herumschnüffeln

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Kapitel 20

herumschnüffeln

Abwertend umgangssprachlich: in fremden Sachen oder an einem bestimmten Ort etwas ausspionieren


Es war früh am Morgen als Draco aufwachte. Im ersten Moment war er irritiert, doch dann wurde ihm bewusst, dass er noch immer im Raum der Wüsche war. Es war Samstag. Neben ihm spürte er einen warmen Körper liegen und sein Arm fühlte sich unangenehm taub an. Er schlug die Augen auf und sah ein Meer aus braunen Locken. Dort in seinen Armen lag Hermione Granger und er fragte sich wie das hatte passieren können. Er hatte nicht mit ihr hier übernachten wollen. Aber er hatte ihr auch nicht von seinem Bruder erzählen wollen. Er hatte so vieles nicht gewollt und es geschah trotzdem. Kontrolle war eine Illusion.

Gestern nachdem sie von ihrer Kindheit erzählt hatte, war er erschrocken gewesen. Er hatte sich nie Gedanken darum gemacht, wie die Kindheit einer Hexe aussah, wenn keiner um sie herum von Magie wusste. Aber wenn er ehrlich war, war er zutiefst entsetzt gewesen. Er konnte sich nicht vorstellen wie es war, nicht zu wissen, wo sein Platz im Leben war. Ihm war immer klar gewesen was er zu tun hatte. Auch jetzt. Er wollte Dumbledore nicht töten. Aber er musste es tun. Damit er und seine Familie am Leben blieben. Trotzdem, er wollte sie nichtmehr hassen. Das letzte Jahr hatte viel dazu beigetragen, dass er seine Prioritäten überdacht hatte.

Plötzlich war er froh gewesen, dass seine Mutter seinen Bruder in Sicherheit gebracht hatte. Was wäre wohl mit ihm passiert, als Squib auf dem Manor, wo der Dunkle Lord residierte. Wahrscheinlich hätte Bellatrix ihn ermordet. Wahrscheinlich würden sie ihn jagen, wenn jemand wüsste das er noch lebte. Er hätte es ihr nicht sagen sollen. Aber er glaubte nicht, dass sie es gegen ihn benutzen würde. Er hatte in letzter Zeit oft an seinen Bruder gedacht, was er wohl an seiner statt machen würde. Sie hatte ihm eines ihrer Geheimnisse anvertraut. Eines, dass ihr weh tat und irgendwie hatte er auch eines mit ihr teilen wollen. Ein schmerzhaftes Geheimnis. Es fühlte sich realer an, wenn jemand wusste das er existierte. Dann war er mehr als nur ein Gedanke in seinem Kopf.

Draco wandte sich dem schlafenden Mädchen neben sich zu. Sie sah so sanft aus, wenn sie schlief. Sie hatten sich gestern Abend lange geküsst und waren dann irgendwann eingeschlafen. Es war nichts, was er so jemals vorher getan hatte. Aber sie zu küssen, fühlte sich gut an. Er fühlte sich geborgen, wenn sie bei ihm war. Sie wusste, dass er ein Todesser war und nur Merlin allein wusste, warum sie trotzdem mit ihm im Bett lag. Wie sie trotzdem neben ihm schlafen konnte. Es war reiner Wahnsinn. Er könnte sie einfach hier und jetzt ausliefern. Nichts könnte ihn aufhalten und doch wusste er, dass er es nicht tun würde. Vielleicht wusste sie das auch. Vielleicht hatte sie ihn besser durchschaut als er dachte. Ihm gefiel der Gedanke.

Als Hermione aufwachte war Draco schon wach und beobachtete sie aus unergründlichen Augen. Es war ungewohnt nicht allein in ihrem Bett aufzuwachen. Am liebsten hätte sie sich einfach wieder an ihn gekuschelte. Hätte noch einen Moment das Gefühl genossen, dass seine Anwesenheit ihr gab. Sie war sich nicht sicher, was es genau war. Aber sie fühlte sich seit gestern irgendwie wohl bei ihm. Er hatte sie getröstet. Er hatte sich nicht entschuldigt für das, was er gesagt hatte. Er hatte sich noch nie für irgendetwas entschuldigt. Aber irgendwie war ihr klar, dass es ihm leid tat. Ein bisschen ärgerte sie sich über sich selbst. Sie hatte nicht so die Fassung verlieren wollen. Aber irgendwas an ihm brachte sie dazu einfach alles an sich zu entblößen. So als wolle sie das er über sie urteile. Sie verdammte.

Sie dachte einen Moment darüber nach und der Gedanke war gar nicht so abwegig. Früher war das nicht so gewesen, da hatte sie gedacht, endlich ihren Platz in der Welt gefunden zu haben. Damals als sie endlich erfahren hatte, dass sie eine Hexe war, sah es einen Moment so aus, als hätten sich alle Probleme in Wohlgefallen aufgelöst. Aber jetzt wurden all ihre Gewissheiten mit Füßen getreten. Vielleicht hatte sie sich irgendwie beweisen wollen das sie doch kaputt war. Das sie krank und nicht normal war. Irgendwo ganz tief in ihr drinnen würde sie das wahrscheinlich immer fühlen.

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