Ankunft in Nidhan

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„Ah! Seien sie gegrüßt Mr. Wensson. Schön das sie unserer Einladung gefolgt sind. Mein Name ist Micheal Forke, willkommen an Bord der Venator." meinte Mike höflich und reichte Ulfric lächelnd die Hand. Der Seemann ergriff sie auf rustikale Art und Weise. „Sehr erfreut eure Bekanntschaft zu machen Herr Forke. Ich danke euch recht herzlich für eure Gastfreundschaft, auch im Namen meiner Kinder versteht sich." Er deutete mit seinem Arm auf die drei Kinder neben ihnen, die alle bis auf den älteren Sohn eingeschüchtert wirkten. Der Titan nickte freundlich und schüttelte auch dem Sohn, der sich als Berthold vorstellte, die Hand, bevor er in die Hocke ging, um die beiden Jüngeren nicht zu sehr zu erschrecken. „Und wie heißt ihr beide?" fragte er mit sanfter Stimme. „Lukas." „Sindea." antworteten die zwei mit zittriger Stimme. „Freut mich euch kennenzulernen. Ihr braucht keine Angst zu haben, wir sind vielleicht etwas groß geraten, aber trotzdem nur Menschen." entgegnete Micheal lächelnd und richtete sich wieder auf, als die beiden Kinder mit großen Augen nickten.

Er verübelte es ihnen nicht, Angst zu haben. Schließlich war es ein äußerst respekteinflößender Anblick, wenn knapp zehn Titanen um einen herumstanden und mehrere Zelte und Equipment aufbauten.

Mike hatte beschlossen, eine Art Basiscamp auf dem Oberdeck der Venator zu errichten und selbst mit ihrem Stand der Technik kamen sie nicht darum herum Hand anzulegen, um die Ausrüstung aufzubauen. Insbesondere die dicken Tore der oberen Laderampe zu öffnen hatte trotz der hydraulischen Unterstützung einiges an Muskelkraft gefordert, immerhin bestand die über sieben Meter dicke Panzertür nicht aus Watte.

Der Admiral konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, als er Steven und Shenmi entdeckte, welche beide fluchend damit beschäftigt waren, die extra für das Gewicht der Titanen angepassten Stühle mit gewöhnlichen Werkzeugen zusammenzuschrauben. Die elektrischen Geräte waren durch den EMP nutzlos geworden, weswegen sie alles manuell aufbauen mussten. „Mark hätte wenigstens schon mal einen einzigen Akkuschrauber reparieren können!" hörte er Coule knurren, dann wandte er sich wieder Ulfric zu, der seinerseits staunend umher sah.

„Ich muss sagen, euer Schiff ist überaus beeindruckend Herr Forke. Noch nie habe ich ein solch gigantisches Boot gesehen. Ist es wirklich komplett aus Metall, oder nur außenherum gepanzert?" meinte der Mann beeindruckt. „Vielen Dank. Nein, es ist wirklich komplett aus Metall. Aber bitte, setzten sie sich doch." erwiderte Micheal höflich und deutete auf ein paar Stühle, die bereits fertig aufgebaut unter einem großen offenen Zelt standen. Dankend nahmen die Wenssons das Angebot an und setzten sich dem Titan gegenüber hin, welcher ebenfalls einen der Stühle schnappte und darauf Platz nahm.

„Entschuldigt meine Neugier Herr Forke, aber da ich selbst ein alter Bootsbauer bin, würde es mich brennend interessieren, wie ihr es schafft, dass euer Schiff trotz des enormen Gewichts über Wasser bleibt, anstatt einfach unterzugehen?" fragte der Seemann dann weiter und Mike schmunzelte. „Das Prinzip des Auftriebs ist euch sicherlich bekannt, nehme ich an?" „Selbstverständlich." „Nun, dann ist einfach erklärt. Das Schiff besitzt große Hohlräume in seinem Inneren, in denen sich Luft befindet. Dieser Auftrieb reich aus, um das gesamte Gewicht über Wasser zu halten." „Ah, ich verstehe. Wie als wenn man versuchen würde eine versiegelten Flasche unter Wasser zu drücken." „Exakt." „Faszinierend. Euer Volk muss überaus fortschrittlich sein, wenn es über solche Techniken verfügt. Naja, etwas anderes habe ich aber auch ehrlich gesagt nicht von Herrn Millers Kameraden erwartet." „Zu gütig Mr. Wensson." entgegnete Micheal und neigte leicht den Kopf.

Dann jedoch wurde sein Blick wieder etwas ernster, als er fortfuhr: „Ich will nicht aufdringlich wirken Mr. Wensson, aber John ist uns allen hier an Bord sehr wichtig. Können sie mir erzählen, was genau geschehen ist, damals vor knapp zwei Wochen?"

Ulfric nickte bestimmt.

„Natürlich. Selbstverständlich wollt ihr ihn so schnell es geht wiederfinden nehme ich an. Also, vor ungefähr zwei Wochen überfielen Banditen unser kleines Dorf. Der Angriff traf uns alle wie aus dem nichts, es hatte zuvor keinerlei Anzeichen darauf gegeben, dass eine solche Bande durch diesen Teil Nidhans ziehen würde. Nicht einmal der Händler, der uns jeden Monat besucht, hatte etwas davon erzählt. Wir haben versucht uns zu wehren, aber wir sind keine ausgebildeten Kämpfer. Sie haben uns einfach überrannt und jeden einzelnen Bewohner gefangengenommen, bis auf Misa, die Tochter unseres Dorfschmieds. Das Mädchen konnte ihren Häschern offenbar entkommen, aber wir hatten die Hoffnung für den Rest von uns bereits aufgegeben. Die Banditen legten einige Feuer in den Häusern, wohl um es nach einem gewöhnlichen Raubüberfall aussehen zu lassen, doch insgeheim steckten sie uns allesamt in ihre mitgebrachten Karren. Ich habe gehört wie sie damit geprahlt haben uns für gutes Geld als Sklaven zu verkaufen. Widerliches Gesocks." erzählte der Seemann und ballte wütend die Hände.

Auch Mike legte die Stirn in Falten. „Sklavenhändler." knurrte er leise. Kevin, Alex und Emily, welche gerade dabei gewesen waren das nächste Zelt neben dem ersten aufzustellen hielten inne und wandten die Köpfe zu ihnen. Als der Admiral es bemerkte, gab er den dreien schnell ein Zeichen, woraufhin sie wieder weitermachten, um ihre Gäste nicht unnötig nervös zu machen. Micheal konnte es ihnen jedoch nicht verübeln gelauscht zu haben. 'Es ist wirklich keine Welt vor diesem menschlichen Abfall sicher.' dachte er grimmig und sagte dann laut: „Ich verstehe, was geschah dann?"

Der Seemann räusperte sich, bevor er weitererzählte: „Nun, während wir also in diesen Karren eingesperrt waren und darüber nachdachten, wohin diese Kerle uns wohl verschleppen würden, hörte ich plötzlich einen lauten Schrei, von einem der Banditen und konnte durch das vergitterte Sichtfenster sehen, wie einer der Männer tot vornüberkippte. Und nur wenige Sekunden später bemerkte ich diesen wahrhaftigen Hünen, der auf die Banditen zugerannt kam. In nur wenigen Sekunden hatte er über die Hälfte des Gesocks mit bloßen Händen getötet und die andere Hälfte aus dem Dorf gejagt!"

„Das hört sich stark nach unserem John an." warf Micheal dazwischen und Ulfric nickte energisch.

„Ja, genau! Er muss Misa an der Küste getroffen haben, als er sich dort aus dem Wasser zog und sie hat ihn zu unserem Dorf geführt. Ohne Herrn Miller, wären wir wohl alle schon längst irgendwelche Sklaven eines fetten Fürsten, oder schlimmeres. Wir verdanken ihm unser Leben." endete er die Erzählung und nahm seine kleine Tochter auf den Schoß, die immer noch stark verängstigt wirkte.

Nachdenklich verschränkte der Titan die Arme vor der Brust. „Es ist schön zu hören, dass er euch geholfen hat. Ich hoffe doch, dass niemand durch ihn zu Schaden kam? John kann manchmal etwas – wild – sein, wenn er kämpft." Der Seemann schüttelte den Kopf. „Nein, es ist niemandem etwas zugestoßen. Bis auf einige Blessuren von den Banditen, war alles in Ordnung." Erleichtert atmete Mike aus und schloss für einen kurzen Moment die Augen, bevor er antwortete: „Das ist gut."

„Herr Miller war überaus freundlich und hilfsbereit. Er hat mir und Vater sogar geholfen Holz im Wald zu schlagen, damit wir die Schäden an den Häusern reparieren konnten." fügte Berthold hinzu. „Das klingt ganz nach ihm." gluckste Steven im vorbeigehen und stellte einen weiteren fertigen Stuhl zu ihnen. „Allerdings." stimmte der Admiral schmunzelnd zu. Dann wollte er wissen: „Was geschah danach? Von dem was euer Sohn erzählt hat, gehe ich davon aus, dass er euch geholfen hat die Schäden im Dorf zu reparieren."

„Das stimmt. Ich glaube er blieb ungefähr drei Tage bei uns und half bei allen möglichen Aufgaben. So jemanden habe ich in meinem ganzen Leben noch nie getroffen. Er hat komplette Baumstämme durch die Gegend getragen, als wären es kleine Äste! Dank ihm konnte ich meinen Vorrat soweit aufstocken, dass wir damit locker über den Winter kommen und sogar noch Feuerholz abgeben können. Ein wahrer Teufelskerl. Leider brach er auf, als ich gerade dabei war einen neuen Dachbalken zu schnitzen."

Der Titan horchte auf. „Wisst ihr, wohin er wollte?" Zu seiner Enttäuschung schüttelte Ulfric abermals den Kopf. „Leider nein. Ich habe Ortardt danach gefragt, doch er konnte es mir selbst nicht sagen. Sicher ist nur, dass Herr Miller eine etwas längere Reise geplant hat. Als Gegenleistung für seine Hilfe wollte er nur einen Kompass, eine Karte und etwas Proviant haben. Aber vielleicht weiß die junge Misa mehr, schließlich hat er mit ihr häufiger geredet, als mit den anderen Dorfbewohnern. Ihr könnt sie fragen, sobald wir wieder zurück im Dorf sind, sie wird euch mit Sicherheit weiterhelfen." erklärte er, woraufhin Mike dankbar nickte. „Das werden wir tun, vielen Dank Mr. Wensson."

Bevor er jedoch noch etwas sagen konnte, schwirrte Aidan wie aus dem nichts neben seinen Kopf und plapperte munter drauf los. „Sir, ich soll ihnen von Mr. Duncan ausrichten, dass die Reparaturen am Reaktor ausgesprochen zügig voranschreiten. Er meinte, mit etwas Glück könnten wir spät in der Nacht bereits losfahren. Außerdem sagt er und ich zitiere, dass er ihnen den Arsch aufreißen wird, weil sie es geschafft haben drei von fünf Triebwerken zu zerstören." „Das sind ja hervorragende Neuigkeiten. Hast du ihm auch bereits von den Schäden an den Geschütztürmen erzählt?" erwiderte der Admiral und erhob sich aus seinem Stuhl. Die KI leuchtete violett auf. „Das habe ich Sir, aber ich konnte keine Antwort mehr dafür von Mr. Duncan erhalten, da er mit einem Schraubenschlüssel nach mir warf." Micheal seufzte. „Schon gut Aidan, ich werde mit ihm reden." Zufrieden wechselte Aidan zurück in das neutrale Blau und wandte sich dann an Ulfric, der ihn seinerseits fasziniert musterte.

„Ah, entschuldigen sie Mr. Wensson, es war nicht meine Absicht unhöflich zu erscheinen. Wie ergeht es ihnen bisher an Bord der Venator?" „Ganz gut, danke der Nachfrage Herr Aidan." entgegnete der Seemann. „Das ist schön zu hören. Darf ich ihnen eine Frage bezüglich der Geschichte ihres Heimatlandes stellen?" zwitscherte die KI munter weiter. „Natürlich, wenn ihr wollt. Aber ich warne euch, mein Wissenstand ist in Sachen Geschichte nicht sonderlich groß." „Ich hoffe er reicht für meine Frage aus, sie ist sogar relativ simpel. In unseren Archiven habe ich einen Eintrag zu Alagäsia gefunden, doch der ist schon recht alt. Der Herrscher damals nannte sich Galbatorix und Nidhan war noch nicht auf unseren Karten verzeichnet." „Der Verräterkönig? Pah! Nein, dann sind eure Karten schon sehr veraltet. Eragon Schattentöter und Saphira Schimmerschuppe haben den Verräter vor knapp 100 Jahren niedergestreckt. Und Nidhan wurde gegründet, kurz nachdem er den Drachenberg als neue Heimat für den Orden der Drachenreiter erwählt hatte."

„100 Jahre also? Vielen Dank Mr. Wensson. Ich werde auf euch zurückkommen, falls mir noch eine Frage einfallen sollte." Mit diesen Worten begann er grün zu leuchten, was Mike verriet, dass er gerade in seinem Speicher zugange war. Er wusste nicht genau, was Aidan mit dieser Information vorhatte, die KI würde es ihm sicherlich schon mitteilen, wenn sie zu einer wichtigen Erkenntnis gelangte. 'Gerade einmal 100 Jahre. Selbst wenn man Eragons und Saphiras Alter zusammen nehmen würde, wären sie gemeinsam immer noch jünger, als jeder von uns. Es würde mich schon reizen, die Drachenreiter einmal zu besuchen. Vielleicht, wenn wir Vater endlich gefunden haben.' dachte er und lachte in sich hinein, als er kurz überlegte, was wäre, wenn John auf dem Weg zu diesem Drachenberg war.

'Das wäre ein absurder Zufall.' sagte er sich kopfschüttelnd. Doch umso länger er darüber nachdachte, desto unentschlossener wurde er. Von einem strategischen Standpunkt aus gesehen, würde es durchaus Sinn machen, die Drachenreiter aufzusuchen. Schließlich war Eragon ein mächtiger Magier und der einzige mit der Möglichkeit, John eventuell helfen zu können. Micheal beschloss jedoch keine voreiligen Schlüsse zu ziehen und erst einmal auf den Bericht von Misa zu warten.

Er räusperte sich leise und meinte dann an Ulfric gewandt: „Nehmen sie es Aidan bitte nicht krumm Mr. Wensson. Er ist immer so direkt." „Ja das habe ich schon bemerkt. Solange er dabei jedoch höflich bleibt, habe ich kein Problem damit." erwiderte dieser abwinkend und fuhr seiner Tochter beruhigend durchs Haar. Sindea starrte Aidan immer noch an, als sei er der Unterwelt persönlich entsprungen, wohingegen Berthold und Lukas relativ gelassen wirkten, wenn man von den großen Augen und der leicht verkrampften Haltung mal absah. Der Admiral hielt es für das Beste die KI soweit wie möglich von den Kindern fernzuhalten.

„Aidan, es wird schon allmählich dunkel. Geh bitte hinunter in den Laderaum und sag Chloe, dass wir hier oben noch ein paar Lampen brauchen. Am besten nimmt sie die aus unserem Ersatzlager. Und gib auch meiner Frau und Alina Bescheid, dass sie an Deck kommen sollen. Denen wird da unter sicher bereits langweilig." „Sofort Sir." bestätigte Aidan und flog immer noch grün leuchtend in Richtung der offenen Laderampe davon.

„Ein wirklich aufgewecktes Kerlchen, euer Navigator." merkte Wensson an. „Das können sie laut sagen." stimmte Micheal zu.

Die nächsten paar Stunden verliefen fast wie im Flug. Zunächst kamen Alina und Amanda an Deck und setzten sich zu ihnen. Sie plauderten eine Weile über unwichtige Dinge, wie zum Beispiel Ulfrics Arbeit als Tischler des Küstendorfs oder wie sie vor knapp zehn Jahren das Dorf gegründet hatten. Offenbar gab es sogar einen Drachenreiter namens Trestol, welcher der Bruder von Ortardt dem Schmied war. Einige Zeit später kam auch Chloe mit einigen Stehlampen zu ihnen und stellte sie überall um sie herum auf, sodass das gesamte improvisierte Camp von ihrem weißen Licht erhellt wurde. Zusätzlich hatte die Soldatin eine Handvoll Knicklichter mitgebracht, von denen sie eines aktivierte und freundlich lächelnd Sindea übergab, die große Augen machte. Immer mehr Titanen beendeten ihre Aufbauarbeiten und gesellten sich zu ihnen in den größer werdenden Stuhlkreis. Eine sternenklare Nacht zog herauf und ein fast kreisrunder Mond ließ sein schimmerndes Licht auf sie herab strahlen. Schließlich waren auch Steven und Shenmi endlich mit ihrer Aufgabe fertig und setzte sich zu den anderen, die mittlerweile nur noch still da saßen und den Sternenhimmel beobachteten.

Dann drang ein lautes Gähnen an Micheals Ohren und er musste leise schmunzeln, als er bemerkte, dass das kleine Mädchen in den Armen ihres Vaters eingeschlafen war. Auch Lukas schien sich nur noch mit Mühe und Not wach zu halten. Flüsternd meinte der Admiral daher an Ulfric gewandt: „Kommt, ich zeige euch geschwind euer Domizil für die Nacht." Der Mann nickte dankbar und stand vorsichtig auf, um Sindea nicht zu wecken. Seine beiden Söhne folgten auf dem Fuße.

Das Zelt für die Wenssons hatten die Titanen etwas abseits des restlichen Camps aufgebaut, um ihnen etwas mehr Ruhe und Privatsphäre zu gönnen. Es war nicht besonders groß, für ihre Verhältnisse, doch für den Tischler und seine Zöglinge mutete es geradezu riesig an. Im Innern befanden sich exakt vier einfache Feldbetten, drei rechts und eines links. Sie waren verstärkt, da sie eigentlich für einen Titan-Soldaten konzipiert wurden, aber das verbesserte lediglich nur den Liegekomfort eines gewöhnlichen Menschen und störte ansonsten nicht wirklich. „Ich wünsche eine angenehme Nachtruhe Mr. Wensson. Falls sie irgendetwas benötigen, kommen sie ruhig zu uns. Und keine Sorge wegen ihrem Schiff, bevor wir losfahren, werden wir es an Deck hieven und fest machen, damit es nicht beschädigt wird. Morgen früh sind wir dann bereits wieder an der Küste, vor ihrem Dorf." erklärte Micheal leise. „Habt vielen Dank, für Alles, Herr Forke." entgegnete der Seemann und legte seine schlafende Tochter in eines der Betten. „Keine Ursache." Mit diesen Worten verließ der Titan das Zelt wieder und ging zurück zu seiner Frau und den anderen.

Er kam jedoch nicht dazu sich hinzusetzen, da Aidan wie ein blaues Leuchtfeuer auf ihn zuflog. Bevor die KI allerdings etwas sagen konnte flüsterte Mike schnell: „Leise Aidan!" „Wie sie wünschen Sir. Die Reparaturen an den Wasserstrahltriebwerken und am Reaktor sind vollständig abgeschlossen. Mr. Duncan, hat den Reaktor auch bereits wieder in Betrieb genommen, er liefert 100 Prozent Leistung. Sie sollten weitere sieben Personen an die noch unbemannten Wasserstrahltriebwerke schicken, damit wir die Venator mit voller Kraft bewegen können, Sir." meldete die KI analytisch.

„Ausgezeichnet! Joseph, Shenmi, Alex, Kevin, Emily, Julia und Robert geht ihr bitte hinunter an die Triebwerke, Aidan wird euch schnell einweisen." befahl der Admiral und die genannten Titanen erhoben sich eiligst aus ihren Stühlen. „Aye-Aye." meinte Shenmi im vorbeigehen und wenige Augenblicke später waren die sieben Soldaten zusammen mit Aidan bereits durch die Laderampe im Schiffinneren verschwunden.

„Gut, und wir drei ziehen schnell Ulfrics Boot an Deck und machen es fest. Aber vorsichtig, ich habe keine Lust einen nächtlichen Tauchgang unternehmen zu müssen, falls jemand ins Wasser fällt." sagte er bestimmt zu Steven und Alina, die beide zustimmend nickten. In Windeseile hatte Coule jeweils ein dickes Seil an Bug und Heck des kleinen Kahns befestigt an deren Enden nun Forke und Kensac vorsichtig zu ziehen begannen. Langsam hob sich das Gefährt aus dem schwarzen Wasser, gestützt vom Sergeant, der mit einer Hand das Boot und mit der anderen Hand die Leiter festhielt, damit es nicht gegen die Bordwand der Venator krachte. Der schwierigste Teil jedoch kam erst, als es hieß den Kahn über die Bordkannte zu bugsieren, ohne dabei den Mast oder das Ruder zu brechen. Schließlich gelang es ihnen doch, indem Steven sich mit den Beinen in der Leiter verhakte und mit beiden Händen das Gefährt nach oben hob. Alina und Micheal nahmen es vorsichtig entgegen und hoben es von der Kante weg, weiter hinauf aufs Deck, als sie ein lautes „Woah!" hörten und etwas Schweres gegen die metallische Bordwand krachte.

Hastig blickten sie beide hinunter und sahen den Sergeant kopfüber an der Leiter baumeln. Er rieb sich fluchend den Hinterkopf. „Wolltest du etwa doch noch die Fische füttern?" meinte die Ärztin kichernd. „ Ha. Ha. Ha. Sehr komisch Alina." knurrte Steven und blickte nach unten ins Wasser. „Was zum – ?" murmelte er leise und schrie dann laut: „Oh Fuck!"

Er raffte sich im Bruchteil einer Sekunde zusammen und sprang den Rest der Leiter nur so hinauf, keine Sekunde zu früh. Ein monströs wirkender Kopf mitsamt länglichem Hals schnellte knapp 20 Meter hoch aus dem Wasser und schnappte mit seinen gewaltigen Kiefern nach dem Titanen. Das Monster verfehlte seine Füße nur um wenige Meter und klatschte ebenso schnell wieder zurück in die Wellen, wie es empor gesprungen war.

„Was zur verfickten Hölle war denn das schon wieder?" keuchte Steven, während die beiden anderen ihn an Deck in Sicherheit zogen. „Keine Ahnung, aber es war groß!" gab Micheal zurück und spähte über den Bordrand hinunter ins Wasser. Trotz seiner relativ guten Nachtsicht konnte er dort unten nichts erkennen, was auch nur im Entferntesten dem Tier glich, das sie gerade angegriffen hatte. Er griff an seine Hüfte und setzte sich den Helm auf den Kopf. Zu seiner Frau sagte er laut: „Bleib bitte dort sitzen Schatz, wer weiß zu was dieses Viech noch im Stande ist." Dann schaltete er die vier Hochleistungsscheinwerfer an und blickte erneut ins Wasser.

Selbst wenn er es nicht direkt sehen konnte, das Licht würde das Ungetüm mit Sicherheit erneut anlocken. Und tatsächlich. Keine Minute später tauchte ein gigantischer Schatten unter dem Rumpf der Venator auf und schwamm direkt in das Scheinwerferlicht. „Was ist das?" fragte Alina verwirrt. „Sieht nach einer Mischung aus Schlange und Wal aus." antwortete Mike flüsternd und die Ärztin nickte zustimmend. „Is mir scheißegal was das Ding ist! Schau dir lieber an wie groß es ist! Das sin mindestens 60 Meter! Der verputzt diesen Kahn da ja in einem Happen!" knurrte der Sergeant hinter ihnen, packte drei der Knicklichter, aktivierte sie und warf sie hinunter ins Wasser. Sofort schnappte der gigantische Räuber danach.

„Ich denke, ich weiß, womit wir es hier zu tun haben." meinte der Admiral ein paar Augenblicke später, nachdem er sämtliche Erinnerungen an die Bücher durchgegangen war. „Aha. Und was soll dieses Vieh darstellen?" wollte Steven wissen, während er das Raubtier immer noch leicht angepisst beobachtete. „Sie werden Nidhwal genannt und sind Artverwandte der Drachen." „Du behauptest also, das da unten ist sozusagen ein Seedrache?" „In gewisser Weise, ja. Diese Tiere sind zwar fast ebenso intelligent wie ihre Verwandten an Land, aber weitaus instinktgetriebener. Alles was sie erwischen können, ist Futter für sie, selbst andere ihrer Art." „Kannibalen auch noch, wie schön. Jedenfalls werde ich dieses Wasser nur noch betreten, wenn ich einen Raketenwerfer und zehn Granaten bei mir trage. Dann kann ich dieses Ding wenigstens von innen in die Luft sprengen, wenn es mich erwischt." „Ich sage das nur ungern Mike, aber ich gebe Steven recht. Diese Tiere sind extrem gefährlich. Was wäre wohl passiert, wenn Ulfric unser Angebot ausgeschlagen hätte? Ich mag gar nicht daran denken." warf Alina dazwischen und sah Micheal besorgt an.

Dieser nickte langsam und schaltete die Scheinwerfer wieder aus. „Solange wir auf Hoher See sind, sollten immer ein paar von uns Wache halten, falls jemand in Wassernähe ist. An der Küste dürften wir hingegen recht sicher sein. Diese Tiere meiden flache Gewässer." „Fantastisch, ich hatte schon befürchtete nochmal mit Flipper da unten baden zu müssen, wenn wir den Rumpf der Venator reparieren. Sag mal Mike, du hast nicht zufällig ein paar Exemplare von diesen Büchern in deiner Kabine liegen?" erwiderte Coule sarkastisch und begann damit, Ulfrics Boot mit den Seilen auf dem Deck festzumachen. „Aidan sollte die gesamte Reihe als E-Books auf dem Speicher haben." „Gut, alle die die Dinger noch nicht gelesen haben, sollten es am besten tun. Ich habe keine große Lust auf noch so eine überraschende Begegnung." „Das glaube ich dir aufs Wort. Bei lebendigem Leibe verspeist zu werden steht auch ziemlich weit unten auf meiner To-do-Liste." stimmte Alina zu und ging dem Sergeant zur Hand.

Micheal sah noch einmal hinunter in die dunklen Wellen, doch der riesige Nidhwal war bereits wieder in den Tiefen des Meers verschwunden. Dann ging er hinüber zu seiner Frau, die ihn besorgt ansah. „Alles in Ordnung?" „Ja, Steven hat sich nur einen neuen Freund angelacht."

„Worauf du einen lassen kannst! Nächstes Mal bring ich ihm eine 40 Millimeter Granate und nen Kuchen als Geschenk mit!"

„Steven!"

„Jaja, schon gut Mike. Es war nur'n großer Raubfisch Mrs. Forke, nichts weltbewegendes." meinte der Soldat beschwichtigend, während er den letzten Knoten festmachte. „Er hat das arme Tier doch nicht etwa umgebracht oder?" wollte Amanda schockiert wissen. Der Admiral schüttelte grinsend den Kopf. „Da zeigt sich wohl doch wieder der Biologe in dir. Nein, nein das Tier hat nur nach ihm geschnappt und ist zurück ins Wasser verschwunden."

„Mir geht es übrigens gut, danke der Nachfrage." meinte Coule augenrollend und setzte sich zusammen mit Alina wieder hin. Mrs. Forke warf ihm ein charmantes Lächeln zu. „Ach um dich brauch ich mir keine Sorgen zu machen Steven. Du bist doch schon ein großer Junge und kannst auf dich selbst aufpassen." Die Ärztin lachte neben ihm und auch der Soldat selbst gluckste amüsiert. „Da haben sie recht Mrs. Forke. Ich hab schon weitaus schlimmere Dinge erlebt. Zum Beispiel so ziemlich jede einzelne Folge dieser Sitcom, die ich immer mit Shenmi anschauen muss. Aber sagen sie das bloß nicht weiter!" „Keine Sorge, ich werde es für mich behalten." entgegnete sie schmunzelnd. Danach erzählte Micheal seiner Frau ausführlich, wie der Nidhwal ausgesehen hatte, bis einige Minuten später Aidan wieder durch die Laderampe geflogen kam und auf sie zu schwebte.

„Alle Triebwerke besetzt und einsatzbereit, Sir. Wir können starten." meldete er gehorsam. „Perfekt Aidan. An die Leute unter Deck, bitte bestätigen, dass ihr mich laut und deutlich verstehen könnt." entgegnete der Admiral und aktivierte das Funksystem seines Anzugs. Innerhalb von Sekunden blinkten alle 16 Bestätigungslichter in seinem HUD grün. „Ausgezeichnet. Laut der Karte müssen wir die Venator knapp 60 Kilometer nach Norden verlegen, Aidan, hast du bereits überprüft, ob der Nordpol dieser Welt auch wirklich der magnetische Norden ist?" „Der Kompass von Mr. Wensson stimmt zu 99,8 Prozent mit dem unseren überein, Sir. Der Bug des Schiffs ist momentan jedoch auf 150° Südosten ausgerichtet." „Alles klar. An diejenigen der Heckreihe: Wasserstrahltriebwerke mit zwanzigprozentiger Leistung starten und im 90° Winkel Backbords halten. Die anderen: Bereithalten für volle Kraft voraus." Erneut leuchteten die Bestätigungslichter auf und ein leichter Ruck erfasste die Venator, als die Triebwerke gestartet wurden.

„140°. 130°. 120°. 110°. 100°. 90°. 80° 70°. 60°. 50°. 40°. 30°. 20°. 10°." zählte die KI mit stoischer Ruhe herunter, während die fünf Hecktriebwerke die gigantische Masse des Schiffs langsam auf neuen Kurs brachten. Dann rief Micheal: „Volle Kraft voraus!"

Ein weiterer Ruck erfasste sie und gemächlich nahm die Venator an Fahrt auf. „Kurs 004. Voraussichtliche Ankunft an nidhanischer Küste bei voller Fahrt in ungefähr 65 Minuten Plusminus zehn Minuten." meldete Aidan analytisch. „Gibt es Untiefen in direkter Linie zu unserem Kurs?" „Positiv. Der Karte nach zu urteilen handelt es sich bei der vor uns liegenden Küste um eine Steilküste mit vorgelagerten Klippen. Diese sollten jedoch einfach zu umfahren sein." „Eine Steilküste, interessant. Zeig mir den Abschnitt, auf den wir zusteuern." murmelte der Admiral nachdenklich. Sofort blendete Aidan einen Ausschnitt der Karte auf seinem HUD ein und markierte einen Teil der Küstenregion rot.

„Der rot markierte Abschnitt, ist unser ungefährer Landepunkt bei beibehaltenem Kurs." „Hhm und circa 300 Meter landeinwärts befindet sich das Dorf? Etwas schwer zu erkennen der Name." „Lendol, Sir." „Ah danke. Gut, am besten wir gehen mit der Venator irgendwo in diesem Abschnitt längsseits vor Anker. Wenn wir die holografische Tarnfolie an der Felswand und mit Bojen im Wasser festmachen, können wir das Schiff wohl am besten verbergen. Oder was meinst du?" „Insofern die Tarnfolie den EMP überstanden hat, dürfte dies unsere beste Möglichkeit sein, unentdeckt zu bleiben. Dem stimme ich zu Sir." „Sehr schön. Wie lange noch, bis wir in Sichtweite der Küste sind?" „45 Minuten Plusminus zehn Minuten." „Verstanden. Dann werde ich wohl die Zeit nutzen und die anderen auf den neuesten Stand bringen. Du kannst die Karte wieder ausblenden Aidan." „Sehr wohl Sir."

Die farblich markierte Karte verschwand wieder von seinem HUD und er wandte den Kopf zu Steven und Alina um, die mit seiner Frau plauderten. Die beiden sahen zu ihm auf und Mike tippte sich zweimal gegen den Helm, ihr Zeichen dafür, den Kopfschutz aufzuziehen, was sie auch sofort taten.

Er schaltete die externen Lautsprecher des Atlas ab, um eventuell lauschenden Ohren zuvorzukommen und begann dann seinen Kameraden alle Erkenntnisse mitzuteilen, die er bisher gesammelt hatte. Niemand unterbrach ihn dabei, erst als er geendet hatte, ergriff Mark kurzzeitig das Wort: „Schön zu hören, dass wir Paps demnächst wiedersehen werden, auch wenn es etwas unglücklich ist, dass wir ihn nicht erreichen können. Wahrscheinlich ist sein Funkgerät beim Dimensionssprung beschädigt worden. Ich stiefel mal direkt in den Hangar und schaue, wie lange ich für den Albatross brauch." „Ich freue mich schon darauf ihn endlich wieder in die Arme schließen zu können!" fügte Chloe freudig hinzu. Jeder der anderen stimmte ihr lauthals zu. „Hey Mark, nimm den Prof am besten mit zum Albatross. Der Kerl hat nen Doktortitel im Maschinebau und kennt sich sehr gut mit Flugzeugen aus." schlug Steven dem Ingenieur vor, der nur verhalten lachte. „Ich kenne den Professor sehr gut, Steven. Vergiss nicht, dass wir schon öfters zusammengearbeitet haben." „Das weiß ich doch nicht, was du alles anstellst." gab der Sergeant scherzhaft zurück und erntete dafür einige Lacher. „In Ordnung, ich mache mich jetzt auf den in den Hangar und melde mich, sobald ich ungefähr sagen kann, wie lang die Reparatur brauchen wird. Mark Ende." entgegnete Duncan und unterbrach seine Funkverbindung.

Da meldete sich Aidan zu Wort. „Die Küste sollte jeden Augenblick in Sichtweite kommen, Sir." „Verstanden Aidan, danke. Also Leute, bereit halten für das Anlegemanöver. Chloe, sobald wir die Venator geankert haben, will ich, dass du die Holotarnfolie aus dem Lager holst, zusammen mit einigen Bojen und Haken, die wir in eine Felswand schlagen können." sagte Micheal und sah nach vorne über den Bug und die Geschütztürme des Schiffs hinweg. „Geht klar Mike."

Dann, wenige Augenblicke später, erblickte er die Küste als kleinen Streifen am Horizont, der immer breiter und breiter wurde, während sie sich dem Land näherten. Er konnte wegen der Nacht nicht sonderlich viel erkennen, nur einige Konturen und die vereinzelten Klippen, die aus dem Wasser ragten. 'Das ist also Nidhan.' dachte er sich und befahl zudem: „Triebwerke auf 40 Prozent drosseln, bereithalten für Ausweichmanöver."

„Abstand zur Küste: 13,5 Kilometer. Nähern uns schnell." kommentierte Aidan, der neben dem Admiral auf Kopfhöhe schwebte. Sorgsam überprüfte Micheal den Abstand zu den Klippen, doch er war sich ziemlich sicher, dass sie Glück hatten und keiner der großen Felsen in ihrem Weg stand. Ein paar Sekunden später bestätigte die KI seine Vermutung. „Die Venator wird die Klippen vor uns um 800 Meter verfehlen, wir haben freie Bahn wie sie immer so schön sagen, Sir." „Verstanden."

Allmählich begann sich die Geschwindigkeit des 120.000 Tonnen schweren Schiffs zu verringern und Micheal gab Steven und Alina ein Zeichen, ihre Suchscheinwerfer anzuschalten. „Acht Kilometer bis zur Küste." merkte die KI an. „Triebwerke um 180° drehen, Vollbremsung!" befahl der Admiral angespannt.

„Sechs Kilometer, 25 Knoten. Vier Kilometer, 16 Knoten. Drei Kilometer, acht Knoten. Zwei Kilometer, fünf Knoten." kommentierte Aidan, während Micheal sich auf die Unterlippe biss.

Hatte er die Bremsung zu spät befohlen?

Glücklicherweise kam die Venator knapp 800 Meter vor der felsigen Steilküste zum stehen und er rief hastig: „Vordere Triebwerke voller Stopp! Hecktriebwerke auf fünf Prozent Leitung und 90° Backbords drehen!" Langsam begann sich die Venator erneut zu drehen. Der Admiral wartete, bis sie ungefähr längsseits der Felswand standen, dann meinte er: „Alle Triebwerke mit fünf Prozent Leistung und 90° Backbords laufen lassen!" Nun schmiegte sich das Schiff vorsichtig an die Küste an, wo es schließlich mit einem lauten Krachen andockte. „Heck- und Buganker ablassen Und dann alle Mann an Deck!" befahl Micheal woraufhin man das laute Klackern von zwei schweren Ketten hören konnte. Wenige Momente später war es wieder komplett still, bis auf das Rauschen der Wellen und den gelegentlichen Tiergeräuschen, die von oberhalb der Klippe zu ihnen herunter drangen.

Die drei Titanen an Deck besahen sich mit ihren Scheinwerfern die Felswand genauer, konnten jedoch nichts Ungewöhnliches entdecken. „Das dürften ungefähr noch 50 Meter bis zu Kante sein. Das reicht für eine unserer Notleitern." meinte Steven und Alina nickte zustimmend. Auch Amanda trat nun zu ihnen und fasste Micheals Hand ganz fest. „Das ist also unsere neue Heimat?" fragte sie leise. Der Admiral schaltete seine Suchlampen aus und wandte seinen Kopf zu ihr um. „Zumindest das Land, ja. Aber wo genau wir uns niederlassen werden, wird erst entschieden, wenn wir alles gesehen und vor allem John wiedergefunden haben." „Das Dorf von dem Herr Wensson erzählt hat, klang sehr nett. Weitabgelegen von großen Städten und fast direkt am Meer." „Wenn es dir dort gefällt, bin ich mir sicher, dass die anderen nichts dagegen haben werden sich dort niederzulassen. Du wirst es ohnehin die nächsten paar Wochen sozusagen austesten können, da wir sehr oft zu Besuch sein werden und dort die Suche nach John beginnen." erklärte er sanft und sie warf ihm ein liebevolles Lächeln zu.

Kurze Zeit später kamen die restlichen Titanen, bis auf Mark und den Professor, an Deck getrabt und legten die Ausrüstung ab, die Chloe ihnen in die Hand gedrückt haben musste. Micheal strich seiner Frau so zart er konnte über die Wange und meinte: „Setz dich am besten nochmal hin und schlaf eine Runde, die Tarnfolie aufzubauen dürfte eine ganze Weile dauern." „Ist gut. Aber weckt mich, sobald ihr ins Dorf aufbracht, ja?" „Natürlich Schatz." Mit diesen Worten gab sie ihm noch einen dicken Kuss auf den Helm, bevor sie sich zurück in den Stuhl fallen ließ und fast auf der Stelle einschlief. Mit neu erwachtem Tatendrang klatsche der Admiral in die Hände. „Na dann wollen wir mal unsere Tarnfolie aufbauen, aber so leise wie möglich, wenn es geht!" Seine Kameraden nickten zustimmen und begannen damit die Folie auf dem Deck auszubreiten.

Wie sich herausstellte, war das Hereinschlagen der Halterungshaken in die Felswand die mühsamste Arbeit, da das Gestein äußerst rutschig durch die ganze Feuchtigkeit war. Mehrmals konnten sich Joseph und Robert nur mit Mühe und Not am nackten Felsgestein festhalten, doch schließlich, nach knapp zwei Stunden der riskanten Kletterpartie, saßen die Haken endlich am angestammten Platz und die Folie konnte angebracht werden. Die Bojen machten weniger Problem, obwohl es nicht ganz einfach war die Folie richtig an ihnen zu befestigen, weil sie knapp 30 Meter von der Bordwand entfernt im Wasser dümpelten. Schließlich kam Aidan der rettende Einfall, die Schwimmkörper allesamt wieder einzuholen, die Folie vorher daran zu befestigen und erst danach mit der gesamten Mannschaft gleichzeitig ins Wasser zu werfen, um den Stress auf die holografische Membran zu minimieren. So also benötigten sie knapp fünf Stunden, um die Folie über das Schiff zu spannen und alles was noch fehlte, war das Bild, welches die Vorrichtung anzeigen sollte. Diese Aufgabe übernahm die KI selbst, indem sie in Windeseile ein zuvor eingescanntes Bild der Felswand modifizierte, mit einem Tag-Nacht-Zyklus ausstattete und schlussendlich in die Speichermatrix der Membran übertrug. Ein leises Knistern war kurz zu hören, als die Tarnfolie das Bild projizierte, dann wurde sie für die Titanen und jeder der unter ihr stand unsichtbar und gab den Blick frei auf die mittlerweile aufgehende Sonne im Osten.

Das war der eigentliche Clou dieses Prototypen, er fungierte quasi als eine Art Einwegspiegel. Schiffe oder Personen, die von außen auf diese Stelle der Küste blickten, sahen nur das simulierte Bild, für die Leute unter der Folie existierte diese im Prinzip überhaupt nicht. 'Da hat sich die Forschungsabteilung doch wieder mal selbst übertroffen.' dachte Micheal beeindruckt, nachdem Aidan ihm bestätigt hatte, dass die Tarnung funktionierte.

Nun war Steven gerade dabei mit einer auf den Rücken geschnallten, verstärkten Strickleiter die Felswand hochzuklettern, als das leise Rascheln einer Zeltplane den Admiral aufhorchen ließ. Er drehte sich um und bemerkte Ulfric mit seinen Kindern auf ihn zu kommen. Der Tischler wirkte überwältigt.

„Einen guten Morgen Herr Forke. Ist das hier wirklich Nidhans Küste? Euer Schiff muss ja enorme Geschwindigkeiten erreichen, wenn ihr innerhalb einer halben Nacht knapp 60 Kilometer zurücklegen könnt! Wie ist das möglich?" „Ah, guten Morgen Mr. Wensson. Ja das hier ist wirklich die nidhanische Küste. Unser Schiff besitzt ein – riesiges Segel, dass wir im Inneren verstauen können, wenn es nicht mehr benötigt wird." erwiderte Mike, wobei er kurz stockte, um sich eine Notlüge einfallen zu lassen. Er atmete erleichtert aus, als Ulfric entgegnete: „Faszinierend. Ein verstauberer Mast mitsamt Segel. Wirklich erstaunlich." „Oh ja, es ist in der Tat recht nützlich. Darf ich ihnen und ihren Kinder etwas zu Trinken, oder zu Essen anbieten Mr. Wensson?" „Sehr gerne, ein Schluck Wasser käme meiner trockenen Kehle ganz gelegen und meinen Kindern denke ich auch." Der Titan nickte aufmerksam und geleitete sie hinüber zu einer der Vorratskisten, die die anderen an Deck gebracht hatten.

Shenmi, in ihrer rot-grün gesprenkelten Rüstung, stand neben ihr und genehmigte sich gerade einen Energieriegel, während sie den Wenssons freundlich lächelnd zuwinkte. „Guten Morgen!" wünschte sie ihnen zwischen zwei Bissen und die Familie erwiderte den Gruß höflich. Schnell fischte der Admiral vier Flaschen Wasser aus dem Container und reichte sie an die Kinder und ihren Vater weiter, die ihm respektvoll dankten. „Ah ja, ich vergaß. Den Verschluss oben auf der Flasche müssen sie aufdrehen, bevor sie ihn herunterziehen können." erklärte er hastig, als Berthold den Deckel der Flasche neugierig musterte. Trotzdem benötigten die vier einige Anläufe, bis sie wortwörtlich den Dreh raushatten und trinken konnten.

Währenddessen meldete sich Steven über Funk. „Hey Mike, ich bin jetzt oben angelangt und lasse die Leiter herunter." „Alles klar, wie sieht es dort oben aus?" „Grün, im wahrsten Sinne des Wortes. Es gibt ne kleine Grasfläche mit Büschen hier und etwas weiter weg fängt dann auch schon ein kleines Wäldchen an." „Verstanden. Sieh dich schon mal ein bisschen um, wir kommen in ein paar Minuten nach." „Is gut." Es klackerte metallisch, als die Strickleiter sich nach unten hin ausrollte und schließlich einen knappen Meter über dem Deck der Venator zum stehen kam. Sofort befestigte Mathew das Ende der Leiter mit Haken an der Felswand und kletterte dann mit weiteren Pins und dem Hammer am Funktionsgurt hoch, um sie zu sichern, damit sie nicht vom Wind hin und her geschaukelt werden konnte.

„Was genau tragt ihr da eigentlich auf eurem Rücken, wenn ich fragen darf?" wollte dann Ulfric plötzlich wissen und deutete auf die schwere Maschinenkanone, die sich Shenmi auf den Rücken geschnallt hatte. „Öhhm." meinte die Titanin etwas überrumpelt und kratzte sich nachdenklich am Kopf. Eiligst sprang Micheal ihr zu Hilfe.

„Das ist eine unserer Waffen Mr. Wensson. In gewisser Weise eine Art verbesserte Armbrust, könnte man sagen." „Ah, ach so. Entschuldigt meine Verwunderung, ich hätte das auch selbst erraten können. Schließlich seid ihr ja Krieger." erwiderte der Mann kopfschüttelnd, während Shenmi damit haderte nicht über Mikes Erklärung zu lachen. „Keine Ursache. Wollen wir dann zu eurem Dorf aufbrechen? Ihr braucht euch keine Gedanken um euer Boot zu machen, wir werden es euch im Laufe des Tages noch dorthin bringen, wo ihr es haben wollt." antwortete der Admiral. „Nun, ich denke es bringt nichts, wenn wir hier noch länger dumm rumstehen, oder? Aber ich glaube nicht, dass meine Sindea oder Lukas dazu in der Lage sind eine solch lange Leiter hinaufklettern." „Das haben wir mit eingeplant Mr. Wensson. Shenmi hier und Sarah haben sich bereiterklärt eure beiden Jüngsten mit Hilfe eines sogenannten Rucksackgeschirrs nach oben zu tragen. Vertrauen sie mir, es ist vollkommen sicher, den beiden wird nicht passieren." erklärte er und seine Kameradin nickte zustimmend.

„Und wie genau funktioniert dieses Rucksackgeschirr?" fragte Ulfric etwas skeptisch, doch der Titan hob beruhigend die Hand. „Das ist recht schnell erklärt. Im Prinzip ist es ein verstärkter Gurt, in den die beiden Schlüpfen müssen. Dieser wird dann hinten auf unsere Rüstung festgeschnallt, sodass sie nicht herunterfallen können." „Quasi ein Art Korb, der auf dem Rücken getragen wird, verstehe ich das so richtig?" „So in der Art Mr. Wensson." „Und ihr versprecht mir, dass ihnen nichts passieren wird?" „Bei meiner Ehre als werdender Vater." Der Tischler überlegte einige Augenblicke lang nach und sah von Sindea hinüber zu Lukas, dem Shenmi freundlich lächelnd eine Birne in die Hand drückte. Dann sagte er bestimmt: „Also gut Herr Forke, ich vertraue euch." Micheal neigte respektvoll den Kopf. „Ich verspreche, ihr werdet es nicht bereuen." Mit einem Handzeichen gab er Sarah Bescheid, die bis jetzt mit ihrer Zwillingsschwester Amber geredet hatte, und sofort kam sie zu ihnen herübergelaufen.

Es dauerte eine knappe Viertelstunde Sindea und Lukas die Tragegeschirre anzulegen, doch schließlich konnten die beiden Titaninnen in die Hocke gehen, damit Micheal die beiden Kinder auf ihren Rücken schnallen konnte. „Ich hoffe es ist nicht zu fest? Drückt es irgendwo?" fragte er die beiden, doch das Mädchen schüttelte nur leicht den Kopf und der Junge antwortete: „Nein, es ist alles in Ordnung Herr Forke." Dann standen Shenmi und Sarah wieder auf. Ihre Waffen hatten sie nach vorne auf die Brust verlagert und zur Sicherheit überprüften sie den Halt der Kinder noch einmal.

Da meldete sich Mathew über Funk. „Leiter gesichert." sagte er. „Verstanden. Warte oben auf uns und Steven komm am besten auch wieder zurück zur Klippe." entgegnete der Admiral. „Roger." gab Coule zurück und Micheal wandte sich wieder Ulfric und den anderen zu. „Wir wären dann soweit Mr. Wensson. Folgen sie einfach Ms. Yang und Ms. Parker, ich komme sofort nach." „Natürlich." erwiderte der Seemann nickend. Während er zusammen mit seinem älteren Sohn Shenmi und Sarah zur Leiter folgte, ging Micheal hinüber zu seiner Frau und weckte sie sanft.

„Schatz, wir werden jetzt zum Dorf aufbrechen, wenn du mitkommen willst." Verschlafen blinzelte sie mit den Augenlidern und sagte gähnend: „Ja, einen Moment nur." Der Titan schmunzelte hinter seinem Visier, hob sie vorsichtig auf den Arm und ging mit ihr hinüber zu den anderen. Sie warf ihm in warmes Lächeln zu und schlang die Arme um seinen Hals.

Über Funk teilte er mit: „Robert und Julia, ihr beide bleibt am besten an Bord, falls etwas passieren sollte, oder Mark Hilfe benötigt. Der Rest kommt mit mir zum Dorf. Auch du Aidan!" „Wie du meinst Mike, bringt Paps bitte schnell wieder nach Hause, ja?" antwortete Julia. „Das werden wir." meinte Steven bestimmt. „Verlass dich drauf." „In Ordnung, Abmarsch!" befahl Micheal und signalisierte Ulfric und Berthold zuerst die Leiter zu besteigen.

Zum Glück waren die beiden Männer äußerst kräftig, weshalb sie nur knappe fünf Minuten benötigten, um oben an der Klippe anzukommen, wo Steven und Mathew schon warteten. Die Titaneinheit folgte auf dem Fuße, während Aidan neben her schwebte und innerhalb weniger Augenblicke standen alle oben versammelt. Mit ein paar Handgriffen lösten sie Lukas und Sindea aus den Tragevorrichtungen.

Dann fragte Micheal: „Erkennen sie die Umgebung wieder Mr. Wensson?" Ulfric sah sich kurz um und nickte bejahend. „Es ist nicht weit von hier bis nach Lendol." „Ausgezeichnet, zeigen sie uns den Weg." „Natürlich, hier entlang." Die Titanen bildeten eine schützende Formation um Amanda, Ulfric und die Kinder und marschierten vom Tischler angeführt los in Richtung des kleinen Waldes vor ihnen.

Der Weg war tatsächlich nicht sonderlich lang, denn das Wäldchen war nur knapp 60 Meter breit und als sie aus ihm heraustraten, konnten sie in der Ferne schon das kleine Dorf auf einer Anhöhe stehen sehen. Es war wirklich etwas Idyllisches. Vögel flogen über ihre Köpfe hinweg, eine Herde Rotwild sprang flüchtend davon, als sie die Gruppe ankommen sah und sogar Kaninchen flitzten durchs hohe Gras und verschwanden schleunigst in ihren Bauten. Alle Titanen beobachteten diese Natur fasziniert, denn eine solche Artenvielfalt gab es auf der Erde allerhöchstens noch in Zoos, aber niemals in freier Wildbahn. Amanda strahlte überglücklich und wäre vermutlich sofort dazu übergegangen, die Tiere genauer zu studieren, wenn Micheal sie nicht davon abgehalten hätte. Selbst Aidan musste er mit scharfem Tonfall zurückpfeifen, da die KI dazu übergegangen war, jedes einzelne Lebewesen, das sie bemerkte, zu scannen.

„Alleine auf diesem kurzen Stück Weg, konnte ich bereits 132 Arten von Pflanzen und Tieren identifizieren, die auf der Erde seit über 150 Jahren als ausgestorben gelten. Faszinierend." teilte Aidan ihnen erfreut mit, was Mrs. Forke einen leisen Jauchzer entlockte. „Das ist fantastisch! Mike, hast du das gehört?" „Ja, das hab ich und nein, du kannst Aidan noch nicht für deine Zwecke benutzen. Zuerst muss er uns helfen, John wiederzufinden." entgegnete der Admiral streng, doch Amanda ließ nicht locker. „Das bedeutet, sobald John wieder bei uns bist, leihst ihn mir für eine Weile?" Er seufzte und rollte mit den Augen. „Meinetwegen. Aber wirklich erst, wenn wir die Suche abgeschlossen haben." „Ich freue mich schon auf unsere Zusammenarbeit Mrs. Forke." zwitscherte die KI munter. 'Worauf hab ich mich da nur wieder eingelassen.' dachte sich Micheal kopfschüttelnd.

Das alles wurde jedoch nebensächlich, als sie schließlich nach einigen Minuten das Dorf erreichten. Ihre Gruppe wurde von einer kleinen Menschenmenge begrüßt, da sie offenbar schon am Fuß der kleinen Anhöhe entdeckt worden waren. Die Stimmung war fröhlich und ein junges Mädchen trat sogar an Steven heran und überreichte ihm einen kleinen Straus Gänseblümchen, den sie wohl in aller Eile gepflückt hatte. Der Titan nahm ihn verdutzt entgegen. „Paps hat wohl einen bleibenden Eindruck hinterlassen." meinte er glucksend und dankte dem Mädchen freundlich, das ihn breit angrinste und dann zurück zu ihrer Mutter rannte, die dem Soldaten ein warmes Lächeln schenkte. Währenddessen hatten sich auch die Wenssons wieder miteinander vereint und Ulfrics Frau wirkte überglücklich ihn und ihre Kinder heil wiederzusehen.

Ein stämmiger Mann mit rußgeschwärzten Handschuhen und dicker Schmiedeschürze, trat zu dem Tischler hinüber und wechselte einige Worte mit ihm. Unter anderem zeigte Ulfric auch kurz auf die schwebende KI. „Soll ich ihnen sagen, was die beiden sich erzählen Sir?" fragte Aidan, aber Micheal hob abweisend die Hand. „Nein. Ich brauche das Gespräch zwischen einem Schmied und einem Tischler nicht aushorchen zulassen Aidan. Über was werden sie wohl reden? Das ist nicht allzu schwer zu erraten." „Wie sie wünschen Sir." Kurz darauf trat der Schmied an den Titanen heran und verneigte respektvoll das Haupt. Eine Geste, die Mike erwiderte und danach den Helm vom Kopf nahm.

„Seid gegrüßt Herr Forke. Ulfric hat mir schon von euch erzählt. Mein Name ist Ortardt Gleifsson und ich heiße euch und eure Kameraden herzlichst in Lendol willkommen." „Es ist mir eine Freude euch kennenzulernen Mr. Gleifsson. Und habt Dank für diesen herzlichen Empfang, damit haben wir nicht gerechnet." „Ach iwo, das ist doch nur das mindeste an Komfort, was wir Herrn Millers Kameraden bieten können. Ulfric hat euch sicher schon davon berichtet, dass er unser Dorf gerettet hat." „In der Tat. Genau deswegen sind wir hier. Wir wollen John wiederfinden und dabei ward ihr der erste Anhaltspunkt in der Suche." „Ah natürlich, ich verstehe. Sicherlich wollt ihr wissen, wohin er aufgebrochen ist, als er uns verlies." „Exakt, wir würden dafür gerne einmal eure Tochter, Misa, befragen. Natürlich nur, wenn ihr es uns gestattet."

Der Schmied nickte bedächtig.

„Selbstverständlich. Misa! Komm doch bitte einmal her und beantworte dem netten Mann seine Fragen." Ein Mädchen von vielleicht 15 Jahren, kam aus der Menschenmenge herausgetreten, stellte sich neben ihren Vater und lächelte freundlich. „Es ist mir eine Ehre euch kennenzulernen Herr Forke." begrüßte sie Micheal mit zarter Stimme. „Die Ehre ist ganz meinerseits Misa." entgegnete der Titan und erwiderte das Lächeln. „Man sagte mir, dass du vielleicht wüsstest, wohin John unterwegs ist. Es wäre äußerst wichtig für uns, wenn du es mir verraten könntest." „Ich – ich habe es eigentlich Herrn Miller versprochen niemandem von seinem Ziel zu erzählen, aber ihr seid Mitglieder seiner Einheit, ihr alle tragt dieselbe Rüstung, wie er. Ich glaube er würde es auch wollen, dass ich es euch sage. Immerhin ist er auf der Suche nach einer Möglichkeit wieder zurück in seine Heimat zu gelangen, wahrscheinlich um zu euch zurückzukehren."

'Bitte sag mir nicht, dass dieser absurder Gedanke von vorhin richtig war.'

„Er ist auf den Weg zum Drachenberg, um den Drachenreiterorden um Hilfe zu bitten."

Micheal musste sich zurückhalten nicht laut zu stöhnen. Er konnte die leisen Stimmen aus seinem Helm hören, als die anderen Titanen miteinander tuschelten.

„Zum Drachenberg also, ja? Und da bist du dir auch ganz sicher?" versicherte er sich und Misa nickte energisch. „Ja, ohne Zweifel. Ich habe ihm sogar den genauen Weg dorthin auf der Karte gezeigt." „Danke Misa. Du hast uns damit wirklich sehr geholfen. Gibt es auf diesem Weg vielleicht irgendwelche Gefahren, oder Gebiete die extrem gefährlich sind?" wollte er wissen, doch anstatt dem Mädchen antwortete ihm Ortardt. „Es gibt eigentlich nur zwei Gebiete, in denen es äußerst gefährlich werden kann. Das wären zum einen der Große Wald und der Pass über das südliche Beor-Gebirge. Dort gibt es einige wilde Drachen, von denen es heißt, dass sie nicht davor zurückschrecken auch Menschen anzugreifen. Dazu kommen noch etliche andere Monstrositäten aus dem Gebirge, von denen uns der Händler berichtet hat."

Micheal legte die Stirn in Falten und kratzte sich nachdenklich am Bart. „Ich verstehe. Nun, ich will nicht unhöflich wirken Mr. Gleifsson, aber ich werde sofort mit einer kleinen Aufklärungstruppe in Richtung dieses Waldes aufbrechen. Der Rest meiner Einheit, wird jedoch bei euch hier im Dorf bleiben, falls ihr es erlaubt."

„Aber selbstverständlich! Johns Freunde sind auch unsere Freunde."

„Vielen Dank Ortardt. Darf euch dann meine Frau Amanda vorstellen? Sie wird auch hier im Dorf verbleiben." „Sehr erfreut Frau Forke." „Ebenso Mr. Gleifsson." Die beiden schüttelten einander lächelnd die Hand. „Gut, dann werde ich aber auch keine weitere Zeit mehr vergeuden Mr. Gleifsson. Falls sie irgendwelche Fragen haben, wenden sie sich einfach an meine Frau, oder an Jonas, der Mann in der graugefleckten Rüstung." erklärte der Admiral weiterhin und der Schmied nickte erneut. „Das will ich tun Herr Forke. Wann dürfen wir denn wieder mit eurer Rückkehr rechnen?" „Da ich schätzen muss, würde ich sagen am späten Abend, insofern nichts Unvorhergesehenes passiert." „Ausgezeichnet, dann werden wir für heute Abend ein Festmahl vorbereiten, um euch gebührend zu begrüßen." „Zu gütig Mr. Gleifsson, bitte mach euch keine Umstände."

Mit diesen Worten verneigte er seinen Kopf knapp vor Ortardt und überließ das weitere Gespräch seiner Frau. Er trat ein paar Schritte beiseite, bevor er sich wieder den Helm aufsetzte. „Ich denke, ich muss nicht wiederholen, was Ortardt gesagt hat?" fragte Mike in die Runde. „Nicht wirklich, nein." erwiderte Alina, während sie aus den Augenwinkeln heraus die Dorfbewohner beobachtete, welche die Titanen immer noch freudestrahlend ansahen.

„Gut. Alina und Steven, ihr kommt mit mir. Der Rest von euch bleibt hier und hört sich unter den Dorfbewohnern um. Jonas, du hast das Kommando, solange wir fort sind. Achte bitte auf meine Frau und sorge dafür, dass Ulfrics Boot hierher gebracht wird. Shenmi, gib Steven deine Maschinenkanone, er wird sie dringender benötigen, wie du." befahl der Admiral, woraufhin Jonas nickte und Shenmi ihre Waffe an Steven übergab, der sie sich sicher auf den Rücken schnallte. „Aidan, du kommst auch mit uns. Wir können deine Sensoren mit Sicherheit gut gebrauchen, wenn wir nach Spuren suchen." „Zu Befehl Sir."

„Du glaubst doch nicht etwa, dass Vater etwas zugestoßen ist, oder?" warf Amber skeptisch ein, aber Mike zuckte mit den Schultern. „Ich hoffe es nicht, aber ein ausgewachsener Drache dürfte selbst für John ein extrem harter Gegner sein, insbesondere ohne Waffen. Außerdem bleibt uns ohnehin nichts anderes übrig, als nach Spuren zu suchen. Er hat knapp zwei Wochen Vorsprung und könnte mittlerweile sonst wo sein. Vielleicht erfahren wir so wenigstens, wo er lang gegangen ist, oder welchen Weg er nehmen wird, um ihn dann in ein paar Tagen mit den reparierten Albatross einzuholen. Auf jeden Fall müssen wir ihn erreichen, bevor er die Drachenreiter um Hilfe bitten kann, denn falls sie ihn auf irgendeine verrückte Art und Weise tatsächlich zurück auf die Erde schicken können, sitzt er dort für immer fest und wir hier. Dann wäre alles umsonst gewesen." erklärte er ernst.

Die anderen stimmten ihm stillschweigend zu.

„Also Abmarsch! Wir melden uns wieder entweder wenn wir etwas gefunden haben, oder auf dem Rückweg sind." fügte er hinzu und lief zusammen mit Alina, Steven und Aidan los in Richtung Wald. Er hatte es dermaßen eilig, dass er sogar glatt vergaß sich von seiner Frau zu verabschieden, aber sein oberstes Ziel war es jetzt John um jeden Preis zu finden, bevor er die Drachenreiter erreichen konnte.

Die drei liefen im vollen Spurt mitten durch die Botanik, über Stock und Stein immer der KI hinterher, die ihnen den Weg vorwies. Dabei achteten sie dieses Mal auch nicht auf die Umgebung sondern nur auf das, was vor ihnen passierte. Auch sprachen sie kein Wort zueinander. Jeder von ihnen wusste, dass nun die Zeit für Späße und Albereien vorbei war. Jetzt zählte jede Minute, die sie Johns Vorsprung abknüpfen konnten. Trotz ihrer enormen Geschwindigkeit und Ausdauer, die locker mit einem Auto vergleichbar war, benötigten sie fast zwei Stunden, bis sie endlich den Rand des Großen Waldes erreichten und anhielten.

Die Titanen atmeten einige Augenblicke schwer und stemmten sich die Hände kurzzeitig in die Seiten, da selbst für sie ein solch langer Sprint enorm anstrengend war. Aidan hingegen wirkte putzmunter. „Laut der Karte ist dies der Wald, den Colonel Miller durchqueren muss, um zum Gebirgspass zu kommen, der die einzige Verbindung zwischen dem Süden und den Norden Nidhans darstellt. Meine Sensoren verzeichnen eine beachtliche Menge an biologischer Aktivität, aber keine ungewöhnlichen Anomalien." teilte die KI mit und führte sie auf den Weg, der tiefer in den Wald hineinreichte. Der Blick hinein zeigte Micheal, dass der Wald extrem dicht bewachsen war. Trotz hellsten Sonnenscheins, drang nur vereinzelt Licht durch die Baumkronen auf den Boden. Er sah kurz zu Alina und Steven herüber als er fragte: „Kanns weitergehen?" „Logisch." entgegnete Steven und setzte wie seine beiden Kameraden erneut zum Sprint an.

Der Weg durch den Wald war enorm verschlungen, mit vielen Kurven und kleinen Erhebungen. Immer wieder mussten sie vor Haarnadelkurven scharfabbremsen oder langsamer tun, um nicht über die wuchernden Wurzeln eines Baumes zu stolpern. 'Wie hier jemand mit einer einfach Kutsche mitsamt Pferd durchkommen will, ist mir schleierhaft.' dachte Micheal, als sie die bereits sechste Haarnadelkurve passierten. Dann sah er, wie Aidan vor ihnen plötzlich anhielt und eine rötliche Färbung annahm. Mit einem Faustzeichen signalisierte er den anderen ebenfalls anzuhalten.

„Was ist los Aidan?" fragte er angespannt. „Meine Sensoren erfassen einen stärker werdenden Verwesungsgeruch, die Quelle dürfte maximal noch 100 Meter entfernt sein. Ich rate vorsichtig zu sein, Sir." erklärte die KI. „Verstanden, bleib hinter uns." befahl der Admiral, zog seine Pistole und entsicherte sie. Alina tat es ihm gleich, wohingegen Steven die schwere Maschinenkanone vom Rücken nahm. Gemeinsam rückten sie langsam den Weg entlang vor, während Aidan, wie befohlen, hinter ihnen in Deckung ging. Als sie um die nächste Kurve bogen, sahen sie, was die KI gemeint hatte.

Eine aufgebrochene Kutsche und vier schon stark verweste menschliche Leichname. Von diesen Kerlen ging keine Gefahr mehr aus und die Titanen sicherten wieder ihre Waffen. „Irgendetwas sagt mir, dass die hier zu den Banditen gehört haben müssen und Paps ihnen über den Weg gelaufen ist." bemerkte Steven und ging hinüber zur Kutsche, um sie genauer zu untersuchen. „Wahrscheinlich." stimmte Mike zu.

„Wie lange sind die schon tot Alina?" Die Ärztin ging neben einem der Leichname in die Hocke und musterte ihn kurz. „Zwischen einer Woche und zehn Tagen. Lässt sich aber nicht genau feststellen, weil sie Fressspuren aufweisen." „Die Typen haben irgendjemanden in der Kutsche transportiert. Hier sind noch ein paar Essensreste und Stofffetzen von einer Hose oder Hemd drinn. Eine getrocknete Blutlache gibt's auch aufm Holz." meinte der Sergeant. „John muss den oder die Gefangene mitgenommen haben." „Scheinbar hat er ihn auch notdürftig verarztet. Hier liegt noch ein blutverschmiertes Hemd, ein paar schwarze Stofffetzten und ein Flachmann mit Schnaps darin." vermutete Alina. „Aidan, kannst du kurz einen Abgleich zwischen den Blutresten in der Kutsche in denen am Hemd machen?" fragte Micheal die KI. „Sehr wohl Sir, einen Augenblick Geduld bitte."

Der Roboter huschte kurz zu Steven in die Kutsche, der ihm mit dem Messer eine Probe vom Holz kratzte und in die geöffnete Kammer fallen ließ, bevor er zu Alina flog die ein kleines Stück blutgetränkten Stoffs in die zweite Kammer legte. Anschließend schloss Aidan die Probekammern und analysierte das Blut knappe zwei Minuten lang, wobei sich seine Färbung von Rot über Gelb zurück zu Blau änderte. Dann erklärte er: „DNA-Abgleich bestätigt, dass es sich um dieselbe männliche Person handeln muss, Sir."

„Also hat John wirklich die Banditen niedergemetzelt und den Mann aus der Kutsche befreit." murmelte der Admiral nachdenklich und überblickte den ganzen Schauplatz noch einmal. „Sieht so aus." stimmte Coule zu und sprang wieder aus der Kutsche. „Wenn er wirklich eine Person mit sich herumschleppt, dürfte ihn das extrem ausbremsen. Vor allem mit den Verletzungen, die dieser Mann offensichtlich hatte." stellte die Ärztin fest. Micheal nickte langsam. „Das stimmt. Am besten wir laufen weiter, vielleicht finden wir noch mehr Hinweise." „Jup."

So machten sie sich also wieder auf den Weg und ließen den Kampfschauplatz hinter sich, nur um einige Kilometer weiter, wieder von Aidan gestoppt zu werden, der sich abermals rot färbte. Sie befanden sich auf einer kleinen Lichtung mit einem kristallklaren Teich auf der einen und einem umgestürzten Baum auf der anderen Seite. „Was ist es diesmal Aidan?" fragte Mike angespannt, doch die KI antwortete nicht sofort. Stattdessen drehte sie sich vom Pfad weg und starrte mit ihrem rotleuchtenden Auge in den Wald. „Aidan?"

Erst jetzt reagierte er.

„Ich empfange die Signatur der Naniten eines Titanen in zehn Kilometern Entfernung nordwestlich von hier."

„Was?" riefen die drei Titanen überrumpelt.

„Bist du dir sicher? Die Signatur dieser Dinger wird doch normalerweise von unserem Atlas geschluckt. Selbst wenn wir den Helm abnehmen kannst du die Naniten niemals auf zehn Kilometern Entfernung aufspüren. Dafür müssten wir schon unsere komplette Rüstung ablegen." meinte Micheal skeptisch und Steven fügte hinzu: „Und ich glaube kaum, das Paps hier draußen irgendwo eine Maschine dafür gefunden hat, die Versiegelungen seiner Hauptpanzerung zu überwinden. Das funktioniert nur mit dem richtigen Code." „Ich belüge sie nicht Sir. Meine Scanner zeigen mir eindeutig eine Nanitenquelle in zehn Kilometern Entfernung an." beharrte die KI. Aufgebend zuckte Mike mit den Schultern. „Gut, dann führ uns hin." „Zu Befehl." entgegnete Aidan und schwebte auf das Unterholz zu.

Die Titanen folgten ihm auf dem Fuße.

Es war weitaus anstrengender sich durch das dichte Gestrüpp zwischen den Bäumen zu schlagen, als dem Weg zu folgen und so benötigten, sie für die zehn Kilometer annähernd solange, wie sie für die bisherige Strecke auf dem Waldpfad gebraucht hatten. Schließlich traten sie aus dem Dickicht heraus und fanden sich vor einer verklüfteten Felswand wieder. „Und? Wo genau sollen die Naniten sich jetzt befinden?" wollte der Admiral wissen, worauf die KI antwortete: „112 Meter entfernt. Vermutlich in einer Höhle irgendwo in dieser Felswand. Dort! Sehen sie!" Er schickte einen dünnen Laserstrahl nach oben und tatsächlich, dort, etwa 10 Meter über ihnen befand sich wirklich eine große Höhle, mit vorgelagertem Absatz.

Groß genug für einen Drachen.

„Ich hab da ein ganz mieses Gefühl Mike." knurrte Steven, wobei er sicher ging, die externen Lautsprecher deaktiviert zu haben. „Geht mir genauso, aber wir müssen das überprüfen! Also los, so leise wie möglich die Felswand rauf. Aidan, du bleibst dicht bei einem von uns und schaltest alles aus, was eventuell Aufmerksamkeit auf sich ziehen könnte. Sprich deine Lautsprecher und das Licht." erklärte Micheal bestimmt. „Wie sie wünschen Sir." bestätigte die KI, indem sie die Nachricht direkt an die internen Lautsprecher seines Atlas sandte. Auch das rote Licht erlosch auf der Stelle und Aidans grau-weißer Metallkörper wurde deutlich sichtbar.

Vorsichtig begannen die drei mit dem Aufstieg, Alina und Steven auf der rechten und Mike mit Aidan auf der linken Seite. Mehrmals mussten sie ihren Halt am Gestein ändern, um mit dem nächsten Schritt keinen Brocken loszutreten. Als sie endlich oben auf der vorgelagerten Plattform ankamen, war das erste was sie sahen die tiefen Kratzspuren von langen Krallen. Jetzt konnten sie sicher sein, dass die Höhle von einem riesigen Drachen bewohnt war. Erneut zogen der Admiral und die Ärztin ihre Pistolen und der Sergeant die Maschinenkanone.

„Wenn da drinn wirklich ein Drache ist, nicht das Feuer eröffnen! Diese Tiere sind ebenso intelligent wie wir, ich bin mir sicher, dass wir eine friedliche Lösung finden können." befahl er. „Und was wenns schief läuft?" fragte Steven hörbar angespannt. „Dann zielt auf die Beine, ich habe keine Lust den Tod eines Drachens verschuldet zu haben." „Verstanden." Auch Alina schickte ihm ihr grünes Bestätigungslicht.

Gerade als Micheal das Zeichen zum einrücken in die Höhle geben wollte, hörte er ein tapsendes Geräusch aus dem großen Gang kommen. „Bereithalten!" signalisierte er den anderen und starrte verdutzt drein, als knapp zwei Meter von ihm entfernt ein silberner Drache ans Tageslicht gestapft kam, der maximal einen Kopf größer war als er selbst. Das Reptil war vollkommen ahnungslos und schloss genießerisch die Augen, während es im warmen Sonnenlicht badete.

„Fuck! Was jetzt?"

„Auf ihn!"

„Bist du wahnsinnig?"

„Jetzt!"

Gleichzeitig hechteten Micheal und Steven auf das Drachenjunge zu und holten es von den Beinen, ehe es sich überhaupt wehren konnte. „Ich habe den Schwanz!" rief Coule. „Und ich den Kopf." keuchte Micheal und presste den Drachen mit sanfter Gewalt zu Boden. Der stieß einen erstickten Schrei aus, der den beiden Titanen durch Mark und Bein ging. Alina stellte sich daneben und richtete die Pistole in den Höhlengang, als daraus ein zornerfülltes Brüllen hervor donnerte.

„Hier kommt die Big-Mama!" meinte der Sergeant warnend, rappelte sich halb auf, den Fuß immer noch auf den Schwanz gestellt und legte die Maschinenkanone ebenfalls in den Gang an. Ein gigantischer roter Drache kam brüllend und fauchend aus den schwarzen Untiefen hervorgestürzt, bemerkte die drei Titanen, welches das Junge festhielten und stoppte auf der Stelle, das Maul halb geöffnet.

Die schlitzartigen Pupillen in seinen Augen weiteten sich.

Dann grollte eine verblüffte, feminine Stimme durch ihre Köpfe.

*Weitere Titanen?*



[Eragon Fan-Fiction] Der Titan und die DrachenreiterGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt