Liebes Tagebuch,
ich mache mir Sorgen um Mama.
In letzter Zeit ist sie fast immer müde und bleibt immer öfter im Bett. Heute habe ich sogar die Schule geschwänzt, weil ich bei ihr bleiben wollte. Ihr Weinen wird immer leiser, es verwandelt sich langsam in Stille. Und das macht mir noch mehr Angst.
Als es Zeit fürs Mittagessen war, lag sie immer noch im Bett. Also habe ich versucht, etwas zu kochen.
Zum ersten Mal habe ich ganz alleine Nudeln gemacht.
Als sie fertig waren, habe ich Mama überredet, mit mir zu essen und wenigstens aufzustehen. Sie hat sich an den Tisch gesetzt, aber auch wenn sie so viel schläft, sieht sie jeden Tag müder aus.
Ich verstehe nicht, was mit ihr los ist. Irgendetwas stimmt nicht.
Jedes Mal, wenn ich sie frage, sagt sie nur, dass sie müde ist.
Aber so müde kann man doch gar nicht sein.
Schon gar nicht Mama!
Früher war sie immer zwei Stunden vor mir wach und voller Energie. Jetzt schläft sie fast den halben Tag und ist trotzdem noch erschöpft.
Ich verstehe das einfach nicht...
Auch in der Schule bin ich in den letzten Tagen ruhiger geworden. Ich denke die ganze Zeit nur an Mama. Ich will ihr helfen. Aber sie lässt es nicht zu. Sie schiebt mich weg , ganz sanft, aber doch spürbar.
Nach dem Essen bin ich in mein Zimmer gegangen und habe angefangen, ein Bild für sie zu malen.
Sie freut sich immer über meine Bilder.
Vielleicht muss ich ihr einfach öfter eins malen, vielleicht hilft das ja. Vielleicht lacht sie dann wieder.
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Ich hob den Blick vom Tagebuch. Mein siebenjähriges Ich begann zu spüren, dass etwas nicht stimmte. Noch wusste ich nicht, was es war. Noch gab es keinen Namen dafür. Ich hatte nur diesen einen Wunsch: Mama sollte wieder lachen. Und ich glaubte oder hoffte zumindest,dass meine Bilder ihr dabei helfen könnten.
Ich wusste damals schon, dass das vielleicht nicht reicht. Aber ich hielt trotzdem daran fest. Weil ich spürte, dass ich sonst nichts tun konnte.
Als ich später mit dem Bild in die Küche kam, telefonierte Mama gerade. Sie weinte wieder, ihre Stimme klang verzweifelt. Ich wusste nicht, mit wem sie sprach, aber ich hörte sie sagen, dass sie es allein nicht schaffen würde. Und dass sie ein Kind habe, um das sie sich kümmern müsse.
Als ich sie später fragte, mit wem sie telefoniert hatte, sagte sie nur:
„Ich hole mir Hilfe. Hilfe, damit ich nicht mehr so traurig bin."
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Mama hat ihren Regenschirm verloren - Wie Depressionen eine Familie verändern
General FictionDepressionen betreffen nicht nur den Menschen, der sie trägt. Sie sickern in alles, was ihn umgibt. In Beziehungen. In Kinder. In Liebe. Marlene ist sieben Jahre alt, als ihre Welt zu kippen beginnt. Mama verändert sich. Mal ist sie wie früher, mal...
