung zu wichtig war, um sie noch weiter hinauszuzögern. So also erwiderte er so freundlich er konnte: 'Das hat sicher einen guten Grund, dass es dir dein Vater nicht erzählt hat. Du warst wohl einfach noch nicht bereit dafür.' *Wahrscheinlich, ja. Aber ist das nicht ein unglaubliches Gefühl? Einige von ihnen sind weit über tausend Jahre alt und sogar noch älter!* entgegnete sie ehrfürchtig woraufhin ihr Miller einfach nur seine Zustimmung schickte.

Gleichzeitig wandte er sich an Eragon, der ihn seinerseits erwartungsvoll ansah. „Das ist wirklich beeindrucken, Schattentöter. Die ältesten unter ihnen müssen wohl einen wahren Wissensschatz in sich tragen. Kein Wunder, dass ihr uns einen Eid habt schwören lassen, ihre Existenz geheim zu halten." merkte er respektvoll an, was der Drachenreiter mit einem Nicken dankbar entgegennahm. Es war jedoch Umaroth, der ihm antwortete: *Damit habt ihr recht, Rotauge. Doch auch ihr selbst, beherbergt viele Erinnerungen in eurem Verstand. Ihr seid der älteste Mensch, dem ich je begegnet bin, solange ich Drachenreiter außen vor lasse. In den Maßstäben eures Volkes, wäret ihr genauso alt, wie die ältesten von uns und mit Sicherheit trag auch ihr viel Weisheit in euch.* Seine Stimme klang dabei sogar relativ respektvoll und nicht so herablassend, wie zuvor. „Vermutlich. Ich schätze, ihr seid in eurem Leben schon einigen Personen mit mehreren Persönlichkeiten begegnet? Zumindest wirkt ihr auf mich nicht überrascht." erwiderte John nüchtern. *Das ist wahr. Viele von uns haben auf ihren Reisen solche Leute wie euch getroffen, auch wenn sie meist nicht so viele Persönlichkeiten in sich trugen, wie ihr.* bestätigte der alte Drache brummend und John meinte tonlos: „Ich verstehe."

Daraufhin deutete Eragon höflich auf die Stühle, welche um den Obsidiantisch herumstanden und sagte laut: „Bitte, setzt euch doch, damit wir mit der Besprechung beginnen können. Keine Sorge, sie sind magisch verstärkt und werden euer Gewicht ohne Probleme tragen." „Und ich dachte schon, wir müssten jetzt die ganze Sitzung über stehen." gluckste Steven amüsiert und setzte sich genauso wie die übrigen Titanen auf einen der Stühle. Miller ließ seinen Blick kurz über die kleine Runde schweifen, bevor er sich selbst recht neben Orik setzte, der ihm ein gutmütiges Nicken schenkte. Alex, mit Feyth auf der Schulter, Julia und Alanna setzten sich neben ihn, während Emily, Robert und Steven neben Bloedhgarm Platz nahmen. Der Wolfskatzenelf warf Coule einen abschätzenden Blick zu, den der Titan mit einem freundlichen Schmunzeln begegnete. Allerdings konnte John deutlich den leichten Missmut in der Miene des Elfs erkennen. 'Sehr wahrscheinlich hat er Stevens Satz mit den "Baumlutschern" doch gehört, hätte mich auch sehr gewundert wenn nicht. Hoffentlich artet das nicht zu einem kleinen Streit aus. Am besten werden wir das so schnell wie möglich geradebiegen.' überlegte er scharfsinnig und ruckte etwas mit seinem Stuhl zurück, als Feyth von Alex Schulter auf seinen Schoß sprang, ihm einmal liebevoll über die Wange schleckte und sich dann mit den Vorderpfoten auf dem Tisch abstützte, um ihren Kopf ungefähr auf seiner Augenhöhe halten zu können. Instinktiv begann er mit der rechten Hand ihren Hals zu streicheln, was ihr ein genießerisches Summen entlockte.

Währenddessen blickte er über den großen gelben Eldunari, der in der Tischmitte eingesetzt war, zu Eragon hinüber, der sich nun räusperte und laut sagte: „Jetzt da wir nun endlich beisammen sitzen, möchte ich euch noch einmal herzlichst bei uns willkommen heißen. Insbesondere dir möchte ich danken, dass du noch bei uns geblieben bist, Orik. Ich weiß, dass es zu Zeit sehr viel Unruhen in den Clans gibt und du eigentlich bei deinem Volk als König gebraucht wirst."

„Ach, mach dir darüber keinen Kopf, Eragon. Hvedra wird schon mit den bis zu meiner Rückkehr anfallenden Problemen fertigwerden, manchmal habe ich ohnehin das Gefühl, dass sie der bessere König wäre. Und die Sache mit der Schwarzen Rose ist weitaus gravierender, als ein paar aufgebrachte Knurlan, die sich vor ein paar Jungdrachen nass machen." brummte der Zwergenkönig durch seinen dichten Bart hindurch und warf dabei Feyth ein verstohlenes Zwinkern zu. *In der Tat, die Problematik der Schwarzen Rose hat sich in den letzten Wochen dramatisch verschärft und euer Volk täte gut daran, seine Aufmerksamkeit der wahren Bedrohung zu schenken, anstatt darauf zu beharren, dass die Küken nicht über ihre Städte fliegen dürfen, Zwerg.* setzte Umaroth mit seiner donnernde Stimme hinterher, worauf John, Orik missmutig murmeln hören konnte: „Was ihr nicht sagt."

„Ich bin mir sicher, sie werden noch rechtzeitig ihre Fehler erkennen, Umaroth-Elda. Doch zunächst einmal, sollten wir vermutlich unsere neuen Verbündeten, die Titan-Einheit, über die Schwarze Rose aufklären. Jedoch warne ich euch vorneweg, wir wissen nur wenig über sie und das meiste auch nur von Alanna, die uns zumindest einmal einen kleinen Einblick geben konnte. Leider, beziehungsweise, je nachdem wie man es sieht, war sie allerdings nicht so tief in ihre Machenschaften verstrickt, als das sie Zugang zu allen Informationen bekommen hätte. Unsere Sicht ist also, wie schon gesagt, begrenzt." fuhr Eragon seine halbe Rede fort und wurde direkt ernster. John nickte verstehend. „Dann schätze ich, wäre es am besten, wenn ihr damit beginnt uns zu erklären, wer oder was die Schwarze Rose eigentlich ist und was ihre genauen Ziele sind."

Unerwarteter Weise antwortete Murtagh anstatt des Großmeisters, doch Miller spitzte trotzdem die Ohren. „Wir wissen nicht, wer ihr wirklicher Anführer ist und auch ein Großteil seiner nächsten Gefolgsleute, sind uns unbekannt, da die Schwarze Rose in verschiede Abteilungen unterteilt ist, die jede für sich einen eigenen Anführer hat. Es ist, als würdet ihr versuchen am Netz einer Spinne entlang zum Zentrum zu gelangen, nur um immer wieder festzustellen, dass es nur ein kleiner Teil vom Netz einer viel größeren Spinne war. Im Grunde wissen wir nur von drei recht ranghohen Offizieren, die scheinbar nur knapp unterhalb des eigentlichen Anführers in der Hackordnung stehen. Ein Elfenfürst namens Däthedr, ein weitere Elfe namens Keliandri und ein ehemaliger Fürst der Menschen namens Berot. Alanna unterstand Däthedr, ein ehemaliger Elfenlord. Er war einer der engsten Vetrauten sowohl von Königen Islanzadi als auch von Königin Arya. Er dürfte einer der gefährlichsten Personen in der ganzen Schwarzen Rose sein, da er ein überragender Schwertkämpfer und noch dazu einer der fähigsten Magier von ganz Alagäsia ist. Warum er sich dieser Organisation angeschlossen hat, wissen wir nicht, aber wir vermuten es hat damit zu tun, dass die Menschen angefangen haben ihre alten Versprechen zu brechen und immer wieder große Gebiete Wald von Du Weldenvarden roden.

Über Keliandri ist nicht viel bekannt, laut Alanna stammt sie aus keinem blaublütigen Haus, aber abgesehen davon ist sie ein unbeschriebenes Blatt. Lediglich ihre Grausamkeit, speziell gegenüber Urgals und männlichen Menschen sticht da hervor.

Und zum Schluss gibt es ja noch Fürst Berot. Er hat eine relativ kleine Stadt im Süden Surdas unter seiner Obhut gehabt und von allem was wir wissen, war er eigentlich ein guter Mann. Keine zu hohen Steuern, keine unnötigen Trinkgelage auf Kosten der Bauern, er hatte sogar als einer der wenigen Stadtfürsten die Todesstrafe abgeschafft und stattdessen eine funktionierende Stadtwache etabliert. Verbrechen gab es in Reavstone praktisch nicht. Aber jetzt? Reavstone ist einer größten militärischen Häfen im ganzen Land, Nidhan und Alagäsia mit eingeschlossen und ist praktisch nicht mehr zugänglich für Außenstehende. Lediglich Bürger, die sich mit einer Schrift der Stadt ausweisen können und Händler dürfen die Stadt noch betreten. Wir können ihm jedoch keine Verbrechen nachweißen, da alles was er tut noch innerhalb der Grenzen des Gesetzes liegt. Wir wissen von Alanna, das praktisch die gesamte Flotte der Schwarzen Rose dort vor Anker liegt, mit ein paar Dutzend Ausnahmen. Aber allein was dort an Schiffen im Hafen liegt, würde ausreichen, um die zusammengelegten Flotten Alagäsias und Surdas zu bekämpfen.

Was die Ziele der Schwarzen Rose angeht, nun, da werden wir selbst alle paar Wochen aufs Neue verarscht. Einen Monat lang, ist Menschenhandel ihr größtes Anliegen, nur um im nächsten Moment die Ungerechtigkeit zwischen Adel und Bauern aufzuwiegeln. Und sobald dabei die ersten Adelshäuser brennen, geht es direkt weiter zum Konflikt zwischen Elfen und Menschen. Wenn es dort wieder ordentlich kracht, schlagen sie gegen die Urgals los, nur um im nächsten Moment wieder als harmlose Handelsgilde, als die sie eigentlich eingetragen ist, Geschäfte zu machen! Und in keinem der Fälle konnten wir ihnen ausreichend Beweise vor die Nase halten, um sie als Verbrecher bloßzustellen. Es ist zum Mäusemelken!"

Der Drachenreiter schlug wütend mit der gepanzerten Faust auf den Tisch und beendete damit seine doch recht ausführliche Erklärung. Feyth kauerte mit angelegten Ohren und hochgezogenen Lefzen, mit den Vorderpfoten auf dem Tisch, wohingegen die Titanen allesamt sehr nachdenklich wirkten und mit verschränkten Armen dasaßen. Selbst der eigentlich immer scherzende Steven hatte seine Stirn tief in Falten gelegt und sah hinüber zu John der das gerade Erzählte in Windeseile verarbeitete. Die Schwarze Rose war also eine Handelsgilde, deren dunkle Machenschaften ohne erkennbares Muster und ohne Motiv von statten gingen. Noch dazu kam der Anführer in den Schatten, der seine Marionetten überall sitzen hatte. So ein Feind war sehr schwer einzuschätzen und zu bekämpfen, ohne sich im schlimmsten Fall gegen einen gänzlich unbeteiligten Partner ausspielen zu lassen. Würde Micheal jetzt gerade mit der Venator nach Reavstone fahren, um die Flotte zu versenken, würde er damit in den Augen der Königreiche lediglich eine Handelsgilde angreifen, die sehr wahrscheinlich unter dem Schutz der Krone stand. Er würde damit praktisch Krieg gegen Alagäsia und Surda erklären.

Der Colonel horchte auf, als Eragon das Wort ergriff.

„Und das ist noch längst nicht alles. Wie wir jetzt, dank Alanna, wissen, arbeitet die Schwarze Rose auch noch mit Bralluths Donner zusammen, auch wenn es in dieser Hinsicht zumindest einen kleinen Lichtblick gibt, je nachdem, wie man es sieht, aber dazu später mehr. Noch hinzu kommen die Ra'zac. Ich weiß nicht, wie sie geschafft haben, eine neue Generation dieser Kreaturen zu erschaffen, ich will es auch ehrlich gesagt nicht einmal wissen. Fest steht, dass sie einige Dutzend, wenn nicht sogar über 100 Ra'zacs in ihren Reihen haben, die sie als lautlose Attentäter einsetzen. Ob sie auch über Lethrblaka verfügen, konnte ich noch nicht aus unserem Gefangenen herausquetschen, aber das ist nur eine Frage der Zeit. Fest steht auf jeden Fall, dass die Schwarze Rose ihre Schlingen fest um den surdischen Thron geschlungen haben, faktisch regiert die Schwarze Rose Surda. Und auch in Alagäsia beginnen sich ihre Wurzeln bereits um Ilirea zu schlängeln. Wenn wir nicht bald etwas unternehmen, hat diese 'Handelsgilde' genug Macht, um selbst den Reiterorden und mitsamt Nidhan herauszufordern, falls das ihr Endziel ist."

Diesmal unterstrich Saphira seine Aussage mit einem tiefen Knurren. John kratzte sich nachdenklich am Kinn, während Alex neben ihm laut hörbar seine gepanzerten Hände zu Fäusten ballte. Aber für den Colonel war diese Information nichts Neues gewesen. „Eine sehr komplizierte Angelegenheit, Meister Drachenreiter. Wenn wir nicht mit Bedacht vorgehen, könnten wir ausversehen einen Krieg mit einem ganzen Land anzetteln, was wohl eher nicht in unserem Interesse liegt. Dennoch, wir dürfen diese Verbrecher nicht mit ihren Taten davonkommen lassen. Wie sieht es mit ihrem momentanen Fokus aus, worauf spielen sie zurzeit?" analysierte Miller ihre Situation grob und sah dann fragend Eragon an.

Dieser faltete seine Hände zu einem Dreieck, bevor er mit ernster Stimme erklärte: „Laut unseren Informanten, sind sie gerade wieder groß im Menschen-, beziehungsweise Sklavenhandel unterwegs. Und wenn man die neuesten Ereignisse in Betracht zieht, Kenos, Shads und Lyaths Beinahe-Entführung, schwant mir übles. Die Schwarze Rose will wohl eine Streitmacht von Drachen großziehen, die mit ihren Idealen erzogen wurden und daher komplett gefügig sind." *Das wäre eine abscheuliche Vorstellung! Solch eine Streitmacht, gepaart mit etlichen Elfenmagiern, die sie in ihren Reihen haben, könnte alles in ihrem Weg vernichten, selbst noch den Orden. Wir werden nicht zulassen, dass unser Volk erneut als gemeines Mordinstrument missbraucht wird!* donnerte Umaroth, wobei der Colonel deutlich die Wut in seiner Stimme hören konnte.

„Wir können sie aber nicht direkt angreifen, Umaroth! Oder zumindest würde ich es nicht riskieren wollen, einen Krieg gegen die zusammengezogenen Armeen Surdas, Alagäsias und der Schwarzen Rose anzufangen. Ich weiß nicht, wie er ausgehen würde, vielleicht könnten wir ihn mit viel Glück gewinnen, doch das wäre der wohl blutigste Sieg in der Geschichte unseres Landes. Selbst der Krieg zwischen Drachen und Elfen wäre dagegen noch harmlos!" polterte Orik und schlug mit seinem Hammer fest auf den Boden, was einen lauten Gong erzeugte. „Da habt ihr Recht König Orik, jedoch verschlimmert sich unsere Situation mit jedem Mond den wir verstreichen lassen. Der Rückhalt für Königin Arya schrumpft von Woche zu Woche, da sie nichts Wirkungsvolles gegen die Menschen unternehmen kann, die begonnen haben immer größere Gebiete meiner geliebten Heimat zu roden. Noch vielleicht ein Jahr und die Mehrheit der Adelshäuser wird einen anderen Kandidaten für den Thron unterstützen, der weitaus radikaler in seiner Vorgehensweise ist. Ich sage nicht, wir sollte sie angreifen, das wäre verantwortungslos, jedoch sollten wir im Hinterkopf behalten, dass wir an der Kante einer steilen Klippe stehen und uns langsam aber sicher der Boden unter den Füßen wegbröckelt." gab Bloedhgarm mit seiner anmutigen Stimme zu bedenken, bevor John erneut das Wort ergriff.

„Soweit ich es nun einsehen kann, befinden wir uns in einer Situation in der es früher oder später zu einem gewaltsamen Ausbruch kommen wird. Ich habe schon zwei Weltkriege hautnah miterlebt und weiß, was es heißt, wenn ganze Allianzen von Ländern sich untereinander bekriegen. Es gibt jedoch auch Möglichkeiten zurückzuschlagen, ohne direkt einen Krieg anzuzetteln." erklärte er nüchtern und sah hinüber zu Eragon und Murtagh, die in ihrerseits mit hochgezogenen Augenbrauen ansahen.

*Was meint ihr damit, Rotauge? Wie wollt ihr zurückschlagen, ohne einen Gegenschlag zu erwarten?* verlangte Umaroth zu wissen und auch der Wolfskatzenelf, genauso wie Orik und Alanna sahen den Titanen fragend an. Selbst seine Kinder wirkten ratlos, über das, was ihr Vater im Schilde führte. Miller verschränkte die Arme vor der Brust, bevor er trocken antwortete: „Ganz einfach. Die Schwarze Rose ist eine Handelsgilde, soweit habe ich das richtig verstanden?"

Der Großmeister nickte. „Ja."

„Wisst ihr, worüber sie den meisten Handel treiben? Auf dem Land-, oder dem Seeweg?"
„Hauptsächlich über den Seeweg. Aber was spielt das für eine Rolle? Nidhan, die Zwerge und die Elfen haben bereits ein Embargo gegen die Schwarze Rose verhängt, doch ihre Hauptabnehmer sind Surda und Alagäsia. Und kein Freibeuter würde es wagen, sich mit ihrer Handelsflotte anzulegen." meinte der Schattentöter kopfschüttelnd, als er bemerkte, worauf John anspielte.

Doch der Titan erwiderte nur: „Es braucht auch nicht irgendeinen Freibeuter. Die Venator ist ohne Zweifel in der Lage, es mit der Handelsflotte aufzunehmen."

Jeder am Tisch und auch die beiden Drachen, die neben ihnen lagen, starrte Miller mit großen, ungläubigen Augen an, selbst Feyth drehte sich in seinem Schoß um und sah ihn vollkommen überrascht an. „Wir werden eine Blockade errichten und sie langsam aber sicher aushungern. Keines ihrer Schiffe wird mehr einen ihrer Häfen erreichen. Wir lassen sie schmoren, so lange, bis sie wir sie dazu treiben, eine dumme Aktion durchzuführen. Und dann, haben wir sie." Es dauerte einige Augenblicke, bis Saphira schließlich als erste ihre Sprache wiederfand.

*Seid ihr euch damit sicher, John? Wir könnten euch so gut wie nicht unterstützen, ohne den Verdacht auf uns zu lenken. Ihr wärt auf euch allein gestellt und es könnte Monate dauern, bis die Schwarze Rose soweit ist, dass sie sich entblößt.* fragte sie unsicher, doch der Colonel nickte bejahend. „Das wird kein Problem darstellen. Aber, solange ihr nicht eine direkte Konfrontation wollt, sprich Krieg, dann ist mein Vorschlag die einzige Alternative. Jeder andere Plan, der mir in den Sinn käme, wäre zu riskant mit den wenigen Informationen, die wir über die Schwarze Rose besitzen."

„Seid ihr euch da sicher? Die Schwarze Rose wird euch zusätzlich zu ihrer eigenen Flotte auch noch die surdische und die alagäsische Flotten auf den Hals hetzen!" gab Murtagh zu bedenken. Abermals nickte John. „Das lasst ruhig unsere Sorge sein. Wir haben schon häufig in Unterzahl gekämpft und schlussendlich doch gesiegt." meinte er ruhig, worauf eine weitere stille Minute verstrich, in der sich die Drachenreiter, Orik und Bloedhgarm gegenseitig unsichere Blicke zuwarfen.

Dann klatschte Steven in die Hände und begann laut zu lachen. „Du willst uns also echt zu Piraten machen, Dad? Das ist die bekloppteste Idee, die du bis jetzt hattest! Also ich bin dabei! Warte mal ab, bis wir Micheal erklären, dass die Venator ab sofort ein Korsarenschiff ist."
„Aber er hat recht, es ist die einzige Möglichkeit, es ohne länderübergreifenden Krieg zu regeln. Wir müssen nur die ganze Schuld auf uns allein laden." stimmte Robert zu und auch Emily klickte erwartungsvoll mit den Mundklauen, während sie versichernd nach der Hand ihres Mannes griff.
„Du weißt, wir stehen hinter dir." brummte Alex und legte seine Hand auf die Schulter seines Vaters. Julia seufzte aufgebend und zuckte mit den Schultern. „Ich war schon Schlimmeres als ein Pirat."

Coule besiegelte die Idee anschließend, indem er amüsiert krakelte: „Trinkt aus Piraten, Yo –ho!"





So, ich hoffe doch es hat euch gefallen, freu mich wie immer über euer Feedback. ^^

lg Tobi


[Eragon Fan-Fiction] Der Titan und die DrachenreiterGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt